Rückblick auf das Jahr 2016

Mein liebes Tagebuch

01.01.2017, 08:00 Uhr

Hoffentlich wird 2017 ein besseres Jahr! (Foto: Andi Dahlfehrt)

Hoffentlich wird 2017 ein besseres Jahr! (Foto: Andi Dahlfehrt)


2016  – ein Jahr mit ein bisschen Hoffnung, viel Frust und noch mehr Schrecken für Apotheker. Hoffnung auf ein kleines Honorarzubrot für Rezepturen und Rezeptdoku.  Freude über ein bisschen weniger Retax – das war’s dann mit der Freude. Der Frust: Der Apotheker ist beim Medikationsplan ziemlich außen vor, Medikationsmanagement machen Kassen ohne Apotheker. Die Kassen schikanieren uns nach wie vor, zerstören mit Ausschreibungen Strukturen und die Lieferengpässe treiben uns in die Verzweiflung. Und der große Schrecken: das EuGH-Urteil. Freie Arzneimittelpreise für ausländische Versender: Wird das unsere Apothekenstrukturen zerstören? Kommt das Rx-Versandverbot? Das steht für 2017 in den Sternen.

Januar 2016

Das gehört Anfang 2016 noch immer zu den irrsten Dingen der Welt: Retax und Null-Retax Die AOK Rheinland/Hamburg hat sogar eine Retaxation über 1 Cent verschickt! Verrückter geht’s kaum. Freude bei der ABDA, die Champagnerkorken knallten: Unsere Berufsvertretung  ist nun ein eingetragener Verein – und das ermöglicht ihm, beim Kauf der neuen Bleibe am Berliner Hauptbahnhof mal eben 2,1 Mio. Euro an Grunderwerbsteuer zu sparen. Man fragt, sich, warum die ABDA diesen Schritt nicht schon früher gemacht hatte, beim Kauf des alten Palais.

Februar 2016

Anfang Februar nichts als Träume: Honorar für den Medikationsplan? Von wegen! Für die Bayerische Gesundheitsministerin Huml ist klar: Der Apothekenaufschlag deckt schon alle mit der Arzneiversorgung verbundene Dienstleistungspflichten ab. Basta.
Zoff mit der DAK: Wenn ein Rabattarzneimittel nicht lieferbar ist, verlangt sie von Apotheken eine Großhandelserklärung, aus der hervorgeht, dass der Hersteller nicht liefern konnte. Mein liebes Tagebuch, Nichtlieferbarkeit von Arzneimittel entpuppt sich zur Abzockmaschine für Kassen. Und ein Kracher im Februar: die vier ABDA-Töchter (Govi-Verlag, Werbe- und Vertriebsgesellschaft, IT/EDV-Geschäftsbereich und die Verwaltungsgesellschaft Deutscher Apotheker schlüpfen unter ein Dach und nennen sich „Avoxa“. Mit Avoxa bezeichnete  man im alten Rom Sklaven, denen die Zunge abgeschnitten wurde, damit sie nicht mehr reden können. Sei’s drum.

März 2016

Endlich, das offizielle Apotheker-Berufsbild ist als Novelle zum Arzneimittelgesetz vom Kabinett beschlossen. Und das Schönste daran: Auch Apotheker in Industrie, Behörden und Hochschulen sind laut Novelle pharmazeutisch tätig und gehören zum Berufsbild Apotheker! Mein liebes Tagebuch, es wäre ein Unding gewesen, wenn dies nicht aufgenommen worden wäre.
Und immer wieder Retax: Kassen schikanieren Apotheken, wenn Rabattarzneimittel nicht lieferbar sind. Retax-Unternehmen, die im Auftrag der Kassen die Rezepte kontrollieren, sind lukrative Unternehmen, werden von den Kassen bezahlt – und finden garantiert die Fehler. C&A kauft ein Retax-Unternehmen nach dem andern.
Kaum zu glauben, ein Ostergeschenk von der DAK: Apotheken müssen in Zukunft keine Bestätigung des pharmazeutischen Unternehmers vorlegen, wenn ein Rabattarzneimittel nicht mehr lieferbar ist. Die Bescheinigung vom Großhandel reicht. Endlich!

