Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

22.01.2023, 06:27 Uhr

Der Goethe für diese Woche: Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehen! (Foto: Alex Schelbert)

Der Goethe für diese Woche: Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehen! (Foto: Alex Schelbert)


Jetzt wird’s ernst: Die Bürokratiemonster sind für den Abschuss freigegeben. Die ABDA jagt sie, sogar mit einer eigenen Arbeitsgruppe, und die Politik will ihnen den Garaus machen, sie packt den Bürokratie-Besen aus. Ob das alles reichen wird? Sicher nicht, unser ABDA-CEO Schmitz will daher die Monster zusammen mit einer Rechnung über mehr Honorar und ein Entgelt fürs Lieferengpasssmanagement in ein Paket packen, es gut verschnüren und an die Politik schicken. Ob das ankommt? Da feiern wir doch erstmal das einmillionste E-Rezept – gut Ding braucht eben Weile. Nur eins geht schneller in Deutschland: das Apothekensterben. Aber unsere Präsidentin ist überzeugt: Die Politik will die Apotheken nicht dezimieren. Und die ABDA schon gar nicht. Wir sollten einfach selbstbewusster sein! Meint die ABDA. 

16. Januar 2023

E-Rezepte werden noch lange nicht bundesweit und flächendeckend ausgestellt – aber immer wieder gibt es neue Ärgernisse zur Frage, wie denn nun eigentlich E-Rezepte ausgestellt und in der Apotheke eingelöst werden können und sollen. Papierausdrucke wollen die Ärzte nicht (zu hohe Druckerkosten), die Smartphone-Methode mit der Gematik-App läuft noch kaum, da viele Menschen noch kein NFC-fähiges Smartphone haben und die Krankenkassen mit der PIN nicht überkommen. Und am Königsweg, dem Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte mit PIN, wird noch gebastelt. Doch jetzt meldet sich die Compugroup Medical (CGM) und bietet eine Lösung an: Mit „Clickdoc E-Rezept“ können Ärzte ihren Patienten doch die Zugangsdaten für ihre Verordnungen schicken. Moment mal, mein liebes Tagebuch, wie soll denn das gehen? Eigentlich ist doch vorgesehen, dass alle E-Rezepte über die offizielle Gematik-App laufen sollen. Eigentlich, aber es gibt doch auch „Clickdoc E-Rezept“, das Zauberwort der Compugroup, das diesen etwas anderen Weg ermöglichen soll. Und das geht so: Der Arzt stellt das E-Rezept wie gewohnt aus, die Verordnung wird auf dem Server der Gematik hinterlegt. Und dann übermittelt der Arzt, die Ärztin mit nur einem Klick einen Code für das E-Rezept als SMS oder E-Mail an den Patienten, an die Patientin, die dann über diesen Code mit dem Smartphone oder per Computer das E-Rezept an die Apotheke weiterreichen können. Und klar, die Patienten können diesen Code natürlich auch einer Versandapo übermitteln. Mein liebes Tagebuch, irgendwie fühlt sich das so an, als ob hier durch die Hintertür doch wieder ein anderer Übertragungsweg aufgemacht wird. Angeblich sei diese Vorgehensweise mit der Gematik und den Datenschützern abgestimmt, lässt Compugroup wissen. Die Ärzte übermitteln ja nur die Zugangsinformationen eines E-Rezepts an die Clickdoc-App der CGM. Aber, mein liebes Tagebuch, genau dies sollte doch eigentlich nicht so laufen. Auch die ABDA zeigt sich skeptisch:  Bei der Ausstellung von E-Rezepten sollen die Zugangsdaten nur direkt an den Patienten übermittelt werden dürfen und zwar über die Dienste der Telematik-Infrastruktur. Beim Clickdoc-Weg wird dagegen ein zusätzlicher Übertragungsweg für den Token angeboten. Mein liebes Tagebuch, ob dieser Clickdoc-Weg Bestand haben wird, wird noch zu prüfen sein.

