Filialleiter-Tarif, Fortbildungen, Notdienste

Apothekengewerkschaft lässt Verhandlungen zum Rahmentarifvertrag platzen

Berlin - 07.11.2018, 13:55 Uhr

Die beiden Adexa-Vorsitzenden Andreas May und Tanja Kratt sind sauer: Sie haben die Verhandlungen zum Bundesrahmentarifvertrag abgebrochen, weil ihnen die Arbeitgeber-Vertreter eigenen Angaben zufolge kein Stück weit entgegenkamen. (c / Foto: Adexa)

Die beiden Adexa-Vorsitzenden Andreas May und Tanja Kratt sind sauer: Sie haben die Verhandlungen zum Bundesrahmentarifvertrag abgebrochen, weil ihnen die Arbeitgeber-Vertreter eigenen Angaben zufolge kein Stück weit entgegenkamen. (c / Foto: Adexa)


Die Apothekengewerkschaft Adexa hat die Verhandlungen um einen neuen Bundesrahmentarifvertrag abgebrochen. Nachdem sich die Adexa mit dem Arbeitgeberverband ADA erst kürzlich auf ein 3-Prozent-Lohnplus für alle Angestellten einigte, ging es nun um grundsätzlichere Änderungen am Tarif. Die Adexa hatte beispielsweise einen eigenen Tarif für Filialleiter und eine Berücksichtigung der Fortbildungsaktivitäten der Angestellten im Visier, konnte sich damit aber erneut nicht durchsetzen.

Die Verhandlungen um einen neuen Bundesrahmentarifvertrag für die Apothekenangestellten in Deutschland sind vorerst gescheitert. Wie die Apothekengewerkschaft Adexa am heutigen Mittwoch mitteilte, seien die Verhandlungen von der Adexa abgebrochen worden. Adexa-Vorstand Tanja Kratt sagte dazu: „Die Arbeitgeber sehen keinerlei Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen der Arbeitsverhältnisse in den öffentlichen Apotheken attraktiver zu gestalten. Die Vertreter des ADA wollten nur über kleine, redaktionelle Änderungen verhandeln. Mit Blick auf die Situation in den Apothekenteams und am Arbeitsmarkt ist uns dafür die Zeit zu schade.“

Aber worum ging es überhaupt in den Verhandlungen? Zunächst versucht die Adexa schon seit längerer Zeit, beim Arbeitgeberverband ADA einen eigenen Tarif für Filialleiter durchzubekommen. Erst vor wenigen Tagen teilte die Gewerkschaft mit, dass man sich in der Region Nordrhein, deren Vergütungsangelegenheiten nicht auf Bundesebene mitverhandelt werden, erstmals auf einen eigenen Filialleiter-Tarif verständigt habe. Im Bund scheinen die Vertreter der Apothekeninhaber dort aber keinen Handlungsbedarf zu sehen. Laut Adexa haben die ADA-Vertreter dies „kategorisch“ abgelehnt. Schon in den Tarifverhandlungen, bei denen sich Adexa und ADA vor einigen Wochen auf ein 3-Prozent-Lohnplus geeinigt hatten, war der Filialleiter-Tarif ein Thema. Damals haben sich die Unterhändler aber darauf geeinigt, die Gespräche darüber bei den Verhandlungen zum Bundesrahmentarifvertrag fortzusetzen.

Es ging aber noch um viel mehr. Die Apothekengewerkschaft fordert darüber hinaus vehement ein Tarifmodell, das Fortbildungsaktivitäten der Apothekenmitarbeiter systematisch honoriert. Auch dieser Vorschlag war schon mehrfach gescheitert und ist in den nun beendeten Verhandlungen auch nicht erfolgreich vorangekommen. Ebenso wurde eine Streichung der sogenannten „13-Prozent-Regel“ von den Inhaber-Vertretern abgelehnt. Zur Erklärung: Erhalten Angestellte ein Gehalt von mindestens 13 Prozent über Tarif, ist ihre Dienstbereitschaft nach dem aktuell gültigen Tarifvertrag pauschal abgegolten. Das heißt: Für solche Angestellte gibt es keine Extra-Honorare oder Freizeitausgleich für Teil- oder Nacht- und Notdienste. Die Adexa forderte, dass diese „13-Prozent-Regelung“ gestrichen werden soll.

Notdienstvergütung, Urlaub, Sonderzahlung

Auch die Höhe der Notdienstvergütung soll dem Vernehmen nach erneut verhandelt worden sein. Dazu hatte Tanja Kratt schon im August in einer Pressemitteilung gefordert: „Für alle Berufsgruppen mit Notdienstbereitschaft muss über eine angemessene Vergütung diskutiert werden. Für die Zeit zwischen 22 Uhr und 8 Uhr, sprich zehn Stunden, erhalten sie entweder 5,5 Stunden Freizeit oder 85,00 Euro Vergütung nach dem Gehaltstarif ADA. Der Gehaltsbestandteil entspricht 8,50 Euro pro Stunde. Hier müssen Arbeitgeber nachlegen!“ Und auch die Themen Urlaub und Sonderzahlungen sollen angesprochen worden sein – ebenfalls mit wenig bis gar keiner Gesprächsbereitschaft bei den Arbeitgebervertretern. Kratt zieht gegenüber DAZ.online daher das folgende Fazit: „Alles, was die Mitarbeiter gefördert hätte, hat der ADA abgelehnt.“

Adexa-Chef Andreas May erklärt, wie es aus Sicht der Gewerkschaft jetzt weitergehen soll: „Wir erwarten jetzt von der Gegenseite ein Angebot mit wirklich konstruktiven Vorschlägen. Ich finde es unverständlich, dass der ADA meint, sich nicht – anders als zum Beispiel die TGL Nordrhein – mit innovativen Tarifmodellen auf den Fachkräftemangel einstellen zu müssen. Diese kurzsichtige Denkweise wird den Inhabern noch auf die Füße fallen.“

Welche Sicht der ADA auf die nun gescheiterten Verhandlungen hat, ist schwer in Erfahrung zu bringen. Der ADA selbst betreibt keine Pressearbeit. Erste Versuche, ADA-Vertreter zu kontaktieren, um nach Einschätzungen zu fragen, scheiterten.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Ohne Moos nix los

von Ratatosk am 07.11.2018 um 19:23 Uhr

Man kann vieles wünschen, aber solange die Politik an der Vernichtungspolitik festhält, sind grundsätzliche Änderungen unnütze Arbeiten.
Den Rest regelt der Markt zur Zeit völlig selbstständig

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