April 2016

Lieferengpässe rauf und runter – und von der ABDA hört man draußen nichts dazu. Gut, dass Apotheker Haru Diefenbach Defektlisten sammelt und die nicht lieferbaren Arzneimittel dokumentiert.
Das Antikorruptionsgesetz ist durch. Bei Apothekern gibt es allerdings eine Einschränkung: Die Abgabe und der Bezug von Arzneimitteln, die nicht unmittelbar durch Heilberufler angewandt werden, fallen nicht unters Antikorruptionsgesetz.
Der Medikationsplan steht. Ärzte und Apotheker haben sich darauf verständigt, wie der Plan aussehen soll, wie er erstellt, aktualisiert und fortgeschrieben wird. Die Ärzte wünschen sich, dass Apotheker den Plan unterstützen – mein liebes Tagebuch, wenn ich Arzt wäre, würde ich mir das auch wünschen, und sogar noch mehr.
Zahlen vom Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands: 200 Apotheken weniger als im Vorjahr, die Durchschnittsapotheke hat 2,1 Mio. Euro Umsatz, 61 Prozent der Apotheken liegen unterm Durchschnitt. Es gibt nur noch 16.000 Hauptapotheken. Verbandschef Becker hat einen langen Katalog der Baustellen zusammengestellt, z. B. Honoraranpassung, mehr Geld für Rezepturen und BtM-Doku, Retaxationen, Importförderklausel, Lieferengpässe, Hochpreiser, Rabattverträge, Zyto-Ausschreibungen Präqualifizierung und vieles mehr – mein liebes Tagebuch, man sollte das öfters mal in der Öffentlichkeit, in der Politik thematisieren.

Mai 2016

Lieferengpässe – DAZ.online hat die letzte Mai-Woche zur Woche der Lieferengpässe ausgerufen und nachgeforscht, wo die Ursachen liegen könnten: Rabattverträge dürften wohl die Hauptursache sein, außerdem außereuropäische Billigproduktionsstätten und Logistikprobleme.   
Wenn der Arzt vergessen hat, seinen Vornamen und seine Telefonnummer aufs Rezept zuschreiben und die Apotheke hat es übersehen: Retaxgefahr! Das ist selbst dem Bundesgesundheitsministerium zu albern: Dem Apotheker sollte erlaubt sein, diese Angaben selbst nachzutragen, wenn er sie kennt.
Wie sieht’s eigentlich mit dem barrierefreien Zugang bei Apotheken aus? Wenn man das nur wüsste! Die ABDA hatte sich kaum darum gekümmert. Eine Erhebung unter den Apotheken wäre angezeigt gewesen, wie viele davon eigentlich betroffen sind. War kein Bravourstückchen der ABDA.

Juni 2016

Endlich Retaxfrieden! Seit 1. Juni gibt es die neuen Retaxregelungen mit den Kassen: Wegen eines mehr oder weniger formalen Fehlers auf dem Rezept darf keine Apotheke mehr retaxiert werden. Die Apotheke muss den Fehler allerdings finden und heilen. Endlich!
Ein böses Gewitter aus Luxemburg mit einem grollenden Schlussantrag des Generalanwalts am Europäischen Gerichtshof lässt nichts Gutes ahnen: Ausländische Versandapotheken sollen sich nicht an das deutsche Preisrecht halten müssen, wenn sie nach Deutschland versenden – das deutsche Preisrecht sei nicht mit Europarecht vereinbar. Mein liebes Tagebuch, dieses Thema wird uns nach dem 19. Oktober noch schwer beschäftigen. Erstaunlich allerdings: Unsere liebe ABDA bleibt sowas von optimistisch und singt ein gar fröhliches Liedchen: Sie hält es nicht für sinnvoll, sich jetzt schon in Szenarien zu ergehen, was wäre, wenn der EuGH im Sinne des Generalanwalts entscheiden würde.
Sieht schlecht aus für eine Extra-Honorierung der Apotheker bei Medikationsplan, -analyse und –management. Aufsichtsbehörden der Krankenkassen meinen, dass es für Beratungs- und Dienstleistungsangebote der Apotheken gegen Honorar keine gesetzliche Grundlage gebe. Und außerdem: Der Apotheker ist heute schon zur Beratung und Information verpflichtet. Mein liebes Tagebuch, war’s das mit einer Extra-Entlohnung?
Ein neues aktualisiertes Berufsbild, erarbeitet von der Bundesapothekerkammer, liegt vor! Nach vorausgegangenen Online-Diskussionen hat die BAK-Mitgliederversammlung das Papier verabschiedet, das eine Auflistung aller Tätigkeiten von Apothekern in den unterschiedlichen Bereichen darstellt. Mein liebes Tagebuch, in diesem Super-Berufsbild sind allerdings schon viele Dienstleistungen enthalten, auch der Medikationsplan – ein Zusatzhonorar werden wir uns dafür wohl abschminken können.
Das Apothekerhaus, das Mendelssohn-Palais, wird auf den Immobilienmarkt geworfen – das Ende eines glamourösen Höhenflugs einiger unserer damaligen Berufsvertreter steht zum Verkauf. Bye-bye, Palais!
ABDA-Chefjurist Lutz Tisch hat die Ruhe weg, zumindest was das anstehende Urteil des EuGH zur Preisbindung von Rx-Arzneimitteln hat. Er meint, die Schlussanträge des Generalanwalts seien nicht überzeugend. Mein liebes Tagebuch, er sollte sich da gewaltig irren.
Unruhe bei der Brandenburger Kammer: Sie sieht die Interessen der Basis-Apotheker von der ABDA nicht ausreichend vertreten und kürzt daher die Beiträge zur ABDA um die Hälfte. Damit setzt die Kammer ein deutliches Zeichen!