 

17. Januar 2023

Das Apotheken-Software- und IT-Haus Noventi steht, nun ja, nicht direkt vor einem „Reset“, um in der IT-Sprache zu bleiben, aber vor einer radikalen Strategiewende: Die Spitze wurde bereits ausgetauscht, es folgt ein Personalabbau und eine Straffung des Sortiments – nicht alle Warenwirtschaftssysteme, die die Noventi im Angebot hat, werden wohl weitergeführt werden. Und es wird für die Noventi-Kunden zu Kostenerhöhungen kommen. Das Unternehmen, zu dem mit der VSA einer der größten Rezeptabrechner gehört, korrigiert frühere Fehlentscheidungen und will zusätzlich mit frischem Geld seine Zukunft sichern. Um möglichen Unruhen, die solche Umbaumaßnahmen bei den Kunden auslösen könnten, zu begegnen, wird gerne der Hinweis gestreut, dass die Noventi und ihre Rezeptabrechner ja doch „standeseigen“ seien, was  beruhigend sein soll. Ein Beitrag auf DAZ.online beschäftigt sich mit der Frage: Was heißt eigentlich „standeseigen“? Das bedeutet, dass die verfasste Apothekerschaft in Form von Verbänden und Kammer ganz oder teilweise der Eigentümer solcher Unternehmen ist. Ein Beispiel  dafür ist Avoxa, eine wirtschaftende Tochter der ABDA. Außer den standeseigenen Unternehmen gibt es auch die apothekereigenen Unternehmen, zum Beispiel der  genossenschaftlich organisierte Pharmagroßhändler Noweda. Oder eben die Noventi. Alleinaktionär der Noventi ist der Förderverein Süddeutscher Apotheken (FSA), beim dem nur Apothekeninhaberinnen und -inhaber Mitglied werden können, die eine Geschäftsbeziehung zur Noventi haben. Klar, das nennt man apothekereigen. Damit aber nicht genug, und jetzt wird’s spannend: Es gibt da nämlich noch wirtschaftliche Verflechtungen zwischen dem Noventi-Eigentümer FSA und den Apothekerverbänden. So eine Verflechtung ist die Pharmafakt, eine Consulting-Firma, die mit Daten arbeitet, die bei der Rezeptabrechnung in den Apothekenrechenzentren gewonnen werden – in anonymisierter Form. Gesellschafter von Pharmafakt sind die Apothekerverbände der Länder Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen sowie die beiden Apotheken-Abrechnungszentren ARZ Haan und die VSA. Und schwups hängt alles mit allem zusammen. Und geht man den Verflechtungsfäden weiter nach, dann stößt man auch auf Verbindungen nach Nordrhein, denn das standeseigene Unternehmen ARZ Haan hat als Stammaktionäre die Norwima (eine100%ige Tochtergesellschaft des Apothekerverbandes Nordrhein), außerdem die Deutsche Apotheker- und Ärztebank e.G. und die RZV Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH. Aber es geht noch weiter: Da gibt es noch die B.A.G. Grundstücksverwaltungsgesellschaft, deren Gesellschafter neben dem FSA auch der Bayerische Apothekerverband und der Landesapothekerverband Baden-Württemberg sind. Wir erinnern uns: Die B.A.G. ermöglichte die Finanzspritze des FSA an die Noventi in Höhe von 20 Mio. Euro. Verfolgen wir die Verflechtungsstränge weiter, so stößt man auf  die Gesellschaft für zentrales Datenmanagement und Statistik im Gesundheitswesen, an der die Noventi laut Geschäftsbericht 40,1 Prozent hält; es ist ein Unternehmen mehrerer Rechenzentren, darunter auch standeseigene. Wenn Verbände und Wirtschaftsunternehmen verbandelt sind, finden sich, ganz klar, auch immer wieder dieselben Namen, die gewisse Funktionen in den standes- und apothekereigenen Unternehmen ausüben. So sitzen im Aufsichtsrat der Noventi und im Vorstand und in der Vertreterversammlung der FSA zahlreiche Apothekerinnen und Apotheker, die auch Mandatsträger bei Kammern und Verbänden sind. Beispiele gefällig? Gerne: Mathias Arnold, der ABDA-Vizepräsident und Vorsitzende des LAV Sachsen-Anhalt, ist auch FSA-Vorstand; Dr. Hans-Peter Hubmann, der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbandes, ist Mitglied der Vertreterversammlung der Noventi, sein Stellvertreter ist Josef Kammermeier, der im Noventi Aufsichtsrat sitzt. Also, mein liebes Tagebuch, alles hübsch apothekereigen und fein mit der Standespolitik verwoben. Und so ergibt es sich nun mal, dass die Eigentümer in allen Fällen ein großes, ja sogar ein existenzielles Interesse daran haben, dass der Laden weiterläuft – und man bereit ist, zusätzliches Geld zu investieren (z. B. die Finanzspritze für die Noventi von FSA/B.A.G.). Denn als Mitglied von apotheker- oder standeseigenen Unternehmen arbeitet man doch auch mit dem einen oder anderen Produkt dieser Unternehmen – und das soll doch bitte auch weiterhin gut funktionieren. So läuft’s in der Welt.

