Dekongestiva

Kaum Evidenz, aber viel Erfahrung für Nasenspray und Co.

Stuttgart - 25.11.2016, 17:30 Uhr

Rezeptfreie Schnupfenmittel aus der Apotheke: die Studienlage ist dürftig. (Foto: detailblick-foto / Fotolia)

Rezeptfreie Schnupfenmittel aus der Apotheke: die Studienlage ist dürftig. (Foto: detailblick-foto / Fotolia)


Ein kleiner Effekt ist anhand der Studien nachweisbar

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Mehrfachgabe Nasenschleimhaut-abschwellender Mittel bei Erwachsenen einen kleinen positiven Effekt auf das Symptom „verstopfte Nase“ hat, zumindest dem subjektiven Empfinden der Studienteilnehmer nach. Inwiefern dieser Effekt klinisch relevant ist, ließe sich aber nicht sagen, schreiben die Autoren in ihrer Zusammenfassung. Die Evidenz reiche nicht aus, um belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen. Ebenso wenig könne man eine Aussage treffen, ob die topische oder die systemische Anwendung vorteilhafter ist. Dazu reiche die Zahl der Studien nicht aus, heißt es.

Noch dünner wird es dann bei der Einmalgabe: Hier könne man überhaupt keine Schlussfolgerungen ziehen. Die Evidenz reiche dafür nicht, heißt es in dem Review. Dabei bereitete den Cochrane-Autoren vor allem die große Heterogenität der Untersuchungen Probleme. Große Unterscheide bei der Erfassung der Endpunkte – sowohl bei der Art und Weise, wie sie erfasst wurden, als auch welche Endpunkte überhaupt dokumentiert wurden – macht es schwer bis unmöglich die Resultate der einzelnen Studien zusammenzufassen.

Hinsichtlich der Sicherheit kamen die Autoren zu dem Schluss, dass die kurzfristige Anwendung Nasenschleimhaut-abschwellender Mittel zumindest bei Erwachsenen als sicher erachtet werden kann. Denn das Risiko für unerwünschte Wirkungen war nicht signifikant höher als unter Placebo. Für die Anwendung bei Kindern fehlt nach Ansicht der Autoren jegliche Evidenz – sowohl was die Wirksamkeit, als auch was die Sicherheit betrifft. 



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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3 Kommentare

Es lebe die Evidenz!

von Dr.med. Manneck am 28.11.2016 um 16:34 Uhr

Das klingt doch sehr nach Bertelsmann-Stiftung.
P.s. Nachts ist es kälter als draußen, besonders im Winter!
Deshalb auch "Erkätungszeit".

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Ein weiterer Hinweis zu den genannten Präparaten

von Dr. Peter Meiser am 28.11.2016 um 11:02 Uhr

Die meisten der genannten Handelspräparate enthalten Konservierungsmittel. Wenn man schon, entsprechend der derzeitigen Datenlage, vorwiegend symptomatisch therapiert, sollte man auf den Einsatz von Konservierungsmitteln verzichten, um das Risiko für das Auftreten von Nebenwirkungen (Reizung, Schwellung! der Nasenschleimhaut etc.) zu senken.
Diese Empfehlung sollte auch von der DAZ an seine Leser weitergegeben werden.

Lokale Sympathomimetika sind gegenüber systemisch wirksamen wegen der anwendungs- und dosisbedingt deutlich geringeren systemischen Exposition zu bevorzugen. Auch hier ist eine Nutzen-Risiko-Abwägung durchzuführen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Wirkstoffe

von R. Rabe am 26.11.2016 um 10:16 Uhr

Ein erwartbares und beruhigendes Ergebnis. Wir können wenigstens hier weitermachen wie gewohnt.

Hinweis an die Autoren: Olyth, Otriven und Co. enthalten Xylometazolinhydrochlorid, nicht wie oben beschrieben Oxymetazolin.

Allen Lesern einen schönen 1.Advent

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