Gefahr durch multiresistente Keime

WHO vermisst Innovationen bei Antibiotika

Genf - 20.09.2017, 10:45 Uhr

Wirklich neue Antibiotika sind dringend nötig. (Foto: jarun011 / Fotolia)

Wirklich neue Antibiotika sind dringend nötig. (Foto: jarun011 / Fotolia)


Die internationale Gemeinschaft engagiert sich nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation viel zu wenig, um neue wirksame Antibiotika zu entwickeln. Die meisten Arzneimittel, die derzeit in der Entwicklung sind, seien Modifikationen bestehender Antibiotika-Klassen und somit nur kurzfristige Lösungen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am heutigen Mittwoch einen Bericht vorgestellt, der sich mit den derzeit in der klinischen Entwicklung befindlichen antibakteriellen Wirkstoffen befasst. Die Analyse kommt zu dem Schluss: Es werden zu wenige neue Antibiotika entwickelt, die den Kampf gegen die wachsende Bedrohung durch multiresistente Keime aufnehmen können. Diese Keime könnten oft schwere Infektionen hervorrufen und seien vor allem für Krankenhäuser und Pflegeheime eine Bedrohung.

Der Bericht identifizierte 51 neue Antibiotika und Biologika in der klinischen Entwicklung, die zur Behandlung von Antibiotika-resistenten Infektionen sowie Tuberkulose und Clostridium difficile eingesetzt werden sollen. Doch nur acht von diesen wertet die WHO als innovativ. Die meisten Wirkstoffe in der Pipeline der Unternehmen seien lediglich Modifikationen bestehender Antibiotika-Klassen und böten daher nur kurzfristige Lösungen.

Der Report beklagt auch, dass es nur wenige orale Antibiotika in der Entwicklung gibt. Diese seien jedoch notwendig, um Infektionen außerhalb von Krankenhäusern zu behandeln. „Pharmafirmen und Forscher müssen sich dringend auf die Entwicklung neuer Antibiotika gegen schwere Infekte konzentrieren, die sonst Patienten innerhalb von Tage töten können“, betonte die WHO-Expertin Suzanne Hill.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus machte deutlich, welche Gefahren sonst drohen: „Es gibt einen dringenden Bedarf für mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung, ansonsten kommen wir wieder in eine Zeit, in der Menschen gewöhnliche Infektionen und kleine operative Eingriffe fürchten“, sagt. Allein an der behandlungsresistenten Tuberkulose sterben den Angaben zufolge pro Jahr 250.000 Menschen.

Um der Bedrohung entgegenzuwirken, haben die WHO und die Drugs for Neglected Diseases Initiative (DNDi) die globale Antibiotika-Forschungs- und Entwicklungspartnerschaft (GARDP) eingerichtet. Diese wird von Deutschland und anderen Staaten bisher mit 56 Millionen Euro unterstützt.


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