Wort & Bild, Gehe, Rowa, Sanacorp, Noventi

Großer Apotheken-Digitalpakt kontert Noweda und Burda

Berlin - 06.12.2018, 12:10 Uhr

Angriff auf Noweda/Burda: Andreas Arntzen (CEO Wort & Bild), Frank Hennings (Vorstandsmitglied von Sanacorp), Dr. Hermann Sommer (Vorsitzender des Vorstands NOVENTI), Dr. Peter Schreiner (Vorsitzender der Geschäftsführung von Gehe) und Antonios Vonofakos (Vice President von BD Rowa) gründen den Digitalpakt „Pro AvO“. (c / Foto: Wort & Bild)

Angriff auf Noweda/Burda: Andreas Arntzen (CEO Wort & Bild), Frank Hennings (Vorstandsmitglied von Sanacorp), Dr. Hermann Sommer (Vorsitzender des Vorstands NOVENTI), Dr. Peter Schreiner (Vorsitzender der Geschäftsführung von Gehe) und Antonios Vonofakos (Vice President von BD Rowa) gründen den Digitalpakt „Pro AvO“. (c / Foto: Wort & Bild)


Paukenschlag in der Apothekenbranche: Fünf der größten Unternehmen der Branche schließen sich zusammen, um in einer Initiative für die Apotheke vor Ort künftige Entwicklungen bei der Digitalisierung gemeinsam zu bestreiten. Der Wort&Bild-Verlag, der Großhändler Gehe, die Noventi-Gruppe, der Automatenhersteller Rowa und die Apothekergenossenschaft Sanacorp bilden mit der Initiative „Pro AvO“ eine unmittelbare Konkurrenz zum „Zukunftspakt Apotheke“, den die Noweda und der Burda-Verlag vor einigen Monaten gestartet hatten.

Im August dieses Jahres schrieb Andreas Arntzen, Chef des Wort&Bild-Verlages, einen Brief an die Apothekerkammern und -verbände. In diesem Brief warb Arntzen dafür, eine gemeinsame digitale Bestell-Plattform für alle Apotheken zu gründen, um dem Versandhandel Paroli zu bieten. Arntzen war damals auf der Suche nach Partnern, sein Verlag wolle dieses Projekt gemeinsam mit anderen großen Akteuren der Branche stemmen, so lautete die Erklärung damals sinngemäß. 

Wahrscheinlich wusste Arntzen zu diesem Zeitpunkt auch schon, dass die Noweda einen Angriff auf das „Umschau-Imperium“ plante. Denn nur wenige Wochen später, im September dieses Jahres, verkündete Noweda-Chef Michael P. Kuck, dass die Genossenschaft eine Kooperation mit dem Burda-Verlag eingehe. Im sogenannten Zukunftspakt Apotheke wolle man sich für den Erhalt der Apotheke vor Ort stark machen, eine digitale Bestellplattform groß herausbringen sowie eine neue Apotheken-Kundenzeitschrift lancieren.

Fünf Großunternehmen aus der Branche schließen sich zusammen

Arntzen und der Wort&Bild-Verlag scheinen den Ernst der Lage erkannt zu haben und sind auf ihrer Suche nach großen Partnern aus der Branche nun offenbar fündig geworden. Am heutigen Donnerstag verkündete der Umschau-Verlag, dass er ebenfalls eine große Kooperation ins Leben rufe: Gemeinsam mit den Großhändlern Gehe und Sanacorp, der Noventi-Gruppe (ALG, Awinta, VSA etc.) und dem Automatenhersteller Rowa wurde die Initiative „Pro AvO“ (Pro Apotheke vor Ort) ins Leben gerufen. Laut einer Pressemitteilung geht es den Unternehmen darum, die inhabergeführte Apotheke zu stärken und „digitale Anwendungen der Apotheker zu harmonisieren“.

