Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

25.09.2016, 08:00 Uhr

Eine Mega-Frust-Woche (Foto: Andi Dalferth)

Eine Mega-Frust-Woche (Foto: Andi Dalferth)


An Frust haben wir Apothekers uns schon gewöhnt. Aber selten gab’s so einen Mega-Frust wie in dieser Woche. Bei den Ärzten wird ein Milliarden-Honorar durchgewunken, inklusive einer satten Bezahlung für den Medikationsplan. Und für uns bleibt die Assistentenrolle beim Aktualisieren des Plans, selbstverständlich ohne Honorar. Sind das die Perspektiven des Heilberufs Apotheker?

19. September 2016

Versandapotheken rollen den OTC-Markt auf, sie stehen mit den Vor-Ort-Apotheken bei Aspirin, Grippostad und Voltaren im Preiswettbewerb. Aber bei Rx ist die Präsenz-Apotheke vorne. Stimmt, mein liebes Tagebuch, doch der niederländische Versender DocMorris bläst jetzt zum Sturm auf die Bastille. Im Vergleich mit anderen Versand-Apos hatte er schon bisher einen relativ hohen Rezeptanteil. Mit einer aufwendigen Werbekampagne, einem witzigen halbminütigen TV-Spot, will DocMorris seinen Rx-Anteil steigern. Abgesehen hat es der Versender vor allem auf die Rezepte von Chronikern, ein profitables Kerngeschäft, bei dem man wieder auf den „zweistelligen Wachstumspfad“ zurückkehren möchte, heißt es bei DocMorris. Und er schielt dabei mächtig auf den EuGH und das anstehende Urteil in Sachen Rx-Boni. Sollte das  Gericht die Boni für rechtens halten, knallen die Korken bei DocMorris.

Eine Woche nach dem Apothekertag werden Weichen gestellt: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) verkündet am 19. Oktober 2016 seine Entscheidung, ob ausländische Apotheken Boni für verschreibungspflichtige Arzneimittel geben dürfen. Das wird fast so spannend wie damals, als der EuGH am 19. Mai 2009 seine Entscheidung verkündete, dass das Fremdbesitzverbot mit dem Europarecht vereinbar ist. Sollten nämlich die Luxemburger Richter die Rx-Preisbindung für EU-ausländische Apotheken kippen, könnte auch der einheitliche Apothekenpreis für Rx in Deutschland wackeln. Dumm nur, dass der EuGH erst nach dem Apothekertag entscheidet – käme ein solcher Urteilsspruch vorher, hätte der Apothekertag eines der heißesten Themen der letzten Jahre. Dann, mein liebes Tagebuch, hätte die ABDA ihren Plan B auf den Tisch legen müssen, z.B. für den wahrscheinlichen Fall, dass Apotheker klagen (Inländerdiskriminierung).

20. September 2016

Er läuft sich warm, ABDA-Präsidentschaftskandidat Kai-Peter Siemsen. Mittlerweile hat er allen relevanten Fachmedien ein Interview gegeben. Eines seiner Hauptziele ist, mehr Transparenz und Offenheit zu leben und besser mit der organisierten Basis zu kommunizieren. Meine liebes Tagebuch, dafür gibt es schon mal ein dickes „Like“. Er möchte zudem die Kollegenschaft besser über den jeweiligen Grad der Umsetzung und Bearbeitung der verabschiedeten oder in den Ausschuss verwiesenen Apothekertagsanträge informieren und eine Datenbank der Anträge umsetzen. Auch dafür schon mal ein großes „Like“. Nun ist es an ihm, die Kammern und Verbände zu überzeugen. Auf alle Fälle wird es bis zum Jahresende spannend werden, wie sich beide Kandidaten, Schmidt und Siemsen, aufstellen werden, wer die überzeugenderen Argumente vorbringt und wem man in Zukunft mehr zutraut, die Apotheker in die Zukunft zu führen.

