Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

30.06.2019, 07:45 Uhr

Das Apotheken-Stärkungsgesetz: Nichts ist klar, denkbar ist alles. Und das in heißen Zeiten! (Foto: Andi Dalferth)

Das Apotheken-Stärkungsgesetz: Nichts ist klar, denkbar ist alles. Und das in heißen Zeiten! (Foto: Andi Dalferth)


25. Juni 2019 

Karl Lauterbach, SPD, zur Kabinettsvorlage des geplanten Apotheken-Stärkungsgesetz: „Es ist nicht klar, wie es weitergeht, denkbar ist alles.“ Ach Gottchen, mein liebes Tagebuch, dafür kann man ihn richtig knuddeln, er bringt es auf den Punkt. Wenn wir es nicht schon vorher gewusst hätten. Seine Begründung dazu: Er sieht große Probleme mit dem EU-Recht, weil eine Benachteiligung der EU-Versender ins Sozialrecht geschrieben werden soll. Denn nur wenn sie sich an den Rahmenvertrag halten, können sie GKV-Patienten mit Rx-Arzneimittel beliefern. Aber das würde, so Lauterbach, die Einschränkung der EU-Versender noch weiter verschärfen. Und außerdem sieht Lauterbach die Blanko-Besserstellung der Apotheker im Bereich der zusätzlichen Dienstleistungen als Problem. Und auch damit, mein liebes Tagebuch, steht er nicht alleine. Also, alles noch offen, die Apothekenreform wird uns noch richtig Bauchschmerzen bereiten. 


ABDA-Mitgliederversammlung. Lief alles wie geschmiert. Und das ist geplant: eine sanfte   Begleitung des „Apotheken-Sterbegesetzes“. Will heißen: Man will mit der Bundesregierung und dem Parlament im (Trauer?-)Gespräch bleiben. Zwar sei man über die Streichung des Rx-Boni-Verbots für EU-Versender böse, böse, böse, man wolle dies verhindern (bloß wie?). Aber dann möchte man sich auch wieder lieb, lieb, lieb zeigen: Zur Not lassen wir das Rx-Versandverbot einfach sausen – die ABDA-Spitze wurde von der Mitgliederversammlung beauftragt, auch ohne das Rx-Versandverbot im Rücken zu verhandeln. Na, läuft doch, mein liebes Tagebuch, das wollte die ABDA-Spitze doch seit langem. Und so wird’s kommen. Wer’s jetzt noch nicht geschnallt hat: Das Rx-Versandverbot ist damit mausetot. Hauptsache, wir Apothekers sind ganz lieb, bleiben im Gespräch mit der Bundesregierung  – und kriegen dafür die herzallerliebsten Dienstleistungshonorare. Aber nur vielleicht. Und vielleicht vielleicht auch noch mehr Honorar für die Notdienste und die BtM-Doku. Doch das steht noch Lichtjahre entfernt in den Sternen. 

Tja, und dann war da auf der Mitgliederversammlung noch der Haushaltsplan zu diskutieren mit dem 100.000 Euro-Zaubertrick des ABDA-Präsidenten, der diesen Betrag in den Haushaltsplan zauberte, weil bestimmte ABDA-Vorstände eine Erhöhung der Aufwandsentschädigung nötig hätten. Aber so einfach ging’s dann doch nicht: Die 100.000 Euro mussten erstmal wieder raus aus dem Haushaltsentwurf. Bis Ende dieses Jahres soll dann für 2020 ein Nachtragshaushalt formuliert werden, der die 100.000 Euro samt einem Verteilungsmechanismus enthält. Und die ABDA gelobte Besserung: Von jetzt an sei geplant, die Mitgliedsbeiträge nur noch zur „Inflationskompensation“ zu erhöhen. Und falls das für zukünftige Haushalte nicht reiche, wolle man erhöhte Beiträge aus der Vermögensverwaltung der ABDA entnehmen. Na, geht doch. 


Unsere allseits geliebten Stiftungs-Warentester haben ihrer Datenbank „Medikamente im Test“ ein Update verpasst und bringen dies natürlich dann auch entsprechend schlagzeilenträchtig unters Volk: „Medikamente: Viele beliebte Arzneimittel wenig geeignet.“ Von 2000 rezeptfreien Arzneimitteln sind 500 keine gute Wahl, heißt es da. Mein liebes Tagebuch, da hätte man doch auch formulieren können: 1500 von 2000 rezeptfreien Arzneimitteln sind eine gute Wahl! Nicht bei den Warentestern. Was dann noch folgt ist im Prinzip nichts Neues, nämlich das Glaeske-basierte Bashing der Kombis. Klar, es stehen auch einige vernünftige Anmerkungen zu dem einen oder anderen OTC in dieser Datenbank, aber weitgehend wie gehabt. Also, viel Wirbel um wenig. Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) hält die Warentester-Aussagen für „unzulässig“ und „verunsichernd“ und findet ein pauschales Verteufeln von einem Viertel der untersuchten OTC- Präparate nicht richtig. Mein liebes Tagebuch, da kann man sich dem BAH nur anschließen, der zu dem Fazit kommt: „Ob ein auf seine Wirksamkeit und Sicherheit geprüftes rezeptfreies Arzneimittel empfehlenswert ist, sollte immer im Einzelfall – am besten im Gespräch mit dem Arzt oder Apotheker – bewertet werden.“ Genau.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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9 Kommentare

