Metaanalyse

Schützt Vitamin D doch nicht die Knochen?

Berlin - 11.10.2018, 07:00 Uhr

Vitamin D schützt vor Osteoporose – wirklich und jeden? Eine aktuelle Metaanalyse kratzt am Image des Knochenvitamins. (c / Foto: imago)

Vitamin D schützt vor Osteoporose – wirklich und jeden? Eine aktuelle Metaanalyse kratzt am Image des Knochenvitamins. (c / Foto: imago)


Limitationen der Vitamin-D-Analyse

Die Autoren räumen allerdings auch Limitationen in ihrer Arbeit ein. Beispielsweise war der Anteil an Patienten mit Vitamin-D-Spiegeln unterhalb von 25 Nanomol/Liter mit 831 Personen im Vergleich zur Gesamtzahl relativ gering. Allerdings könnte gerade diese Subgruppe von der Supplementation in besonderem Maße profitieren.

Hinzu kommt, dass die Daten für die Stürze in den Primärstudien auf unterschiedliche Weise erhoben wurden, was die Vergleichbarkeit erschwert. Außerdem waren die Beobachtungszeiträume in den Studien heterogen, wodurch sich ein statistischer Bias ergeben könnte: Denn in den Studien, die kürzer dauerten, waren tendenziell eher Effekte von Vitamin D zu erkennen als in den Langzeitstudien. Die Aussagekraft von Metaananalysen hängt allerdings maßgeblich davon ab, wie die Primärstudien ausgewählt sind. Sind diese zu heterogen, besteht die Gefahr, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

„Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen“

Ob die Fachgesellschaften die Leitlinien nun von heute auf morgen ändern, ist fraglich. Denn die Wissenschaftler führen derzeit 60 weitere Subgruppenanalysen ihrer Arbeit durch. Damit soll erkannt werden, ob die Vitamin-D-Supplementation bestimmten Patientengruppen eben doch hilft, Knochenbrüche zu vermeiden.

„Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen“, erklärt der Endokrinologe Chris Gallagher vom Creighton University Medical Centre, Omaha, USA, in einem Kommentar zu der Metaanalyse, der ebenfalls im „Lancet Diabetes & Endocrinology“ veröffentlicht wurde. Denn in den kommenden drei Jahren werden die Ergebnisse weiterer placebokontrollierter Studien erwartet, in die insgesamt 100.000 Teilnehmer eingeschlossen sind, so Gallagher.

Wichtig ist zudem, dass die Ergebnisse von Bolland und Kollegen nicht auf Hochrisikopatienten zu übertragen sind. Denn in den Studien waren vorwiegend ältere, ansonsten gesunde Personen eingeschlossen. Auch die Indikation zur Rachitisprophylaxe bei Säuglingen bleibt von den neuen Daten unberührt.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Blutwerte?

von Christina Del Prete am 11.10.2018 um 14:25 Uhr

Meta-Analysen sind ja zur Zeit modern, aber manchmal werden da einfach zu viele verschiedene Dinge miteinander verglichen, so dass im Endeffekt nichts Vernünftiges mehr rauskommt. Da muss man meiner Meinung immer nochmal genau hinschauen (also die einzelnen Studien ansehen), denn der Effekt von Vitamin D kann ein ganz anderer sein, je nachdem welchen Ausgangswert die Menschen hatte (Starker Mangel, Mangel oder keiner), welche Dosierung eingesetzt wurde (Babydosierung?) und welcher Blutspiegel jeweils erreicht wurde...
Es wäre schön, einen Kommentar von Herrn Gröber zu dieser Meta-Analyse lesen zu können.

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