Kontaktbeschränkungen, Maske und Hygiene

Warum gibt es nur wenige Grippeinfektionen, aber viele mit SARS-CoV-2?

Stuttgart - 22.01.2021, 13:45 Uhr

Unter anderem die fehlende Immunität in der Bevölkerung zeichnet laut RKI-Präsident Professor Lothar Wieler für die hohe Infektionslast von SARS-CoV-2 im Vergleich zu Influenza verantwortlich. (Foto: alexanderuhrin / stock.adobe.com)

Unter anderem die fehlende Immunität in der Bevölkerung zeichnet laut RKI-Präsident Professor Lothar Wieler für die hohe Infektionslast von SARS-CoV-2 im Vergleich zu Influenza verantwortlich. (Foto: alexanderuhrin / stock.adobe.com)


Die Grippeinfektionen sind auf extrem niedrigem Niveau. Dafür verantwortlich gemacht werden die bestehenden Kontaktbeschränkungen und höhere Standards bei der Hygiene, auch das Tragen von Masken. Doch warum funktioniert das bei Influenza so gut – und bei SARS-CoV-2 doch eher schwer?

Für die zweite Meldewoche 2021 erreichten das Robert Koch-Institut (RKI) bislang 29 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle. Das Nationale Referenzzentrum (NRZ) für Influenzaviren fand in der zweiten Kalenderwoche 2021 in 29 (21 Prozent) der 138 eingesandten Sentinelproben respiratorische Viren: In 15 (11 Prozent) identifizierte das NRZ SARS-CoV-2, in elf (8 Prozent) Rhinoviren, in zwei Proben (1 Prozent) humane saisonale Coronaviren und in einer (1 Prozent) Parainfluenzaviren. Wie auch in den Wochen zuvor konnten Influenzaviren nicht nachgewiesen werden. Weiterhin liegt damit die Rate der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) „deutlich unter dem Niveau der Werte der Vorsaisons“, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am RKI. Die Kontaktbeschränkungen und Infektionsschutzmaßnahmen mit Masken und Hygiene scheinen bei diesen Erkrankungen zu wirken.

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Hingegen zirkulieren SARS-CoV-2 auf hohem Niveau, laut den täglichen Lageberichten des RKI gab es im Zeitraum vom 9. bis zum 15. Januar 2021 insgesamt 134.071 Fälle. Warum gelingt es also nicht, auch die Infektionszahlen von SARS-CoV-2 in die gleichen Schranken zu weisen? 

Fehlende Immunität und hohe Übertragungsrate

Das erklärte Professor Lothar Wieler, Präsident des RKI, bei der am heutigen Freitag stattgefundenen Bundespressekonferenz anhand von drei Punkten. So übertrage sich SARS-CoV-2 sehr effektiv über Aerosole. Zudem zeige das neuartige Coronavirus eine „hohe Übertagungsrate“ noch vor Symptombeginn. Und drittens macht Wieler die „fehlende Immunität“ in der Bevölkerung dafür verantwortlich. 


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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3 Kommentare

Übersterblichkeit: L=BS³

von M. Engel am 27.01.2021 um 23:33 Uhr

Zum Kommentar von Herrn Uvla:

Prinzipiell steht Reitschuster für Meinungsvielfalt. Deshalb gibt es auf seiner Seite gleich 2 Ansätze zur Erklärung der Todeszahlen 2020.

Ansatz Nr. 1 geht davon aus, die Corona-Toten wären nichr an Corona gestorben, sondern weil sie aufhörten zu atmen.

Ansatz Nr. 2 wird von einem Mathematikprofessor vertreten, der beweisen möchte, dass es keine "Übersterblichkeit" gab in 2020.

Der Mathematiker, der auf der Reitschuster-Seite mit Daten zur Übersterblichkeit jonglierte, hat gleich 2 Beiträge zu diesem Thema geschrieben.

Im 1. Beitrag (Dezember) nannte er 960.000 Tote "normal".

Im 2. Beitrag (Januar) nannte er 980.000 Tote "normal".

Und wenn man noch ein Weilchen wartet, gibts sicher einen 3. Beitrag, in dem dann 1 Million Tote "normal" sind.

Doch schon seinen beiden ersten bahnbrechenden Beiträgen hat der Herr Mathematikprofessor die Relativitätstheorie neu erfunden:

L=BS³.
Leerdenken=Blaubär*Schwurbel hoch 3.

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Übersterblichkeit

von Jan Uvia am 22.01.2021 um 14:18 Uhr

Liebe mitlesenden Apothekerkollegen,
viel interessanter ist doch, dass es im Jahr 2020 keine Übersterblichkeit in Deutschland gegeben hat. Lassen Sie es sich von einem Mathematiker vorrechnen: https://reitschuster.de/post/auswertung-sterbefaelle-2/
Die Frage, die sich im Anschluss natürlich stellt ist, ob es keine Übersterblichkeit gab WEGEN oder TROTZ der rigiden Lockdown-Maßnahmen.
Der Blick auf Schweden, in dem es 2020 AUCH keine Übersterblichkeit gegeben hat, sollte darüber Aufschluss geben.
Das neuartige Coronavirus übernimmt aus meiner Sicht einfach die ökologische Nische vom Influenzavirus. Oder übersehe ich etwas? Ich lasse mich da gerne eines besseren belehren.

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AW: Übersterblichkeit

von R. Berg am 24.01.2021 um 13:01 Uhr

Es geht bei allen Maßnahmen im Prinzip einzig und alleine darum, das Gesundheitssystem vor einem Kollaps zu bewahren und damit nur indirekt um die Sterblichkeit.

Im Vergleich zur Influenza müssen Covid Patienten signifikant häufiger intensivmedizinisch betreut werden, doppelt so häufig beatmet werden, bei doppelter Beatmungsdauer. Die Gesamtletalität ist im Vgl. zur Grippe ca. dreifach erhöht.

Hätte man die Sache laufen gelassen, es wäre eine medizinische Katastrophe geworden, das kann man aus den Zahlen, denke ich, ableiten.

"There is no glory in prevention.", wie Drosten schon im Frühjahr 20 gesagt hat.

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