Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

30.06.2019, 07:45 Uhr

Das Apotheken-Stärkungsgesetz: Nichts ist klar, denkbar ist alles. Und das in heißen Zeiten! (Foto: Andi Dalferth)

Das Apotheken-Stärkungsgesetz: Nichts ist klar, denkbar ist alles. Und das in heißen Zeiten! (Foto: Andi Dalferth)


28. Juni 2019 

Die Importförderklausel, ein uralter, anachronistischer Zopf mit komplizierten, bürokratischen Vorgaben, haben wir auch weiterhin an der Backe. Der Bundesrat hatte sich zwar dafür eingesetzt, das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV), mit dem die Importförderung neu geregelt wird, zur weiteren Beratung an den Vermittlungsausschuss zu überweisen, mit dem Ziel, diese Importförderklausel zu streichen. Auch der Chef des Deutschen Apothekerverbands, Fritz Becker, hatte noch einen Tag zuvor an den Bundesrat appelliert, diese Klausel ersatzlos zu streichen. Doch alle Bemühungen nutzten nichts, das Plenum des Bundesrates hat das GSAV mit knapper Mehrheit beschlossen – und damit auch den Fortbestand der Importförderklausel. Zu diesem Ergebnis hat wohl auch eine Erklärung von Thomas Steffens, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, beigetragen, der meint, die Importförderung habe nichts mit Arzneimittelsicherheit zu tun. Mein liebes Tagebuch, aber natürlich hat Importförderung auch mit Arzneimittelsicherheit zu tun. Das ist so oft das Problem im Gesundheitswesen: Politiker durchblicken die Zusammenhänge nicht. Importe sind nun mal ein Einfallstor für Fälschungen. So schließt das neue Gesetz beispielsweise Biopharmazeutika und Zytostatika von der Importförderklausel aus. Warum wohl! Letztendlich ist die Beibehaltung dieser sinnlos gewordenen Importförderung ein Musterbeispiel erfolgreicher Lobbyarbeit. Und alles auf unsere Kosten: mehr Arbeit, mehr Bürokratie in der Apotheke. 


Noch ein wackerer Kämpfer fürs Rx-Versandverbot (Rx-VV): der Pharmaziestudent Benedikt Bühler. Es ist schon erstaunlich, wie hartnäckig er sich schon seit Monaten für das Rx-VV einsetzt.  Er will sogar eine Petition in den Petitionsausschuss des Bundestages einbringen. Als man ihm mitteilt, dass sein Petitionsantrag nicht separat veröffentlicht werde, da er angeblich Ähnlichkeit mit einer anderen Petition habe, wehrt er sich. Und er findet Mitstreiter, die ihn dabei unterstützen: den Apothekenrechtsexperten Dr. Douglas und den Großhändler Noweda. Mit juristischer und finanzieller Hilfe legt Bühler Widerspruch beim Bundestag ein und erklärt, dass bei den beiden Petitionen eben „keine wesentliche Vergleichbarkeit“ bestehe. Mein liebes Tagebuch, gut möglich, dass seine Widerspruch Erfolg hat. Aber selbst wenn die Petition letztlich zustande kommt: Die Aussicht auf Erfolg ist in weite Ferne gerückt. Spahn will kein Rx-Versandverbot und selbst die ABDA glaubt schon lange nicht mehr daran – laut neuestem Beschluss der Mitgliederversammlung ist die ABDA-Spitze in politischen Gesprächen nicht mehr automatisch an die Durchsetzung des Verbots gebunden. Mein liebes Tagebuch, Bühler sollte trotzdem die Rx-VV-Kämpfer-Medaille bekommen. Das Rx-VV ist und bleibt die einzige richtige Möglichkeit, die Gleichpreisigkeit zu erhalten. Kein Rx-VV – das ist der Einstieg in den Ausstieg aus unserer Apothekenpreisstruktur mit allen Folgen. 



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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9 Kommentare

Wo ist das Zukunfts-Gutachten der Apotheken (nicht nur) für die Politik?

von Christian Timme am 30.06.2019 um 20:40 Uhr

Nehmen wir doch nur die bereits skizzierten Grundzüge von Peter Ditzel, s.o. 24. Juni 2019, und vervollständigen diese auch unter der Einbeziehung von Plan C. Ob dieses Unterfangen der ABDA bzw. den MO zusagt ... möchte ich bezweifeln. Sollte es noch „andere Kräfte“ geben ... es ist höchste Zeit ... von diesem „Friedhofsweg“ abzubiegen ... und einen neuen Weg zu schlagen und zu gehen ...