Juli 2016

Und wieder Lieferengpässe. Eine Kleine Anfrage der Linksfraktion bringt es an den Tag: Die Bundesregierung weiß zu diesem Thema Lieferengpässe und Arzneimittelkontingentierung durch Hersteller nur wenig bis nichts. Traurig. Und selbst das ist für die ABDA kein Anlass, Lieferengpässe in der Öffentlichkeit zu deklinieren.
Gesundheitspolitiker haben ihr Herz für Apotheker entdeckt: Sie wollen, dass die Apotheker für Rezepturen 8,35 Euro Fixhonorar bekommen. Und weil sie uns so lieben, schlagen sie auch auf die Arbeitspreise noch einen Euro drauf, also fürs Salbenrühren dicke 6 statt nur 5 Euro. Damit nicht genug. Im Referentenentwurf steht außerdem, dass für die Dokumentation bei BtM- und T-Rezepten schwindelerregend hohe 2,91 Euro honoriert werden sollen. Mein liebes Tagebuch, die Apotheker werden diese Honorare verkraften. Nach offiziellen Berechnungen werden sie dadurch insgesamt 85 Mio. Euro mehr erhalten. Ausschreibungen für die Zyto-Herstellung laufen mittlerweile schon auf bundes- und europaweiter Ebene. Hauptsache billig. Bestehende ortsnahe Strukturen werden dadurch zerschlagen. Mein liebes Tagebuch, wann wird der Ausschreibungsirrsinn der Kassen gestoppt?

August 2016

Apotheker sind lieb, arg lieb. Noch bevor der Medikationsplan an den Start geht, verteilen sie Merkhilfen und Infoblätter für Patienten, worum es da eigentlich geht. Apotheker – stets zu Diensten, perfekt und ohne Honorar. Bei Ärzten tönt es ganz anders: Medikationsplan macht viel Arbeit, das heißt: nur gegen angemessene Vergütung. So geht’s. Tja, mein liebes Tagebuch, bei Apothekers gibt’s das umsonst.
Im August bekam die ABDA dann doch kalte Füße angesichts ihrer Unbekümmertheit zum Ausgang des EuGH-Urteils. In den Online-Medien von Tageszeitungen setzte Schmidt eine präsidiale Nachricht ab: Also, wenn das Gericht doch Boni auf Rx zulassen sollte, dann, ja dann plädiere er schon für ein Verbot des Rx-Versandhandels. Endlich! Da fragt man sich nur, warum es so lange dauerte, bis das über seine Lippen kam.
Uns gibt es nur im Doppelpack – ein Spruch des Präsidenten, der schon fast zum geflügelten Wort geworden ist. Was er damit meint: Er tritt gerne zur Wahl des ABDA-Präsidenten an, allerdings bringt er dann seinen Vize Mathias Arnold mit und der müsse dann bitte auch gewählt werden. Und er klopft sich auch gleich auf die eigenen Schultern: Er habe versucht, das Amt des ABDA-Präsidenten etwas kleiner und menschlicher zu machen, außerdem moderner und zeitgemäßer. Und einer der schönsten Meilensteine während seiner zu Ende gehenden Amtszeit: die Entscheidung für ein neues Apothekerhaus in Berlin. Ach ja, und bitte, alles möge so bleiben in der Dreifaltigkeit der ABDA-Führung. Als hätte er‘s vorausgeahnt.