21. September 2016

Als Apotheker kann man diese Meldungen nur mit offenem Mund und großen Augen lesen: Eine Milliarde Euro bekommen die Ärzte ab 2017 mehr. Das ist ein Wort. Ein Grund für diese Erhöhung, auf die sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband der Krankenkassen verständigt haben, dürften die gestiegenen Kosten der Arztpraxen sein – ein Inflationsausgleich war nötig. Na super, mein liebes Tagebuch, und warum gesteht man eigentlich nur den Arztpraxen einen Inflationsausgleich zu und nicht den Apotheken? Kann dies irgendein Politiker bitte mal erklären? Worüber Ärzte besonders glücklich sein dürfen: Laut Gesetz müssen KBV und GKV-Spitzenverband jedes Jahr über die Höhe ihres Honorars neu verhandeln, konkret über die Höhe des Orientierungspunktwertes. Wieso funktioniert die jährliche Anpassung bei den Ärzten und wieso nicht  bei den Apotheken? (Das Apothekerhonorar wurde seinerzeit über acht Jahre lang nicht angepasst, ganz zu schweigen von einer überfälligen Anpassung der Arbeitspreise für die Rezeptur). Ich habe noch den Aufschrei der Kassen im Ohr, als vor Kurzem die geplante mickrige Erhöhung des Rezepturhonorars und der Doku-Gebühr im Gespräch war – echte Peanuts im Vergleich zur satten Honoraraufstockung bei den Ärzten. Mein liebes Tagebuch, was uns Apothekern darüber hinaus besonders schmerzt, sind die 163 Millionen Euro, extrabudgetär versteht sich, die man den Ärzten für das Ausstellen des Medikationsplan zubilligt. Wie durchsickerte, dürfen die Ärzte den Medikationsplan sogar unbegrenzt oft bei den Kassen abrechnen, 5 Euro pro Plan soll es geben. Und wir Apotheker müssen auf Verlangen der Patienten die OTC-Arzneimittel nachtragen und den Plan aktualisieren, eine Arbeit, die kaum weniger aufwendig ist als die initiale Ausstellung des Plans durch den Arzt. Mein liebes Tagebuch, wer kann dies schlüssig logisch erklären, warum die und nicht wir auch?

22. September 2016

Nur noch wenige Tage bis zum 1. Oktober – und der Medikationsplan wird Realität. Dann werden uns schon bald die Patienten den Papierausdruck ihres Arztes vorlegen und uns bitten, die OTC-Arzneimittel nachzutragen. Oder wir sehen uns gezwungen, die Rabattarzneimittel nachzutragen oder sonstige Aktualisierungen vorzunehmen - wozu wir, wenn der Patient es wünscht, verpflichtet sind – selbstverständlich ohne Honorar. Denn das  ist für Apotheker nicht vorgesehen. Wenn man sich erinnert, wie groß die Hoffnungen noch vor zwei Jahren waren, beim Medikationsplan mitwirken zu dürfen! Im Trio aus Medikationsplan, Medikationsanalyse und Medikationsmanagement sollte perspektivisch die Zukunft des Heilberufs Apotheker liegen. Jetzt ist der Medikationsplan schon mal weggebrochen, die Politik sieht die Apotheker in der Rolle der Assistenten, der Statisten, ohne Honorar. Mein liebes Tagebuch, können wir da noch große Hoffnungen haben, eine tragende Rolle im Gesundheitswesen zu spielen? Ich frage mich auch, warum die Ärzte in der Politik ein so stärkeres Standing haben als wir Apothekers? Was lief hier in der Vergangenheit schief?

