Zuckersüßes Beratungswissen Teil 6

Süßstoffe – kalorienfreies Glück?

Münchingen - 26.02.2020, 17:54 Uhr

Sind in einem Lebensmittel Süßungsmittel zugesetzt, so müssen diese in der Zutatenliste aufgeführt werden.  ( r / Foto: phubadee / stock.adobe.com/privat)

Sind in einem Lebensmittel Süßungsmittel zugesetzt, so müssen diese in der Zutatenliste aufgeführt werden.  ( r / Foto: phubadee / stock.adobe.com/privat)


Helfen Süßstoffe beim Abnehmen?

Es gab immer wieder Theorien, dass Süßstoffe trotz fehlender Kalorien nicht beim Abnehmen helfen, sondern sogar die Gewichtszunahme fördern. So gab es Vermutungen, dass das Gehirn möglicherweise durch das Signal „süß“ getäuscht werde und Irritationen im Körper ausgelöst würden, die Hunger und Appetit steigern. Alle diese Annahmen haben sich bisher nicht belegen lassen. Die Studienlage ist verworren und nicht abschließend geklärt.

Allerdings gibt es neuere Hinweise darauf, dass Süßstoffe möglicherweise über eine Veränderung der Darmflora einen Einfluss auf die Entstehung des metabolischen Syndroms nehmen könnten. Auch wenn die bisherigen Forschungsergebnisse noch durch Studien bestätigt werden müssen, so erscheint manchen Wissenschaftlern der Zusammenhang plausibel. Im Tierversuch konnte gezeigt werden, dass Süßstoffe die Darmflora schon nach wenigen Tagen erheblich verändern können. Dabei steigt die Zahl der Bakterien, die vermehrt Kohlenhydrate freisetzen. Deren Resorption lässt wiederum den Blutzuckerspiegel ansteigen.

In weiteren Tierversuchen fanden Forscher heraus, dass Aspartam und Acesulfam zu Störungen im Fett- und Energiestoffwechsel führen und auch das Gefäßendothel negativ beeinflussen. Es bleibt abzuwarten, zu welchen Erkenntnissen die weitere Forschung kommen wird.

Süßstoffe nur als Notlösung verwenden

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) spricht sich derzeit (noch) dafür aus, dass Süßstoffe die Blutglucose-Kontrolle, die Kariesprophylaxe und bei bewusstem Einsatz die Gewichtskontrolle unterstützen. Rein rechnerisch lassen sich durch das Süßen von Kaffee oder Tee mit Süßstoff anstelle von Zucker pro Jahr gut 23000 kcal einsparen, rechnet die DGE vor. Das entspricht einer Fettgewebsmasse von 3 kg.

Allerdings raten die DGE und alle anderen Experten: Zucker durch Süßstoffe zu ersetzen, ist immer nur die zweitbeste Lösung. Am besten ist es, die Ernährung grundsätzlich auf „weniger süß“ umzustellen. Der Wechsel von normalem Zucker auf kalorienfreie oder kalorienreduzierte Alternativen sollte nur eine kurzfristige, bewusste „Notlösung“ und Ausnahme sein.

Wer Süßstoffe unter dem Aspekt der Zahngesundheit verwendet, sollte bedenken: Gerade bei Kindern kann die Gewöhnung an süße Getränke dazu führen, dass noch mehr Lust auf Süßes entsteht. Eine jahre- oder sogar jahrzehntelange Gewöhnung lässt sich nicht so leicht wieder abtrainieren … Deshalb lieber nicht so weit kommen lassen.

Zucker in Maßen – kein Problem

Maßvoller Zuckerverzehr in Höhe von 5 bis maximal 10 % des Gesamtkalorienbedarfs ist auch im Rahmen einer ausgewogenen und gesunden Ernährung unbedenklich. Es gibt keinen Grund, Zucker komplett aus der Ernährung zu streichen oder durch Süßstoffe zu ersetzen. Das gilt heutzutage auch für Diabetiker.

Auf einen Blick:

In der Europäischen Union sind zurzeit elf Süßstoffe zugelassen. Aus Sicherheitsgründen sind Höchstwerte für den menschlichen Verzehr festgelegt. Ein Expertengremium überprüft und bewertet regelmäßig neue wissenschaftliche Erkenntnisse.

Auf der Zutatenliste muss die Kennzeichnung „mit Süßungsmittel(n)“ stehen und dahinter die verwendete(n) Substanz(en) oder deren E-Nummern.

Produkte, die Aspartam enthalten, müssen den Warnhinweis „Enthält eine „Phenylalaninquelle“ tragen.

Süßstoffe sind fast kalorienfrei und nicht kariogen. Trotzdem sollten sie in einer gesunden Ernährung am besten nur übergangsweise zum Einsatz kommen. Besser ist es, sich an eine insgesamt weniger süße Ernährung zu gewöhnen.

Im nächsten Kapitel widmen wir uns den Steviol-Glykosiden.



Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Daz

von Conny am 26.02.2020 um 23:02 Uhr

Wir haben soviele wichtige Themen, aber die Daz schaft es immer wieder so einen unterresstierten Kram zu bringen !

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