Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

09.06.2019, 08:00 Uhr

Kommt noch die Erleuchtung für Kammern und Verbände? (Foto: Andi Dalferth)

Kommt noch die Erleuchtung für Kammern und Verbände? (Foto: Andi Dalferth)


Pfingsten! Erleuchtung! Eingebungen von oben! Nach nichts sehnen wir uns Apothekers derzeit mehr. Zumindest unsere „Oberen“, die ABDA, die Kammern und Verbände. Denn sie wissen derzeit nicht mehr ein noch aus, wie sie mit den Spahnschen Offerten des Apotheken-Stärkungsgesetzes umgehen sollen. Akzeptieren und klein bei geben oder hart kämpfen? Beides hat Chancen und Risiken. Wir brauchen ein Pfingstwunder! Sonst bleiben wir weiterhin die Pfingstochsen. 

3. Juni 2019 

Ihr Wort in Gottes Ohr! Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag (CDU), hat versichert: Ihre Partei achtet darauf, das die freie Apothekenwahl und das Zuweisungsverbot eingehalten werden, wenn das E-Rezept kommt. In der Politik hat man nämlich mitbekommen, dass DocMorris in Sachen E-Rezept mit den Fachärzten kungeln will. Auch wenn noch nicht raus ist, was der Versender genau im Schilde führt – angeblich sollen auch Vor-Ort-Apotheken mit in das E-Rezept-Projekt eingebunden werden –, Maag hat wissen lassen, dass auch in Zukunft der Patient entscheidet, wohin sein E-Rezept geht, nicht der Arzt und schon gar nicht ein Versandhändler. Schön zu hören, mein liebes Tagebuch, allein wer weiß, welche netten Angebote und Freundlichkeitsgesten da zwischen dem Onkel Doktor und seinem Patienten ablaufen, unterstützt durch die Aussicht auf ein paar Euro Rabatt: Lieber Patient, wenn Sie möchten, kann ich Ihr Rezept gleich an einen Versender weiterleiten, und sie erhalten sogar noch 10 Euro Rabatt! Alles wird ganz bequem für Sie nach Hause geliefert! Aber selbstverständlich nur, wenn Sie es möchten!“


Unsere lieben Heilberufsbrüder und -schwestern, die Ärzte, sticheln gegen uns. Auf ihrem Ärztetag haben sie die Bundesregierung aufgefordert, einen Sicherstellungsauftrag für die Medikamentenversorgung zu vergeben. Wer diesen Sicherstellungsauftrag bekommen soll, haben sie offen gelassen. Ups, mein liebes Tagebuch, sollte es den Ärzten entgangen sein, dass genau dies bereits das Apothekengesetz geregelt hat? Nämlich: „Die im öffentlichen Interesse gebotene Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung der Bevölkerung“ obliegt den Apotheken. Punkt. Was führen die Ärzte da im Schilde? Machen Sie sich etwa Sorgen wegen der Lieferengpässe? Das liegt nicht an den Apothekern. Da sollten sie sich an die Pharmaindustrie wenden. Was auch auf dem Ärztetag zu hören war: Die Ärzte wettern lautstark gegen das geplante Recht für Apotheker, gegen Grippe impfen zu dürfen, wie Spahn es vorgesehen hat. Die Apotheker erwerben während ihres Pharmaziestudiums nicht die fürs Impfen notwendigen Kompetenzen, poltern die Ärzte. Als ob das der Grund wäre, mein liebes Tagebuch, lernen kann man alles. Tja, und wenn Spahn das will… 



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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37 Kommentare

16 Jahre Nachdenken, Grübeln, Kusche(l)n.....

von Gunnar Müller, Detmold am 10.06.2019 um 14:58 Uhr

Lieber Kollege Herzog, das sind mehr als drei Amtsperioden.
Und das Ergebnis ist für jede/n Kollegin/en mit Auge, Ohr, Herz und Verstand erkennbar.
Der Analysen gibt es genug. Der Analysten auch.

Was hat zu geschehen:
1. Kollektiver, ehrenvoller Rücktritt aller Mandatsträger innerhalb der ABDA und ihrer Gremien - ggf. auch ihrer Verwaltung - bis Jahresende, die 8 oder mehr Jahre allein durch ihre Anwesenheit daran Anteil hatten, wie der Karren kontinuierlich in den Dreck gefahren wurde.
2. Nachbesetzung der EhrenamtsPlätze durch direkte Wahl in den Kammerversammlungen bzw. in den Verbandsgremien/Versammlungen.
3. Schaffung einer neuen Struktur, die eine Durchgängigkeit in Sachfragen bis in die gewählten Kammerversammlungen bzw. die Verbandsgremien/Versammlungen schafft.
4. Parallel dazu Schaffung einer neuen Struktur, die die Apothekerbasis mit einbezieht.
5. Schaffung neuer Kompetenzen für die Hauptversammlung der Deutschen Apothekerinnen und Apotheker
6. In Nordrhein und Westfalen-Lippe wird derzeit gewählt ....
Noch Fragen...?

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Nachdenkliches ...

von Reinhard Herzog am 10.06.2019 um 11:40 Uhr

Da sind ja wieder viele sehr nachdenkenswerte und gute Beiträge zusammengekommen ...

Ja, in der Tat bringt mich da Manches zum Grübeln (aber noch lange nicht "zur Räson"), wo ich ja nun bekannterweise eine recht liberale Sichtweise vertrete.

Ich verstehe sehr gut, dass bei vielen Kolleg*innen teils die nackte Angst im Nacken sitzt, wenn es um so grundsätzliche Veränderungen wie eine Preisgabe bisheriger zentraler Stützpfeiler des Berufs geht, auch wenn diese zunehmend wackelig und unterspült werden.

Also kippen wir eben nochmals etwas Beton drunter. Ja, zementieren wir das Bisherige, versuchen wir, unsere Vergütung wieder mal abzusichern. Für wie lange? Ist das wirklich auf längere Sicht tragfähig? Was sagt künftig die Politik? Egal. Hauptsache, wieder einmal gutgegangen. Ein insoweit verständliches, teils schlicht existenziell bedingtes Unterfangen.

Aber ich stelle mir noch eine ganz andere Frage.

Was macht das mit den Menschen, dem Beruf bzw. hat es bereits aus ihnen gemacht?
Die ständige Bittstellerei? Diese Selbstverzwergung? Das Festhalten an in der Einzelhandelslandschaft skurrilen Besonderheiten, die sich rein rational, mal ganz ehrlich und unvoreingenommen, nur mit vielen Verrenkungen rechtfertigen lassen? Etwas zugeteilt bekommen statt im Wettbewerb zu verdienen (ein großer Unterschied!)? Sich ständig selbst von eigenen Lieferanten und "Partnern" auf der Nase herumtanzen und ausnehmen zu lassen?

