Krebsprophylaxe

Nonnen dürfen die „Pille“ einnehmen

Melbourne - 14.12.2011, 12:40 Uhr


Zwei australische Wissenschaftler wiesen kürzlich auf das erhöhte Krebsrisiko von Nonnen hin und empfahlen ihnen zur Prophylaxe die Einnahme von oralen Kontrazeptiva. Der Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz Australiens, Brian Lucas, reagierte sofort darauf und sagte, dass die katholische Kirche keine Einwände gegen die Anwendung von Verhütungsmitteln habe, wenn eine medizinische Indikation wie die Krebsprophylaxe vorliegt.

Die Reproduktionsmediziner Kara Britt und Roger Short in Melbourne leiten ihre Empfehlung teilweise aus epidemiologischen Studien ab, die insbesondere in den USA durchgeführt wurden. Bei über 80-jährigen Nonnen war das Risiko, an einem Ovarial- Endometrium- oder Mammakarzinom zu sterben, doppelt so hoch wie beim Durchschnitt ihrer gleichaltrigen Geschlechtsgenossinnen. Zudem zeigten Studien, dass Frauen, die vor der Menopause die „Pille“ eingenommen hatten, später ein um 50 bis 60 Prozent erniedrigtes Risiko hatten, an einem Ovarial- oder Endometriumkarzinom zu erkranken. Die hormonale Kontrazeption wirkt sich noch mindestens 20 Jahre nach dem Absetzen der Kontrazeptiva auf das Krebsrisiko aus.

Es ist bereits seit Längerem bekannt, dass Mütter ein geringeres Risiko für die drei genannten Karzinome aufweisen als kinderlose Frauen. Auch in der Gruppe der Mütter gibt es Unterschiede: Je mehr Kinder eine Mutter hat, je jünger sie bei den Geburten war und je länger sie ihre Kinder gestillt hat, desto geringer ist ihr Krebsrisiko.

Als Ursache für das Krebsrisiko gelten die während des Menstruationszyklus nach dem Eisprung ausgeschütteten Hormone. Da die „Pille“ dem Körper eine Schwangerschaft vortäuscht und den Eisprung verhindert, wirkt sie ähnlich krebsprotektiv wie eine Schwangerschaft. Bezogen auf die gesamte Lebensspanne, ist das Krebsrisiko von Frauen, die hormonelle Kontrazeptiva einnehmen, um 12 Prozent niedriger als bei Frauen, die dies nicht tun.

Diese statistischen Daten rechtfertigen jedoch keine generelle Verordnung hormoneller Kontrazeptiva an kinderlose Frauen wie beispielsweise Nonnen. Denn hinsichtlich des Brustkrebsrisikos gibt es auch die gegenteilige Darstellung, dass das Risiko bei Einnahme der „Pille“ steigt (siehe "Pille" senkt Ovarialkrebs- und erhöht Brustkrebsrisiko). Zudem bergen hormonelle Kontrazeptiva andere gesundheitliche Risiken wie kardiovaskuläre Komplikationen, die der Arzt vor der Verordnung aufgrund der Anamnese einschätzen sollte. Moraltheologische Einwände gegen die Verordnung der „Pille“ an Nonnen gibt es jedenfalls nicht.

Quelle: Britt K, Short R. The plight of nuns: hazards of nulliparity. The Lancet, 8 December 2011; DOI: 10.1016/S0140-6736(11)61746-7.


Dr. Wolfgang Caesar


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