DAZ-Beitrag über neue Trends bei MVZ

Kontroverse Gutachten über Medizinische Versorgungszentren

Süsel - 25.02.2021, 12:15 Uhr

Im IGES-Gutachten zeichnen sich Argumentationslinien für den ambulanten Sektor ab, die langfristig auch für Apotheken relevant werden könnten. (Foto: Gina Sanders / stock.adobe.com)

Im IGES-Gutachten zeichnen sich Argumentationslinien für den ambulanten Sektor ab, die langfristig auch für Apotheken relevant werden könnten. (Foto: Gina Sanders / stock.adobe.com)


Folgen für das Fremdbesitzverbot bei Apotheken?

Apotheken werden dabei nicht erwähnt. Doch in dem Gutachten zeichnen sich Argumentationslinien für den ambulanten Sektor ab, die langfristig auch für Apotheken relevant werden könnten, falls unter neuen politischen Vorzeichen das Fremdbesitzverbot der Apotheken auf die Tagesordnung gelangen sollte. Dies könnte langfristig zu einer Aufweichung des Fremdbesitzverbots bei Apotheken durch die Hintertür führen.

Immer mehr investorenbetriebene MVZ bei Zahnärzten

Eine andere Sicht auf MVZ wird im Gutachten des IGES-Instituts über „Investorenbetriebene MVZ in der vertragszahnärztlichen Versorgung“ im Auftrag der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung erkennbar, das sich allerdings nur auf den zahnmedizinischen Bereich bezieht. Demnach befanden sich 207 von 1.000 zMVZ, die im ersten Quartal 2020 bestanden, ganz oder teilweise im Eigentum von privatem Beteiligungskapital. Als Besonderheit dieser investorenbetriebenen zMVZ (i-MVZ) betrachtet das IGES-Institut den Zusammenschluss mehrerer Standorte zu Ketten, die bisher allerdings meist nur wenige Standorte umfassen. Die i-MVZ seien überdurchschnittlich stark in Großstädten mit einkommensstarker und eher jüngerer Bevölkerung vertreten. Insbesondere im Vergleich zu Einzelpraxen würden i-MVZ nahezu durchgängig höhere Umsätze erzielen. Die Gutachter des IGES-Instituts empfehlen daher, bessere Möglichkeiten zu schaffen, um den Einfluss der MVZ auf die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung analysieren zu können. Doch dies werde bereits dadurch erschwert, dass die Eigentumsverhältnisse nur mühsam zu ermitteln seien.

Weitere Details aus den Gutachten zu MVZ erfahren Sie in der DAZ.

Das Gutachten für das BMG finden Sie »hier.

Die Seite der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung zu diesem Thema mit einem weiteren Link zum IGES-Gutachten finden Sie »hier.



Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Zwei Gutachten zu Medizinischen Versorgungszentren mit unterschiedlichem Tenor

MVZ - zukunftsweisend oder problematisch?

FDP-MdB Schinnenburg kritisiert Ungleichbehandlung

Zahnärzte fürchten investorenbetriebene MVZ

Kritik der KZBV an Gründungsregeln für Zahnärzte-MVZ findet Gehör

Zahnärzte kämpfen gegen Fremdbesitz

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Pharmazeut beteiligte sich über Strohmann an MVZ

Haftstrafe für Apotheker

ARGE PareZu zum Hamburger Zytoskandal

„Überregionale MVZ-Strukturen verbieten“

Gefährden neue Kooperationsformen die Freiberuflichkeit von Ärzten?

Zunehmende Abhängigkeiten

1 Kommentar

Tod für flächendeckende Versorgung

von ratatosk am 25.02.2021 um 18:47 Uhr

Kann man machen, führt zur Konzentration beim Kapital und zur Verödung der Fläche, da sich die Zentren nur in Städten lohnen. Bei den Laborärzten hat man den Weg ja gesehen, es gibt nur noch wenige Ketten !
Kann man machen, wenn man kein Flächendeckung mehr haben will.
Dieser Weg liegt für alle klar vor Augen, kann man mit Gutachten verbrämen, aber das Ergebnis ist klar, kann man nicht Wegreden.
Für Berufsanfänger ist so ein MVZ ja toll, da dort der bürokratische Irrsinn wegfällt und das schreckt ja in allen Bereichen immer mehr Menschen ab.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.