23. September 2016

Die Apotheker sind vom Medikationsplan weitgehend ausgegrenzt. Man kann nicht sagen, die ABDA hat es nicht wirklich versucht, sie hat brav argumentiert – aber sie drang bei den Politikern und den Kassen nicht durch. Und jetzt? Die Bundesapothekerkammer: Es sei ein Fehler, die Leistungen des Apothekers beim Medikationsplan nicht von Anfang an in Anspruch zu nehmen, schmollt sie. Hilft nur leider nichts. Die Hoffnung der ABDA ruht nun darauf, den Apotheker mit einzubinden, wenn der Medikationsplan auf der elektronischen Gesundheitskarte abgespeichert wird, also etwa in ein, zwei Jahren, wenn alles gut geht. Aber, mein liebes Tagebuch, warum sollten Politik und Kassen dann den Apotheker dafür honorieren? Der Arbeitsaufwand mit der Karte ist noch geringer als das derzeitige Nachtragen auf dem Papierplan. Wir müssen einsehen, dass unsere Arbeit eines Extra-Honorars nichts wert ist. Punkt.

Früher waren es einige Grüne, jetzt liebäugeln junge wilde Liberale mit der Liberalisierung des Apothekenmarkts. Allen voran, ganz aktuell, ein FDP-Landesvorstandsmitglied aus Bayern, Matthias Fischbach. Er himmelt den Gesundheitsökonomen Fred Röder an, der unlängst in einem Online-Beitrag die deutsche Apotheke als Anachronismus in Europa bezeichnet hat. Röder glaubt, dass der Erfolg der Apotheken „auf mittelalterlichen Gildestrukturen beruht und auf Kosten der Allgemeinheit realisiert wird“. Für Fischbach ist das Ansporn, FDP-intern die Chancen der Abschaffung des Fremd- und Mehrbesitzverbots prüfen zu lassen. Mein liebes Tagebuch, FDP – wer war das eigentlich?


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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17 Kommentare

Medikationsplan & Honorarerhöhung für Apotheken

von Sylvia Trautmann am 26.09.2016 um 21:17 Uhr

Ich hab da mal eine Frage: Gibt es in unserem Land nicht ein Gesetz zur Gleichbehandlung, welches u.a. regelt, dass Ungleichbehandlung auf dem Rechtsweg sanktioniert werden kann? Können wir als Apotheker und Angehörige eines freien Heilberufes in Bezugnahme auf dieses Gleichbehandlungsgesetz nicht dagegen klagen, wenn Hausärzte Honorar für diese Leistung erhalten und wir nicht?
Und dann frage ich mich wie es kommt, dass trotz politischer Bemühungen seitens unserer ABDA-Führung in Hinblick auf den Medikationsplan sowie dringend benötigter Honoraranpassungen ( Rezeptur, Rx ) keinerlei politische Resonanz in Form von Gesetzesänderungen für Honoraranpassungen gibt... Hat die Maulwurf-Affaire aus dem Jahr 2013 mit dem Datenklau von den Texten des damaligen Referentenentwurfes zur Apothekenbetriebsordnung das Vertrauen der Politik derart schwer verletzt, dass wir Apotheker von der Regierung immer wieder in den ökonomischen, todesnahen Dornrösschen-Schlaf versetzt werden? Welcher Fluch ist das denn? Ist die Qualität oder Quantität unserer politischen Bemühungen mangelhaft weil evtl. unprofessionell? Mal angenommen, ein Geschäftsführer würde in seinem Unternehmen "schlechte Zahlen" in der BWA feststellen, dann müsste dieser doch auch die Ursachen dafür suchen, finden und beheben. Ansonsten droht die Insolvenz.
Ich erwarte daher dringend vom bevorstehenden DAT eine ehrliche Analyse der ökomischen Situation der deutschen Apotheken und eine zielgenaue Aufstellung an Forderungen für die Gesetzgeber, verbunden mit einem ordentlichen Maß an konstruktiver Kritik mit Maßnahme-Plan. Das ist nicht zuviel verlangt!

