Pharmahandelskonzern

Verlust ausgebaut: Zur Rose leidet weiter unter der Expansion

Berlin - 19.03.2020, 12:44 Uhr

Der Schweizer Pharmahandelskonzern Zur Rose steckt weiter in den roten Zahlen und hofft auf das E-Rezept. (m / Foto: dpa)

Der Schweizer Pharmahandelskonzern Zur Rose steckt weiter in den roten Zahlen und hofft auf das E-Rezept. (m / Foto: dpa)


Der Schweizer Pharmahandelskonzern Zur Rose wächst weiter und intensiviert seine Geschäfte nunmehr in mehreren europäischen Märkten. Nach diversen Geldspritzen, zahlreichen Übernahmen und großen PR-Aktivitäten ist das Unternehmensergebnis des DocMorris-Mutterkonzerns jedoch auch im vergangenen Jahr wieder angestiegen: Unter dem Strich blieb nach dem Geschäftsjahr 2019 ein Verlust von 52,4 Millionen Franken, das sind 13 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. Der Umsatz des Konzerns wächst jedoch weiter an.

Die Zur Rose-Gruppe hat am heutigen Donnerstag ihr Geschäftsergebnis für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019 mitgeteilt. Demnach ist der Umsatz weiter gewachsen, nämlich um 30 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Schweizer Franken, was etwa 1,5 Milliarden Euro entspricht. Diese Steigerung geht allerdings größtenteils auf die massive Expansion des Konzerns zurück. Zur Rose hatte in den vergangenen Jahren unter anderem die deutschen Versender Apo-Rot und Medpex übernommen. Um sich auf den E-Rezept-Markt vorzubereiten, wurden zudem die IT-Spezialisten E-Health-Tec und ClinPath übernommen.

Das Betriebsergebnis (EBITDA) ist daher weiterhin negativ, liegt aber mit minus 13,8 Millionen Franken auf der Höhe des Vorjahres. Das Unternehmensergebnis verschlechterte sich allerdings aufgrund von erhöhten Abschreibungen im Zusammenhang mit den akquirierten Unternehmen von minus 39,1 Millionen Franken auf minus 52,4 Millionen Schweizer Franken. Denn bei seinen Expansionsbemühungen musste der Schweizer Pharmahandelskonzern zuletzt auch einige Schwierigkeiten bewältigen. Der Mitteilung zufolge war die Integration der Logistikaktivitäten von Apo-Rot am Standort Heerlen aufwendiger als erwartet. Man habe vorübergehend von einem Zwei- auf einen Drei-Schicht-Betrieb umgestellt.

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Sehr viel Mühe und Geld steckt Zur Rose offenbar auch schon in eine weitere Expansion in Frankreich, denn dort seien „deutliche Liberalisierungstendenzen“ spürbar. Zur Erinnerung: Die Regierung will dort erlauben, dass nicht-rezeptpflichtige Arzneimittel im Wege des Onlinehandels auch über Internet-Plattformen von Konzernen vertrieben werden dürfen. Außerdem sollen die Arzneimittel dafür außerhalb der Apotheken gelagert werden dürfen. Die „Initialaufwendungen“ dafür hätten das Ergebnis belastet. Positiv auf das Ergebnis hätten sich die Transaktionen im Rahmen der zwei gegründeten Joint Ventures mit Medbase wie auch die vorzeitige Beendigung des Earn-out für die Medpex-Gründer ausgewirkt.

Zur Rose: Hoffnung liegt auf dem E-Rezept in Deutschland

Die große Hoffnung des Konzerns ist weiterhin das Deutschlandgeschäft. Denn mit Blick auf die flächendeckende Einführung des E-Rezeptes erwartet Zur Rose in den kommenden Jahren eine „deutliche Steigerung des Versandmarktanteils verschreibungspflichtiger Medikamente“. Schon jetzt ist DocMorris das Zugpferd der Schweizer. In Deutschland steigerte der Konzern seinen Umsatz inklusive Medpex-Verkäufen um 45,4 Prozent auf 976 Millionen Franken. In Heerlen werde weiter am neuen Logistikzentrum gebaut, das im Laufe des Jahres 2021 in Betrieb genommen werde. „Damit können die Versandaktivitäten für den deutschen Markt in Heerlen mit substanziellen Effizienzeffekten zentralisiert werden.“ Nach der Übernahme von Apo-Rot hatte Zur Rose den Hamburger Standort von Apo-Rot stillgelegt, zahlreiche Arbeitsplätze gingen verloren. Zur Rose kommentiert die Stilllegung so: „Die Synergien dieses Integrationsschrittes werden sich 2020 positiv auswirken.“

In der Schweiz stieg der Umsatz um 5 Prozent auf 553,7 Millionen Franken. Im Retailgeschäft entschieden sich Zur Rose und Medbase, ihre Zusammenarbeit auszubauen. Seit Anfang 2020 führen sie die Shop-in-Shop-Apotheken in Migros-Filialen und den Webshop gemeinsam über zwei Joint Ventures. Im Segment Europa, welches das Marktplatzgeschäft in Spanien und Frankreich sowie von grenzüberschreitend rund 20 Ländern umfasst, verzeichnete PromoFarma ebenfalls ein Umsatzwachstum von 48 Prozent auf 39,7 Millionen Schweizer Franken. Im Februar 2019 übernahm die Zur Rose-Gruppe den französischen Marktplatz DoctiPharma, der zwischenzeitlich in die Plattform von PromoFarma integriert wurde. Über die Marktplatzplattform vertreibt Zur Rose rund 140.000 apothekenübliche Gesundheits- und Pflegeprodukte, die hauptsächlich von Apothekern an die Kunden verschickt werden. Ein ähnliches Plattform-Modell baut sich DocMorris derzeit auch in Deutschland auf.

Was den Ausblick auf das Geschäftsjahr 2020 betrifft, erwarten die Schweizer ein ausgeglichenes Ergebnis auf EBITDA-Stufe. Dies solle sich auch durch deutliche Umsatzsprünge durch das E-Rezept ergeben. Und auch die derzeitige Coronakrise könne dem Geschäft helfen. In der Mitteilung heißt es dazu: „Die Zur Rose-Gruppe erwartet durch die aktuelle globale COVID-19-Krise eine deutlich schnellere Marktakzeptanz für den Medikamentenversand und digitale Gesundheitsdienstleistungen.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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