Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 4

Süßes Versteckspiel – Zucker hat viele Namen

Stuttgart - 17.02.2020, 08:59 Uhr

In der Zutatenliste von industriell hergestellten Lebensmitteln findet sich Zucker in verschiedensten Formen. . (Bild: Privat/ danako / stock.adobe.com)

In der Zutatenliste von industriell hergestellten Lebensmitteln findet sich Zucker in verschiedensten Formen. . 
(Bild: Privat/ danako / stock.adobe.com)


Wo Zucker auf der Zutatenliste steht, ist auch Zucker drin. Logisch. Wo Zucker nicht auf der Zutatenliste steht, kann trotzdem Zucker drin sein. Verwirrend!? Tatsache ist: Zucker kann sich hinter vielen Bezeichnungen verstecken. Gibt es dafür eigentlich eine Erklärung?

Die Lebensmittel-Informationsverordnung, im Jahr 2011 vom Europäischen Parlament beschlossen, gilt seit 2014 in allen Staaten der Europäischen Union. Sie schreibt für Produkte, die der Verbraucher in verschlossenen Verpackungen kauft, eine Zutatenliste vor. Die Zutatenliste führt die Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge ihrer enthaltenen Menge auf, bezogen auf ihren Gewichtsanteil. Die Zutat, die an erster Stelle steht, ist also vom Gewicht her der Hauptbestandteil eines Produkts.

Zum Teil prozentuale Angaben verpflichtend

Wird eine Zutat in der Bezeichnung des Lebensmittels erwähnt oder durch Abbildungen hervorgehoben, besteht die Verpflichtung, den prozentualen Anteil am Lebensmittel anzugeben. Wenn also auf der Verpackung eines Mehrfruchtsaftes Äpfel, Birnen und Orangen abgebildet sind, muss auch drauf stehen, wie viel Prozent Apfel-, Birnen- und Orangensaft drin sind.

Irreführung nicht erlaubt

Zudem gibt es eine Zuckerartenverordnung, erlassen vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, die ausdrücklich erlaubt, dass Zucker andere übliche Bezeichnungen tragen darf, „sofern der Verbraucher dadurch nicht irregeführt wird“.

Die Lebensmittelhersteller haben also das Recht auf ihrer Seite, wenn sie für Zucker verschiedene Bezeichnungen wählen. Kreative Rezepturgestaltung wertet der Verordnungsgeber nicht als Irreführung. Der Verbraucher muss eben lernen, die Zutatenlisten zu entschlüsseln.

Mehr zum Thema

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 1

Fructose – süße Gefahr

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 2

Glucose-Fructose-Gemische – das Spiel mit Unbekannten

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 3

Warum Obst essen gesünder ist als Smoothies trinken

Mehr Transparenz durch die „Big Seven“

Vorteilhaft ist immerhin, dass seit 2016 in der EU auch eine Nährwertkennzeichnung vorgeschrieben ist. Sie muss in der Form der „Big Seven“ aufgebracht werden. („Big Seven“ – weil es sich um sieben wichtige Nährstoffangaben handelt.)

Jeweils pro 100 g bzw. 100 ml müssen dabei genannt sein:

  • Energiegehalt mindestens in Kilojoule
  • Fett
  • davon gesättigte Fettsäuren
  •  Kohlenhydrate
  •   davon Zucker
  •   Eiweiß
  •   Salz

In der „Big-Seven-Tabelle“ erfährt man also zuverlässig, wie viel Zucker ein Produkt mengenmäßig enthält. Das ist schon eine wertvolle Hilfe, wenn man unter ähnlichen Produkten eines mit weniger Zucker auswählen möchte. Der (oft hohe) Zuckergehalt eines industriell hergestellten Lebensmittels bleibt damit kein Geheimnis mehr.

Es gibt gute Gründe, sich über die Zuckermenge hinaus auch über die Zuckerarten, über weitere zuckerhaltige Zutaten und die Beschaffenheit dieser Zucker informieren zu wollen. Zum Beispiel, weil man zu viel Fructose vermeiden möchte. Dazu muss man jedoch etwas tiefer in die Zutatenliste einsteigen und genau hinschauen.



Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 2

Glucose-Fructose-Gemische – das Spiel mit Unbekannten

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 1

Fructose – süße Gefahr

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 5

Zuckerfrei und trotzdem süß: Zuckeraustauschstoffe

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 3

Warum Obst essen gesünder ist als Smoothies trinken

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 10

Honigschlecken – es ist nicht alles Gold, was glänzt

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 15

Kokosblütenzucker – lieber nicht!?

Sprechstunde Ernährung 

„Sind Smoothies gesund?“

Zuckersüßes Beratungswissen Teil 6

Süßstoffe – kalorienfreies Glück?

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 14

Hustenbonbons – süßes Lösungsversprechen

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 12

Traubenzucker – geballte Energie

1 Kommentar

Zucker hat viele Namen...

von Armin Heller am 19.02.2020 um 13:57 Uhr

SEHR viele sogar: Arnica C30, Chamomilla D6... ;)

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.