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Korrektur

von Karl Friedrich Müller am 26.09.2016 um 11:27 Uhr

@ Herr Müller:
nein, die Diagnosen wurden letztlich doch von Ärzten gestellt. Aber es war dann der xte, nach Monaten oder Jahren der Odyssee durch die Praxen. Alles Fälle, die mir die Kunden erzählten oder auch in der Familie vorkamen.
Ich glaube nicht, dass Ärzte unfähig sind, nur sehr oberflächlich. Wenn dann, wie im Fall des Wirbelbruchs, sogar die Diagnose des Facharztes vom Hausarzt angezweifelt wird, wird es schon obskur.
Die Software der Ärzte gehört entrumpelt und wie die Apothekensoftware regelmäßig aktualisiert.
In einer Praxis mit (angeblich) QMS darf man auch erwarten, dass Fehler in der Verordnung im Kundenstamm ausgebessert werden.
Es ist eine Frage der Anleitung und Organisation. Da liegt Vieles im Argen.
Und : Mit dem Medikationsplan fängt die Arbeit erst an. Wer macht die und wer wird dafür bezahlt?

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AW: Da müssen wir wirklich irgendwie raus .........

von Wolfgang Müller am 26.09.2016 um 11:49 Uhr

Danke für diese versachlichende Antwort. Auf dieser Ebene ist sogar eine Annäherung zwischen Ärzten und Apothekern möglich, wenn natürlich auch schwierig.

Nur ein Beispiel: Mir ist ein durchaus dramatisch umkämpfter Fall bekannt, wo der Hausarzt die Wirbelbruch-Diagnose zwar nicht angezweifelt hat, aber sich klar und m. E. mit Recht gegen die Versteifung der Wirbelsäure über mehrere Wirbel verwandt hat. Die Frage ist manchmal: Wie gravierend ist dort die Beeinträchtigung? Dass eine Röntgen-Diagnose, wie ich Sie verstehe, wirklich "angezweifelt" wird, wäre schon sehr seltsam.

Seien wir ehrlich: Oft erzählen uns Kunden doch ziemliche Räubergeschichten über ihre Ärzte. Als noch keine echte Konkurrenz der Apotheker gegen die Ärzte herrschte, wurde damit von uns GANZ ANDERS als jetzt umgegangen, wo viele sich sofort und begeistert im Zweifel gegen den Arzt stellen! Als jetzt, wo "Wir" glauben, durch den Nachweis der Unzulänglichkeit der Ärzte einen massiven Einstieg in die Verschreibungs-Therapie einheimsen zu können. Mindestens als Kontrolleur in Selektiv-Verträgen zwischen uns und unseren Best Friends, den GKVen, BITTE AUCH OHNE ÄRZTE.

Letzteres, wie ich hörte, weiter der Haupt-Punkt des anstehenden DAT, zur "Zukunftssicherung des Heilberufs Apotheker".

Wie ich weiter meine: Der völlig falsche Weg, und die wirklich wichtigen Themen gehen dabei unter.

wie soll das praktisch gehen?

von Karl Friedrich Müller am 26.09.2016 um 9:45 Uhr

DocMorris und Rx: ist doch klar. Wer OTC verramscht und keinen Gewinn dabei erzielt, braucht Rx, um schwarze Zahlen zu schreiben.
Medikationsplan: Hat sich jemand mal Gedanken zur praktischen Umsetzung gemacht?
Es gibt bestimmt Praxen, die das problemlos schaffen. Andere schaffen es nicht mal, ein Rezept richtig zu bedrucken, geschweige denn Arzneimittel richtig in die Kundendatei einzupflegen.
Wie sieht dann der dazugehörige Medikationsplan aus?
Ich will nicht mein pharmazeutisches Personal mit Schreibarbeit beschäftigen, für die wir nichts bekommen, während das Personal dringend im HV benötigt wird.(Wo das Geld verdient wird, das das Überleben der Apotheke sichert!) Oder gar dafür jemanden einstellen müssen (falls man überhaupt Personal bekommt). Und die Arztpraxis kassiert.
Das kann es nicht sein.
Wie sollen die Praxen das auch zeitlich schaffen? Wie sollen sie es schaffen, wo das Desinteresse am Patienten steigt?
Patienten, deren Beschwerden nicht gleich diagnostiziert werden können, werden "psychosomatisch", lästig.
Aus der Praxis: mehre Schlaganfälle nicht erkannt, Ms nicht erkannt, Wirbelbruch nicht erkannt, Nierenarteriosklerose nicht erkannt, und und und.