Digitale Bestell-Plattform für alle Apotheken

Weiter heißt es zu der Kooperation: „Die Teilnehmer der neuen Initiative verbindet eines: Stärken und Ressourcen bündeln im Dienste der stationären Apotheken. Damit soll der Grundstein für die Zusammenarbeit vieler innovativer Unternehmen gelegt werden, um eine neuartige Lösung zu entwickeln und gemeinsam mit weiteren Partnern umzusetzen.“ Über konkrete Ziele und Lösungen, die den Apothekern angeboten werden sollen, gaben die fünf Unternehmen noch nichts bekannt. Man befinde sich noch in der „Konzeptionsphase“.

Allerdings soll es auch bei „Pro AvO“ ganz offensichtlich um eine Bestell-Plattform für alle Apotheken gehen, die die Kunden dann nutzen sollen. In der Mitteilung heißt es dazu: „Ziel der Initiative ist es, in einem engen Zusammenspiel mit weiteren Teilnehmern, Verbänden und Apothekern ein Konzept zu erstellen, das den Apothekern die Möglichkeit eines gemeinsamen Standards, sei es als Marktplatz, Plattform oder nur einer speziellen Anwendung gibt. Die Bündelung der hierfür notwendigen Ressourcen erscheint dabei der chancenreichste Weg zu sein.“

Arntzen: Kunden verlangen nach einer digitalen Antwort

Dr. Hermann Sommer, Vorstandsvorsitzender der Noventi-Gruppe, wird so zitiert: „Es gibt so viele, die ihr Interesse an einer solchen Aktion bekundet haben, dass wir einfach starten mussten. Entscheidend ist, dass keiner am Markt alleine das aufbauen kann, was den Apothekern und auch deren Endverbrauchern und Patienten wirklich nachhaltig nützt.“

Wort&Bild-CEO Arntzen erklärte zu der Neugründung: „In der jetzigen Situation geht es in erster Linie um Qualität und Sicherheit für die Apotheken und eine klare Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kunden.“ Die Kunden würden „nach einer digitalen Antwort“ verlangen, wo sie alle relevanten Informationen zu Arzneimitteln und Apotheken finden. Entscheidend sei auch, dass eine solche Initiative für alle Apotheker offen ist.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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8 Kommentare

Unabhängiger stationärer Handel

von Christian Wilhelm am 07.12.2018 um 1:48 Uhr

... Vision zur Diskussion: "Konkurrierende" Plattformen wie Linda 24/7 , Noweda/Burda oder die "Big Five" könnten zusammen eine nationale allem übergeordnete Plattform betreiben, die für jeden offen ist, über standardisierte Schnittstellen verfuegt. Jede Apotheke entscheidet mit Ihren frei ausgewählten Partnern über welche Plattformen sie ihre Logistik ( click&collect, Expresslieferung ) parallel anbietet. Ähnlich wie sich ein lokaler Pizzaservice eigen und über diverse Plattformen wie pizza.de oder Lieferheld vermarktet, könnten wir bsp. als Sanacorp Genosse via "Big Five" , die nationale allem übergeordnete Plattform, eigen lokal oder 24/7 , Noweda/Burda verkaufen. Hauptsache die Umsätze bleiben dem unabhängigen stationären Handel erhalten. Der Auftrag wird innerhalb einer Plattform an die dem Kunden nächstgelegene Apotheke geroutet. Liegen mehrere Apotheken gleichauf, geht dieser diesmal an die Apotheke, die bis dato über die Plattform den geringsten Umsatz hatte. Darüberhinaus kann der Kunde jederzeit eine Apotheke seiner Wahl über die Plattform selektieren ...

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Sieht das niemand...

von Reinhard Rodiger am 06.12.2018 um 20:14 Uhr

dass dies ein Offenbarungseid ist. Sicher eine Harmonisierung der Digitalisierung ist erstrebenswert.Doch unterliegt ein solches Konsortium wie auch der Konkurrent der Sehnsucht, die Regeln zu machen. Die eigentlichen Dienstleister sind dem Sog ausgeliefert statt selbst zu agieren.Das ist ein Trauerspiel.
Führungsschwäche kann die Basis eben nicht ausgleichen.
Eben zum Gefressenwerden freigegeben.Geht auch indirekt.

