Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 1

Fructose – süße Gefahr

06.12.2019, 11:30 Uhr

Natürlicherweise findet sich Fructose in frischen Früchten und Gemüse. Aber sie  ist auch Bestandteil zahlreicher verarbeiteter Lebensmittel – oft hinter verschleiernden Bezeichnungen. (Foto: spline_x/stock.adobe.com)

Natürlicherweise findet sich Fructose in frischen Früchten und Gemüse. Aber sie  ist auch Bestandteil zahlreicher verarbeiteter Lebensmittel – oft hinter verschleiernden Bezeichnungen. (Foto: spline_x/stock.adobe.com)


Fruchtzucker oder Fructose – das klingt so gesund nach frischen Früchten! Richtig ist, dass Fructose natürlicher Bestandteil von Obst und Gemüse ist, das weiterhin auf keinem Speiseplan fehlen sollte. Richtig ist aber auch: Wenn wir zu viel Fructose verzehren, kann das verheerende Schäden anrichten und den Ausbruch von Krankheiten begünstigen.

Fructose ist Bestandteil zahlreicher verarbeiteter Lebensmittel und wird von vielen Menschen daher täglich konsumiert. Leider ist selbst unter Gesundheitsfachleuten noch viel zu wenig bekannt, welche dramatischen Folgen eine erhöhte Fructose-Zufuhr auf den menschlichen Stoffwechsel haben kann. Damit Sie – als Teil des pharmazeutischen Personals – dazu beitragen können, gesundheitliche Gefahren von der Bevölkerung abzuwenden, lohnt es sich, über dieses Thema Bescheid zu wissen.

Was ist „Isoglucose“?

Unter dem Begriff „Isoglucose“ verbirgt sich eine Sammelbezeichnung für ein aus Kartoffeln, Mais oder Weizen industriell hergestelltes Gemisch aus Glucose und Fructose. In den USA ist der Ausgangsstoff in der Regel genmanipulierter Mais und man spricht von High Fructose Corn Sirup (abgekürzt HFCS). In Deutschland finden wir auf den Zutatenlisten industriell produzierter Lebensmittel neben „Isoglucose“ die Begriffe „Invertzuckersirup“, „Glucose-Fructose-Sirup“ oder auch „Fructose-Glucose-Sirup“, wenn der Anteil der Fructose über 50 Prozent liegt.

Ein Liebling der Nahrungsmittelindustrie

Natürlicherweise findet sich Fructose in frischen Früchten und Gemüse. Diese sind – in normalen Maßen genossen – selbstverständlich unverzichtbarer Bestandteil einer gesundheitsfördernden Ernährung. Das Problem verbirgt sich viel mehr in den vielen Industrieprodukten, die – oft hinter verschleiernden Bezeichnungen – große Mengen Zucker und vor allem Fructose enthalten.

Fructose ist schon aus Kostengründen ein Liebling der Nahrungsmittelindustrie. Sie ist billig herstellbar und dazu fast doppelt so süß wie herkömmlicher Zucker. Darüber hinaus schmeckt Fructose-Sirup auch verarbeitet lecker, erzeugt beim Backen das erwünschte Volumen und verhindert bei tiefgekühlten Produkten die lästige Kristallbildung.

Unsere Serie „Zuckersüßes Beratungswissen“ wird fortgesetzt!

Nächste Folge: Glucose-Fructose-Gemische – das Spiel mit Unbekannten.

Was passiert mit Fructose im Körper?

Schauen wir zum Vergleich erstmal auf die Glucose. Glucose gelangt aus dem Dünndarm schnell ins Blut, wird mit Hilfe von Insulin in die Körperzellen transportiert und – überwiegend in der Leber – als Glykogen gespeichert.

Glucose gilt als wichtigster Energielieferant für den Körper, auf Fructose ist er dagegen nicht angewiesen. Die mit der Nahrung zugeführte Fructose wird vom Körper völlig ohne Insulin verstoffwechselt, weshalb man früher annahm, sie sei die geeignete Zuckerart für Diabetiker. Doch dies war ein Irrtum, was sofort klar wird, wenn man den weiteren Stoffwechselweg der Fructose verfolgt.

Aus dem Dünndarm gelangt die Fructose mit Hilfe eines Transportproteins direkt in die Leber. Kleine Mengen Fructose stellen für die Leber kein Problem dar. Sie wird von den Leberenzymen abgebaut und ausgeschieden. Fluten jedoch große Fructosewellen in den Körper – zum Beispiel nach dem Genuss stark gesüßter industrieller Produkte, vor allem in flüssiger Form (Fruchtsäfte, Fruchtnektare, Softgetränke, Wellnessdrinks) –, ist die Leber in Not.

Was passiert? Weil es für Fructose keinen eigenen Körperspeicher gibt (wie Glykogen für Glucose) und auch keine Gegenregulation dabei hilft, das Überangebot von Fructose sinnvoll in Schach zu halten, rettet sich der Körper so: Die Leber fängt an, aus Fructose Fett zu produzieren und als Leberfett zu speichern. Eine Hyperlipidämie ist die gefährliche Folge

Hinweis: Auch Glucose kann im Körper zu Fett verstoffwechselt werden, jedoch ist Fructose hierbei „effizienter“: Eine gleich große Menge an Fructose steigert die Fettneubildung um das 15-Fache.



Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Fructose Sirupe

von Julia Sander am 07.12.2019 um 7:09 Uhr

Ein ganz toller Artikel.
Sehr gute Darstellung der Reaktionswege die weit über die Leberbelastung hinausgehen. Welch unterschiedliche Auswirkungen und Kettenreaktionen. Ein Plädoyer für unverarbeitete Lebensmittel.
Vielen Dank, Julia Sander

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