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AW: VÖLLIG ahnungslos, nicht nur bei der Arzneitherapie!

von Wolfgang Müller am 26.09.2016 um 11:04 Uhr

Das war nun aber auch höchste Zeit. Mal darauf hinzuweisen, dass diese gierigen Leute da mit ihren völlig überbezahlten Praxen nicht nur von der Arzneimittel-Verschreibung sehr oft keine Ahnung haben. Sondern auch in der Diagnostik regelmäßig versagen! Da wurde hier bisher viel zu viel Diplomatie betrieben. Wahrscheinlich, weil die Diagnostik im Gegensatz zur Arzenei-Verschreibungs-Therapie leider noch nicht in unser Perspektivpapier 2030 Eingang gefunden hat.

Schön, dass die ganzen Schlaganfälle, die MS, die Wirbelbrüche dann ja doch noch diagnostiziert wurden! Sicher nicht von Fachärzten auf Veranlassung eines selbst dafür zu doofen oder zu faulen Hausarztes, sondern in einer Apotheke .......... Sehr schön!

Habt Mut, Euch Eures eigenen Verstandes zu bedienen…

von Gunnar Müller, Detmold am 25.09.2016 um 14:06 Uhr

.... und handelt danach!
Es soll ja auch Delegierte gegeben haben, die 2014 gegen das Perspektivpapier 2030 gestimmt haben.
Und es soll 2015 auch Delegierte gegeben haben, die sitzen geblieben sind, als FS mit Standing Ovation bejubelt wurde.
Allein:
Es braucht mehr davon. Jetzt. In München. Beim DAT 2016.
Aber auch darüber hinaus. Die aktiv bleiben. Zwischen den Hauptversammlungen. Bis zum nächsten DAT.
Traut Euch. Wir sind die Apotheker.
Sapere aude.

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Mal die Fakten anschauen ...

von Reinhard Herzog am 25.09.2016 um 12:18 Uhr

Bevor herumspekuliert und Traumhonorare vom Hörensagen bei den Ärzten in den Raum gestellt werden - hier mal die Fakten zur Vergütung des neuen Medikationsplans ab 01.10.2016 - siehe frei zugänglich im Original unter:
http://www.kbv.de/html/1150_24560.php

"Hausärzte erhalten eine Einzelleistungsvergütung (GOP 01630) für Patienten, die nicht chronisch krank sind (keine Abrechnung der Chronikerpauschale), aber entsprechend der Regelung im neuen Paragraf 29a Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) mindestens drei verordnete systemisch wirkende Medikamente dauerhaft – über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen – anwenden.

Die GOP 01630 wird einmal im Jahr als Zuschlag zur Versichertenpauschale 03000 / 04000 gezahlt, wenn der Arzt einen Medikationsplan erstellt hat. Etwaige Aktualisierungen sind damit abgegolten.

Der Zuschlag (GOP 01630) beträgt 39 Punkte (ca. 4 Euro).

Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.

Der Zuschlag kann je Patient einmal im Krankheitsfall (= einmal in vier Quartalen) von einem Vertragsarzt abgerechnet werden."

Und für die Chroniker gibt es einen Zuschlag auf die Chronikerpauschale:

"Hausärzte sowie Kinder- und Jugendmediziner erhalten einen Zuschlag zur Chronikerpauschale. Mit dem Zuschlag wird die gegebenenfalls erforderliche Erstellung eines Medikationsplans und dessen Aktualisierung bei Patienten vergütet, die aufgrund einer lebensverändernden chronischen Erkrankung hausärztlich beziehungsweise pädiatrisch behandelt werden.

Der Zuschlag wird leistungsunabhängig einmal im Behandlungsfall (= ein Quartal) gezahlt, d.h. Ärzte erhalten den Zuschlag, unabhängig davon, ob sie für den Patienten einen Plan erstellt oder aktualisiert haben.