Wo ist das Zukunfts-Gutachten der Apotheken (nicht nur) für die Politik?

von Christian Timme am 30.06.2019 um 20:40 Uhr

Nehmen wir doch nur die bereits skizzierten Grundzüge von Peter Ditzel, s.o. 24. Juni 2019, und vervollständigen diese auch unter der Einbeziehung von Plan C. Ob dieses Unterfangen der ABDA bzw. den MO zusagt ... möchte ich bezweifeln. Sollte es noch „andere Kräfte“ geben ... es ist höchste Zeit ... von diesem „Friedhofsweg“ abzubiegen ... und einen neuen Weg zu schlagen und zu gehen ...

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Felix Maertin

von Roland Mückschel am 30.06.2019 um 19:31 Uhr

Warum das totgeschwiegen wird?
Weil Plan C den Besitzern der Gross-Apothekern nicht
passt. Die befürchten eine wirtschaftliche
Erholung der Buden(Schmidtsche Apotheken.)
Das wiederum steht den Expansioninteressen unserer
Repräsentanten entgegen.
Es handelt sich um keinen Fonds, wichtig.
Es wird nur die Grundversorgung und die
Flächenversorgung besser gewichtet.
Ich habe hier in den Foren noch keine
vernünftigen Gründe gegen Plan C gelesen.
Und wenn war es pauschaliert und falsch dazu.

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AW: Felix Maertin

von Karl Friedrich Müller am 30.06.2019 um 21:02 Uhr

Großes Like.
Anders lässt sich die gesamte Verweigerungshaltung unserer Standeszertretung nicht erklären

Gleichlange Spiesse

von Anita Peter am 30.06.2019 um 17:07 Uhr

Sollte die Politik nicht endlich die versprochenen gleichlangen Spiesse herstellen ( Die sind mit einer Preisbindung auf Verkaufsseite noch lange nicht gegeben!! ), dann sollten wir uns zum 01.01.2020 von allen defizitären Aufgaben selbst befreien.
Unsere Standesvertretung will nicht kapieren, dass wir nur mit harten Bandagen weiterkommen. Mit ihren Gesprächen hat sie folgendes erreicht: Kein RXVV, keine PB mehr, keine Honorarerhöhung.

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MNV Mitglieder-Neutralisierungs-Verein entlastet ABDA ....

von Christian Timme am 30.06.2019 um 9:11 Uhr

Endlich wird das unsichtbare Händchen von FS und ... „sichtbar“. Wie von „Geisterhand“ wenden sich die Dinge „zum Guten“ ... welch ein Fortschritt für eine bereits „geteilte und damit entmündigte Apothekerschaft“ ...

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Herzallerliebst !

von Ulrich Ströh am 30.06.2019 um 8:54 Uhr

Lieber Herr Ditzel,
zu den von Ihnen zitierten
„herzallerliebsten Dienstleistungshonoraren “ :

Bei uns an der Küste wird aktuell das Segelschiff
GORCH FOCK restauriert..
Inclusive neuer Ausrüstung für ca. -150 Millionen Euro-.

19500 APOTHEKEN sollen als Einstieg das exakt gleiche Dienstleistungshonorar erhalten.

Ein Segelschiff an der Pier entspricht 19500 Offizinapotheken
in Deutschland.

Zahlen ersetzen alle Argumente !

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Die Versender machen den Profit.…

von Gunnar Müller, Detmold am 30.06.2019 um 8:27 Uhr

Und wir die Arbeit!
Das schreit doch förmlich nach „Plan C“ - der längst überfälligen „Reformierung“ der Apothekenvergütung. Die Strukturen haben sich doch längst gewandelt. Und damit auch die Kostenstruktur!
Es ist doch eine Frechheit, dass die großen Versender dasselbe Bakschisch bekommen wie die kleinen Apotheken vor Ort…
Und die ABDA und ihre Repräsentanten und -Onkels schauen zu…

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Die Versender machen den Profit

von Felix Maertin am 30.06.2019 um 8:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Müller,

Ich finde Ihre Reformidee sehr interessant und wundere mich, warum diese nirgendwo breiter diskutiert wird.
Gibt es von offizieller Seite hierzu eine Stellungnahme oder fundierte Widersprüche?

Unabhängig davon wissen wir, das eine solche Reform weder durch CDU noch die SPD umgesetzt werden würde.
Da aber alle die Grünen als Apothekenvernichter bezeichnen, diese aber wohlmöglich die stärkste Kraft in Deutschland werden könnten, sollten wir uns gerade an diese Partei mit der Idee annähern. Diese sieht ja Reformbedarf!

AW: @Felix Maertin - Die Versender machen den Profit ...

von Christian Timme am 30.06.2019 um 9:47 Uhr

weil „Opportunisten“ ungern „diskutieren“ und der offiziellen Seite die „fundierten Widersprüche“ schon länger abhanden gekommen sind ... könnte das so sein?

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