Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

30.06.2019, 07:45 Uhr

Das Apotheken-Stärkungsgesetz: Nichts ist klar, denkbar ist alles. Und das in heißen Zeiten! (Foto: Andi Dalferth)

Das Apotheken-Stärkungsgesetz: Nichts ist klar, denkbar ist alles. Und das in heißen Zeiten! (Foto: Andi Dalferth)


Heiße Zeiten! Die ABDA sieht kein Ende des Apothekensterbens. Kein Wunder, das Rx-Versandverbot hat nicht in jedem Fall mehr Prio eins. Und wie geht’s mit dem Apotheken-Stärkungsgesetz weiter? SPD-Lauterbach weiß es: Nichts ist klar, denkbar ist alles. Und die Versender können’s kaum erwarten, sie lecken sich die Finger nach dem E-Rezept. Sie wissen, dass es auch die Patienten wollen, weil sie dann endlich Rabatte und Boni kriegen. Und wir Vor-Ort-Apothekers haben weiterhin die Importförderklausel an der Backe. Es bleibt heiß.

24. Juni 2019 

Auch wenn das Magazin „Focus“ von einer „ABDA-Studie“ zur Entwicklung der Apothekenzahlen spricht, wonach sich die Apothekenzahl in den kommenden zehn Jahren um weitere 2200 Betriebsstätten verringern könnte: Natürlich hat die ABDA keine Studie darüber. Wie auch, mein liebes Tagebuch, Studien sind einfach nicht das große Ding der ABDA. Die ABDA schreibt da lieber stammtischmäßig die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre fort und kommt dann so pi mal Daumen auf die 2200 Apotheken, die auf der Strecke bleiben. Also, kann man machen, ist aber nicht sonderlich professionell. Aber so isse, unsere ABDA. Sicher, mein liebes Tagebuch, die Entwicklung ist nicht genau vorhersehbar, aber professioneller wäre es z. B., verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Parametern (aus dem Apotheken-Stärkungsgesetz) durchzuspielen. Und daraus mögliche Strategien zu entwickeln. Nun ja, nach ABDAs „rechnerischer Fortschreibung“ haben wir dann eben 2029 nur noch 17200 Apotheken. Und, was bedeutet das dann für die flächendeckende Versorgung? Was es auf jeden Fall bedeuten könnte: weniger Kammerbeiträge, weniger Geld für die ABDA – und vielleicht schafft sich die ABDA dann noch selbst ab. Und ob wir dann noch 17+17 Apothekenorganisationen brauchen, ist mehr als fraglich. 


Er ist ein wackerer Kämpfer fürs Rx-Versandverbot: Jörn Graue, Vorsitzender des Hamburger Apothekervereins und Vorstandsvorsitzender des Norddeutschen Apothekenrechenzentrums (NARZ). Auf der NARZ-Mitgliederversammlung schaute er sich die berufspolitische Situation und die Kabinettsvorlage zum Apotheken-Stärkungsgesetz an und resümierte: „Gegen institutionelle Grausamkeit ist man machtlos.“ Wie wahr, mein liebes Tagebuch. Graue ist überzeugt: Das von Minister Spahn angestrebte Gesetz könne das Ziel der Gleichpreisigkeit nicht erreichen. Und deshalb müsse man das strikte Rx-Versandverbot auf allen Ebenen fordern. Mein liebes Tagebuch und lieber Herr Graue, bleiben wir Realisten, mit dieser ABDA ist der Zug zum Rx-Versandverbot schon lange abgefahren. 



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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9 Kommentare

Wo ist das Zukunfts-Gutachten der Apotheken (nicht nur) für die Politik?

von Christian Timme am 30.06.2019 um 20:40 Uhr

Nehmen wir doch nur die bereits skizzierten Grundzüge von Peter Ditzel, s.o. 24. Juni 2019, und vervollständigen diese auch unter der Einbeziehung von Plan C. Ob dieses Unterfangen der ABDA bzw. den MO zusagt ... möchte ich bezweifeln. Sollte es noch „andere Kräfte“ geben ... es ist höchste Zeit ... von diesem „Friedhofsweg“ abzubiegen ... und einen neuen Weg zu schlagen und zu gehen ...

