„WhatsIn my meds“

Apotheker entwirft Arzneimittel-App für Allergiker und Vegetarier

Berlin - 02.05.2018, 17:45 Uhr

Apotheker Maximilian Wilke aus Berlin hat eine Arzneimittel-App entwickelt, die es beispielsweise Patienten mit Allergien oder Unverträglichkeiten erleichtern soll, das passende Arzneimittel zu finden. (Foto: privat)

Apotheker Maximilian Wilke aus Berlin hat eine Arzneimittel-App entwickelt, die es beispielsweise Patienten mit Allergien oder Unverträglichkeiten erleichtern soll, das passende Arzneimittel zu finden. (Foto: privat)


Immer häufiger fragen Patienten in der Apotheke nach bestimmten Inhaltsstoffen in Arzneimitteln, etwa weil sie keine Lactose vertragen, auf Alkohol verzichten oder Allergien haben. Oft bleibt den Pharmazeuten dann nichts anderes übrig, als auf den Hersteller zu verweisen. Apotheker Maximilian Wilke aus Berlin will in dieser Situation weiterhelfen: Er hat auf eigene Faust eine Medikamenten-App entwickelt, in der man mobil nach Arzneimitteln suchen kann, die beispielsweise keine Gelatine oder Fructose enthalten. Seiner Ansicht nach kann die App auch den Apothekern die Offizinarbeit erleichtern.

Es war die Arbeit in der Offizin, die Apotheker Maximilian Wilke auf die Idee seiner am heutigen Mittwoch veröffentlichten Smartphone-App brachte. Der 36-jährige Pharmazeut arbeitet als Angestellter in einer Apotheke in Berlin. Gegenüber DAZ.online erklärte er: „Ich habe eine Weile in einer Apotheke in Berlin-Friedrichshain gearbeitet. Viele der Patienten wollen dort Arzneimittel ohne bestimmte Inhaltsstoffe, zum Beispiel ohne Gluten oder tierische Bestandteile. Eine schnelle und einfache Suche gab es aber nicht. Das wollte ich ändern und so ist die Idee für die App entstanden.“

Wie oft Patienten auf bestimmte Inhaltstoffe in Arzneimitteln verzichten wollen oder müssen, lässt sich nur schwer beziffern. Aber alleine die Zahl der Patienten, die über eine Lactose-, Fructose- oder Glutenintoleranz berichten, steigt stetig an. Mehr als 12 Millionen Menschen geben hierzulande an, an einer Lactoseintoleranz zu leiden. Der Lebensmittelmarkt für Menschen mit solchen Unverträglichkeiten wächst überdurchschnittlich schnell. Allein die Milchindustrie berichtet davon, dass der Umsatz mit lactosefreien Milchprodukten jedes Jahr um etwa 20 Prozent steigt. Warum sollte es dann nicht auch möglich sein herauszufinden, welche Arzneimittel Fructose, Lactose oder Gluten enthalten oder eben nicht enthalten?

Nach der Offizinarbeit an der App gebastelt

Im vergangenen Jahr hat Wilke daher dann seine Arbeit an der Handy-App „WhatsIn my meds“ begonnen. Er gründete ein eigenes Unternehmen, hinterfragte seine Ziele bei anderen Apothekern und Ärzten, erarbeitete mit Informatikern und Experten für mobile Kommunikation ein digitales Konzept, erkundigte sich über Arzneimittel-Datenbanken und trat mit den Herstellern der Arzneimittel in Kontakt. Wilke zur Arbeit an seiner App: „Das war schon ein ganz schöner Kraftakt neben Familie und Arbeit in der Apotheke. Ich hatte das Konzept bereits seit einiger Zeit im Kopf und habe dann meist nach Feierabend und an den Wochenenden daran getüftelt. Meine Frau hat mich bei der Kinderbetreuung entlastet, wo immer es ging. Trotzdem hat sich die Arbeit über Monate hingezogen.“

Seit einigen Tagen ist die Handy-App nun kostenfrei im App-Store zu haben. Die Anwendung ist übersichtlich gestaltet: Unter „Mein Profil“ gibt der Apotheker oder Patient ein, auf welchen Inhaltsstoff er bei der Arzneimittel-Suche verzichten will. Dazu gehören neben den genannten Unverträglichkeiten und den tierischen Produkten etwa auch der Verzicht auf Alkohol, oder die Angabe „Leistungssportler“, also der Ausschluss von Arzneimitteln, die auf der Verbotsliste der Anti-Doping-Agentur Wada stehen. Auch für Menschen mit einer Penicillin- oder einer ASS-Allergie ist die App geeignet.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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4 Kommentare

Fachliche Fehler

von Dr. Arnulf Diesel am 03.05.2018 um 8:44 Uhr

Die Idee ist sehr gut - keine Frage.
Allerdings ist die App beim ersten Test durchgefallen. Man suche nach Enoxaparin (Clexane) - angeblich für Veganer geeignet.
Wo die App die Informationen bezieht weiß ich nicht, aber die Gewinnung von Heparinen ist kein sonderliches Insiderwissen von veganen Apothekern.

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AW: Fachliche Fehler

von Maximilian Wilke am 03.05.2018 um 9:33 Uhr

Danke für Ihre Anmerkung. Wir ändern das spätestens zum nächsten Update. Sie können Ihr Feedback auch gerne direkt in der App geben. Beste Grüße

Bin begeistert!

von Nina Schmitt am 02.05.2018 um 18:42 Uhr

Hab mich soeben mal durch die App gelesen ;-) sehr sehr tolle Idee! Super einfach anzuwenden (auch wenn es bei uns in der Krankenhausapotheke nicht ganz so wichtig ist)
Kompliment!!!!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Gute Idee!

von Albrecht Bodegger am 02.05.2018 um 18:09 Uhr

Meinen Glückwunsch zu dieser guten Idee! Ich frage mich, warum so eine Suche nicht in jeder Apotheken-Software integriert ist. Allerdings lauten einige der ersten Kommentare im App-Store ungefähr so: 'Super App, damit spare ich mir die Beratung in der Apotheke.' Ein mündiger Patient sollte sich ohne Zweifel jederzeit selbst informieren können, aber wenn ein Apotheker während der Beratung das Handy rausholt werden sich viele denken: Das kann ich in Zukunft auch gleich selber machen.

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