 

18. Januar 2023

Bürokratieabbau – dieser Wunsch steht bei uns Apothekers seit langem auf der Prioritätenliste ganz weit vorne! Wie oft wurde darüber schon in der Berufs- und Gesundheitspolitik gesprochen – außer der Bewegung von viel heißer Luft ist bisher nichts passiert. Vielleicht ändert sich in dieser Legislaturperiode doch noch was. Immerhin ist das Bundesgesundheitsministerium per Gesetz aufgefordert, bis Ende September 2023 Empfehlungen zum Bürokratieabbau im Gesundheitswesen vorzulegen. Selbst die Opposition hat sich den Bürokratieabbau auf die Fahnen geschrieben. In ihrer aktuell verabschiedeten Weimarer Erklärung der CDU heißt es: „Wir packen den Bürokratie-Besen aus“, und weiter: „Wir brauchen einen anderen Geist: Nicht Regeln verändern die Wirklichkeit, sondern Problemlösungen.“ Klingt gut. Also, diesen Schub von allen Seiten müssen wir nutzen. Die ABDA hat bereits angekündigt, hier tätig zu werden: Es soll eine Arbeitsgruppe gebildet werden, die Vorschläge für einen Maßnahmenkatalog macht. Ja, mein liebes Tagebuch, ist ja richtig: Wenn wir die Wörter Arbeitsgruppe und ABDA hören, dann schwant uns meist nichts Gutes, es kommen Erinnerungen an die Arbeitsgruppe Apothekenhonorar hoch, die viele Jahre ohne Ergebnis tagte. Aber es muss ja nicht immer so sein. In den vergangenen Jahren hat sich die ABDA bereits immer wieder mal mit diesem Thema befasst. Eine Erkenntnis war: Im Apotheken- und Arzneimittelrecht gibt es nun mal einige Aufwände, die nur mit Bürokratie zu handhaben sind und an denen man nicht vorbeikommt. Aber im Sozialrecht, da blitzt geradezu an jeder Ecke Entlastungspotenzial auf. Stichworte sind hier Importquote, Regelungen rund um die wirtschaftliche Arzneimittelabgabe, in der Hilfsmittelversorgung, bei der Präqualifizierung, bei den Abrechnungsverfahren und Retaxierung, um nur einige zu nennen – das muss alles auf die Liste. Die ABDA wurde übrigens auch vom Deutschen Apothekertag aufgefordert, für Entbürokratisierung zu sorgen. Also, mein liebes Tagebuch, hoffen wir, dass die ABDA-Arbeitsgruppe Bürokratieabbau, die voraussichtlich im Frühjahr an den Start geht, hochmotiviert und mit großem Elan an die Arbeit geht. Input soll auch von den ABDA-Mitgliedsorganisationen kommen, die LAK Baden-Württemberg hat bereits nach Bürokratie-Monstern gesucht. Und natürlich erwarten wir an der Basis, dass Zwischenergebnisse der Beratungen kommuniziert werden und wir über die Tätigkeit der Arbeitsgruppe transparent informiert werden.

 

19. Januar 2023

„Unser Gesundheitswesen ist für Krisen nicht gut gewappnet“ – das ist das Fazit des Gutachten des Sachverständigenrats für Gesundheit und Pflege. Klingt ehrlich gesagt nicht gut und ist es auch nicht. Die derzeitigen Krisen wie Corona, Krieg in Europa, Hitzewellen, Hochwasser, Energiekrise und unterbrochene Lieferketten machen auch unserem Gesundheitswesen zu schaffen, es fehlt an Resilienz. Ein resilientes Gesundheitssystem sollte nämlich in der Lage sein, vorübergehende Lieferengpässe auszugleichen und einen erhöhten oder speziellen Bedarf im Krisenfall kurzfristig zu decken. Fehlanzeige. Und aus den aktuellen Krisen wurden nicht die notwendigen Schlüsse gezogen, so die Analyse des Gutachtens. Unser Gesundheitswesen ist ein „behäbiges Schönwettersystem“, heißt es an anderer Stelle, das zum Beispiel „unter unzulänglicher Digitalisierung und einem formaljuristisch leerlaufenden Datenschutzverständnis leidet“. Auch die Koordination zwischen Bund und Ländern sei unzureichend. Mein liebes Tagebuch, das Gutachten muss der Bundesgesundheitsminister als Aufgabenkatalog verstehen. Hoffentlich zieht er die richtigen Schlüsse.