September 2016

Immer wieder Versuche von Kassen, bei Nichtverfügbarkeit von Arzneimitteln zu retaxieren. Die AOK Rheinland/Hamburg retaxiert unbarmherzig, wenn die Apotheke das Sonderkennzeichen aufs Rezept druckt, die Nichtverfügbarkeit aber nicht mit der Defektmeldung des Herstellers übereinstimmt. Pure Schikane!
Das Karussell der Zyto-Ausschreibungen der Kassen dreht sich weiter. Mittlerweile haben sich sieben Verbände mit dem Deutschen Apothekerverband zusammengetan und ein Papier gegen Ausschreibungen verfasst: Zyto-Ausschreibungen sind versorgungsgefährdend, Einschränkung der freien Apothekenwahl und Lieferengpässe drohen. Verbandschef Becker denkt darüber nach, den Kassen 150 Mio. Euro bei der Hilfstaxe einzuräumen, wenn sie auf Ausschreibungen verzichten. Andere Vorschläge: Die Kassen könnten Wirkstoffe bei den Herstellern ausschreiben. Noch im September erreicht der Zyto-Streit den Bundestag. Eine Expertenanhörung ist geplant.
Ein kleiner Knaller im Vorfeld der ABDA-Wahlen: Hamburgs Kammerpräsident Kai-Peter Siemsen möchte ABDA-Präsident werden und sich zur Wahl stellen. Huch, mein liebes Tagebuch, das bricht doch alle Absprache-Riten bei der ABDA – endlich mal echt wählen können!
Da staunten die Apotheker nicht schlecht: 1 Milliarde bekommen die Ärzte in 2017 mehr. Darauf haben sich die Ärzte mit dem GKV-Spitzenverband verständigt – ein Inflationsausgleich war nötig, alles ist teurer geworden. Na super, mein liebes Tagebuch, und bei Apotheken sind die Ausgaben gleich geblieben?
Nach hartem Ringen ist es nun amtlich: Apotheken dürfen einen fehlenden Vornamen oder eine fehlende Telefonnummer eines Arztes  auf dem Rezept ergänzen, wenn sie diese Angaben kennen. Die neue Arzneimittelverschreibungsverordnung wird diese Errungenschaft verkünden! Eigentlich traurig, welches Gerangel um so eine simple Frage entstanden war.

Oktober 2016

Ab 1. Oktober gibt’s den Medikationsplan vom Arzt – doch der Run auf den Papierplan bleibt aus. Abwarten, was kommt. Und schon meckern die Ärzte, dass sie zu wenig Honorar für den Plan bekommen. Tja, hätte der Minister uns Apothekers rangelassen – wir wären genügsam gewesen und hätten uns darüber gefreut.
Vielleicht tut sich was bei den Zyto-Ausschreibungen! Es soll einen Entwurf zur Abschaffung der exklusiven Zyto-Verträge geben. Allerdings kommt das Ministerium auch den Kassen entgegen: Die Preise und Rabatte für die Zyto-Substanzen sollen transparent werden. Tja, nichts ist umsonst.
Und dann der Apothekertag! Es gab viel Friede, viel Freude und einen politischen Eierkuchen mit Schoko und Sahne – der Kuschelfaktor auf dem Apothekertag war exorbitant, „eine erschreckende Harmonie“. Und unser ABDA-Präsident gab den Bergführer, der die Apothekerschaft auf den Gipfel führen und keinen zurücklassen will. Viele Anträge, was alles besser werden soll. Und ein fast unglaublicher Antrag: Es soll eine Datenbank geben, die den Bearbeitungsstand der Anträge zeigt. Schmidt gibt sein Placet dazu. Ist die ABDA über sich selbst hinausgewachsen? Und außerdem: Lob gab’s von der Politik und von Gröhe dazu mehr Geld für Rezepturen und Rezeptdoku. Und es soll das Aus für Zyto-Ausschreibungen kommen. Den elektronischen Medikationsplan, der 2018 kommt, den soll auch der Apotheker aktualisieren dürfen – gegen entsprechende Zuschläge.
Und nach dem Apothekertag die Schicksalswoche mit dem 19. Oktober 2016: Der EuGH entscheidet, dass sich ausländische Versender nicht an die deutsche Arzneimittelpreisverordnung halten müssen. Schon einen Tag nach der Urteilsverkündung überbieten sich die holländischen Versender mit Boni und Rabatten. Die ABDA startet ihre Karabinerhaken-Anzeigenkampagne mit der Botschaft „Sichern!“ und klammert sich an eine der letzten Chancen, ein Rx-Versandverbot. In den Wirtschaftsblättern und von liberalen Ökonomen tönt Jubel übers Urteil und Häme für die Apotheken. Das Urteil selbst war, wie Christian Rotta es ausdrückte, krude, selektiv und zynisch. Die deutschen Gesundheitspolitiker zeigten sich überrascht übers Urteil. Gröhe will das Mögliche tun und setzt sich für ein Rx-Versandverbot ein. Die Medien kritisieren ihn dafür. Huml aus Bayern will über eine Bundesratsinitiative den Rx-Versandhandel verbieten. Die SPD lässt Widerstand erkennen. Lauterbach poltert heftig gegen Gröhes Rx-Versandverbot, Hilde Mattheis will Alternativen zum Versandverbot prüfen. Und für die Grüne Kordula Schulz-Asche ist der Versandhandel eine wichtige Versorgungskomponente.

