Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

07.08.2016, 08:00 Uhr

Rückblick auf die letzte Woche – und viele Fragen (Foto: Andi Dalferth)

Rückblick auf die letzte Woche – und viele Fragen (Foto: Andi Dalferth)


Fragen der Woche: Sind wir Apothekers eigentlich die lieben Kuscheltierchen des Gesundheitswesens: lieb, genügsam und ein bisschen naiv? Machen wir alles für umme?  Hilft bei Kassen-Ausschreibungen nur noch Verweigerung? Haben wir uns vom Honorar fürs Medikationsmanagement verabschiedet? Warum sperrt man den Nachwuchs aus? Und: Freuen wir uns auf den Apothekertag, so wirklich?

1. August 2016

Unser „Berufsbild der Apothekerin und des Apothekers“ ist taufrisch, im Juni hat es die Bundesapothekerkammer, aktualisiert und überarbeitet, verabschiedet. Jetzt können wir schwarz auf weiß nachlesen, welche Aufgaben wir Pharmazeuten in unseren unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen tun. Und, mein liebes Tagebuch, da steht beim Offizinapotheker drin: „Der Apotheker analysiert im Rahmen des Medikationsmanagements kontinuierlich die gesamte Medikation des Patienten – einschließlich der Selbstmedikation – mit dem Ziel, arzneimittelbezogene Probleme zu vermeiden bzw. zu erkennen und zu lösen und so die Effektivität und Effizienz der Arzneimitteltherapie zu erhöhen.“ Das ist Medikationsmanagement pur, vom Feinsten. Super, nicht wahr? Mal hinter vorgehaltener Hand und ganz leise: Die eine oder andere Apotheke wäre da im Moment noch ein bisschen überfordert. Aber ganz klar, diese Tätigkeit gehört in unser modernes Berufsbild, kein Frage. Aber wie wollen wir nun für etwas, was zu unserem Berufsbild gehört, ein Extrahonorar verlangen? Das ist unser Berufsbild, das ist unser ethischer Anspruch, wir machen das – und unser Honorar beträgt 8,35 Euro (plus die 3%-Marge, abzüglich Kassenzwangsrabatt). Einem  Honorar fürs Medikationsmanagement sagen wir nun schon mal zum Abschied leise Servus.

Unser Nachwuchs, die Pharmaziestudierenden, hätte eigentlich gern noch stärker beim Berufsbild mitdiskutieren wollen. Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) beklagt sich, er sei zu wenig eingebunden gewesen. Die Bundesapothekerkammer hatte für die Studierenden nur 130 Zugangscodes für die Online-Diskussion zur Verfügung gestellt. Bei 13.000 Studierenden eindeutig zu wenig. Mein liebes Tagebuch, warum so wenige? Denkt die Kammer: Diese jungen Studierenden wissen noch nichts vom Apothekenalltag, sie sollen erstmal ihr Examen machen, um mitreden zu können? Oder kommt es daher, dass der BPhD erst in den letzten Jahren so erfreulich aktiv geworden ist und dieses Engagement noch nicht so recht bei der ABDA angekommen ist? Oder hätten sich die Studierenden einfach früher zu Wort melden müssen? Mein liebes Tagebuch, unabhängig davon, wo die Ursachen liegen: Es kann nie verkehrt sein, die Meinung der Studierenden abzurufen – selbst wenn sie vom Berufsalltag noch weit entfernt sind. Junge Menschen denken und ticken anders, sie bringen neue Gedanken mit und sie sind die Apothekerinnen und Apotheker von morgen. Schenkt Ihnen mehr Gehör!