 

E-Rezept? Gibt’s das noch? Ja, gibt es. Und das bereits rund eine Million mal. Der Wasserstandsanzeiger der Gematik zeigte in dieser Woche an, dass 1 Million E-Rezepte eingelöst wurden. Ist das nun ein Erfolg oder eher nicht? Nun ja, wie man’s nimmt. Vor dem Hintergrund, dass die Einführung des E-Rezepts mehrmals verschoben wurde und nach wie vor holpert, dass es noch lange nicht flächendeckend in Deutschland läuft, dass es ständig Querelen um die Art der Einlösung und des Datenschutzes geht und dass viele Ärzte nach wie vor wenig Lust haben, E-Rezepte auszustellen, dann ist es wohl ein kleiner Erfolg. Aber angesichts der Tatsache, dass jährlich rund 500 Millionen ärztliche Verordnungen ausgestellt werden, ist die Anzahl der E-Rezepte noch recht bescheiden. Man hat den Eindruck: So richtig viel Zugkraft und Enthusiasmus ist mit dem E-Rezept-Projekt nicht verbunden. Außer bei der Gruppe der E-Rezept-Enthusiasten, einer Initiative digital-affiner und überzeugter Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker  sowie von Digital-, IT- und Medienunternehmen – sie feiern den Tag, an dem die 1 Million-Marke erreicht wurde. Aber wie geht’s weiter? Die Enthusiasten sprechen sich dafür aus, einen zeitnahen Termin festzulegen für die verpflichtende Einführung des E-Rezepts, außerdem für niedrigschwellige Einlösewege. Ja, mein liebes Tagebuch, das gibt es alles immer noch nicht. Lauterbach ist bekanntlich nicht der digitale Nerd, das E-Rezept gehört nicht wirklich zu seinen Prioritäten. Und so wird das E-Rezept auch weiterhin vor sich hindümpeln. Mit einem Durchbruch wird erst zu rechnen sein, wenn das E-Rezept mit elektronischer Gesundheitskarte und PIN eingelöst werden kann.

 

20. Januar 2023

Ja, ja, die Bürokratiemonster machen in Apotheken die Runde. Auch ABDA-Hauptgeschäftsführer Sebastian Schmitz hat sie bereits gesehen, wie er im Wintersportort Schladming auf dem Pharmacon berichtete. Eines dieser Monster heißt Präqualifizierung. Und das gehört abgeschafft. Richtig, aber wie das gehen soll, was man konkret dagegen unternimmt, darüber erfuhr man nichts. Nur die Abschaffung zu fordern, ist halt zu wenig. Ähnlich ist es mit der Abwehr weiterer Sparmaßnahmen und einer Honorarverbesserung, was ebenfalls berufspolitische Ziele für dieses Jahr sind, genauso wie die Vergütung des Lieferengpassmanagements, die Vermeidung von Nullretaxationen, eine Entlastung vom Inkasso des Herstellerabschlags und die Verstetigung der SARS-CoV-2-Ausnahmeregelungen. Und wie will man das schaffen? Ganz einfach: Schmitz will aus diesen Zielen ein Paket schnüren und es der Politik vorlegen und dabei das Thema zur wirtschaftlichen Situation ganz nach vorne stellen. Mein liebes Tagebuch, ob solche Pakete in der Politik angenommen werden? Wie viele Pakete haben wir schon geschnürt und ans BMG adressiert, wie viele kamen zurück mit dem Vermerk „Annahme verweigert! Auch hier wird es sich zeigen: Pakete schnüren und vorlegen wird nicht reichen, es braucht auch ein kommunikatives Begleitfeuer in den Medien. 