Weshalb sich der Berufsstand konsequenterweise als zahmer Schoßhund geriert, der förmlich darum bettelt, in seinen Zwinger eingeschlossen zu werden - gegen garantierte Kost (zunehmend Fertigfutter mit Qualitätserosion ...). Das erklärt einiges vom Verhalten unserer Vertreter.

Ja, was macht das mit den Menschen?
Diese ständige Abhängigkeit, dieses Dauer-Gebücktsein, das Einknicken und Schwanzwedeln, wenn der Stock droht?

Und ist das auf Dauer erstrebenswert? Gewinnen wir so noch selbstbewussten Nachwuchs, die wirklich Guten eines Jahrgangs, abseits der "Generation Erben" von apothekerlichen Clanstrukturen oder Teilzeit- und Hobbykräften?

Oder wagen wir doch nicht lieber mehr Freiheit, besinnen uns auf unsere Größe und Stärke, gewinnen mehr Durchsetzungskraft, was sicher Risiken birgt (das Selektivvertrags-Risiko, lieber Kollege Müller, sehe ich durchaus auch, halte es aber für beherrschbar), aber eben viele Chancen eröffnet in einem ja durchaus zukunftsträchtigen Markt?

Freiheit, die endlich mal aufrecht gehen lässt? Die aber auch klug gestaltet (und vorbereitet) werden muss, sonst landen tatsächlich zu viele auf der Speisekarte des Großkapitals.

Nun, ich persönlich habe mich immer für die Freiheit, die Unabhängigkeit entschieden, auch wenn es mal unbequemer und riskanter war. Ist vielleicht insoweit auch eine persönliche Geschichte. Aber schlecht gefahren bin ich damit nicht. Und andere, die so ticken, mehrheitlich ebenfalls nicht. Ganze Branchen inklusive, die eben erst aus der Liberalität heraus entstehen konnten ...

Aber es würde mich tatsächlich interessieren:
Was macht diese ständige Abhängigkeit, diese Schraubstock-Situation, mit den Menschen? Oder wird das verdrängt, gar nicht als solches wahrgenommen?
Und stimmt das "Schmerzensgeld" eben doch immer noch, zumindest mehrheitlich?

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AW: Nachdenkliches

von Karl Friedrich Müller am 10.06.2019 um 12:14 Uhr

Danke für diesen Kommentar.
Zeigt toll unsere Unfreiheit und Zerrissenheit.
Wir sind der Depp und die Weihnachtsgans für alle. Weil wir keine Möglichkeit haben, uns zu wehren.

AW: Die letzten 3 nachdenklichen Schlüssel-Fragen oder Holt uns der Teufel

von Bernd Jas am 10.06.2019 um 13:34 Uhr

1. Krank in Geist und Körper.
2. Solange bis es so RICHTIG knallt und das ist gar nicht mehr so lange hin. (Ihrer Meinung nach durch Klima; meiner Meinung nach durch Weltwirtschaft)
3. Nein, schon lange nicht mehr.

Und oben drauf noch ein riesen LIKE für Ihren Kommentar.

AW: Nachdenkliches und Innovatives !

von Ulrich Ströh am 10.06.2019 um 13:52 Uhr

Sicher sehr vieles richtig analysiert, lieber Kollege Herzog.

Aber was hilft es weiter,wenn wir hier im Forum vermutlich Deutscher Meister in der pointierten Analyse sind
und bleiben?

An der Umsetzung mangelt es seit Jahren!

Daher schlage ich vor,daß Kollege Ditzel ein zeitnahes Gespräch zwischen ABDA -Spitze und Teilnehmern des DAZ-Forums vermittelt.

Hätte doch mal innovativen Charakter....

Herr Ditzel,kriegen Sie das hin in Berlin?

AW: "das Leben in die eigenen Hände nehmen"

von Christian Giese am 10.06.2019 um 15:44 Uhr

Nachdenkliches zu EDEKA, EDEKA, EDEKA.
Genossenschaften machen Mut und geben Energie. Müssen nicht ökonomisch sein.
Es gibt auch Wissensgenossenschaften wie Wikipedia u.a.
Noch ist Polen nicht verloren!

AW: Interessant nachgedacht: Aber nun mal KONKRET

von Wolfgang Müller am 11.06.2019 um 11:50 Uhr

Über Ihr feuriges rhetorisches Drama muss ich schon schmunzeln. Das extrem negativ besetzte "Nackte Angst" (ja bekanntlich der schlechteste Ratgeber) mit dem vernünftigen bestmöglichen Beharren auf dem aktuellen Preisgefüge und den aktuellen Eigentums-Strukturen zu verknüpfen, tss tss.

Und dann als ausgewiesener rundum "Liberaler" (nehmen Sie es mir als ehemaligem FDPler übel, wenn ich sie da intern eher als seeehr Wirtschafts-, wenn nicht Neo-Liberalen eingeordnet hätte?) auch noch den extrem positiv besetzten Begriff "Freiheit" genauso zwingend zu verbinden mit der Offenheit für eine umfassende Apothekensystem-Neuorganisation inkl. GKV-Selektivverträgen: Bitte?

Aber schieben wir die Spässken mal beiseite, so bleibt: Sie halten "Selektivverträge" für beherrschbar, ich halte sie - genau wie "Einschreibepatienten-Systeme", schlimmstenfalls beides zusammen, für vollkommen unbeherrschbar. Eher sogar für den bestmöglichen Rezeptumsteuerungs-Einstieg für "Die Anderen". Da würde uns Fähnlein Freiberuflicher dann auch keine "bessere Kooperation" oder "Apotheken-Edeka" mehr einigermaßen sicher gegen diese Dumping-Strategen von DocMorris bis Boots helfen können.

Aber genau, "Apotheken-EDEKA". Dazu nochmal die Frage, und DAS sollte vielleicht mal unser großes Thema für die nächsten Quartale werden: Was stellen sie sich da KONKRET vor, WAS sollte von WEM getan werden, um diese zweifellos vorhandene, gute Chance auszuschöpfen? KONKRET und JETZT, besser wäre es ja, als nur weiter zu quatschen? Wie es die unsägliche ABDA seit ewigen Zeiten bei der Frage nach KONKRETEN Dienstleistungen und deren KONKRETER Honorierung tut?