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Felix Maertin

von Roland Mückschel am 30.06.2019 um 19:31 Uhr

Warum das totgeschwiegen wird?
Weil Plan C den Besitzern der Gross-Apothekern nicht
passt. Die befürchten eine wirtschaftliche
Erholung der Buden(Schmidtsche Apotheken.)
Das wiederum steht den Expansioninteressen unserer
Repräsentanten entgegen.
Es handelt sich um keinen Fonds, wichtig.
Es wird nur die Grundversorgung und die
Flächenversorgung besser gewichtet.
Ich habe hier in den Foren noch keine
vernünftigen Gründe gegen Plan C gelesen.
Und wenn war es pauschaliert und falsch dazu.

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AW: Felix Maertin

von Karl Friedrich Müller am 30.06.2019 um 21:02 Uhr

Großes Like.
Anders lässt sich die gesamte Verweigerungshaltung unserer Standeszertretung nicht erklären

Gleichlange Spiesse

von Anita Peter am 30.06.2019 um 17:07 Uhr

Sollte die Politik nicht endlich die versprochenen gleichlangen Spiesse herstellen ( Die sind mit einer Preisbindung auf Verkaufsseite noch lange nicht gegeben!! ), dann sollten wir uns zum 01.01.2020 von allen defizitären Aufgaben selbst befreien.
Unsere Standesvertretung will nicht kapieren, dass wir nur mit harten Bandagen weiterkommen. Mit ihren Gesprächen hat sie folgendes erreicht: Kein RXVV, keine PB mehr, keine Honorarerhöhung.

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MNV Mitglieder-Neutralisierungs-Verein entlastet ABDA ....

von Christian Timme am 30.06.2019 um 9:11 Uhr

Endlich wird das unsichtbare Händchen von FS und ... „sichtbar“. Wie von „Geisterhand“ wenden sich die Dinge „zum Guten“ ... welch ein Fortschritt für eine bereits „geteilte und damit entmündigte Apothekerschaft“ ...

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Herzallerliebst !

von Ulrich Ströh am 30.06.2019 um 8:54 Uhr

Lieber Herr Ditzel,
zu den von Ihnen zitierten
„herzallerliebsten Dienstleistungshonoraren “ :

Bei uns an der Küste wird aktuell das Segelschiff
GORCH FOCK restauriert..
Inclusive neuer Ausrüstung für ca. -150 Millionen Euro-.

19500 APOTHEKEN sollen als Einstieg das exakt gleiche Dienstleistungshonorar erhalten.

Ein Segelschiff an der Pier entspricht 19500 Offizinapotheken
in Deutschland.

Zahlen ersetzen alle Argumente !

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Die Versender machen den Profit.…

von Gunnar Müller, Detmold am 30.06.2019 um 8:27 Uhr

Und wir die Arbeit!
Das schreit doch förmlich nach „Plan C“ - der längst überfälligen „Reformierung“ der Apothekenvergütung. Die Strukturen haben sich doch längst gewandelt. Und damit auch die Kostenstruktur!
Es ist doch eine Frechheit, dass die großen Versender dasselbe Bakschisch bekommen wie die kleinen Apotheken vor Ort…
Und die ABDA und ihre Repräsentanten und -Onkels schauen zu…

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Die Versender machen den Profit

von Felix Maertin am 30.06.2019 um 8:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Müller,

Ich finde Ihre Reformidee sehr interessant und wundere mich, warum diese nirgendwo breiter diskutiert wird.
Gibt es von offizieller Seite hierzu eine Stellungnahme oder fundierte Widersprüche?

Unabhängig davon wissen wir, das eine solche Reform weder durch CDU noch die SPD umgesetzt werden würde.
Da aber alle die Grünen als Apothekenvernichter bezeichnen, diese aber wohlmöglich die stärkste Kraft in Deutschland werden könnten, sollten wir uns gerade an diese Partei mit der Idee annähern. Diese sieht ja Reformbedarf!

AW: @Felix Maertin - Die Versender machen den Profit ...

von Christian Timme am 30.06.2019 um 9:47 Uhr

weil „Opportunisten“ ungern „diskutieren“ und der offiziellen Seite die „fundierten Widersprüche“ schon länger abhanden gekommen sind ... könnte das so sein?

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