Interpharm 2017

Autoimmunerkrankungen in der Apothekenpraxis

Bonn - 15.03.2017, 11:30 Uhr

Autoimmunerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis gehören mit zu den Ursachen einer einer Hüftarthrose (Coxarthrose). (Foto: stockdevil / Fotolia)

Autoimmunerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis gehören mit zu den Ursachen einer einer Hüftarthrose (Coxarthrose). (Foto: stockdevil / Fotolia)


Das große Spektrum der Autoimmunerkrankungen umfasst ca. 60 verschiedene – prominente und weniger bekannte – Krankheiten. Ihnen ist gemein, dass Immunzellen (Autoantikörper) gesundes ­körpereigenes Gewebe angreifen, wodurch chronisch-entzündliche Prozesse und Gewebeschädigungen resultieren. 

Um die unerwünschte Immunantwort zu hemmen oder zu unterdrücken und damit körpereigenes Gewebe zu schützen, werden neben hochspezifischen Therapeutika (Biologika) bei den allermeisten Autoimmunerkrankungen Glucocorticoide eingesetzt. Diese sind bekanntermaßen nicht ohne Nebenwirkungen, welche im Vortrag genauer dargestellt werden. Glucocorticoide werden in den Leitlinien vieler Autoimmunerkrankungen als zeitlich begrenzte Therapie empfohlen, so zum Beispiel in der topischen Anwendung bei Psoriasis oder in der oralen Anwendung bei rheumatoider Arthritis, um den Wirkungseintritt eines disease-modifying anti-rheumatic drug (DMARD) zu überbrücken. Selbstverständlich erfolgt das Absetzen einer mittel- bis langfristig durchgeführten Glucocorticoid-Therapie ausschleichend, auch bei topischer Therapie.

Ein großer Nachteil bei dem Versuch, das Immunsystem bei bestimmten Autoimmunerkrankungen durch Biologika, Glucocorticoide, konventionelle synthetische DMARDs oder Immunsuppressiva zu kontrollieren, besteht darin, dass die Immunität gegen körperfremde Eindringlinge ebenfalls abgeschwächt wird. Virale, bakterielle und parasitäre Infektionen sowie Mykosen können daher zu einem bedrohlichen Begleiter der Therapie werden, besonders unter Mehrfachimmunsuppression. Wichtig ist daher, Patienten vor Beginn einer immunsuppressiven oder -modulierenden Therapie auf vorhandene Infektionskrankheiten zu untersuchen und den Impfstatus zu erheben und sofern möglich zu vervollständigen (keine Lebend-Impfstoffe geben!). Gefürchtet ist zum Beispiel die Reaktivierung einer inaktiven („latenten“) Tuberkulose, weshalb vor Beginn einer Anti-TNF-alpha-Therapie auf latente Tuberkulose getestet werden muss.

Häufiger Diskussionsgegenstand in Apotheken betrifft immer wieder die Austauschbarkeit von Präparaten. Bei Autoimmunerkrankungen sind im Falle der hochspezifischen, biotechnologisch hergestellten Biologika besondere Substitutionsregeln zu beachten, die näher vorgestellt werden. Biologika dürfen in der Apotheke beispielsweise nicht gegen Nachahmerprodukte, sogenannte Biosimilars ausgetauscht werden. Anders als beim klassischen Generikum handelt es sich bei einem Biosimilar nicht um eine identische Kopie des Originalwirkstoffs, sondern um ein Produkt mit vergleichbarer Wirksamkeit, biologischer Aktivität und Sicherheit zum Referenzarzneimittel, da es durch einen unterschiedlichen Herstellungsprozess gewonnen wird. Eine ärztlich verordnete Umstellung kann jedoch Patienten verunsichern (z. B. aufgrund unterschiedlicher Applikationshilfen). Krankenkassen fordern allerdings zunehmend, die oft sehr teuren Innovator-Produkte durch günstigere Biosimilars zu ersetzen, da Einsparpotenziale in Millionenhöhe gewittert werden (siehe Barmer GEK „Arzneimittelreport 2016“).

Bei Diabetes mellitus Typ 1, ebenfalls eine Autoimmunerkrankung, kann eine bessere glykämische Kontrolle durch Interventionen der Apothekenmitarbeiter erzielt werden, wie eine Studie bei heranwachsenden Typ-1-Diabetikern in Deutschland und Bosnien und Herzegowina jüngst zeigte.

Interpharm-Vortrag

„Autoimmunerkrankungen in der Apothekenpraxis“

Dr. Verena Stahl, am Freitag, den 31. März 2017, auf der INTERPHARM in Bonn.


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