Mal SEHR konkret: Vor ca. 10 Jahren war an der Spitze der Berliner Apotheker-Organisationen ja schon mal eine hoch erfreuliche Arbeitsgruppe Richtung „Apotheken-EDEKA“ eingerichtet worden, wirklich auch DIE Top-Leute dabei, um sowas mal zu beginnen. Das hat in Anknüpfung an meine Industriezeit mit weißgott komplizierteren Projekten mal so RICHTIG Spaß gemacht, und ein Erfolg schien sehr realistisch.

Nach meinem Empfinden wurde das nach ersten hochrangigen, sehr positiven externen Kontakten für die Abwicklung aus "Nackter Angst" vor der eigenen Courage, Angst vor der benötigten Zeit und Energie, oder was weiß ich, sang- und klanglos Top-down beerdigt (ja, tatsächlich; es gab keine letzte AG-Sitzung zwecks Erläuterung des Endes). Vielleicht auch nach Anfrage bei „Der ABDA“/dem DAV, ob man sowas überhaupt darf ….

Jetzt also daraus abgeleitet eine weitere, konkrete Frage an Sie: Das Ziel war damals, ein Heavy Franchising gerade zu vermeiden, eine Alternative mit möglichst großer FREIHEIT zu entwickeln. Der Arbeitstitel war deshalb "EFA" = EINKAUFS-Gemeinschaft FREIER Apotheker, unter EIGENER Regie und vor Allem: deshalb ohne jegliche Optik- und Produktempfehungs-Vorgaben. Um nicht wie ferngesteuerte Versicherungs- und Anlage-Betrüger zu enden (wahrlich, ich habe viele frustrierte fremd besessene Bankangestellte in meinem Umfeld …). Stellen Sie sich bei Ihrem „Apotheken-EDEKA“ auch SOWAS vor, und/oder eher den entsprechenden Ausbau einer bestehenden Kooperation/bestehender Kooperationen bzw. Genossenschafts-Systeme? Ohne oder mit härterer zentraler Abverkaufs-Steuerung, als von uns damals beabsichtigt?

Ich finde, DAS muss jetzt mal Alles auf den Tisch, was schon Alles dazu gekümmelt wurde bzw. wird. Damit sich wenigstens mal ein paar entscheidende, offene und voran machende Kolleg/innen sich das bewusst machen können, was Alles möglich wäre (ohne "Nackte Angst"), und wo die Gefahren liegen könnten: eben gerade im VERLUST von Freiheit, wenn man es falsch macht und in falsche Hände begäbe.

AW: Nachdenkliches ... aus Müllers KONKRET-Wortgenerator ...

von Christian Timme am 12.06.2019 um 13:00 Uhr

LiEbEr WoLGanG MÜlLeR ...

33 von 34 schweigen

von Christian Giese am 10.06.2019 um 10:51 Uhr

Schweigen schadet,
nur wer reagiert, gewinnt.

Nochmal, wer sind diese 33?

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Fatalismus: Nein Danke

von Wolfgang Müller am 09.06.2019 um 18:07 Uhr

Die Berufspolitik muss sich jetzt eigentlich für die Zukunft der normalen, Inhaber-geführten Apotheken endlich zusammenreißen. Und erstmal von allem schnöden Tand wie „Neue Pharmazeutische Dienstleistungen als Primär-Ziel“ befreit das Optimum für die Erhaltung der Gleichpreisigkeit herausholen.

Ganz einfach, ganz langweilig, ganz konservativ, ohne jede Spinnerei und ohne Offenheit für sexy „Innovationen“ auf diesem oder anderen Gebieten, basta.

Wenn aber bezüglich des Erhalts dieser bisherigen, einfachen und langweiligen Strukturen sogar die persönlich und/bzw. intellektuell besonders hochgeschätzten meinungsbildenden und berufspolitischen Protagonisten in Slippery-Slope-Fatalismus übergleiten ..... weil das umgebende, allgemeine "politische Szenario" eben so fatal sei ...... einerseits mit wöchentlich offener werdendem Wohlgefallen in Richtung größerer ("Kooperations“?)-Einheiten (R. Herzog), andererseits mit m. E. falscher Einschätzung allzu eingeschränkter eigener Bewahrungs-Möglichkeiten des Einfachen, Herkömmlichen GEGEN eben diesen vermeintlich zwangsläufigen Groß-Ansatz (Kerstin Kemmritz):

Dann brennt´s wirklich, bzgl. Hoffnungslosigkeit für den Erhalt einigermaßen traditioneller Apotheken-Strukturen.

Wollt Ihr das jetzt eigentlich überhaupt noch WOLLEN? Oder in der neuen, real existierenden Umgebung wollen zu dürfen können glauben? Dass die Inhaber-geführte, zumindest RELATIV kleinteilige Apotheke eine Überlebenschance hat?

Wenn man z. B. als Berufspolitik endlich mal den ganzen sie umgebenden Mammut-Kosten-trächtigen BAK-, DAV/GKV-Vertrags-, ABDA-, AVOXA-Interessenverflechtungs-, Analytik-, Perspektiv-Neurosen-, Bürokratie-, Kindergarten-etc-Mist vielleicht DOCH endlich einmal auf- bzw. besser: abzuräumen überhaupt ANFINGE?

Statt weiter auf vollkommen unnötige, in kleineren Betrieben sogar evident Qualitäts-mindernde Aufgaben-Kompliziertheit und entsprechenden Kontrollzwang "Berufs-Identitäts-stiftend" (und für bestimmte Geschäfts- und wissenschaftliche „Partner“ höchst Gewinn-trächtig) weiter abzufahren, please?

Ich empfehle das Ganze zur notwendigen Klärung der Gedanken einmal AUSSCHLIESSLICH und EHRLICH von der Markt-, und dementsprechend: Marketing-Seite anzugehen (warum ist diese überall woanders mit Abstand wichtigste Sicht bei „Uns“, bis hin vor Allem zu „unseren“ einschlägigen BWLern, dermaßen unüblich/unpopulär?):

Bitte einfach mal die Frage ENDLICH ernst nehmen, was denn "Der Kunde" bzw. "Der Patient" in Zukunft von "seiner" Apotheke WIRKLICH erwartet, und eben NICHT, was uns selber irgendwie toll, erfüllend und vor allem deshalb so wichtig erscheint. DAS wird uns dann bestimmt auch „Die Politik“ jedweder Couleur gar nicht so ungern auskömmlich zu erhalten helfen. Zumindest wenn sie uns (im Gegensatz wohl zu den ABDA-Führung/Spahn-Geheimrunden) dabei ernst nehmen kann.