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Felix Maertin

von Roland Mückschel am 30.06.2019 um 19:31 Uhr

Warum das totgeschwiegen wird?
Weil Plan C den Besitzern der Gross-Apothekern nicht
passt. Die befürchten eine wirtschaftliche
Erholung der Buden(Schmidtsche Apotheken.)
Das wiederum steht den Expansioninteressen unserer
Repräsentanten entgegen.
Es handelt sich um keinen Fonds, wichtig.
Es wird nur die Grundversorgung und die
Flächenversorgung besser gewichtet.
Ich habe hier in den Foren noch keine
vernünftigen Gründe gegen Plan C gelesen.
Und wenn war es pauschaliert und falsch dazu.

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AW: Felix Maertin

von Karl Friedrich Müller am 30.06.2019 um 21:02 Uhr

Großes Like.
Anders lässt sich die gesamte Verweigerungshaltung unserer Standeszertretung nicht erklären

Gleichlange Spiesse

von Anita Peter am 30.06.2019 um 17:07 Uhr

Sollte die Politik nicht endlich die versprochenen gleichlangen Spiesse herstellen ( Die sind mit einer Preisbindung auf Verkaufsseite noch lange nicht gegeben!! ), dann sollten wir uns zum 01.01.2020 von allen defizitären Aufgaben selbst befreien.
Unsere Standesvertretung will nicht kapieren, dass wir nur mit harten Bandagen weiterkommen. Mit ihren Gesprächen hat sie folgendes erreicht: Kein RXVV, keine PB mehr, keine Honorarerhöhung.

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MNV Mitglieder-Neutralisierungs-Verein entlastet ABDA ....

von Christian Timme am 30.06.2019 um 9:11 Uhr

Endlich wird das unsichtbare Händchen von FS und ... „sichtbar“. Wie von „Geisterhand“ wenden sich die Dinge „zum Guten“ ... welch ein Fortschritt für eine bereits „geteilte und damit entmündigte Apothekerschaft“ ...

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Herzallerliebst !

von Ulrich Ströh am 30.06.2019 um 8:54 Uhr

Lieber Herr Ditzel,
zu den von Ihnen zitierten
„herzallerliebsten Dienstleistungshonoraren “ :

Bei uns an der Küste wird aktuell das Segelschiff
GORCH FOCK restauriert..
Inclusive neuer Ausrüstung für ca. -150 Millionen Euro-.

19500 APOTHEKEN sollen als Einstieg das exakt gleiche Dienstleistungshonorar erhalten.

Ein Segelschiff an der Pier entspricht 19500 Offizinapotheken
in Deutschland.

Zahlen ersetzen alle Argumente !

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Die Versender machen den Profit.…

von Gunnar Müller, Detmold am 30.06.2019 um 8:27 Uhr

Und wir die Arbeit!
Das schreit doch förmlich nach „Plan C“ - der längst überfälligen „Reformierung“ der Apothekenvergütung. Die Strukturen haben sich doch längst gewandelt. Und damit auch die Kostenstruktur!
Es ist doch eine Frechheit, dass die großen Versender dasselbe Bakschisch bekommen wie die kleinen Apotheken vor Ort…
Und die ABDA und ihre Repräsentanten und -Onkels schauen zu…

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Die Versender machen den Profit

von Felix Maertin am 30.06.2019 um 8:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Müller,

Ich finde Ihre Reformidee sehr interessant und wundere mich, warum diese nirgendwo breiter diskutiert wird.
Gibt es von offizieller Seite hierzu eine Stellungnahme oder fundierte Widersprüche?

Unabhängig davon wissen wir, das eine solche Reform weder durch CDU noch die SPD umgesetzt werden würde.
Da aber alle die Grünen als Apothekenvernichter bezeichnen, diese aber wohlmöglich die stärkste Kraft in Deutschland werden könnten, sollten wir uns gerade an diese Partei mit der Idee annähern. Diese sieht ja Reformbedarf!

AW: @Felix Maertin - Die Versender machen den Profit ...

von Christian Timme am 30.06.2019 um 9:47 Uhr

weil „Opportunisten“ ungern „diskutieren“ und der offiziellen Seite die „fundierten Widersprüche“ schon länger abhanden gekommen sind ... könnte das so sein?

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