  

Seit mehr als zehn Jahren oder auch länger hält sich in Apothekerskreisen die Vermutung, die Politik arbeite daran, die Zahl der Apotheken reduzieren zu wollen. Schon Gerd Glaeske, Apotheker und Gesundheitswissenschaftler, erregte vor über zehn Jahren den Zorn aller Apothekers, als er sagte, es gebe zu viele Apotheken und eine Reduktion der Apotheken auf etwa 15.000 oder sogar noch weniger reiche für eine flächendeckende Versorgung in Deutschland aus. Denn weniger Apotheken bedeuteten weniger Kosten für die GKV. Aber wie steht eigentlich die ABDA zu solche Vermutungen, die Politik wolle weniger Apotheken und welche Zahl an Apotheken hält die ABDA für richtig? ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening stellte sich in einem DAZ-Gespräch diesen Fragen. Klare Ansage von ihr: Von solchen Gedankenspielen, dass die ABDA die Apothekenzahl reduzieren will, hält sie nichts: „Jede einzelne Apotheke ist wichtig und ist uns wichtig“. Und sie sei überzeugt, dass die Politik dies nicht anders sehe. Es gebe zwar Politikerinnen und Politiker, die möglicherweise keinen Bezug zur Apotheke hätten, da sie jung und gesund seien, aber da habe sie, Overwiening, hat keine Zweifel: „Politik verfolgt keinen konkreten Plan, Apotheken zu dezimieren.“ Mein liebes Tagebuch, dass die ABDA die Apothekenzahl nicht  reduzieren will, kann man ihr abnehmen. Aber die Politik? Mag sein, dass es keinen konkreten Plan gibt, aber vielleicht eine diskreten? Vielleicht gibt es in der Politik so einen unterschwelligen Meinungstrend, dass man durchaus mit weniger Apotheken als heute auskommen kann? Overwiening ist eher davon überzeugt, dass solche Unterstellungen an die Politik von einer aus zu wenig Selbstbewusstsein erwachsenden Angst geprägt sind. Mein liebes Tagebuch, haben wir Apothekers zu wenig Selbstbewusstsein? Aber vielleicht sollte man besser fragen: Wo soll denn das Selbstbewusstsein herkommen, wenn schon unsere Standesvertretung nicht selbstbewusst auf der politischen Bühne auftritt und unsere Leistungen und alles, was wir in unserem Beruf tun, überzeugend kommuniziert? Ehrlich gesagt, diese Kommunikationsdefizite stelle ich nicht erst in den letzten fünf Jahren fest. Dieses Defizit reicht weit in die 90er Jahre zurück. Ein paar Pressemitteilungen, ein paar Posters und Flyers –  das war’s in der Regel. Aber Kommunikation ist doch weit mehr, vor allem: Wir hatten nie ein Gesicht in der Öffentlichkeit im Gegensatz zu den Ärzten. Und so erleben wir es auch heute immer wieder: Unsere Forderungen, sei es eine Honoraranpassung oder mehr Extra-Honorare für die vielen Sonderaufgaben, trägt die ABDA doch viel zu ruhig, viel zu lieb und verständnisvoll vor. Da erscheinen zwar ab und an sogar Resolutionen, fein formulierte Pressemitteilungen. Aber die hört und liest draußen keiner, weder die Politik noch die Öffentlichkeit. Und es folgen keine Taten, außer vielleicht ein Mini-Streik am Mittwochnachmittag zwischen 13 und 14 Uhr. Dadurch wird der Politik suggeriert: Mit den Apothekers kann man’s machen. Die knirschen zwar schon mal mit den Zähnen, aber ernsthaft böse werden die Pharmazeuten nicht. Und, mein liebes Tagebuch, angesichts der Gleichgültigkeit, mit der die Politik seit einigen Jahren den rapiden Sinkflug der Apothekenzahlen hinnimmt, da bin ich mir nicht mehr sicher, ob man sich nicht doch klammheimlich eine Marke gesetzt hat: Ok, lassen wir’s laufen. Wenn die 15.000-Marke erreicht ist, können wir vielleicht ein bisserl gegensteuern.