Soviel kann ich aus meiner "gemischten Gruppe" schon verraten: Was die Ärzte betrifft, so wollen die Patienten GARANTIERT nicht, dass sich z. B. der Hausarzt in naher Zukunft in „Großen Einheiten“ wiederfindet (oder gleich im Bildschirm). In uniformen "Kooperations-" bzw. Fremdbesitz-Massen-Praxen, also. Bei ständig wechselnden, persönlich nicht mehr allzu sehr greifbaren und haftenden MVZ-Ärzten, z. B.

Diese Entwicklung „Weg vom Einzelkämpfer“, hin zu „betriebswirtschaftlich entlasteten Ärzten in großen, von Betriebswirten optimal organisierten Unternehmen“ (was z. B. auch bei Ulla Schmidt so TOLL klang, und in Wirklichkeit so elend billig suggestiv ist) befand sich für viele vermeintlich auch schon längst auf einer Slippery Slope. Nix is, die Ärzte werden sich NICHT darauf einlassen, und die Politik wird sie unterstützen. Wäre das nicht auch für uns doch noch eine Kampfes-werte Idee, sich so wie die Ärzte zu verhalten, wenn es um bedrohlich wachsende, nur vermeintlich naturgegebene Fremdbestimmung geht? Mal ganz zaghaft in die resignierte Runde gefragt?

Übrigens: Keine Ahnung, warum eine schwarz-grüne Regierung ggf. nicht auch noch entsprechend zu überzeugen sein sollte, wenn dermaleinst bei uns „Ganz Oben“ nicht nur in ihrer Perspektive getrübte Fatalisten am Werke sein sollten. Der Trend gegen kleinere Apotheken, und generell zum „Versand“ (bzgl. ALLER Waren), wird demnächst bei den Grünen eher kippen. Und auch der „Digitalisierungs“-Megatrend wird eine saftige Relativierung erfahren. Warum sollten wir nicht entscheidend zu dieser absehbaren Entwicklung beitragen? Oder soll das jetzt wieder zu konkret, zu naiv, zu optimistisch sein? So wie eine Apothekers-Kollegin noch Mitte 1989 fragte „Und an den Weihnachtsmann glaubt ihr sicher auch noch?“, als im trauten Kreis von der „sicher bald fallenden DDR-Mauer“ gesprochen wurde?

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AW: Fatalismus: Auch von mir nein Danke

von Kerstin Kemmritz am 09.06.2019 um 19:14 Uhr

So fatalistisch sind doch viele Äußerungen hier heute gar nicht. Ich finde sie durchaus sehr realistisch, lösungsorientiert. Ich bin da auch weder deprimiert noch desillusioniert. Wir haben einiges in der Hand, was wir tun und fordern können. Aber sicher nicht nur für mich liegt das noch nicht alles auf dem Tisch. Absolut nicht. Sicherlich wird es zum Apothekertag einiges an entsprechenden Ideen und Anträgen geben. Hoffen wir, dass das noch nicht zu spät ist. Und dass gute Ideen dort angenommen und dann auch zügig(er als bisher) umgesetzt werden. Gute Ideen sind immer willkommen. Für Berlin haben wir da ja bald eine entsprechende Diskussion. Du bist gerne eingeladen ;-)

AW: Die letzte Woche ... oder DAZ von 09.00h bis 18.00h ...

von Christian Timme am 09.06.2019 um 20:05 Uhr

Neun Stunden DAZ-Beiträge ... von Ramipril und/bis Fatalismus ... kürzer und besser geht’s kaum ...

AW: @KK: konkreter, bitte

von Wolfgang Müller am 10.06.2019 um 0:17 Uhr

Guck ich nochmal rein, und bin schon etwas irritiert.

Ich habe unter "lösungsorientiert" nur den Vorschlag gefunden, endlich den "Mythos Gleichpreisigkeit" zu beerdigen, bzw. den entspr. Schuss endlich zu hören. Und als irgendwie zusammengeschlossene regionale Apothekerschaft(en) bzw. Kooperationen irgendwie GKV-Rx-Selektivverträge in Konkurrenz mit DocMorris und Co. ständig neu zu verhandeln. Entspr. den beiebten vielfältigen Hilfsmittel-Verträgen, und auch irgendwie ähnlich den Hersteller-Rabattverträgen. Später dann sicher auch in Konkurrenz mit Fremdbesitz-Ketten, befürchte ich irgendwie ....

Also ziemlich genau das, von dem wir eigentlich alle glauben (sollten), dass es das ist, was die GKVen und DocMorris in der zweiten Horror-Stufe NACH den Boni erreichen wollen, aber wir selber eher ganz und gar nicht. Oder habe ich da was falsch verstanden?

Bitte hilf mir, wo da sonst noch was realistisch "lösungsorientiertes", nicht so Fürchterliches zu finden wäre.

Ich finde auch nicht, dass wir uns da jetzt noch irgendwie weiter im Stadium des beflissenen "Ideensammelns" befinden dürfen. "Ideen" für Neues (ich hätte da auch mindestens eine, wer noch?) werden erst wieder interessant, wenn unsere Rx-Finanzierungsbasis wieder auf sicheren Füßen steht. Davon darf sich "Die ABDA" (und also jede/r Einzelne in ihr) nicht durch den Dienstleistungs-Nebenschauplatz und sonstige Hamelnsche Moving Targets ablenken lassen. Wie gesagt, totaaaal langweilig, sorry. Aber hier geht es um die exisistentielle Interessenvertretung kleiner bis etwas größerer Kaufleute, und nicht weiter um "Was wäre eigentlich für den Beruf ganz schön?"

AW: Fatalismus: Nein Danke oder 25 Jahr später ...

von Christian Timme am 10.06.2019 um 10:01 Uhr

Vor ... Jahren, s.o., ein DAV-Meeting nahe Heidelberg. Man „dreht sich seit Stunden im Kreis“ ... dann sagt ein Teilnehmer:„Es fehlt uns nicht an Vorschlägen sondern an Umsetzungen“. Stand auf und ging. Immerhin ... das „Problem“ scheint schon länger zu existieren ...

