E-Rezept-Modellprojekt

Warum können CGM Lauer-Apotheker nicht an GERDA teilnehmen?

Berlin - 11.11.2019, 14:00 Uhr

In Baden-Württemberg läuft seit einigen Tagen das für die Apotheker so wichtige E-Rezept-Projekt GERDA. Doch Kunden von CGM Lauer können nicht teilnehmen. Warum ist das so? (m / Foto: Schelbert)

In Baden-Württemberg läuft seit einigen Tagen das für die Apotheker so wichtige E-Rezept-Projekt GERDA. Doch Kunden von CGM Lauer können nicht teilnehmen. Warum ist das so? (m / Foto: Schelbert)


Das GERDA-Projekt soll mit Blick auf die flächendeckende Einführung des E-Rezeptes zu einem der Prestige-Pilotprojekte der Apothekerschaft werden. Zum Start des Vorhabens sind aber nur 46 Apotheken in Stuttgart und im Kreis Tuttlingen gemeldet. Woran liegt das? Unter anderem daran, dass der Software-Hersteller CGM Lauer seinen Kunden eine Teilnahme an dem Projekt nicht ermöglicht. Gegenüber DAZ.online erklärt das Unternehmen seine Beweggründe dafür. Der Landesapothekerverband hätte sich eine Teilnahme der CGM Lauer-Apotheker jedenfalls gewünscht.

Monatelang haben die ABDA-Tochter NGDA, die Kammer und der Verband an dem Konzept gebastelt. Das Projekt musste vertraglich mit allen Teilnehmern und den Kassen abgesichert werden. Die NGDA musste den technischen Hintergrund konzipieren und regeln, wie das E-Rezept, das im GERDA-Projekt ausschließlich von Online-Ärzten verordnet wird, vom Server über den Kunden in die Apotheke kommt. Und schließlich mussten auch Änderungen an der Software der teilnehmenden Apotheken vorgenommen werden, damit die digitalen Verordnungen in der Warenwirtschaft bearbeitet werden können. Insofern mussten die GERDA-Initiatoren auch viel mit den Software-Anbietern sprechen. Denn: Nur wenn sie ihre Software anpassen und eine Anbindung an das GERDA-System technisch ermöglichen, können die Apotheker auch wirklich teilnehmen. 

E-Rezept: Es geht nur mit den Software-Anbietern

Nach Informationen von DAZ.online sind zum Start des Projektes die zum Noventi-Konzern gehörende Awinta und Pharmatechnik bereit gewesen. Auch die ADG, die zum Phoenix-Konzern gehört, nimmt teil. Ein Unternehmenssprecher bestätigte gegenüber DAZ.online: „Die ADG nimmt an dem Projekt teil und wird ihren Kunden die Teilnahme ermöglichen“. Anders sieht es hingegen bei CGM Lauer (ehemals Lauer-Fischer) aus. 

Schon in den vergangenen Tagen war von den CGM-Lauer-Kunden aus der betroffenen Region immer wieder zu hören, dass ihnen eine Teilnahme nicht möglich sei. Dem Vernehmen nach haben sich mehrere interessierte Inhaber aus der Region bei CGM Lauer gemeldet – eine Umstellung des Winapo-Systems sei aber nicht möglich, so die Antwort des Konzerns gegenüber den Pharmazeuten. DAZ.online hat bei der CompuGroup-Tochter nachgefragt: Wie viele der etwa 190 Apotheker in Stuttgart und Tuttlingen ihre Software dort beziehen, wollte der Konzern nicht mitteilen.

