Tarifverhandlungen

Adexa: Höhere Gehälter und Zuschläge für besonders Qualifizierte

Stuttgart - 10.07.2018, 07:00 Uhr

Am morgigen Mittwoch gehen die Tarifverhandlungen in die heiße Phase. (s / Foto: HaDeVau/ stock.adobe.com)  

Am morgigen Mittwoch gehen die Tarifverhandlungen in die heiße Phase. (s / Foto: HaDeVau/ stock.adobe.com)  


Am morgigen Mittwoch treffen sich die Apothekengewerkschaft Adexa und der Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken zu Tarifverhandlungen. Die Adexa möchte dabei neben einer Gehaltserhöhung für alle Berufsgruppen auch separate tarifliche Vereinbarungen für Filialleiter sowie für Kollegen, die besonders weiterbildungsaktiv sind, durchsetzen. 

Dass die Apothekengewerkschaft Adexa einen eigenen Tarif für Filialeiter für wünschenswert hält, ist nicht neu. Das thematisierten die Vorsitzenden Tanja Kratt und Andreas May sowie die Leiterin der Adexa-Rechtsabteilung Minou Hansen zum Beispiel in einem DAZ-Beitrag im März dieses Jahres. Diese Forderung trägt die Gewerkschaft nun am morgigen Mittwoch in die Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) – neben der nach einer Gehaltserhöhung für alle Berufsgruppen und Extra-Vergütungen für Angestellte, die regelmäßig Fort- oder Weiterbildungen besuchen.

Erst kürzlich hatte die Gewerkschaft anlässlich der beschlossenen Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns darauf hingewiesen, dass Apothekenangestellte, die Nachtdienst leisten, schon jetzt unter Mindestlohn bezahlt werden. Sie hatte angekündigt, in den demnächst anlaufenden Tarifverhandlungen für eine Änderung sorgen.

„Attraktive Gehälter für Apothekenangestellte sind der beste Weg, um die Abwanderung in andere Branchen zu vermeiden und Berufsnachwuchs zu fördern“, sagt Tanja Kratt. Sie leitet die Tarifverhandlungen. „Deshalb fordern wir nicht nur eine angemessene Gehaltserhöhung für alle Berufsgruppen, sondern separate Zuschläge für besonders qualifizierte Angestellte.“

„Dazu gehören Filialleiterinnen und Filialleiter, denen als angestellten Führungskräften besondere Aufgaben zukommen“, ergänzt Andreas May. „Aber auch Angestellte, die regelmäßig Fort- oder Weiterbildungen besuchen, sollen Zuschläge erhalten.“ 

Ergebnisse nicht vor 15:00 Uhr

Die Verhandlungen beginnen am 11. Juli um 11.00 Uhr. Mit einem Ergebnis ist nicht vor 15:00 Uhr zu rechnen. Adexa hat angekündigt, die Fachpresse zu informieren.

Im vergangen Jahr einigten sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter auf ein Plus von 2,5 Prozent – allerdings erst in der zweiten Runde. Ein erstes Treffen war ohne Ergebnis geblieben. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Stopp! Bloß nicht vergaloppieren!

von Wolfgang Müller am 10.07.2018 um 10:39 Uhr

Wie jeder, der mich kennt, weiß, bin ich prinzipiell für höhere Gehälter für Apotheker und PTA in der Öffentlichen. Und Senkung unserer erdrückenden Kompliziertheitskosten durch die ABDA mit entsprechenden Gesetzgebung-Vorschlägen, damit wir Inhaber diese Gehälter auch zahlen können. Inkl. vor allem Höherqualifizierung, höhere Verantwortung und Höherbezahlung für gute PTA.

Aber Vorsicht. Das, was hier gerade von ADEXA auf den Tisch gelegt wird, könnte mal wieder ein einzigartiges pharmazeutisches Windei werden. Mit dann nicht mehr so leicht aus der Welt zu schaffenden Logikfehlern und Kompliziertheits-Folgen.

Dass nicht nach TATSÄCHLICHER Leistung, also selbständigem, guten Arbeiten, Verantwortungsübernahme, für den Betrieb geeignetem Wissen, Vielseitigkeit, Zuverlässigkeit bezahlt wird. Damit also nicht nach tatsächlichem Einsatz DIREKT für die Gemeinschaft und den Arbeitgeber, sondern nach formal nachgewiesener "Zeit bei Fortbildungsveranstaltungen".

Hier sollten sich die Verhandler einfach mal umsehen, ob es sowas mit "Honorierung nach Fortbildungspunkten" für andere Berufe/Branchen schon gibt bzw. sich bewährt hat. Und wenn, ob es sich dann nicht doch um sehr valide Aufwärts-Zusatzqualifikationen handelt, die mit richtig harten Prüfungen verbunden sind. Bevor hier ein Bürokratie-, Willkür und Kuriositäts-Monster kreiert wird. Weil "Die Kammern" das sicher auch ganz sexy finden, endlich härter in den Fortbildungszwang reinzukommen. Da gab es ja sogar schon Ansätze, das Packungs-Fixhonorar nach solchen Fleißbienchen umzuverteilen. Liebe Kammern (und im Schlepptau leider immer noch der DAV), dann versucht das bitte DIREKT umzusetzen (und scheitert dabei, bitte), und nicht über einen solchen bizarren Umweg mit dem Gehalt der Angestellten!

Liebe Verhandler der Arbeitgeber-Interessen, stellt euch mal vor, Folgendes kommt dann heraus: ein/e Punktesammler/in mit 33-Stunden-Woche nutzt die Zeit lieber für Kammer-Fleißbienchen, ist aber eigentlich kein/e so gute/r Mitarbeiter/in, eher ein/e Schlechte/r, der/die halt so mitgezogen wird. Die fleißige Kollegin, alleinerziehend, große Fachbuch-Leserin, 38-Stunden-Woche, kommt dann bei 200 Prozent Leistung am Ende auf das gleiche bzw. ein kaum noch höheres Tarif-Gehalt.

Wozu dann überhaupt noch Gehalts-Tarife? Bei so einem System mit teilweiser Bezahlung nach formaler, am Ende sogar ungeprüfter Fortbildung müssen wir uns dann von den schwächeren, aber "gut fortgebildeten" Mitarbeitern trennen, weil sie trotzdem viel Geld verdienen müssten. Und das Geld dann an die formal weniger "gebildeten" verteilen, die einfach besser SIND, und ziemlich sicher sowieso schon übertariflich bezahlt werden. Ganz toll, auch für die Angestellten.

Und was die Führungsposition "Filialleiter" betrifft: Dafür gibt es wie in allen Branchen einen Führungskräfte-Markt, der sowieso zu angemessen höheren, üblicherweise AT genannten = außertariflichen Gehältern führt. Je nach tatsächlicher Verantwortungsübernahme und Selbständigkeit, sowie Größe des Unternehmens. "Erfolg" nicht zu vergessen .....

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