November 2016

Das Gerangel um das Für und Wider des Versandhandels ist eröffnet. Lauterbach sieht im Versandhandel ein schützenswertes Pflänzlein und stemmt sich mächtig gegen ein Versandverbot. Die SPD-Politikerin Sabine Dittmar weiß noch nicht so recht und möchte erst mal alle Optionen prüfen. Und dann taucht sogar noch der FDP-Lindner auf und tönt: Freier Versand für Rx – auch wenn er früher mal dagegen war. Und die Grüne Kordula Schulz-Asche meint: Kein Rx-Versandverbot, aber mehr Geld für Apotheker. Nur die Linke steht zu den Apotheken und will’s Rx-Versandverbot. Die Lage wird immer verworrener. Ein Info-Papier für Bundestagsabgeordnete kommt zu dem Schluss: Entweder beschließt der Bundestag ein Rx-Versandverbot oder die Preisbindung fällt und man könnte ein Höchstpreissystem für Arzneimittel einführen. Das klingt schon nach einer Tragödie.
Dann rückt der Karabinerhaken ins Zentrum der Macht – die ABDA lässt ihre Kampagne gegen das EuGH-Urteil in Berlin plakatieren. Das Zittern, ob das Bundesgesundheitsministerium am Rx-Versandverbot festhält, bleibt.
Das EuGH-Urteil sorgt bei der ABDA für geschlossene Reihen. Siemsen kandidiert nicht gegen Schmidt bei der Wahl zum ABDA-Präsidenten und die Brandenburger Kammer zahlt wieder brav ihren vollen ABDA-Beitrag und steht zu den ABDA-Aktivitäten. So kann’s gehen.
Bei all den düsteren Nachrichten geht fast die frohe Kunde unter: Die Pharmazie-Ausbildung in Leipzig bleibt, es wird einen Modellstudiengang an der medizinischen Fakultät geben. Mein liebes Tagebuch, das könnte sogar die spätere Kooperation von Arzt und Apotheker fördern.
Beruhigende Nachricht: Kiefer wiedergewählt, Becker wiedergewählt. Wie schön.
Beunruhigende Nachricht: Die Zahl der Apotheken ist weiter im Sinkflug. Ende des dritten Quartals gab es wieder über 150 Apotheken weniger als im Vorjahr. In Deutschland gibt es derzeit nur noch 20.093 Apotheken. Weniger schön.