2. August 2016

Ausschreibungen! „Ausschreibungen“ könnte ein Unwort werden. Ausschreibungen der Kassen bei Impfstoffen und Zytostatika. Nichts ist leichter für die Kassen an superbillige Arzneimittel zu kommen als durch Ausschreibungen. Es ist nachvollziehbar, dass Kassen dieses Instrument vergöttern. Aber, mein liebes Tagebuch, es gibt Arzneistoffe, die für eine Ausschreibung nicht taugen. Grippeimpfstoffe sind z. B. solche Kandidaten, ein saisonales Produkt, das jedes Jahr neu in anderer Zusammensetzung aufgelegt werden muss, begrenzte Haltbarkeit hat, nicht leicht herzustellen ist und hinsichtlich der benötigten Mengen schwer zu kalkulieren ist. Oder parenterale Zytostatika für die ambulante Behandlung: Produkte mit eng begrenzter Haltbarkeit, die nach der Zubereitung rasch zum Patienten müssen. Selbst die Politik steht den Ausschreibungen bei diesen Stoffen bereits kritisch gegenüber: Ausschreibungen haben sich in diesem Segment nicht bewährt. Nur die Kassen zeigen sich uneinsichtig und schreiben weiter aus. Die Ausschreibung von Grippeimpfstoffen dehnen sie sogar noch auf Bundesländer aus (Saarland), die bisher davor verschont geblieben waren. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Hersteller, wie vor kurzem in Baden-Württemberg geschehen, sich einig sind, sich verweigern und keine Angebote abgeben. Anders wird man die Kassen nicht zur Vernunft bringen.

3. August 2016

Und nochmal Ausschreibungen. Die Barmer GEK hat ihre neue Ausschreibungsrunde abgeschlossen und die Zuschläge erteilt, die neuen Rabattverträge über 133 Wirkstoffe (und -kombinationen) gelten zwei Jahre ab Januar 2017. Diese Kasse scheint aus den Gesprächen im Pharmadialog gelernt zu haben: Um die Liefersicherheit zu erhöhen, hat sie bis zu drei Bieter mit den Zuschlägen bedacht. Und sie will den Generikaunternehmen mehr Zeit geben, sich auf die Versorgung vorzubereiten. Wie sagte die Kassen so nett: Bei der Auswahl der Rabattpartner gehe es vor allem um die zuverlässige Versorgung und nicht allein um den Preis. Mein liebes Tagebuch, ja, wirklich nett. Allerdings sollte das doch bei allen Kassen eine Selbstverständlichkeit sein. Ist es wohl aber nicht.

4. August 2016

Der Apothekertag ist in Vorbereitung, die vorläufige Tagesordnung ist eingetütet. Ein Knallerthema steht erst mal nicht auf dem Programm. „Apotheker als Garant der Arzneimitteltherapiesicherheit“ nennt sich ein Diskussionsforum, ein Thema, das so aufregend klingt wie „Der Pilot als Garant der Flugsicherheit“ oder so. Es ist das, was man von diesen Berufen erwartet. Aber nun gut, solche Überschriften sind flexibel, man kann da ja alles und mehr reinpacken. Ansonsten stehen Lagebericht, Geschäftsbericht und Antragsberatungen an – business as usual. Warten wir’s ab. Lustiger wird’s da schon eher am Eröffnungstag, wenn die geballte Politikprominenz ihr Stelldichein gibt. Mein liebes Tagebuch, wir werden da die tollsten Lobpreisungen des Apothekerberufs hören, süßer die Reden nie klingen. Zum einen ist schon ein bisschen Vorwahlzeit, zum andern lenken Politiker mit heißen Liebkosungen und mit den tollsten Unverzichtbarkeitsbeteuerungen für den Apotheker davon ab, dass sie ihm nicht mehr Honorar geben wollen. Und ja, sorry, ihr Apotheker, bevor das Gutachten nicht vorliegt, sind uns leider die Hände gebunden. Wir müssen halt erst noch das Gutachten abwarten, mit dem das Bundeswirtschaftsministerium eine mit dem Gesundheitswesen wohl wenig vertraute Consultingagentur betraut hat. Mein liebes Tagebuch, wir können schon jetzt wetten, zu welchem Schluss das Gutachten kommt: Die Apotheke und ihre Leistungen sind hoffnungslos unterbezahlt, eine Honorarerhöhung mit jährlicher Anpassung ist dringend geboten. Mein liebes Tagebuch, klapp dich nicht zu, das war ein Witz! Also, bleiben wir in freudiger Erwartung auf den Apothekertag!

