WHO

Antibiotikaforschung läuft zu zögerlich

Stuttgart - 20.01.2020, 13:44 Uhr

Die Antibiotikaforschung läuft nach Ansicht der WHO bedrohlich langsam. Hoffnung machen vor allem Wirkstoffe, die sich noch in frühen Entwicklungsstufen befinden. (r / Foto: Photographee.eu / stock.adobe.com)

Die Antibiotikaforschung läuft nach Ansicht der WHO bedrohlich langsam. Hoffnung machen vor allem Wirkstoffe, die sich noch in frühen Entwicklungsstufen befinden. (r / Foto: Photographee.eu / stock.adobe.com)


Die Weltgesundheitsorganisation WHO beklagt die „bedrohlich“ langsame Entwicklung neuer wirksamer Antibiotika. Zurückgehende Investitionen und Mangel an echten Innovationen würden die Bemühungen zur Bekämpfung multiresistenter Infektionen untergraben, teilte die WHO unter Berufung auf zwei neue Berichte am vergangenen Freitag in Genf mit.

Die WHO wünscht sich raschere Erfolge in der Entwicklung neuer wirksamer Antibiotika. Einer Mitteilung der Weltgesundheitsorganisation zufolge, werden derzeit zwar 60 antibiotische Mittel – 50 Antibiotika und zehn Biopharmazeutika – an Menschen erprobt. Diese würden gegenüber bestehenden Behandlungen aber wenig zusätzlichen Nutzen bringen, so die Deutsche Presse-Agentur (dpa), die die WHO-Einschätzung aufgriff. Die WHO kritisiert, dass nur wenige der in Entwicklung befindlichen Wirkstoffe auf die wichtigsten resistenten Bakterien abzielen. Dabei sei „nie zuvor […] die Bedrohung durch Antibiotikaresistenzen unmittelbarer und die Notwendigkeit von Lösungen dringender" gewesen, meint WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Neue Antibiotika in Deutschland

Jüngst gab auch der Verband forschender Arzneimittel-Hersteller (vfa) eine Aussicht, was wir hinsichtlich neuer Arzneimittel 2020 erwarten dürfen, unter anderem auch neue Antiinfektiva gegen bakterielle Infektionen. Kurz vor Weihnachten 2019 hat die Europäische Kommission einem neuen Fluorchinolon, Delafloxacin (Quofenix®), die Zulassung erteilt. Delafloxacin wird als intravenöse Infusion und als perorale Tablette verfügbar sein und ist als Reserve-Antibiotikum indiziert bei akuten bakteriellen Haut- und Weichteilinfektionen. Das Fluorchinolon wirkt auch bei Problemkeimen wie Klebsiella pneumoniae, MRSA und Pseudomonas aeruginosa.

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Zwei weitere Antibiotika haben bereits die EU-Zulassung, auch wenn der Marktzugang laut vfa noch nicht erfolgt ist: Das Tetracyclin Eravacyclin (Xerava®), das – oral oder intravenös – bei komplizierten intraabdominellen Infektionen eingesetzt wird und auch gegen multiresistente gramnegative Enterobakterien wirkt; und die Kombination Meropenem plus Vaborbactam (Vabomere®) zur Behandlung komplizierter Harnwegsinfekte, intraabdomineller Infektionen und nosokomialer Pneumonie. Alle drei Wirkstoffe stammen aus Wirkstoffgruppen, von denen es bereits antibiotische Vertreter auf dem Markt gibt.

Frühe Entwicklungsphase: aussichtsreiche Pipeline

Die WHO stellt zudem fest, dass Forschung und Entwicklung für Antibiotika in erster Linie von kleinen oder mittleren Unternehmen vorangetrieben wird, während große Konzerne das Feld verließen. Allerdings stimme der Blick auf die Situation bei Wirkstoffen, die sich noch in einer früheren Entwicklungsphase befinden, optimistischer. Der WHO zufolge, gibt es 252 Mittel, die auf die größten von der WHO definierten Problemfelder abzielten. Erste Medikamente dieser Generation kämen aber wohl frühestens in zehn Jahren auf den Markt.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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