Der Zuschlag (GOP 03222/04222) ist mit 10 Punkten (ca.1 Euro) bewertet.

Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.

Der Zuschlag der Hausärzte (GOP 03222) ist nicht berechnungsfähig, wenn in demselben Behandlungsfall der hausärztlich geriatrische Betreuungskomplex (GOP 03362) abgerechnet wird. Dieser vergütet bereits die Erstellung und/oder Aktualisierung eines Medikationsplans.

Der Zuschlag (GOP 03222/04222) ist nicht berechnungsfähig, wenn im Krankheitsfall schon die Einzelleistung (GOP 01630) berechnet wurde.

Der Zuschlag wird von der Kassenärztlichen Vereinigung unter Beachtung der Abrechnungsausschlüsse automatisch zugesetzt."

Fachärzte können ebenfalls unter gewissen Voraussetzungen diese 39 Pkte. der Hausärzte abrechnen (s. ggf. an der angegebenen Originalquelle).

So, jetzt mag sich jeder selbst die Frage beantworten, ob das viel oder wenig ist. Und weitergehend die Frage, ob mit diesem Thema auch perspektivisch wirklich so viel zu ernten ist. Zumal mit der Umwälzung des Themas durch neue Datenbanken und Softwareprogramme in nicht allzu ferner Zukunft zu rechnen ist.

Die Standesführung hat es halt versaut. Erst alle kirre machen, aber keine eigenen, überzeugenden, durchgerechneten und angebotstauglichen Lösungen in der Schublade (den ARMIN lassen wir jetzt wirklich mal beiseite ...), und dann sich wundern, wenn die nunmal weitaus mächtigere Ärzteschaft das Thema zunehmend besetzt ... dümmer geht es nicht.

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AW: Geriatrie - Plus

von gabriela aures am 25.09.2016 um 12:27 Uhr

Auszug aus der Ärztezeitung online vom 15.09.2016

Die Versorgung betagter Patienten bildet den Schwerpunkt etlicher neuer EBM-Leistungen, die seit 1. Juli gelten, also erstmals in zwei Wochen am Ende des laufenden 3. Quartals abgerechnet werden können. Diese Leistungen umfassen

die Heimversorgung in einem eigens geschaffenen EBM-Kapitel 37 mit insgesamt extrabudgetärer Vergütung;

die Aufwertung und Ausdehnung der Delegation an nicht-ärztliche Praxis-Mitarbeiter in einem neuen Kapitel 38. Erstmals können damit auch Fachärzte im Rahmen von Heimbesuchen Leistungen Nichtärztlicher Praxisassistentinnen (NäPA) abrechnen;

sowie spezialisierte geriatrische Diagnostik und Versorgung, die im neuen EBM-Abschnitt 30.13 gefasst ist, ebenfalls extrabudgetär.

Das steht zwar nicht in Konkurrenz zu Apothekenleistungen ( wer kostenloses Verblistern und weihnachtliche Spenden anbietet, der ist selber schuld), aber auch hier gilt:
jeder Euro kann nur 1x ausgegeben werden.

AW: Falsch, Herr Herzog !

von gabriela aures am 25.09.2016 um 12:34 Uhr

Die Standesführung hat es eben NICHT versaut, sondern ganz geschickt " über Bande gespielt":
Jetzt bescheidet man sich, schaut sich an, was die Ärzte für den Papierplan bekommen und geht sicher davon aus, daß die Apotheker dann natürlich in mindestens dieser Höhe im Jahr 2019 beim e-Plan berücksichtigt werden.
Für solche zukunftsträchtigen, strategischen Entscheidungen fehlt uns halt einfach der Weitblick !
*Ironieoff*

Apothekertag

von Frank ebert am 25.09.2016 um 11:05 Uhr

Apotheke 2030, was haben die Delegierten gejubelt. Ich habe mir das mal angeschaut, es war unglaublich. Diesen Lemmerlingen haben wir unter anderem die jetzige Situätion zu verdanken. Am 19. Oktober könnte der Todesstoß folgen. Dann wäre Apotheke 2017 ein Thema.