Politik und Wissenschaft

von Dr.Diefenbach am 09.06.2019 um 17:52 Uhr

....passen gerade nicht mehr zusammen.Die Beiträge heute sind durchweg sehr überlegenswert,aber da "man"von Seiten der ABDA-Spitze mal sagte,es mache "keinen Sinn",im Netz zu antworten,ist somit schon auf Herrn Ströhs Einforderung an dieser Stelle die Sache dargelegt."Man" ist sich zu schade,um mit dem "Plebiszit" HIER im Forum zu debattieren.Übrigens ergibt sich auch daraus die neuerliche FORDERUNG darüber nachzudenken,den Präsidenten oder weitergehend auch andere Vorstandsmitglieder(d/m/w) auf dem Apotag zu wählen.Oder auch abzuwählen.Schliesslich weisen die Statuten aus,dass DIESE Veranstaltung das "oberste" Gremium sei,was Beschlüsse betrifft.Mag absurd klingen,diese Forderung ,aber es kann doch nicht mehr schräger werden,was die Ergebnisse betrifft.Da halten sich manche Herren an "Erfolgen" mit Taschentüchern und Bonbons fest-die wahren Punkte ,ich erinnere an den letzten Beitrag am Apotag 2018,als unser Kollege den Antrag auf Überprüfung der ABDA Struktur stellte.Beleidigte Mienen dankten es Ihnen ,Herr Mantell!! Dabei ist schon mal DIESE Reformkommissionseinsetzung fast Schnee von gestern.Es empfiehlt sich somit den Antrag,aber VERSCHÄRFT(!),von Neuem einzubringen.
Zu Frau Dr. Kemmritz:Warum schreiben Sie heute "privat"?das ist völlig unnötig,denn Ihre Ideen und Substanzen sind doch auch als Kammerpräsidentin erst recht HIER im Netz gefragt.Und insofern freuen sich doch etliche,wenn Sie dann als "Offizielle" reden.Es macht sich ja hoffentlich langsam das Umdenken breit,dass die Gewählten(s.oben) es nicht für nötig erachten,sich in der "Breite" einzumischen .WO BLIEB DENN DAS VIDEO MIT ERKLÄRUNGEN VON FRIEDMANN SCHMIDT zu dem Politischen Mist der letzten Tage?Gerade da wäre es mal wieder nötig gewesen.Wo bleibt eigentlich das Einstampfen des Heftchens "2030"? Darüber redet doch keiner mehr.Wo bleibt eigentlich IRGENDEIN Ergebnis ,das Sinn macht ,aus gerade den letzten Tagen.Wenn die Saarland Figuren es schaffen,wegen einer Firma in ihrer Region "Lobbyarbeit" FÜR ein Unternehmen dort zu leisten(welche Perversion,s.Importklausel neueste Variante),dann muss doch klar werden,WARUM wir nicht weiterkommen:Man liest dass das Durchschnittsergebnis in der öffentlichen Apotheke ca 140 TE betrug,ist nicht in der Lage,diese Zahl real zu bewerten,und dann weiss eigentlich der Praktiker,dass Neid und Missgunst seitens der GKV und der Politik über Ratio siegen.Und wir geringste Chancen haben,dass die Honorarfrage ehrlich gelöst wird.
Es wurde schon bemerkt:Wir werden Thunbergisiert und Rezoiert.DAS zählt.Die beiden haben sicher etliche Vorschläge und Ideen,die bedenkenswert sind.Das spaltet aber diese Gesellschaft immer mehr.Und für die Apotheke bleibt dann eben keine Gehirnwindung seitens der Politik.Wir sind lästig.DARAN ist zu arbeiten.Dass sich diese Ideologie ändert!Digital und analog! Wenn es nämlich nicht gelingt,Leuten wie Spahn ,Habeck etc(die haben halt das sagen zur Zeit)gesellschaftspolitische Symbiosen zu verdeutlichen-brauchen wir bald nur noch TELEapothekertage.Oder gar nix mehr!!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Meinungsbildung

von Kerstin Kemmritz am 09.06.2019 um 19:08 Uhr

Ich schreibe "privat", weil es keine abgestimmte "Berliner" Meinung ist. Noch nicht. Und auch da liegt ein Problem: Wenn Abstimmungen nötig sind, ist unser System an vielen Stellen zu langsam. Wir haben erst in zehn Tagen eine Delegiertenversammlung, auf der wir das Thema "offiziell" diskutieren können. Die nächste Vorstandssitzung ist noch länger hin. Für die Zeit dazwischen wären Online-Abstimmungen, Diskussionsplattformen oder andere interaktive Kommunikationsmöglichkeiten sinnvoll. Wir werden daran arbeiten, aber im Moment geht eine Diskussion nur so, obwohl ich mir die natürlich erst mal auch lieber in Berlin mit unseren Mitgliedern wünsche ;-)

Schweigen hilft nicht weiter

von Ulrich Ströh am 09.06.2019 um 12:29 Uhr

Die bisherigen heutigen Kommentare zum Tagebuch vom Kollegen Ditzel lassen mein
Bedauern wachsen,dass es seit
fünf Jahren- hier - nicht zum Austausch der Meinungen mit Standesvertretern mit Verantwortung
kommt,

Warum eigentlich nicht?


Miteinander reden hilft immer.!

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: AW: Schweigen hilft nicht weiter

von Bernd Jas am 09.06.2019 um 12:49 Uhr

Lieber Herr Ströh,

das ist zwar jetzt schon mehr als fünf Jahre her, aber fragen sie mal den "runden Tisch".

AW: 16 Jahre Nachdenken, Grübeln, Kusche(l)n.....

von Gunnar Müller, Detmold am 10.06.2019 um 14:39 Uhr

Das sind mehr als drei Amtsperioden.
Das Ergebnis ist für jeden Kollegen mit Auge, Ohr, Herz und Verstand erkennbar.
Der Analysen gibt es genug. Der Analysten auch.

Was hat zu geschehen:
1. Kollektiver, ehrenvoller Rücktritt aller Mandatsträger innerhalb der ABDA und ihrer Gremien - ggf. auch ihrer Verwaltung - bis Jahresende, die 8 oder mehr Jahre allein durch ihre Anwesenheit daran Anteil hatten, wie der Karren kontinuierlich in den Dreck gefahren wurde.
2. Nachbesetzung der EhrenamtsPlätze durch direkte Wahl in den Kammerversammlungen bzw. in den Verbandsgremien/Versammlungen.
3. Schaffung einer neuen Struktur, die eine Durchgängigkeit in Sachfragen bis in die gewählten Kammerversammlungen bzw. die Verbandsgremien/Versammlungen schafft.
4. Parallel dazu Schaffung einer neuen Struktur, die die Apothekerbasis mit einbezieht.
5. Schaffung neuer Kompetenzen für die Hauptversammlung der Deutschen Apothekerinnen und Apotheker
6. In Nordrhein und Westfalen-Lippe wird derzeit gewählt ....
Noch Fragen...?

