SARS-CoV-2-VOC

Omikron und seine vier Subtypen

Düsseldorf - 01.02.2022, 13:45 Uhr

Wie entwickelt sich Omikron? (Bild: Naeblys / AdobeStock)

Wie entwickelt sich Omikron? (Bild: Naeblys / AdobeStock)


Stammt Omikron direkt vom Wildtyp ab?

Im Nachhinein betrachtet, hat man auch BA.2 bereits im Januar 2021 nachgewiesen, wie outbreak.info verzeichnet. Insofern haben sich die Subtypen über einen längeren Zeitraum in einem begrenzten Areal vermehrt, bevor sie sich weltweit ausgebreitet haben. Tatsächlich ließen sich die Viren in älteren Proben sozusagen nachträglich aufspüren.

Die Variante Omikron insgesamt unterscheidet sich jedenfalls wesentlich von den bisherigen Varianten Alpha, Beta, Gamma und Delta und hat sich nach Expertenmeinung nicht aus diesen, sondern unabhängig davon aus dem Wildtyp entwickelt. Einige Studien stellen dabei einen Zusammenhang mit einer Koinfektion mit HIV dar.

Gemeinsam ist den Untertypen von Omikron, dass sie insbesondere durch das im Vergleich zu den bisher grassierenden SARS-CoV-2-Varianten ein durch sehr viele Mutationen stark verändertes S-Protein tragen. Das vermittelt zum einen eine andere Bindung an die Wirtszellen – wohl eher im oberen Atemwegsbereich – und damit auch ein anderes Ausbreitungsverhalten, fasst etwa auch das RKI in seiner Übersicht unter anderem zusammen.

Zum anderen entkommen die Omikron-Viren der humoralen Immunantwort, deren Antikörper durch Impfung oder Genesung an die anders geformten S-Proteine des Wildtyps (auf dem die Impfstoffe basieren) oder der bisherigen Varianten angepasst sind.

Omikron bildet „ein separates antigenes Cluster, das zukünftig eine Impfstoffanpassung erforderlich machen könnte“, schreibt das RKI in seiner Virusvarianten-Übersicht mit Bezug auf die Studie niederländischer Forscher im Online-Fachportal MedRxiv.

Doppelwelle oder einfach Verdrängung?

Inwieweit sich die Eigenschaften von BA.2 von denen von BA.1 (und BA1.1) deutlich unterscheiden, ist noch nicht abschließend erforscht. Erste Hinweise deuten wohl auf eine noch höhere Übertragbarkeit und dementsprechenden Verbreitungsvorteil hin. Genaue Daten fehlen, aber etwa der US-Epidemiologe Eric Feigl-Ding, der unter anderem an der Harvard Medical School unterrichtet, zeigt sich besorgt über die BA.2-Entwicklung. Das lasse entweder auf größere Übertragbarkeit oder noch besseren Immunescape schließen. Das vermutet auch die Virologin Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, gegenüber der dpa.

Während einige Forscher fürchten, BA.2 könnte eine Doppelwelle auslösen und auch BA.1-Genesene noch einmal infizieren, relativieren das wiederum die meisten Wissenschaftler. Der Unterschied zwischen BA.1 und BA.2 sei nicht so groß wie etwa zwischen Delta und Omikron generell, sagt etwa der britische Virologe Tom Peacock vom Imperial College London.



Volker Budinger, Diplom-Biologe, freier Journalist
redaktion@daz.online


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