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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20 Kommentare

Abda

von Holger Rummel am 23.01.2023 um 13:20 Uhr

An Frau Overwienings Stelle würde ich mal zu den 95 Prozent negativen Kommentare Stellung beziehen. Bei Apotheken Adoc sind es noch viel viel mehr und auch wesentlich aggressivere.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Abda

von Holger Rummel am 23.01.2023 um 13:22 Uhr

Kommentaren

AW: Abda

von Dr.Diefenbach am 23.01.2023 um 16:48 Uhr

...aus dem Haus wird NIE geantwortet,das ist unterhalb der Würde der Gewählten!! Das hat doch auch Kollege Ströh schon treffend
formuliert-.Auch aus DEM Grund ist es höchste Zeit für massive VERÄNDERUNGEN ganz oben!!!!

Früchte

von Dr. House am 23.01.2023 um 10:06 Uhr

Ist ja schön und gut was man will/nicht will und was man glaubt, dass andere wollen/nicht wollen. Nur bringt es eben manchmal mehr auf die Früchte (jahrelanges Apothekensterben) zu schauen, als so zu reden als gäbe es diese Zahlen nicht. Und wenn die Politiker das wirklich nicht wollen, dann ist die Lage ja noch viel dramatischer, denn für diesen Fall bleiben genau zwei Übel zur Auswahl: Die Politiker wollen handeln, aber können nicht, weil sie zu unfähig sind, oder aber keine Macht haben, was die ganze Souveränitäts- und Demokratiefrage auf den Kopf stellt

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Untiefenpsychologie

von Reinhard Rodiger am 22.01.2023 um 18:40 Uhr

Also Her Ditzel ist der Meinung, dass die ABDA die Apothekenzahl nicht reduzieren will.Das ist sind gutes Recht.Nur, es stimmt eben nicht.Alle Handlungen der ABDA
führen seit mind.15 Jahren zu stetem Rückgang.Verlautete doch zu dieser Zeit schon von der ABDA unwidersprochen,
es sind 50% zuviel. Es gibt keine Zahl,an die sich die Politik leichter erinnert.
Es macht mich traurig, dass dies DAZ-seitig so ausgeblendet wird, dass Herr Ditzel das so korrigiert, dass man annehmen könnte,er stünde in deren Sold.

Schade!

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Tiefenpsychologie in "Mein liebes Tagebuch"

von Thomas Beck am 22.01.2023 um 16:13 Uhr

Zitat: "Mein liebes Tagebuch, dass die ABDA die Apothekenzahl reduzieren will, kann man ihr abnehmen. Aber die Politik? Mag sein, dass es keinen konkreten Plan gibt, aber vielleicht eine diskreten?"

Kann es sein, daß das "liebe Tagebuch" hier das Wort "nicht" hinter "Apothekenzahl" vergessen hat oder müssen wir exklusive ABDA-Internakenntnisse des Tagebuchs vermuten?

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Tiefenpsychologie in "Mein liebes

von Apotheker von der Basis am 22.01.2023 um 16:32 Uhr

Dass die ABDA die Apothekenzahl reduziert haben möchte dürfte kein Geheimnis sein. Dazu muss man nur deren Standespolitik der letzten Jahre betrachten. Apothekenfeindlicher geht es kaum!

AW: Tiefenpsychologie in "Mein liebes

von Peter Ditzel am 22.01.2023 um 17:55 Uhr

Stimmt, Lieber Herr Beck, da gehört natürlich das Wörtchen "nicht" dazu. Hab's korrigiert.

NOVENTI u.a.

von Uwe Hüsgen am 22.01.2023 um 13:18 Uhr

Jetzt könnte man fragen, wie die aufsichtführenden Gremien besetzt werden (sind).

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Die ABDA ist unser Gegner

von Apotheker von der Basis am 22.01.2023 um 11:47 Uhr

Die Revolution MUSS in der Tat von der Basis ausgehen, denn die ABDA handelt keineswegs in unserem Interesse. Sie steht uns sogar im Weg und verhindert die inzwischen notwendig gewordenen Streikmaßnahmen. Mit jeder Apotheke, die schließt, verlieren wir an politischem Gewicht. Wir müssen den Streik selbst organisieren, jetzt! Es ist unsere letzte Chance.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Die ABDA ist unser Gegner

von Dr. Radman am 22.01.2023 um 14:11 Uhr

Vorschlag: Verbandsbeiträge bis auf Weiteres einfrieren.
Beim ersten Erfolg des Arbeitskreises werden die Beiträge rückwirkend beglichen.

