Stiftung Warentest

Sind 75 Prozent der rezeptfreien Arzneimittel geeignet?

Stuttgart - 25.06.2019, 12:45 Uhr

Stiftung Warentest hat ihre Arzneimittel-Datenbank aktualisiert. Von 2.000 Medikamenten halten die Arzneimittelexperten um Professor Gerd Glaeske 500 für wenig geeignet. (b/Foto: ~ Bitter ~ / stock.adobe.com)

Stiftung Warentest hat ihre Arzneimittel-Datenbank aktualisiert. Von 2.000 Medikamenten halten die Arzneimittelexperten um Professor Gerd Glaeske 500 für wenig geeignet. (b/Foto: ~ Bitter ~ / stock.adobe.com)


„Nie mehr unvorbereitet in die Apotheke“ wirbt Stiftung Warentest für ihre Datenbank „Medikamente im Test“. Neu ist die Medikamentenberatung der Verbraucherschützer nicht, von Zeit zu Zeit erfährt diese jedoch ein Update. Wenig geeignet sind laut Warentest nach wie vor Kombipräparate bei Schmerzen oder Erkältungen, auch vor Rizinusöl als Abführmittel wird gewarnt. Allerdings dürfte wohl ohnehin keine Apotheke das obsolete Laxans empfehlen. Insgesamt seien ein Viertel der OTC-Präparate „keine gute Wahl“, heißt es. Demnach müsste der Großteil mit 75 Prozent wohl geeignet sein.

Stiftung Warentest hat ihre Datenbank „Medikamente im Test“ aktualisiert. Ihr Fazit: Von 2.000 rezeptfreien Arzneimitteln sind 500 „keine gute Wahl“. Überraschen dürfte nicht, dass die Verbraucherschützer Kombipräparate wie Wick MediNait®, Aspirin® Complex oder Thomapyrin® nach wie vor nicht gern sehen. Wenig erstaunen dürfte auch, dass zahlreiche Medien – darunter die Bild-Zeitung mit „Ein Viertel der Medikamente ist nicht zu empfehlen“ oder n-tv mit „Jedes vierte Medikament fällt durch“ oder der Stern mit „Diese beliebten Medikamente sollten Sie laut Stiftung Warentest lieber nicht nehmen“ – das Medikamenten-Update der Warentester als Schlagzeilen bereits aufgegriffen haben.

Stiftung Warentest prüft mehr als BfArM und EMA

Stiftung Warentest kommt zu dem Schluss, dass „viele beliebte Arzneimittel wenig geeignet sind“, denn eine Zulassung durch die Behörden schütze davor nicht. Warentest genügt die Zulassung von Arzneimitteln durch das Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte (BfArM) beziehungsweise auf Europäischer Ebene durch die Europäische Kommission und somit der Nachweis von Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nicht. Diese Punkte seien zwar auch dem Arzneimittel-Experten-Team bei Stiftung Warentest wichtig – das bekannteste Mitglied dürfte Professor Gerd Glaeske sein –, jedoch wolle man zusätzlich auch wissen, „wie ein Mittel langfristig wirkt und ob es von hohem Nutzen für die Patienten ist“, erklären die Verbraucherschützer ihren „Zusatznutzen“ zu den etablierten Zulassungsbehörden. Und die Kriterien, welche Studien in die Bewertung einfließen, sind bei den Warentest-Gutachtern nach eigener Einschätzung „strenger als bei den Zulassungs­behörden“.

So sichte man nicht nur die Unterlagen des Herstellers, sondern lege Wert auf hochqualitative Studien, die in einer renommierten Fachzeitschrift erschienen seien, erklärt Stiftung Warentest. Arzneimittel, die den Anforderungen der Verbraucherschützer nicht genügen, listen diese tabellarisch und geben auch Tipps für Alternativen, sodass Patienten „nie mehr unvorbereitet in die Apotheke“ müssen.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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