DocMorris-Mutterkonzern veröffentlicht Zahlen

Zur Rose-Gruppe musste 2020 noch mehr Verluste hinnehmen

Dillingen/Stuttgart - 18.03.2021, 13:29 Uhr

Der Zur Rose-Konzern hat auch im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben, hofft nun aber mit dem E-Rezept ein gutes Ergebnis erzielen zu können. (Foto. Zur Rose-Gruppe/Roman Weyeneth)

Der Zur Rose-Konzern hat auch im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben, hofft nun aber mit dem E-Rezept ein gutes Ergebnis erzielen zu können. (Foto. Zur Rose-Gruppe/Roman Weyeneth)


Der schweizerische Konzern Zur Rose ist im vergangenen Jahr weiter in die roten Zahlen gerutscht. Wie das Unternehmen heute bekanntgab, betrug der Nettoverlust etwa 123 Millionen Euro und damit fast doppelt so viel wie 2019. Angesichts der vielen Zukäufe in jüngster Zeit hatten Analysten mit einem Verlust gerechnet – allerdings nicht in dieser Höhe. Die DocMorris-Mutter erhofft sich nun durch das E-Rezept ein Umsatzplus.

Am heutigen Donnerstag gab der Zur Rose-Konzern seine Geschäftszahlen für das Jahr 2020 bekannt. Demnach verzeichnete die Unternehmensgruppe eine Umsatzsteigerung von 14,4 Prozent in Lokalwährungen auf 1,75 Millionen Schweizer Franken, inklusive der im vergangenen Jahr übernommenen Versand- und Diabetes-Geschäfte der deutschen Versandapotheken Apotal und der 2018 zugekauften deutschen Versandapotheke Medpex. Weil das Herauslösen des Versandgeschäfts noch nicht abgeschlossen sei, hätten Medpex und Apotal lediglich einen kleinen Einfluss auf die konsolidierten Umsätze der Zur Rose-Gruppe, erklärte dazu das Unternehmen. 

Diese Wachstumsdynamik setze sich in allen Marktsegmenten, Schweiz, Deutschland und Europa, fort, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. Die Anzahl aktiver Kunden habe sich zudem 2020 im Vergleich zum Vorjahr um über 50 Prozent auf 10,5 Millionen erhöht. 

Wachstumskurs als belastender Faktor

Unterm Stich musste zur Rose jedoch deutliche Verluste einstecken. Aufwendungen infolge von Akquisitionen und Restrukturierungen (21,4 Millionen Franken) sowie Wertberichtigungen, hauptsächlich als Folge des Preiszerfalls von Produkten zur Pandemiebewältigung (12,1 Millionen Fanken) belasteten das Ergebnis. So hatte Zur Rose beispielsweise im vergangenen Jahr den Telemedizinanbieter Teleclinic übernommen. Aufgrund eines Zwischenurteils in einem Umsatzsteuerverfahren zu gewährten Boni auf Rezepten habe die Gruppe zudem eine Risikoposition in der Höhe von 13,7 Millionen Schweizer Franken berücksichtigt. Insgesamt beziffert die Unternehmensgruppe das bereinigte EBITDA auf minus 31,2 Millionen Schweizer Franken. Darin enthalten seien Ausgaben für die Wachstumsinitiativen im Bereich des elektronischen Rezepts, der „europäischen Opportunitäten“ sowie des Gesundheitsökosystems in Höhe von 30,3 Millionen Schweizer Franken. Das Betriebsergebnis (EBITDA) beläuft sich auf minus 78,4 Millionen Schweizer Franken und das Unternehmensergebnis auf minus 135,6 Millionen Schweizer Franken.

Mit dem Nettoverlust von 135,6 Millionen Schweizer Franken, umgerechnet 123 Millionen Euro, ist die Gruppe im vergangenen Jahr noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht als erwartet. Im Vorjahr lag der Verlust noch bei 52 Millionen Schweizer Franken. 

Konzentration auf das E-Rezept

Zur Rose gibt sich dennoch optimistisch: Im Pandemiejahr 2020 habe man die Wachstumsziele übertroffen und die Plattformstrategie im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung konsequent fortgesetzt, heißt es in der Pressemitteilung. 

Nun setzt die Zur Rose-Gruppe auf die Einführung des E-Rezepts in Deutschland, die in diesem Jahr starten soll. Ab 1. Januar 2022 wird das E-Rezept weitgehend zur Pflicht. Das Management gehe davon aus, dass die Online-Durchdringung von rezeptpflichtigen Medikamenten in Deutschland durch die verpflichtende Einführung des E-Rezepts mittelfristig – über einen Zeithorizont von drei bis fünf Jahren – ein Niveau von rund 10 Prozent erreichen könne, mit weiterem Potenzial über diesen Zeitraum hinaus, so die Prognose von Zur Rose.

Schon zu Beginn dieses mittelfristigen Zeithorizonts erwarte man die Umsatzschwelle von 4 Milliarden Schweizer Franken aus organischem Wachstum zu überschreiten. Zudem bestätigte die Gruppe auch eine mittelfristige EBITDA-Zielmarge von rund 8 Prozent. Mit der Implementierung des Gesundheitsökosystems schaffe darüber hinaus weiteres relevantes Umsatz- und Ergebnispotenzial, hieß es. Für 2021 rechnet das Management mit einer Umsatzsteigerung von rund 20 Prozent, Medpex und Apotal eingerechnet. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erwartet die Zur Rose-Gruppe aber erst 12 bis 18 Monate nach 2021 einen operativen Gewinn.


Robert Hoffmann, Redakteur DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

das muss man sich mal reinziehen

von Karl Friedrich Müller am 18.03.2021 um 16:42 Uhr

Da werden also gute Betriebe, die Gewinn machen und Steuern bezahlen, mutwillig kaputt gemacht, nur damit ein Riesenkonzern existiert, der beides nicht macht, egal wieviel Umsatz erzielt wird. Seit der Existenz von DocMorris hat diese Firma, so weit ich weiß, NUR VERLUSTE gemacht. Das sind nun einige JAHRZEHNTE! Nun sind auch noch die verschreibungspflichtigen AM zu Abschuss freigegeben mit der Einführung des E-Rezepts. (erzählen Sie mir nix von Gleichpreisigkeit)
Da muss man schon mal fragen dürfen: WAS soll das!? Politiker: was wollen SIe?
Wenn ein Scholz, als schon sehr klar war, dass bei Wirecard 1,9 MRD fehlen, diesen Betrügern noch Steuergeld gewähren wollte, spricht doch Bände!
Das hat doch nichts mehr mit guter Politik FÜR das Volk zu tun! Da werden nur noch Seilschaften bedient.
Vor diesem Hintergrund ist die Bestechlichkeit von Abgeordneten kein Wunder, oder? Es ist offensichtlich NORMAL, Geld anzunehmen. Kommt mir vor.

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