Dezember 2016

Das ist echt heftig: Die Barmer GEK bekommt aus dem Innovationsfonds (Hecken lässt grüßen) 16 Mio. Euro, um „Adam“, ein digital unterstütztes Arzneimitteltherapie- und Versorgungsmanagement, aufzubauen, nur mit Ärzten, ohne Apotheker!  Es geht bei dem Projekt um ureigene Apothekeraufgaben und die Apotheker bleiben außen vor. Ein Unding sondergleichen.
Der alte Präsident ist der neue. Unsere ABDA-Dreifaltigkeit samt Doppelpack ist komplett: Schmidt und Arnold, der Präsident und sein Vize wurden wiedergewählt mit sozialistischem Ergebnis. Dann ist das mal geklärt und unsere Berufspolitiker können sich voll und ganz auf die Rettung der Apothekenzukunft konzentrieren. Die ABDA im Aktionsfieber startet eine PR-Kampagne mit Flugblatt und dem Tenor: EU macht böse Entscheidung, Apotheke vor Ort in Gefahr, keine Notdienste, mehr Fälschungen, keine Rezepturen für kranke Kinder, alles wird schlechter für Senioren und chronisch Kranke. Ist ein bisschen Panikmache, ein bisschen drastisch. Die Politik schüttelt mit dem Kopf.
Unterdessen hat der Wort&Bild-Verlag ein einfühlsames Herz-Schmerz-Filmchen produziert, das die Apotheke äußerst freundlich, sympathisch, unverzichtbar zeigt: „Danke, Apotheke“, heißt der 60-Sekunden-Spot, der zu Prime-Zeiten im TV ausgestrahlt werden soll. Wer danach die Apotheke nicht umarmen möchte, hat kein Herz.
Und zum Schluss: Unser Bundesgesundheitsminister Gröhe möchte nicht mehr Wettbewerb bei Apotheken, keinen weiteren Mehrbesitz und ein Rx-Versandverbot. Mehr Geld für Apotheken gibt’s mit ihm allerdings nicht: „Ein Beratungshonorar löst kein Problem.“ Mein liebes Tagebuch, was für ein Jahr!

Allen Leserinnen und Lesern meines lieben Tagebuchs wünsche ich ein gesundes und erfolgreiches 2017! Möge das neue Jahr besser werden als das alte.


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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3 Kommentare

Neues Jahr!

von Christian Giese am 02.01.2017 um 10:13 Uhr

Gerade mal zwei Kommentare zum apothekerlichen Neuen Jahr!
Es ist doch sehr bequem, wenn man zu nichts was zu sagen weiss. Aber, wie sollte man auch was sagen sollen?
Es gibt für uns ganz unten an der apothekerlichen Basis weder wirksam reizvolle Abstimmungen noch Losverfahren oder Wahlen. So sind wir dann doch lieber schweigsam und teilen uns gemeinsame Schuld am Nichthinsehen und Stillehalten und deren eventl. Folgen. Schuld gemeinsam teilen tut halt nicht so weh!

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bis zu 30€ pro Rezept

von Karl Friedrich Müller am 01.01.2017 um 14:07 Uhr

kam eben in der Werbung im TV.
Und unsere Looser an der Spitze pennen weiter.
Wie soll die Apotheke vor Ort solchen Angeboten begegnen?
Da brennt keine Lunte, da brennt gar nichts.
Das ist der Totentanz, die Apokalypse der Apotheken. Über
jeden Monat, den wir überleben, können wir glücklich sein. Jeden Monat wird es schwieriger werden.
Die Kassen müssen umgehend gezwungen werden, die Lieferverträge einzuhalten.
Die Obermauschler, die gerne Apotheken, Gesundheitsfond bescheißen und peinlich genau auf Einhaltung selbst erfundener Regeln achten, sind bei den ausländischen Versandapotheken sehr nachsichtig. Das geht so schon gar nicht.
Wir brauchen uns nicht über ein Mehr über BTM und Rezepturen freuen. Unter dem Strich wird es am Ende saehr viel weniger sein, weil die Rezepte UND OTC fehlen.Mit den Rezepten steigen bestimmt auch noch die OTC Umsätze der Versandapotheken. So lohnt es sich doch für den Verbraucher richtig.
Schmidt setzt nach 2 Betrieben nun noch den ganzen Stand in den Sand.
Frohes neues Jahr.

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Die Zündschnur glimmt weiter so vor sich hin ...

von Christian Timme am 01.01.2017 um 9:35 Uhr

Genialer Rückblick oder Anleitung für das Jahr 2017: Die ABDA hat's, die Apotheke nicht. Avox(a) : Starke Stimme, leider ohne Zunge. Erst die Angestellten dann die Basis. Versklavungen, Irrungen und Verwirrungen haben Zukunft. Frohes neues Jahr ...

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