Nutzenbewertung

Palbociclib fällt beim IQWiG durch

Stuttgart - 02.03.2017, 12:30 Uhr

Das IQWiG ist nicht überzeugt vom Brustkrebsmittel Ibrance. (Foto: Pfizer)

Das IQWiG ist nicht überzeugt vom Brustkrebsmittel Ibrance. (Foto: Pfizer)


Kein Zusatznutzen für das Brustkrebstherapeutikum Palbociclib. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bei seiner  Nutzenbewertung. Für mehre Patientengruppen gebe es keine oder keine geeigneten Daten, und wo es Daten gibt, überwiegen die Nachteile, kritisiert das IQWiG.

Seit November 2016 ist Palbociclib (Ibrance) zur Behandlung von Frauen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs zugelassen – unter der Voraussetzung, dass keine Chemotherapie, Strahlentherapie oder eine weitere Operation für die jeweilige Patientin infrage kommen. Es wird bei zuvor nicht antihormonell behandelten Frauen in Kombination mit einem Aromatasehemmer eingesetzt. Patientinnen, die bereits eine endokrine Therapie erhalten haben, erhalten Ibrance in Kombination mit dem Oestrogen-Antagonisten Fulvestrant (Faslodex).

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat nun seine Dossierbewertung im Rahmen der frühen Nutzenbewertung für diesen Wirkstoff veröffentlicht. Nach Ansicht des Kölner Instituts gibt es keinen Hinweis darauf, dass Palbociclib Vorteile gegenüber den zweckmäßigen Vergleichstherapien bringt. Im Detail wurde das folgendermaßen begründet: 

Keine oder nicht auswertbare Daten

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat für die Bewertung vier Therapiesituationen vorgegeben. Je nachdem, ob die Patientinnen die Wechseljahre schon hinter sich haben sowie ob und wie viele Therapien bereits durchgeführt wurden.

Allerdings legte der Hersteller für die Erstlinientherapie bei Frauen vor oder in der Menopause keine Daten vor. Für die Zweit- und Folgetherapie vor, in oder nach den Wechseljahren wurde nicht gegen die vom G-BA vorgegebene Vergleichstherapie getestet. Das IQWiG kam daher zu dem Schluss: nicht auswertbar, Zusatznutzen in diesen Gruppen folglich nicht belegt, so das Urteil. 

Palbociclib 

Palbociclib  ist zugelassen bei Hormonrezeptor-positivem/HER2-negativem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Brustkrebs.

Die antitumorale und antiproliferative Wirkung basiert auf einer selektiven Hemmung der Cyclin-abhängigen Kinasen (CDK für Cyclin-dependent kinases) 4 und 6. Palbociclib ist damit der der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffgruppe. Bei vielen Krebsarten sind CDK übermäßig aktiv und befördern so das Tumorwachstum. CDK4 und 6 sind in den Zellen für den Übergang von der G1-Phase in die S-Phase des Zellyzyklus – und somit für die Zellteilung – verantwortlich. Palbociclib blockiert diesen Übergang. 

Handelsname: Ibrance

Wo es Daten gibt, überwiegen die Nachteile

Die einzige  Gruppe, in der es vom IQWiG als verwertbar angesehene Daten gab, war die Erstlininientherapie bei Frauen nach der Menopause. Hier wurde in zwei Studien Palbociclib plus Letrozol gegen Letrozol alleine getestet. Relevante Unterschiede? Die waren bei mehreren Endpunkten wie Morbidität oder gesundheitsbezogene Lebensqualität Fehlanzeige.

Und beim Gesamtüberleben waren die Unterschiede statistisch nicht signifikant. Bei diesem Endpunkt führt der Hersteller die Ergebnisse zum progressionsfreien Überleben als Surrogatparameter ins Feld. Onkologische Arzneimittel werden oft auf Basis solcher Surrogatparameter zugelassen, da sich manchmal erst nach Jahren zeigt, ob sie tatsächlich lebensverlängernd wirken. Diese Surrogatparameter müssen aber validiert sein. Das habe der Hersteller für das progressionsfreie Überleben zwar versucht, schreibt das IQWiG in seiner Bewertung, die herangezogene Methode sei grundsätzlich geeignet gewesen. Allerdings bilde der Studienpool, den der Hersteller verwendet, die Fragestellung  nicht angemessen ab. Er beinhalte zum einen nur Studien, die zwei Monotherapien vergleichen – Palbociclib kann aber laut Zulassung nur als Kombinationstherapie eingesetzt werden. Zum anderen werden Studien zu Palbociclib bei der Auswertung nicht mit berücksichtigt.  In einer eigenen Auswertung kam das IQWiG dann zu dem Schluss, dass sich das progressionsfreie Überleben  in dieser Therapiesituation nicht als Surrogatparameter für das Gesamtüberleben eignet. Ein Zusatznutzen ist folglich nicht abzuleiten.

Schwere Nebenwirkungen treten unter einer Kombinationstherapie mit Palbociclib deutlich häufiger auf. Da es nach Ansicht des  IQWiG aber keinen Vorteil bei anderen Endpunkten gibt, der diesen Nachteil aufwiegt, kommt das Institut insgesamt zu dem Schluss, dass für Erstlininientherapie  nach der Menopause der Nutzen der neuen Therapie geringer ist als der von Vergleichstherapien. 

In Freiburg produziert

Die Bewertung des IQWiG wird nun dem G-BA vorgelegt, der dann endgültig über den Zusatznutzen entscheidet. Ibrance® ist in insgesamt über 50 Ländern zugelassen. Es wird in Freiburg/Breisgau für den weltweiten Markt hergestellt. In den USA haben die Erlöse die Erwartungen bereits übertroffen. 



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Palbociclib

von Jürgen Barth am 03.03.2017 um 10:10 Uhr

Seit November zugelassen und schon in fachärztlichen Leitlinien --> http://www.ago-online.de/fileadmin/downloads/leitlinien/mamma/Maerz2016/de/2016D%2019_%20Endokrine%20und%20zielgerichtete%20Therapie%20metastasiertes%20Mammakarzinom.pdf
man kann Vergleichsstudien ja auch so bestimmen, dass das herauskommen muss. Wenn dann noch ein Cross-Over erlaubt oder vorgeschrieben ist, wird der härteste Parameter in der Onkologie -OS-overall survival- immer verwässert. Das weiß das IQWiG auch.....

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