Tagebuch, 3.6.

von Heiko Barz am 09.06.2019 um 12:08 Uhr

Liebes Tagebuch, zum 3.Juni, eine kurze Anmerkung.
Was rutschte der gesundheitspolitischen Sprecherin (CDU) Frau Karin Maag über die Lippen?
Ihre Partei ACHTE darauf, ......dass Gleichpreisigkeit und.....ist mir die pfingstalische Erleuchtung versagt worden, oder habe ich Ähnliches nicht schon im Koalitionsvertrag lesen können. Nur da ging es noch um den Grohe-Nachschlag zum RxVV.
-Achten und Kümmern - sind vage und sehr unspezifische Aussagen und wie wir längstens wissen: unwerte dazu! Das ist Valium-Politik reinsten Wassers!
Vielen Dank, Frau Maag, die Hoffnung bleibt, dass Ihnen das widerfahren wird , was glaubensmäßig der tiefere Sinn von Pfingsten ist.

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AMPreisV und Importe

von Uwe Hüsgen am 09.06.2019 um 11:46 Uhr

zu: Importförderung - Spahn steht hinter Kompromiss
"Es gehe darum, eine Balance zwischen Einsparmöglichkeiten und potenziellen Risiken zu finden, erklärte Minister [Spahn]"
Und ich dachte immer, Arzneimittelsicherheit sei wichtiger als Wirtschaftlichkeit. Wie man sich irren kann (?)

zu: AMPreisV ins SGB V einbinden
Dumme Frage: Sollte die AMPreisV in § 129 SGB V eingebunden werden: Wie berechnet der Großhandel zukünftig seine Aufschläge? (Kann er doch nicht voraussehen, ob die Ware zulasten von GKV oder PKV abzurechnen ist.)

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Ehrlich machen - Lebenslügen beerdigen!

von Reinhard Herzog am 09.06.2019 um 11:35 Uhr

Ich denke, hier haben die meisten die Schüsse noch nicht gehört.

Freut Euch über die noch traumhaften Zeiten, in denen überhaupt jemand sich mit solch kleinteiligem Zeugs beschäftigt. Diese Zeit der Kleinteiligkeit und Detailversessenheit für Null-Effekte und die reine Befriedigung von Angstneurosen und Lobbyinteressen wird enden, und zwar viel rascher als die meisten denken.

Da ist nicht nur das Thema Technisierung, Digitalisierung und disruptive Veränderung der Pharma-/Therapielandschaft.

Vielmehr nimmt das Klima- und Umweltthema eine Fahrt auf, die alles in den Schatten stellen dürfte. Ernennt schon mal präventiv einen Klima- und CO2-Beauftragten in der Apotheke.

Die Politik wird zunehmend bereit sein, diesem Klimathema (fast) alles unterzuordnen, ja gar ganze Schlüsselindustrien zu opfern. Viele Arbeitslose inklusive, das bleibt nicht aus. Doch die Bevölkerung fordert das zunehmend, vor allem der Nachwuchs. Und wenn der übergründliche deutsche Klimaendsieg-Gedanke und der Volkssturm ins Laufen kommen, dann gibt es kein Halten mehr. Mit allen Folgen für die Wirtschaft und indirekt für all jene, die am Tropf der Sozialkassen hängen. Wie die Apotheken. Dabei wird es sehr viele massive Verlierer geben - aber auch etliche Gewinner. Vielleicht schult der eine oder andere besser zum CO2-Berater um - statt Arzneimittelberater.

Somit wird wohl ein derart grundlegender Umbau der Wirtschaft und Gesellschaft erfolgen, dass dies unsere Anliegen tatsächlich als "Pille-Palle" dastehen lässt.
Die deutsche Klimarevolution könnte übrigens die letzte Volte unserer Kanzlerin vor ihrem Abgang sein, aber nochmals durchschlagender als alle ihre Wendehalsmanöver bevor.

Betet also zum Wettergott, auf dass er uns einen verregneten Sommer bescheren möge. Sollte nochmals so ein Dürresommer wie 2018 kommen, drehen die hier nämlich alle vollends durch ...

Die Lösung unserer Probleme ist im Grunde ganz einfach. Man muss halt einfach mal den Sprung ins gar nicht so kalte Wasser wagen.

Und das bedeutet im ersten Schritt, sich von dem Mythos Gleichpreisigkeit zu verabschieden. Das wird dann eben durch Verhandlungspreise abgelöst, idealerweise auf Landesebene mit den Kostenträgern, und mit zahlreichen Möglichkeiten, versorgungsrelevante Elemente einzupreisen. Und zudem wird jährlich neu verhandelt. Das bietet eben auch viele Chancen!

Nebenbei müssten dann auch DoMo und Co. solche Verträge schließen - und sich daran halten. Und dann werden die Kassen schon dafür sorgen, dass die Boni eben nicht in den Taschen der Versicherten landen - und umgekehrt ist der Preisspielraum der Versender sehr gering, machen sie doch heute schon Verlust. Einfach mal mehr auf den Markt vertrauen - und die Apotheken vor Ort können viel mehr, als ihnen selbst bewusst ist.

Und wenn man dann auch noch stärkere, u.a. kooperative Strukturen hinbekommt, dann kann die Branche selbst den kommenden Veränderungen trotzen.

An seiner Kleingeistigkeit wird der Berufsstand hingegen bei diesen Zukunftsszenarien scheitern. Mit tödlicher Sicherheit.

Löst er sich von seinen selbst angelegten Fesseln, hat er im Rennen um die Zukunft sogar ausgesprochen gute Chancen. Es gibt weiss Gott schlechtere Märkte als den Life-Science-Markt - gerade in Zeiten des Klimawandels ...

Allen weiterhin noch wunderschöne Pfingsten - oder doch lieber verregnete ;-)

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AW: Ehrlich machen - Lebenslügen beerdigen

von Karl Friedrich Müller am 09.06.2019 um 12:56 Uhr

Dann hat die Politik einiges gründlich missverstanden, wenn sie meint, die Unzufriedenheit liegt allein bei der Klimapolitik.
Es ist ein Grund unter vielen.
Die Bevölkerung fühlt sich nicht wahrgenommen, nicht vertreten, nur verkauft.
Die Politiker zeigen zwanghaft korruptes Verhalten, wie zuletzt Klöckner mit ihrer Werbung für Nestle.
Banken, Konzerne sind wichtig. Der Bürger nicht. Hohe Mieten, hohe Steuern und Abgaben, schlechte Altersversorgung und, wenn es so weiter geht, schlechte Gesundheitsversorgung. Man ist stolz, den größten Niedriglohnsektor Europas zu haben. Wunderbar. Der Mindestlohn ist zu niedrig. Und und und.
Das Fokussieren auf das Klima gibt den nächsten Gau für die Politik. Vielleicht für uns alle

AW: Schneller machen - Lebenslügen aufdecken

von Bernd Jas am 09.06.2019 um 13:10 Uhr

Da ist noch was, was noch viel schneller kommt als irgend welche klimakterischen Anwandlungen.
Die Zerstörung unserer Gesellschaftsordnung durch die Vernichtung des Geldsystems (Negativzins; hat es in der Weltgeschichte meines Wissens noch nie gegeben) einhergehend mit dem Verlust von Millionen Arbeitsplätzen in Zuge der Digitalisierung.
Ich grab mir schon mal mein Kartoffelbeet um, und investiere in Dattelpalmen im Vorgarten.