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Die (Über)-Lebensretter

von Horst Wycisk am 06.12.2018 um 18:23 Uhr

Ich lach mich kaputt!
Wir selbst schaffen es also nicht die Apotheke am Leben zu erhalten! Thema Ab-da!
Da springen uns flugs, aus lauter Selbstlosigkeit "fünf der größten Unternehmen der Branche" selbstlos zur Seite.
Die erste gegründete Konstellation von "zwei Größten" kann es wohl ohne weitere, zusätzliche Samariter nicht stemmen!
Jetzt sind wir nicht mehr nur der Spielball der kranken Kassen und der Politik. Nein, jetzt dürfen wir uns warm ausziehen, weil uns statt vier Musketieren gleich FÜNF zur Hilfe eilen.
Diese Selbstlosigkeit in der Branche pro Apotheke vor Ort muss belohnt werden. Ich kenn mich da nicht so aus, aber gibt es für so etwas nicht irgendwo einen Oscar oder Bambi(!) oder Laureus-Award oder... am Ende gar einen Noble-Preis für solch Lauterbach - äh, nein - Lauterkeit meinte ich natürlich. Mindestens das Bundesverdienstkreuz am Bande sollte es schon werden!
Vivat "Pro AvO"!

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Na dann

von Stefan Haydn am 06.12.2018 um 18:16 Uhr

Warum will uns eigentlich jeder weißmachen, es müsse heute unbedingt eine App-lösung sein. Ist ja prima wenn die Noventi ihre Entwicklung an den Mann/Frau bringen will, aber brauchts die wirklich? Da gibt es genug Konkurrenten.
Statt dass mal alle zum Nutzen der Apotheke an einem Strang ziehen. Gehe als Apothekenfreund!
Jetzt mal im Ernst, wirklich?

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die Getriebenen

von O. Polcher am 06.12.2018 um 13:52 Uhr

"die neue Initiative befindet sich der Mitteilung zufolge in der Konzeptionsphase" hier sammeln sich also die Getriebenen, die Allein nicht Können und Allein nicht Wollen. Hauptsache erstmal eine Pressemeldung und Lippenbekenntnisse und dann muss ich auch noch lesen, dass die Sanacorp mit der Gehe ins Bett steigt, noch ein Grund mehr die Noweda zu unterstützen.

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Wenn ... freut sich der ...

von Christian Timme am 06.12.2018 um 13:42 Uhr

Grundsätzlich sind „lebensrettende“ Maßnahmen ja zu begrüßen ... es steht aber zu befürchten dass diese nicht von der „Basis“ mitgetragen werden und deshalb, wie fast immer, den Gegnern „in die Hände“ arbeiten. Vielleicht sollte in diesem Fall bereits im Vorfeld eine Freund-Feind-Bestimmung erfolgen ... „Zeit“ schien ja in der Vergangenheit nicht gerade der Engpass gewesen zu sein. Ein „wenig Kontinuität“ würde der Unternehmung sicher auch nicht schaden ... bevor das Licht ausgeht.

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War ja klar....

von Christiane Pflug am 06.12.2018 um 12:39 Uhr

...dass es einfach unmöglich ist, dass sich mal alle an einen Tisch setzen.....am Ende werden es dann doch Insellösungen - im besten Fall in einer überschaubaren Zahl.

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frei nach Profiler Suzanne Grieger-Lagner

von Christiane Patzelt am 06.12.2018 um 12:34 Uhr

Pfeifen sind kein low-performer, sondern non-performer, die es schaffen, dass die Anderen die performance übernehmen.


Die Pfeifen werden am 11.12.2018 lediglich auf dem Sofa sitzen und beim Bachelor Spahn gebannt gucken, wem er die letzte Rose gibt. Und die geht mit Sicherheit in die Niederlande resp. in die Schweiz.

Das ABDA ist mittlerweile voll von Seilschaften, Zwängen, Postenklebern, Profilneurotikern, Hütchenspielern, Unterdrückern ( glaubt mir, ich weiß das genauer, es gibt da manchmal Begegnungen, da guckste auf die Uhr und denkst, Erich ist noch am wirken ). Sie hat sich selbst überflüssig gemacht! Und zu was? Zu recht! Kein DocMo, kein Pessina, kein amazon braucht die ABDA-die braucht nur sich selber....blöd genug, dass wir das bezahlen müssen...

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