Zu den Gründen der Nichtverfügbarkeit erklärte eine Sprecherin: „Grundsätzlich halten wir GERDA für ein sehr gutes Konzept. Dennoch ist es nur eines von aktuell 52 E-Rezept-Projekten. Diese können natürlich nicht alle an Winapo® angebunden werden. Wir haben uns nicht gegen GERDA entschieden, sondern vielmehr dafür, unsere Ressourcen zum größtmöglichen Nutzen für unsere gesamte Kundschaft einzusetzen.“

LAV: Wir bedauern das außerordentlich

Nach Informationen von DAZ.online soll der Konzern seinen Kunden in der Region mitgeteilt haben, dass man ein eigenes E-Rezept-Versorgungsmodell entworfen habe, das allerdings zu einem späteren Zeitpunkt starten soll. Ein wichtiger Termin ist für CGM Lauer offenbar der Verkündungstermin der E-Rezept-Spezifikationen durch die Gematik am 30. Juni 2020. Gematik-Chef Dr. Markus Leyck-Dieken hatte in der vergangenen Woche daran erinnert, dass die Gematik das Grundgerüst für den E-Rezept-Transfer baue und den einzelnen Projektbetreibern Zurückhaltung empfohlen. Offenbar kann sich CGM Lauer vorstellen, die Apotheker an GERDA anzubinden, sollte die Gematik große Teile des GERDA-Konzeptes übernehmen. Die Konzernsprecherin:


Die Spezifikationen für das E-Rezept werden von der Gematik im Jahr 2020 definiert. Hier wurden mehrere Konzepte der Industrie eingereicht. Sollte das Konzept GERDA in den kommenden Monaten weiterentwickelt werden, um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen und in der Folge als bundesweites Konzept von der Gematik bestätigt werden, wird auch CGM LAUER dieses Konzept in Winapo selbstverständlich umsetzen.“

CGM Lauer-Sprecherin


Die Sprecherin bestätigte gegenüber DAZ.online zudem, dass man gemeinsam mit dem Mutterkonzern ein technisches Konzept entworfen habe, das allerdings nicht als Modellprojekt noch vor dem Sommer 2020 getestet werden soll. Wann genau das Konzept von CGM Lauer umgesetzt werden soll, beantwortete die Sprecherin aber nicht. Auch hier bezieht sich der Konzern auf den Zeitplan der Gematik: Deren Vorgaben würden für alle Teilnehmer verpflichtend umzusetzen sein. „Eine zeitnahe Umsetzung dieser flächendeckenden Lösung“ sei der richtige Weg, um eine große Reichweite und breite Akzeptanz für das E-Rezept zu erreichen.

LAV: Wir hätten uns über die Teilnahme gefreut

Der Landesapothekerverband findet das schade. Auf Seiten der Apotheker hätte man sich natürlich eine möglichst große Teilnehmerzahl gewünscht – einerseits, um das Projekt valide evaluieren zu können und andererseits auch aus politischen Gründen: Schließlich wollen die Apotheker, die in der Gematik an der Arbeit rund um das bundesweite E-Rezept involviert sind, ein gut funktionierendes Vorbild präsentieren. Tatjana Zambo, Vizepräsidentin des LAV, erklärte gegenüber DAZ.online:


Selbstverständlich hält sich unser Projekt GERDA an die bislang gestellten Anforderungen der GEMATIK und ist kompatibel. Wir haben zeitgerecht alle Apotheken-Softwareanbieter über die ADAS eingeladen, sich an unserem Projekt zu beteiligen und bedauern außerordentlich, dass nicht alle Anbieter unser Projekt unterstützen. Sie nehmen damit den Kolleginnen und Kollegen mit ihren Apotheken die Chance, ebenfalls erste Erfahrungen mit dem E-Rezept für gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten in Baden-Württemberg zu machen. Da noch nicht aller Tage Abend ist, hoffen wir, dass die Systemhäuser, die sich noch nicht für GERDA entschieden haben, Ihre Haltung überdenken und ihre Kunden hier bald möglichst technologisch unterstützen.“

Tatjana Zambo, Vizepräsidentin LAV Baden-Württemberg




Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

super,oder?

von Karl Friedrich Müller am 11.11.2019 um 14:35 Uhr

statt gemeinsam was zu machen, haben wir 52! Projekte.
So ein Schwachsinn. Die digitale Vielfalt ist eher ein Fluch.
Es wird keiner alle Möglichkeiten umsetzen können oder gar bezahlen.
Wir brauchen EIN Projekt für ALLE.
Zumal ich, wie schon geschrieben habe, davon überzeugt bin, dass letztlich nur das BMG entscheidet, was und wer machen darf. Der heißt DocMorris und niemand anders.

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