AW: Ehrlich machen oder: Ehrlich.Machen.

von Kerstin Kemmritz am 09.06.2019 um 13:14 Uhr

Einer der weitblickendsten Kommentare bisher. Ich denke auch, dass sich die derzeitige Parteienlandschaft und auch die Form, wie Politik bisher gemacht wurde, in einer ziemlichen Auflösung befindet. Themen und Formen, diese zu vertreten, haben nichts mehr mit dem gemein, mit dem wir gelernt haben, umzugehen. Das können wir bedauern und betrauern, aber wir werden es nicht ändern.

Vor so einem Szenario wird es politisch auch unmöglich werden, das in unseren Augen einzig Richtige umzusetzen. Wir können das fordern und auch mit Nachweisen und Argumenten belegen, aber es wird nicht passieren, weil Politik so nicht mehr funktioniert, nicht mehr funktionieren kann. Letztendlich hat auch Rezo in seinem Video ja nichts anderes herausgebracht. Und was beim Klimawandel schon nicht funktioniert, wird in Richtung Koalitionsvertrag erst recht mit den Füßen getreten.

Also müssen wir uns mit noch viel, viel mehr Kraft als bis jetzt darauf konzentrieren, was in der heutigen Parteienlandschaft gut und machbar ist. Das ist wenig, aber wenn wir uns geschickt verhalten, hoffentlich nicht zu wenig. Da heißt es dann aber schnell, Scheuklappen ablegen und den Geist von Pfingsten mal ganz frei diskutieren lassen, damit wir die pharmazeutisch erfolgreiche Spreu vom nicht mehr keimfähigen Weizen trennen! Vielleicht nimmt sich jeder mal ein leeres Blatt und ein paar "gemischte" gute Bekannte und fragt sie, was sie sich von der Apotheke 2020 erwarten. Das könnte Wunder wirken ...
Frohe Pfingsten!
(Eure Kerstin Kemmritz, die hier als Privatperson schreibt ;-)

AW: Ehrlich machen - Lebenslügen beerdigen ... Commerzbank ...

von Christian Timme am 09.06.2019 um 13:17 Uhr

... und schon ist der Kammerbeitrag ...

AW: Ehrlich machen - KONKRET KONTROVERS WERDEN

von Wolfgang Müller am 09.06.2019 um 20:14 Uhr

Ehrlich gesagt, so herausragend interessant Ihre Beiträge zu der Frage möglicher Organisationsentwicklungen zur Umgestaltung der deutschen Apotheken-Landschaft abstrakt betrachte ja sind (aber eben eher: aus Firmen-Manager- denn aus Apotheker-Sicht), um so bedenklicher und - sorry - in den hergestellten Zusammenhängen willkürlicher und missweisender erscheinen sie mir von Woche zu Woche.

Mal konkret, zur Bundespolitik:

- Warum diese unnötige, noch nicht mal gönnerhafte Herablassung gegenüber dem zum Schwerpunkt gewordenen, ja wirklich zentral wichtigen Umwelt-Thema? Gegen "Greta" etc.? Ich freue mich (eher konservativ, ehrlich ....) über unsere jungen Leute inkl. Rezo sehr. Das muss bei denen auch nicht Alles ausgegoren sein, war es bei mir in diesem Alter glücklicherweise auch nicht (ist es das jetzt?), aber ENDLICH ist da mal Leben in der Bude (und Nahles ist weg). Einen Dürre-Sommer fürchte ich auch eher, weil es eben sehr wahrscheinlich ein Symptom des Klima-Wandel IST, und wegen deshalb durchdrehender Apotheker mit bizarrem Klein-Klein wie "Temperaturschreiber im Kiez-Botendienst", um über Bande "Den Versand" niederzuringen, harhar.

- Warum sollte uns Inhaber-Apothekern die vermeintliche Übergewichtung von Umwelt-Themen schaden? Gerät "Die Umwelt" in den Vordergrund, gilt es, die Themen "Versand" ALLER Artikel inkl. Verpackungsmaterial- und Retourenmüll bodennah neu zu diskutieren, so what? Da existiert zwar eine Auffassung bei den Grünen "besser die Boten fahren hin und her als die Konsumenten selber", aber das ist doch sooo ein Blödsinn ......

Konkret zu Ihren Innovations-Vorschlägen für unser deutsches Apotheken-System, einfach erstmal nur EIN Punkt::

- "Mythos Gleichpreisigkeit" weg, ihr Deppen, dafür z. B. "Verhandlungspreise ... auf Landesebene mit den Kostenträgern" in Konkurrenz u. a. mit "Verhandlungspreisen" derselben Kostenträger mit DocMorris: So wollen Sie das nun. Jau, das sind eben die Selektivverträge, die das System vollkommen von Deal-Makern abhängig, viel komplizierter, unberechenbarer und willkürlicher machen, Ene Mene Mu, und raus bist Du. Ein Wirtschaftler-Spiel, sicher funny, das immer wieder neu mit Nervenkitzel zu verhandeln. Aber klar: Weil diese Art geiles Business ja der Lauf der Welt ist (s. Trump), was sollen wir uns dem entgegenstellen, als Ewiggestrige ..... naja.

Mein trauriges Fazit: Müsste ich zwischen der aktuellen Inhaber-Dynamik der ABDA (und das ist ja Weißgott immer noch nix Dolles), und Ihren neuen strategischen Ansätzen wählen, ich nähme klar die ABDA. Ich hoffe daher, dass die ABDA nicht Ihres Alles wg. intellektueller Faszination, und Ihrem zwingenden, apodiktischen Ton geschuldet, übernimmt .....

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich finde diese Diskussion notwendig und GUT, ich mag das mehr als die ganze verzagte Rumtrutscherei und wünsche Ihnen, lieber Kollege Herzog, und den anderen hoffentlich Aufgeweckten noch einen schönen Pfingstsonntagabend!

AW: Ehrlich machen - Lebenslügen beerdigen ...

von Christian Timme am 11.06.2019 um 7:49 Uhr

Damit es nicht so einfach wird ... wer kommt zuerst dran? GKV oder PKV ... man beachte bitte die Reihenfolge. Erbitte erste „Zeitschätzungen“ ...

