Aus befristeter Sonderumlage und Beitragserhöhung

BaWü beschließt Kombimodell zur Gedisa-Finanzierung

Stuttgart - 14.07.2022, 13:45 Uhr

Gedisa betreibt das Apothekenportal – die Finanzierung läuft in den einzelnen Regionen unterschiedlich.  (x / Bild: mein-apothekenportal.de)

Gedisa betreibt das Apothekenportal – die Finanzierung läuft in den einzelnen Regionen unterschiedlich.  (x / Bild: mein-apothekenportal.de)


Der Landesapothekerverband (LAV) Baden-Württemberg hat sich grünes Licht von seinen Mitgliedern für die Anschubfinanzierung der Gedisa geholt – 600 Euro pro Betriebsstätte werden pro Jahr bis einschließlich 2024 benötigt. Die finanziert der LAV allerdings anders als andere Verbände nur zur Hälfte aus einer Sonderumlage. Der Rest wird über eine Beitragserhöhung gestemmt, weil eine für alle gleiche Sonderumlage kleine Apotheken überproportional belaste, so die Begründung.

Die Finanzierung der neuen Digitaltochter Gedisa, die zum 1. Juli den Betrieb des Apothekenportals vom Deutschen Apothekerverband übernommen hat, stand in den vergangenen Wochen und Monaten auf den Tagesordnungen der Mitgliederversammlungen der Landesapothekerverbände. So auch in Baden-Württemberg, wo der dortige LAV am gestrigen Mittwoch nach Stuttgart geladen hatte. 50 Euro pro Betriebsstätte pro Monat wurden als Anschubfinanzierung veranschlagt, also 600 Euro im Jahr – und zwar bis einschließlich 2024. Ab 2025 soll sich die Gedisa selbst tragen. Einige Verbände, wie Bayern, finanzieren die Summe vollständig aus einer Sonderumlage. Hessen hingegen will das Geld aus dem Haushalt aufbringen und hat deswegen einen Nachtragshaushalt beschlossen. 

Noch einen anderen Weg geht man in Baden-Württemberg. Der Verband hat seinen Mitgliedern ein Kombimodell vorgeschlagen aus einer befristeten Sonderumlage in Höhe von 300 Euro für die Jahre 2022, 2023 und 2024 und einer Beitragsanpassung ab dem kommenden Jahr. Konkret soll der Grundbeitrag für Filialapotheken dem für Hauptapotheken angeglichen werden. Sie nähmen die Dienste des LAV in gleichem Ausmaß in Anspruch wie die Hauptapotheken. Zudem soll die umsatzabhängige Komponente des Beitrags um 0,01 Prozentpunkte steigen – von 0,05 auf 0,06 Prozent. Für 2022 kommt man mit einer Sonderumlage von 300 Euro aus, weil laut LAV-Präsidentin Tatjana Zambo die Sonderumlage aus dem vergangenen Jahr noch nicht abgerufen sei. 

Man habe die verschiedenen Optionen ausgelotet – Sonderumlage, Beitragserhöhung oder beides – und dieses kombinierte Modell für die sinnvollste Variante erachtet, erläuterte die Präsidentin. Gegen eine Finanzierung nur über eine Sonderumlage sprechen Zambo zufolge einmal die Schwierigkeiten beim Umgang mit unterjährigen Ein- und Austritten. Zudem sei die reine Umlage unfair, weil sie für alle gleich hoch sei und somit kleine Apotheken überproportional belaste. Mit der vorgeschlagenen Variante ergebe sich eine Belastung von im Schnitt 1,25 Euro (0,92 Cent bis 1,83 Euro) pro Betriebsstätte pro Öffnungstag. 

LAV BaWü
LAV-Vizepräsident Rouven Steeb


Vizepräsident Rouven Steeb, der für den LAV als Mitgesellschafter unterzeichnet hatte, warb zuvor bei den anwesenden Mitgliedern für Unterstützung für die Gedisa. Die schnelle Umsetzung des Portals sei in dieser Zeit eine besondere Leistung und dies rechtfertige jegliche Unterstützung. Um die Gedisa zu stärken, sei die Gesellschaft, die zunächst unter der Regie des DAV lief, ausgegründet worden. 

Dabei sei man um Einigkeit bemüht gewesen, was bekanntermaßen nicht gelungen ist – der Apothekerverband Westfalen-Lippe konnte sich nicht zur Unterstützung durchringen. Das habe auch zu Verzögerungen geführt. Wenn es schon nicht geglückt sei, dem Verband in Westfalen-Lippe den Beitritt schmackhaft zu machen, habe man immerhin erreicht, dass sich einzelne Apotheken anschließen könnten. Steeb betonte, dass die Gedisa ein Gegengewicht zu Kapitalgesellschaften darstellen soll, die Leistungen in Apothekerhand anbietet. Geplant sei beispielsweise eine Impfdokumentation.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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