AW: Die ABDA ist unser Gegner

von Apotheker von der Basis am 22.01.2023 um 16:35 Uhr

Herrn Dr. Radmann: Ein guter Vorschlag! Der Erfolg sollte jedoch ausschließlich daran gemessen werden, was gegenüber der Politik durchgesetzt werden kann. Alles andere hat im Ergebnis keine Bedeutung.

Ak bilden um zu beruhigen

von Dr. Radman am 22.01.2023 um 11:03 Uhr

Die Abda kann so viele Kreise bilden, wie sie will, es beeindruckt niemanden mehr. Es bedarf Mut und Risikobereitschaft um etwas zu verändern. Kündigung der Rahmenverträge und alles neu verhandeln ist das Gebot der Stunde. Ich kann nicht sagen, was dabei rauskommt, aber ich bin mir sicher, dass wir so besser gehört und wertgeschätzt werden. Es kann NUR besser werden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Ak bilden um zu beruhigen

von Beldowitz am 22.01.2023 um 11:17 Uhr

Warum sollten die Personen in der ABDA und deren Dunstkreis derartiges anstreben, wenn sie vom Apothekensterben mehr profitieren als von einem angemessenen Honorar? Die Revolution muss von unten kommen.

Arbeitskreise

von Dr.Diefenbach am 22.01.2023 um 10:21 Uhr

....DA stimme ich Herrn Ströh wieder einmal zu! Um 2015/16 herum sollte ein AK "Lieferengpässe" ins Leben gerufen werden,dies ist seinerzeit
lautstark am damaligen Apothekertag verkündet worden,Alle wissen dass auch in dieser Phase bereits der Schnellball allmählich zur Lawine wurde,
Dann ist es -hier spreche ich den DAV direkt an-sicher zu unbequem geworden,sich der Sache detailliert anzunehmen.Angebote gab es ja!Und weil
"Gegen-den-Strom-Schwimmer" bei unserer Organisation halt nur bei Kleinigkeiten gewünscht sind, niemals bei Dingen,die KANTE erfordern, ist schon vor Jahren
verpasst worden,wenigstens ein wichtiges Kapitel auch auf europäischer Bühne anzugehen.Sogar DAZU gab es eine Unterlage .Insofern ist das Postenbesetzen
für Einzelne wichtig, ob es der Sache dient, lasse ich offen.Beispiel die AG Honorar.Peinlich ohne Ende...

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Abda

von Conny am 22.01.2023 um 9:18 Uhr

Frau O. Ist die Lambrecht im Apothekenwesen.

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Fremdbesitzverbot und Apothekenhonorar

von Linda F. am 22.01.2023 um 8:29 Uhr

Genau so ist es Herr Ditzel. Indem wir inflationsbereinigt immer weniger Honorar erhalten, lässt die Politik uns systematisch am ausgestreckten Arm verhungern. Auch wenn ihr kein konkretes Ziel vorschweben sollte. Die Zielrichtung ist doch klar - und es geschieht ganz bewusst. Warum lassen wir das mit uns machen???

Der Kipppunkt ist bereits erreicht. Die flächendeckende Arzneimittelversorgung kann unter diesen Rahmenbedingungen nicht mehr aufrechterhalten werden. Wir sehen es doch bereits anhand der dramatisch zunehmenden Lieferengpässe. Meine Befürchtung ist, dass die Politik angesichts des von ihr initiierten Zusammenbruchs der Arzneimittelversorgung diesen als Vorwand nimmt, um in einem nächsten Schritt das Fremdbesitzverbot anzugreifen und den Apothekenmarkt für gewinnorientierte Investoren zu öffnen. Das wäre der Super-GAU!
Es ist doch jetzt schon absehbar, dass die Politik in diese Richtung vorstoßen will. Dass die ABDA diese konkrete Gefahr, die mit dem zunehmenden Apothekensterben einhergeht, nicht erkennt, ist eine haarsträubende Fehleinschätzung der Situation.