AW: Ehrlich machen ... und noch einen Wunsch ...

von Christian Timme am 11.06.2019 um 8:15 Uhr

eine Antwort von „Slippery-Slope“ ...

Pfingstochse braucht Arzt ...

von Christian Timme am 09.06.2019 um 10:14 Uhr

Der neue Sicherstellungsauftrag für die Medikamentenversorgung durch den Arzt dürfte durch die aktuelle BGH-Begründung, in der die Apotheke und die „abstrakte Gefahr“ über die Krümelhypothese vereint werden, auch auf eine neue Definition des Abstraktionsprinzip hindeuten. Danach werden das obligatorische Verpflichtungsgeschäft mit diversen Spahn-Optionen bei der Apotheke verbleiben und das anschließende ausgeführte dingliche Verfügungsgeschäft auf DocMo übertragen ohne den Arzt zu nennen. Damit ist dem BGH gelungen ... was EuGH und Politik versagt blieb ... Frohe Pfingsten ...

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Urteil

von Karl Friedrich Müller am 09.06.2019 um 10:08 Uhr

Gleiches Recht für alle.
Das Urteil schließt das aus.
Also gilt es nicht.
Der Lobbyismus hat die höchsten Gerichte erreicht und spielt Spahns Plänen in die Hände.
Die Begründung für die bevorzugte Behandlung der Versender wie dem Spahn nahen DocMorris ist lächerlich und unwahr, realitätsfremd.
Es untergräbt das Vertrauen in Staat, Recht und Gerechtigkeit. Der Richter gehört suspendiert.
Und nur wegen ein paar sogenannter Kollegen, die den Hals nicht voll kriegen.
Bezeichnend für den Stand ist, dass nicht etwa über die Bevorzugung, das Zerstören der vor Ort Apotheken diskutiert wird. Nein, sich öffentlich wird beratschlagt, wie das Urteil nun zu umgehen sei.
Pfui den schmierigen Krämerseelen, die nicht erkennen wollen, wie dramatisch die Lage ist.

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Mehr Fragen als Antworten...?

von Gunnar Müller, Detmold am 09.06.2019 um 9:50 Uhr

Dabei könnte doch alles ganz einfach sein:
Ein eigener Gesetzesentwurf zur Stärkung der Apotheken!
Doch dafür bräuchte man - abgesehen von der dafür nun einmal notwendigen Entschlossenheit und Geschlossenheit - erst einmal eine eigene Vorstellung davon, wie denn dieser tolle Beruf die nächsten Jahre überleben könnte UND eine schlüssige Idee, wie er in Zukunft aussehen und funktionieren soll.
Beides haben offenbar weder die ABDA noch Preis, Michels, Engelen und Overwiening - sonst wäre es doch überhaupt nicht zu dieser Situation gekommen, oder?! (Wollen Letztere zur Zeit bzw. demnächst nicht wiedergewählt werden - oder auch nicht...?)

Und komme mir jetzt keiner mit dem Perspektivpapier 2030 und dem ganzen AMTS-Gedöns:
Wer soll das denn alles machen, wenn wir jetzt schon kaum Approbierte bekommen und diese zukünftig dazu auch noch in den Kliniken auf Station eingesetzt werden sollen?
Nebenbei: Mal ganz abgesehen von deren Bezahlung ...

Und solange DAS alles so ist, gilt für mich:
Fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen!

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AW: Wer fragt schon als Antwort? - höchstens die Rhetorik.

von Bernd Jas am 09.06.2019 um 11:28 Uhr

Guten Morgen Herr Ditzel,
guten Morgen liebe Knöttertruppe.

Nebenbei .... , lieber Gunnar, per apothekerlicher Geisterhand, wo´s der Herr Ditzel grad sagt. Wir haben Fiat Geld, Fiat Apotheker, Fiat PTA´s und dafür bekommen wir selbstverständlich auch viel Fiat Arbeit, ist doch klar und hat doch bisher auch immer bestens funktioniert. Denn unser Woodoo-Prinz nickt das alles tickartig und wortlos ab.

Die Politik versucht in zwangsneurotischem Zeiteifer unsere Probleme zu lösen und bemerkt dabei nicht, dass sie selbst das Problem ist.

Wie soll das nur enden?
Die Apotheken als "deutsche Bank" im Gesundheitssystem; nur mit dem Unterscheid, uns fängt keiner auf. Es sei denn Wir wären eine MAX- Apotheke.

AW: Mehr Fragen als Antworten

von Heiko Barz am 09.06.2019 um 11:44 Uhr

Leider, Herr Kollege, haben Sie mir die Argumente - Perspektivpapier 2030 und AMTS schon weggenommen, sodass mir nur bleibt, Ihren Kommentar mit Dank gelesen haben zu können, aber alles prallt ab an den massiven „Eichentüren“ der neuen ABDA-Zentrale.
Die sich dahinter verschanzenden „Spitzenkräfte“ sind demonstrativ entscheidungsresistent, obwohl sie unsere stetig geforderten Argumente im Wortlaut genauestens kennen und leider verantwortungslos mißachten.
Das Bemerkenswerte an Ihrem Kommentar ist aber die geschichtliche Transparenz Ihres letzten Satzes......Die Frage dahinter ist wohl, wem haben die Danaeer ( Spahn ) Geschenke gebracht? Waren das vielleicht Absprachen aus dem geheimen Kämmerlein Gespräch mit unserem „Fels in der Brandung“ - Friedemann Schmidt?

Pfingstwunder

von Conny am 09.06.2019 um 9:43 Uhr

Wir brauchen dieses Wunder nur weil wir seit Jahren einen Totalversager an der ABDA Spitze haben, und es genügend Lemmerlinge warum auch immer gab und gibt.

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AW: Pfingstwunder

von Thomas Kerlag am 09.06.2019 um 9:57 Uhr

Nein weil es für den Leiter immer lukrativer war Taschentücher zu verschenken und Vollkaufmann zu sein.
Und sich den Ärzten unterzuordnen.

Ofenkrustis und Ramipril !

von Ulrich Ströh am 09.06.2019 um 8:58 Uhr

Zunächst wünsche ich allen Mitstreitern ein frohes,sonniges Pfingstfest!

Das BGH- Urteil zum Zugabenverbot bei der Abgabe von Rx-Arzneimitteln sehe als Highlight der abgelaufenen Woche.

Ofenkrustis ,Wasserwecken und Aquarellkalender trivialisierten bislang den Wert des Arzneimittels als Ware der
besonderen Art. Und der freie Heilberufler sah sich dadurch auch nicht gestärkt.
Inkompatibel!

Bin gespannt auf die zeitnahe landesweite Umsetzung des Urteils.

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