Zweite Aktualisierung

STIKO überarbeitet ihre Empfehlungen – was ändert sich?

Stuttgart - 02.02.2021, 09:15 Uhr

Die STIKO hat ihre Impfpriorisierung überarbeitet. Auch Härtefälle, wie der Beginn einer Chemotherapie, werden nun berücksichtigt. (Foto: IMAGO / Laci Perenyi)

Die STIKO hat ihre Impfpriorisierung überarbeitet. Auch Härtefälle, wie der Beginn einer Chemotherapie, werden nun berücksichtigt. (Foto: IMAGO / Laci Perenyi)


Diabetiker und COPD-Patienten rücken eine Stufe vor

In Stufe drei ihrer Priorisierungsliste, in der auch Personen zwischen 70 und 74 Jahren geimpft werden sollen, finden sich nun auch Patienten mit aktiven malignen hämatologischen Erkrankungen oder die an fortgeschrittenen soliden Tumoren leiden und nicht in Remission sind sowie Tumorerkrankungen unter aktueller systemischer Therapie (ausgenommen ausschließlich antihormonelle Monotherapie). Seit neuestem berücksichtigt die STIKO in dieser Gruppe auch interstitielle Lungenerkrankungen. Auch Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen (bipolare Störung, Schizophrenie und schwere Depression), COPD und „anderen ähnlich schweren Lungenerkrankungen“, mit chronischen Lebererkrankungen inkl. Leberzirrhose und auch Diabetiker sollen ab sofort bereits in Stufe drei – und nicht wie zuvor in Stufe vier – geimpft werden. Diabetiker werden allerdings anhand ihres HbA1c-Wertes eingeordnet:  ≥58 mmol/mol bzw. ≥7,5 Prozent werden in Stufe drei geimpft (bei HbA1c-Werten <58 mmol/mol bzw. <7,5 Prozent erst in Stufe vier). Gleich geblieben ist die Einstufung von Adipösen (BMI >30 kg/m2 ), chronisch Nierenerkranken und Organtransplantierten.

Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

In Stufe vier hat sich entsprechend auch Einiges geändert – so fehlen natürlich die Erkrankungen, die in Stufe drei aufgerückt sind. Daneben präzisiert die STIKO Krebserkrankungen zu Krebserkrankungen in „behandlungsfreier Remission“ und ergänzt Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Impffähigkeit prüfen

Neu ist auch ein Hinweis bei „sehr alten“ Menschen: „Auch bei sehr alten Menschen oder Menschen mit progredienten Krankheiten, die sich in einem schlechten Allgemeinzustand befinden, muss die Impffähigkeit gegeben sein“, so die STIKO. Bei diesen Gruppen sollte ärztlich geprüft werden, ob ihnen die Impfung empfohlen werden kann.

Impfen bei vormals an COVID-19-Erkrankten

Zu Zurückhaltung rät die STIKO aktuell bei Impfungen von Personen, die bereits an COVID-19 erkrankt waren. Ihre Gründe: anzunehmende Immunität nach durchgemachter Infektion, Vermeidung überschießender Nebenwirkungen und bestehender Impfstoffmangel. Nach Ansicht der STIKO sollten ehemals an COVID-19 erkrankte Personen unter Berücksichtigung der Priorisierung im Regelfall etwa sechs Monate nach Genesung geimpft werden. 

Infektion nach erster Dosis: Wie sieht das Impfschema aus?

Wie ist zu impfen, wenn nach der ersten Dosis eine labordiagnostisch gesicherte (positive PCR) SARS-CoV-2-Infektion auftritt? Dann sollte nach Ansicht der STIKO die Verabreichung der zweiten Impfstoffdosis ebenfalls erst etwa sechs Monate nach Genesung bzw. Diagnosestellung erfolgen.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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