Hormonelle Kontrazeptiva und Brustkrebs

„Die Pille ist sicher, sie ist es nicht …“

Stuttgart - 13.12.2017, 10:30 Uhr

„Er liebt
mich, er liebt mich nicht …“ – so sollte nicht über die Einnahme der
Pille entschieden werden. Doch letztlich muss jede Frau für sich selbst
abwägen, ob und wie lange sie hormonell verhütet. (Foto: Pixelot / stock.adobe.com)

„Er liebt mich, er liebt mich nicht …“ – so sollte nicht über die Einnahme der Pille entschieden werden. Doch letztlich muss jede Frau für sich selbst abwägen, ob und wie lange sie hormonell verhütet. (Foto: Pixelot / stock.adobe.com)


Mono-Progestin-Präparate

Wenige Studien haben bislang den Zusammenhang zwischen Gestagen-Mono-Präparaten und Brustkrebsrisiko untersucht: In einer finnischen Studie nutzten 93.843 Frauen ein intrauterines Levonorgestrel-freisetzendes System. Für diese Kohorte wurde ein relatives Brustkrebsrisiko von 1,19 (95% KI; 1,13-1,25), im Vergleich zur allgemeinen Inzidenzrate unter finnischen Frauen (jünger als 55 Jahre), gezeigt. 

Mehr zum Thema

Ein ähnliches Brustkrebsrisiko fand auch die aktuelle dänische Studie (1,21; 95% KI; 1,11-1,33). Ein Zusammenhang des Brustkrebsrisikos mit der Dauer der Anwendung, konnte in diesem Fall jedoch nicht gezeigt werden. 

Insgesamt erkrankten 11.517 Frauen von 1,8 Millionen Probandinnen an Brustkrebs. Damit zeigte sich ein generelles relatives Risiko für Brustkrebs unter hormoneller Kontrazeption von 1,20 (95% KI; 1,14-1,26). Dieses relative Risiko erhöhte sich von 1,09 (95% KI; 0,96-1,23), bei einer Anwendungsdauer von weniger als einem Jahr, auf 1,38 (95% KI; 1,26-1,51) bei einer Anwendungsdauer von mehr als zehn Jahren. 

Schwächen der Studie 

Verzerrungen der Ergebnisse durch Faktoren, wie das Alter bei Menarche, Stillen, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität und Body-Mass-Index, können die Studienautoren nicht ausschließen. Sie nehmen jedoch an, dass deren eventueller Effekt auch nach Absetzen der hormonellen Kontrazeptiva hätte anhalten müssen, was nicht der Fall war; da sich das Risiko – wurde das Kontrazeptivum vor einer Einnahmedauer von fünf Jahren abgesetzt – im Gegenteil schnell wieder senkte.

Frauen, die während der Studienzeit keine hormonellen Kontrazeptiva erwarben, wurden so eingestuft, als hätten sie noch nie hormonelle Kontrazeptiva eingenommen. Tatsächlich wurde aber nicht erfasst, ob sie vor Studienbeginn je hormonellen Kontrazeptiva gegenüber exponiert waren. Eine daraus folgende etwaige Verzerrung würde das Brustkrebsrisiko jedoch eher als zu gering als zu hoch erscheinen lassen.



Diana Moll, Apothekerin und Redakteurin, Deutsche Apotheker Zeitung (dm)
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Risiko bei langjähriger Anwendung auch nach Absetzen erhöht

Brustkrebs durch hormonelle Verhütung?

Hormonelle Kontrazeptiva und das Risiko für Hirntumore

Mehr oder weniger Gliome? 

Vorsicht vor allem zu Beginn der Anwendung

Erhöhtes Suizidrisiko unter der Pille?

Wie das Risiko für venöse Thromboembolien unter Estradiolvalerat/Dienogest einzuschätzen ist

Neuere Pille, geringere Thrombosegefahr?

Hinweise auf erhöhtes Brustkrebsrisiko nach menopausaler Behandlung verdichten sich

Hormontherapie wieder in der Kritik

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.