Es ist ein Armutszeugnis, dass die eigens dafür einberufene ABDA-Arbeitsgruppe es seit Jahren nicht geschafft hat, konkrete Honorarforderungen auszuarbeiten und diese an die Politik zu richten. Eine Packungspauschale von mindestens 12 Euro wären angesichts der Inflation der letzten Jahre angemessen, dazu eine merkliche Erhöhung der variablen Vergütung auf zumindest 5% angesichts der zunehmenden unternehmerischen Risiken, denen wir ausgesetzt sind. Das haben auch einige Kollegen an anderer Stelle gefordert.
Wie man einen solchen Vorschlag durchsetzt? Durch gemeinsam und bundesweit organisierte Streikmaßnahmen wie die Kündigung der Lieferverträge, die Einschränkung der Notdienste und die Verweigerung des kostenlosen Herstellerinkassos.
Die ABDA muss jetzt endlich ins Handeln kommen und die Streikmaßnahmen organisieren, bevor noch viel mehr Apotheken ihre Existenz verlieren und am Ende sogar noch das Fremdbesitzverbot fällt.

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Gründung Arbeitskreis

von Daniela Hänel am 22.01.2023 um 8:03 Uhr

Den berühmten Spruch zum Arbeitskreis zitiere ich jetzt nicht wieder. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass im vergangenen Jahr 2022 und zwar am 30.03. eine Arbeitsgruppe der ABDA zum Nacht- und Notdienst gegründet wurde.

Bis einschließlich heute, 22.01.2023, ist noch nie eine offizielle Stellungnahme seitens der Arbeitsgruppe an uns, die den Notdienst durchführen, erfolgt.
Es ist bis zum heutigen Tag weder bekannt:
1. Wurde die Arbeitsgruppe nur erst einmal gegründet?
2. Welche/r Apothekerin und Apotheker gehören der Arbeitsgruppe an?
3. Aus wie vielen Personen setzt sich die Arbeitsgruppe zusammen?
4. Wie oft tagte der Arbeitsgruppe seit Gründung?
5. Was ist das Ziel der Arbeitsgruppe?
6. Wann werden Ergebnisse präsentiert?
7. Wie erfolgt die Kommunikation zwischen Arbeitsgruppe und Politik?
8. Weiß die Arbeitsgruppe, dass die Anzahl der Apotheken vor Ort immer weiter sinkt und zwar drastisch?
9. Weiß die Arbeitsgruppe, dass durch dieses akute Problem die verbleibenden Apotheken nicht entlastet, sondern immer mehr belastet werden?
10. Werden noch Mitglieder für die Arbeitsgruppe gesucht?
Wenn ja, dann bin ich sehr gern bereit mich einzubringen, Resilenzvorschläge zu unterbreiten und auch eine Kommunikation zu übernehmen!

Fragen über Fragen, die Zeit rennt, die AG…

Nur als Tipp, wenn die Arbeitsgruppe zum Bürokratieabbau gegründet wird, bitte lasst die AG-Teilnehmer so unbürokratisch wie möglich arbeiten, damit zeitnah was Sinnvolles rauskommt, von dem wir alle hoffentlich unbürokratisch profitieren werden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Gründung Arbeitskreis

von Ulrich Ströh am 22.01.2023 um 8:42 Uhr

Liebe Frau Hänel,
alles berechtigte Fragen .

Aber Sie werden keine Antwort erhalten.

Die ABDA antwortet prinzipiell nicht auf Anregungen
aus der Berufsöffentlichkeit.

Selbst Resolutionen von Kammerversammlungen blieben in den letzten Jahren
prinzipiell unbeantwortet .

Die Kommunikationsdefizite der ABDA sind leider schon älter als fünf Jahre.

AW: Nur Mitglieder ….

von gabriela aures am 22.01.2023 um 10:10 Uhr

…mit Stallgeruch dürfen sich in den AGs ausruhen !

Liebe Daniela,

hat nicht GRO erst vor wenigen Tagen in einem Interview der DAZ ihren Unmut über diese kleinen Splittergruppen geäußert, die versuchen, die heilige Einheit der ABDA zu stören und somit nicht zuletzt auch ihren Führungsanspruch in Frage stellen ?
Als hochrangige, hochangesehene und prominente Repräsentantin der FA bist Du somit die Adressatin dieser Worte.
Eines muß man GRO zugute halten : zumindet ihre Ausdrucksweise ist höflicher (glatter) - früher hat sie die kritischen ApothekerInnen als
„Geisterfahrer“ betitelt.
Aber an der grundsätzlichen Ablehnung von ABDA-fremden Ideen hat sich nichts geändert , egal wieviel Kreide sie frißt.

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