COVID-19, Scharlach, Gürtelrose, Hämorrhoiden

Was die Deutschen „Doktor Google“ fragen

Stuttgart - 04.09.2023, 09:15 Uhr

Der beste Ansprechpartner in Gesundheitsfragen ist eine Suchmaschine nicht – aber ein viel genutzter. (Foto: Meeko Media / Adobe Stock)

Der beste Ansprechpartner in Gesundheitsfragen ist eine Suchmaschine nicht – aber ein viel genutzter. (Foto: Meeko Media / Adobe Stock)


Wenn der Hals kratzt oder sich ein Ausschlag am Bein bemerkbar macht, nutzen viele Menschen zunächst Suchmaschinen, um mehr über ihre Symptome herauszufinden. Welche Krankheiten im vergangenen Jahr am häufigsten gegoogelt wurden, hat eine aktuelle Analyse ausgewertet.

Apothekenteams bieten niedrigschwellige Gesundheitsinformationen und Beratung an. Dennoch suchen immer mehr Menschen zunächst im Internet Rat, wenn sie Krankheitsanzeichen bei sich entdecken. In einer Analyse hat das Helios Klinikum Berlin-Buch ausgewertet, welche Krankheiten und Symptome in Deutschland besonders oft im Internet gesucht worden sind. Hierfür nutzten die Wissenschaftler Google-Analytics-Daten aus dem Zeitraum Mai 2022 bis Mai 2023. Sie verglichen das Suchvolumen von insgesamt 141 Krankheiten und Symptomen. 

Wenig überraschend wurde im untersuchten Zeitraum am häufigsten die Krankheit Corona auf Google gesucht. Mehr als eine Million Mal starteten Menschen in Deutschland eine Suche mit dem Schlagwort Corona, COVID-19 oder COVID. Darauf folgt mit großem Abstand (450.000 Suchanfragen) die Erkrankung Scharlach.  

Am dritthäufigsten googelten Interessierte gleich zwei Krankheiten: Gürtelrose und Hämorrhoiden. Beide Begriffe haben ein Suchvolumen von jeweils 368.000, was fast fünfmal so hoch ist wie das Suchvolumen von Migräne (74.000).  

Mögliche Erklärung für das hohe Suchvolumen bei Gürtelrose

„Der Zusammenhang von Herpes Zoster, auch bekannt als Gürtelrose, und einer Corona-Erkrankung bzw. -Impfung wurde bereits von mehreren medizinischen Studien diskutiert“, sagt Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor des Helios Klinikums Berlin-Buch und Chefarzt der Kardiologie und Nephrologie. 

Er sieht darin eine mögliche Erklärung, weshalb Gürtelrose nun auf Platz drei der am häufigsten gegoogelten Krankheiten liegt. „Eine Google-Recherche kann natürlich maximal nur Korrelationen aufweisen, aber das Ergebnis erscheint mir trotzdem interessant.“

Hautkrebs ist kein Fall für Suchmaschinen

Für Klinikgeschäftsführer Tim Steckel ist ein anderes Ergebnis der Analyse besonders bemerkenswert: „Überaus spannend, aber auch bedenklich finde ich (…) das Ergebnis, dass sich Hautkrebs und insbesondere der weiße Hautkrebs mit unter den Top Ten der am häufigsten gegoogelten Krankheiten befinden. Gerade in einem solchen Verdachtsfall ist es aber wichtig, dass sich die potenziellen Patient:innen an eine Dermatologin bzw. einen Dermatologen wenden.“

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Auch Baberg betont, wie wichtig es ist, zum Arzt zu gehen: „Die Symptome für Herzinfarkte beispielsweise können sehr diffus sein und unterscheiden sich auch zwischen den Geschlechtern.“ Ein Arzt könne eine gesicherte Diagnose stellen. Deshalb rate er insgesamt von Selbstdiagnostika ab, so Baberg. 


Melissa Iakovidou, Online-Producerin PTAheute.de und DAZ.online
onlineredaktion@ptaheute.de


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