5. August 2016

Nochmal Zytoausschreibungen. Eine neue Variante legt jetzt der Krankenkassendienstleister SpectrumK auf: Mitmachen kann jede Apotheke, die die Vorgaben akzeptiert. Exklusivverträge gibt es da also nicht. Allerdings: Bei den Vorgaben schlägt SpektrumK zu: Erwartet werden deutliche Preisnachlässe gegenüber der Hilfstaxe, auf Generika beispielsweise 15 Prozent und Verwürfe werden nicht bezahlt. Mein liebes Tagebuch, die Richtung ist klar: Das ist nur etwas für die wirklich Großen. Für alle anderen heißt die Überschrift: Friss oder stirb.

Hallo, mein liebes Tagebuch, wir Apothekers sind schon eine arg liebe Spezies! Da legen wir uns jetzt mächtig ins Zeug für den Medikationsplan, drucken und verteilen Merkhilfen und erklären den Patienten, worum es beim Medikationsplan eigentlich geht. Und das alles machen wir lieben Apothekers, obwohl der Medikationsplan initial nur von den Ärzten ausgestellt werden darf, obwohl der Plan uns Apothekers damit zum Arzneimittelfachmann zweiter Wahl degradiert und zum Handlanger des Arztes, obwohl es den Plan nicht elektronisch gibt, sondern nur auf Papier und obwohl der Plan für uns Apothekers daher nur Arbeit macht, weil wir nur handschriftlich die Medikamente drauf kritzeln können. Ach ja, und ein Honorar für den Plan bekommt natürlich nur der Onkel Doktor. Wir Apothekers machen solche Hilfs-Doku-Sachen doch gerne, perfekt – und natürlich wie so vieles für umme. Stets zu Diensten!


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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6 Kommentare

Medikationsplan und seine Pflichten? ab Oktober.

von Heiko Barz am 08.08.2016 um 11:22 Uhr

Es ist schon mehrfach deutlich geworden, dass wir " Beitragszahler" den "Beitragsnutzern" mit einer völlig unbekannten Sprache gegenüberstehen.
Beide Seiten verstehen einander nicht mehr.
Es muß in diesem Staat zwei unterschiedliche Apothekergruppen geben,: die Realisten und die Utopisten.

Wenn ich lese, wie sich die ABDA die Umsetzung des Medikationsplans ab Oktober vorstellt und ihre Argumentationslinie deutlich macht, muß festgestellt werden, dass diese - unsere "Führungsgruppe"- eindeutig den Utopisten zuzuordnen ist.
Die blumig umschriebenen Pflichten zum Medikamentionsmanagement und des Planes sind unter realistischen und finanziellen Bedingungen untragbar.

Wollen uns die Damen und Herren aus der Führungsriege etwa zu verstehen geben, dass sie in ihren Apotheken diese umfangreiche und zeitbindende Zusatzbelastung mit dem Argument der Beratungsgebühr als abgegolten sehen?
Wahrscheinlich haben diese "Antikollegen" schon länger nicht mehr hinter ihrem eigenen Tresen gestanden.
Ich sage doch - Utopisten - und Handlanger der Politik.


» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Re. Kostenlos

von Bernd Jas am 07.08.2016 um 13:59 Uhr

Mensch Meier,
...ähh... Müller, super gemoppert, ich kann mich dem nur anschließen und hinzufügen dass ich das unglaublich dreist finde, dass sich sogar schon die Hersteller den Ausschreibungen verweigern. Hoffentlich macht das nicht Schule, denn eine Krankenkasse ohne Rabatt ist wie ein Fisch ohne Fahrrad.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Unsere wöchentliche "Pharma-Psycho-Couch"

von Reinhard Herzog am 07.08.2016 um 11:17 Uhr

Zwei Dinge kosten erfahrungsgemäß sehr viel Geld (und manches mehr) im Leben:

1. Dummheit
2. Schwäche

Erstere ist - dummerweise oder schlauerweise? - auch noch völlig schmerzfrei.

Einen schönen Sonntag, genießt die (seltene) Sonne ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Umweltfreundliche Expopharm

von Ulrich Ströh am 07.08.2016 um 9:47 Uhr

Apothekertag 2016 = Rausgeschmissenes Geld für belanglose Sprüche ?

Wenn es auch in diesem Jahr so zutreffen sollte:
Warum nicht nur alle zwei Jahre so eine Veranstaltung?
Spart Kosten ,schont die Umwelt!

Und der Vorwurf von jährlichem Gremientourismus kommt nicht auf.

War selber mehr als 10 Jahre Teilnehmer...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kostenlos

von Karl Friedrich Müller am 07.08.2016 um 8:48 Uhr

1. Im Berufsbild steht nicht, dass wir umsonst arbeiten müssen. Oder die Arbeit für Andere erledigen, die dafür kassieren. Wenn es 6,50€ gibt, dann gibt es auch Beratung für 6,50€, sozusagen die "Kassenleistung". Wer mehr will, muss bezahlen. Das ist bei allen Ärzten Usus, besonders ausgeprägt bei Zahnärzten und Orthopäden. Da werden normale Fragen am Ende sogar als "Beratung" abgerechnet, privat, versteht sich.
Aber die sind auch nicht so doof, wie die Apothekers, bei denen es immer noch schick ist, den Kollegen übers Ohr zu hauen, statt mal da Ganze zu sehen. Wir können uns auch keine Dumpingpreise im OTC mehr leisten.
Mich erinnert die Gschichte mit dem Medikationsplan und Management an die Einführung der Rabattverträge. Die Ärzte bekamen die Verordnung vergütet (immer noch?), während die Apotheken einfach erpresst wurden und werden.
2. Preise bei Ausschreibungen und Honorar. Mal wieder durften wir für über 6000€ Impfstoffe an eine Praxis liefern. Hans ausgerechnet: 100€ für die Apotheke, 950€ für den Staat. Der Rest für den Hersteller. Insbesondere da Missverhältnis von Vergütung und Steuern ärgert mich maßlos. Von den 100€ zahlen wir ja auch noch Gewerbe und Einkommenssteuer. Dann sind es nur noch 65. von der Finanzierung mal ganz abgesehen, weil es den nicht über GH gab.
Dieses permanente Gekreische nach Rabatten ist unerträglich und unerhört.
Was soll Politprominenz bei uns? Damit Schmidt sich im Glanz der Politiker suhlen kann und sich wichtig vor kommt? Und uns ignorieren kann, die Probleme ein mal mehr wegschieben kann?
Ist das die Aufgabe unseres Präsidenten?
Rausgeschmissenes Geld für unverbindliche und belanglose Sprüche.

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AW: Dachte ich mir auch

von Christian Becker am 08.08.2016 um 8:30 Uhr

Nur weil etwas im Berufsbild steht, soll es kostenlos sein? Wir bekommen doch auch für die Abgabe von Medikamenten Geld, die sicherlich auch im Berufsbild steht.
Oder Ärzte - in deren Berufsbild steht doch sicherlich die Behandlung von Patienten, Vorsorge etc., was ein Arzt halt so tut. So weit ich weiß, bekommen auch Ärzte Geld für ihre Leistungen.
Naja, aber den possierlichen Apo(the)kérmons kann man das ja so verkaufen. Ihr habt's in euer Leitbild geschrieben, also macht ihr's kostenlos.

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