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"Aufgeworfene Fragen zum Arzt- und Apothekenhonorar"

von Wolfgang Müller am 25.09.2016 um 10:50 Uhr

Liebe Kollegin Thesing-Bleck, lieber Kollege Ditzel!

Wieso diese scheinbare Unklarheit, warum unser Honorar nicht erhöht wird? Das ist doch schon oft gesagt worden, vielleicht nur noch nicht von jedem:

Es soll zu viele Apotheken geben, Hausärzte dagegen eindeutig inzwischen zu wenige. Also sollen sich halt deutlich weniger Apotheken (8.000? 12.000? 15.000? DAS ist die berufspolitisch bei Weitem relevanteste Frage!) das noch lange, lange gleichbleibende Budget teilen anstatt dass es erhöht wird. Dann hat schließlich jede der verbleibenden Apotheken einen angemessenen Inflations-Ausgleich.

Die Weggestorbenen haben halt Pech gehabt. Aber dadurch soll sich dann auch die allgemeine Qualität erhöhen. Und viele "Top-Apotheken-Funktionär*innen" sehen genau das doch auch so:
"Die Kleineren schaffen doch schon das Kammer-QM nicht, die kriegen doch dann "Das Medikations-Management" auch nicht hin".
Und DAS ist zumindest offiziell für "uns" anscheinend das einzig Wichtige, oder? Die "Verschreibungs-Arzneitherapie"? Mit "Absoluter Top-Priorität"?

DA sollte mal unvoreingenommen kritisch draufgeguckt werden. Ohne "heilig-heilberufliche" Scheuklappen. Wenn man das freiberufliche Apotheken-System überhaupt erhalten WILL. Es geht in Wirklichkeit um die berufspolitische Kompetenz, für eine volkswirtschaftlich bedarfsgerecht DEFINIERTE Flächendeckung zu sorgen. Gern inklusive einer in sinnvollem Umfang erweiterten pharmazeutischen Betreuung, insbesondere von Multimorbiden, zu plausiblen Kosten und ohne Überkompliziertheits-Selektivverträge wie bei Zytos und Hilfsmitteln.

Sonst kommt der Fremdbesitz, wenn "Wir" dazu zu doof sind ........

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Das ist schon bitter..

von Veit Eck am 25.09.2016 um 10:18 Uhr

Es werden schwierige Zeiten.

Beim DAT werden wir einen ersten Einblick in die Stimmung und in mögliche Mehrheiten zur ABDA Präsidentenwahl haben. Nur das reicht nicht - da muss auch noch eine klare inhaltliche Positionierung her. Die bisherigen Anträge sind da nicht ausreichend. Aber mit Initiativanträgen könnte der DAT noch nachbessern.

1 Mrd. Euro für die Ärzte und wir schauen seit Jahren in die Röhre, wie wahr. Diese Frage werden wird dem Gesundheitsminister stellen müssen, und wie er als Gesetzgeber Ungerechtigkeiten im Honorierungssystem vermeiden will. Auch dazu ist der DAT da - allerdings ich befürchte schon, dass wir darauf keine Antwort bekommen werden.

Und der EuGH?
Vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand - tja abwarten.
Nur wenn es kein Plan B geben sollte, dann muss man kein Prophet sein: der Laden fliegt auseinander und die Apothekenlandschaft in Deutschland wird sich womöglich dramatisch ändern - nur auch die ABDA, die Kammer und die Verbände werden dann sehr schnell an Bedeutung verlieren, sie werden nicht mehr gebraucht!

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Honorar seit acht Jahren defacto gedeckelt

von Thesing-Bleck am 25.09.2016 um 9:30 Uhr

Mein liebes Tagebuch,
die Fragen, die du heute zum Apotheken -Honorar aufgeworfen hast, brennen vielen Kolleginnen und Kollegen vor Ort unter den Nägeln. Und trotzdem hast du meiner Meinung nach die entscheidende Frage nicht formuliert. Meiner festen Überzeugung nach heißt sie: Wie können Apothekerinnen und Apotheker in einer gemeinsamen Anstrengung zusammen mit unseren gewählten Vertreter die Politik dazu zwingen, endlich die Gründe offen zu legen, warum die Gesamtvergütung für unsere Branche seit acht Jahren defacto gedeckelt ist?

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AW: 8 Jahre oder 12 Jahre ?

von gabriela aures am 25.09.2016 um 10:54 Uhr

IMHO ist das Honorar seit 2004 gedeckelt.
Also 12 Jahre.
Neuer sind die gesetzlich regulierten Rabatt für RX.

Nicht, daß ich hier das Schlaumeierle geben will - aber es sonst kommt die Politik noch auf falsche Gedanken (oochh...8 Jahre, das geht ja noch...).

Wohlan , ihr Gildemeister und Marketenderinnen !

von gabriela aures am 25.09.2016 um 9:11 Uhr

Ob es uns gefällt oder nicht, Apothekers und FDP haben eine ganz große Gemeinsamkeit :
2,3 %

-> Ergebnis der FDP bei Wahlen
-> Anteil der Apotheken an den Ausgaben der GKV

Ansonsten gab's gestern dazu noch eine sachorientierte *
Diskussion bei Facebook mit dem jungen Mann.
Da konnte er dann erklären, was er EIGENTLICH will:

* wobei sachorientiert mangels seiner grundsätzlichen Unkenntnis der Gesetze für Apotheken in D schon anstrengend war...
"Wie schon an anderer Stelle geschrieben, es geht mir primär um besser funktionierende Märkte, nicht um deren Ergebnis einer Kostensenkung."
( Nachdem die Unterhaltung bei FB öffentlich lesbar ist, bin ich mal so frei und zitiere ihn )

Ich würde dem Hüpfer 2 Wochen Smartphone, Playstation,X-Box , Tablet usw. sperren und in die echte Welt rausschicken ( zusammen mit seinem Kumpel Roeder, dessen Ideen der Hüpfer ja nachplappert) .
Es mag bisher eine nicht autorisierte Einzelmeinung eines ansonsten vielleicht etwas farblosen jungen Mannes sein, aber ....die wachsen ja nach...

Und sonst war es ja eine ganz normale Woche....ABDABAKDAV vollumfänglich "abgewatscht", aber es bedarf halt einer gewissen Größe und Überblicks ,wie Dr. Kiefer eindrucksvoll beweist, um die Chancen in 2 Jahren beim Medikations- Zeuch zu erkennen.

Den Rest meiner Meinung kann bald in einem neuen "Community-Beitrag" gelesen werden( Samstags ist die Redaktion zu ) .

So watch out - more to come !

Es hilft nur noch Galgenhumor - oder ein Neustart .



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DAT 2016 ohne Honorardiskussion?

von Ulrich Ströh am 25.09.2016 um 8:59 Uhr

Zum Thema "Honorierung":

In drei Wochen ist der DAT in München ja bereits Geschichte.

Wird es unter den über 200 Delegierten keinen geben,der dieses Thema- Adhoc -anspricht und eine Diskussion auslöst?

Der Eindruck von entsprechendem jährlichen Gremientourismus zum DAT sollte nicht entstehen...

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Mediplan

von Silke Hans am 25.09.2016 um 8:57 Uhr

Übrigens sind die Fachärzte, genau so stinkig wie wir-aus den gleichen Gründen...sie sind auch nur Gehilfen und dürfen ergänzen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das jetzt nach der außerbudgetären "Zuwendung" auch noch so gedacht ist. Wenn ja, dauert es vermutlich knapp 7 Tage, bis auch Fachärzte 5€ erhalten...wollen wir wetten?
Btw, wir sind doch 1 Woche VOR dem Apothekertag, oder hab ich da was verschlafen?

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