Rx-Versandverbot

CDU-Bundestagsabgeordneter will Versandapotheken schützen

Berlin - 02.11.2016, 15:40 Uhr

CDU-Politiker gegen das Rx-Versandverbot: Maik Beermann aus Niedersachsen würde vermutlich gegen ein Gesetz stimmen, das den Rx-Versandhandel verbietet. (Foto: CDU)

CDU-Politiker gegen das Rx-Versandverbot: Maik Beermann aus Niedersachsen würde vermutlich gegen ein Gesetz stimmen, das den Rx-Versandhandel verbietet. (Foto: CDU)


Es sieht nicht gut aus für das von der ABDA favorisierte Rx-Versandverbot: Eigentlich schien neben der Linksfraktion die Union im Bundestag bislang die einzige Fraktion zu sein, die sich für ein Verbot einsetzen wollte. Nun gibt es aber auch in den Reihen der CDU eine erste kritische Stimme.

Es ist der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Maik Beermann, der am heutigen Mittwoch über seinen Twitter-Account eine kurze, aber sehr prägnante Mitteilung verbreitete: „Versandverbot von rezeptpflichtigen Medikamenten ist falsch! Versandapotheken werden zur Daseinsvorsorge im ländlichen Raum benötigt!“

Für eine persönliche Stellungnahme war Beermann zunächst nicht zu erreichen. Aber auch in dieser Kürze ist die Aussage des CDU-Politikers von großer Bedeutung. Denn erstmals meldet sich mit Beermann ein Unionsabgeordneter aus dem Bundestag, der einem möglichen Gesetz zu einem Rx-Versandverbot wohl nicht zustimmen würde. Dabei ist es gerade die Union, auf die alle Hoffnungen der Apotheker ruhen: Noch am selben Tag des EuGH-Urteils zur Rx-Preisbindung meldete sich CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich aus dem Bundestag zu Wort und verlangte, dass man das Versandhandelsverbot zügig erarbeiten müsse, um die Apotheke vor Ort zu schützen.

Auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) meldete sich rasch zu Wort und kündigte an, im Bundesrat dafür kämpfen zu wollen, den Versandhandel mit Rx-Arzneimitteln verbieten zu lassen. Für die Apotheker am wichtigsten ist natürlich die Aussage des Bundesgesundheitsministers: Hermann Gröhe (CDU) kündigte an, dass er ein entsprechendes Gesetz vorlegen und die Koalitionsfraktionen vom Rx-Versandverbot überzeugen wolle.

Nur in der Linksfraktion sah man die Sache ähnlich: Die Oppositionsfraktion spricht sich schon seit Jahren dafür aus, den Versandhandel einzuschränken. Vehemente Proteste gab es hingegen aus der SPD und von den Grünen: Während SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach den Rx-Versandhandel erhalten möchte, sagte Grünen-Politikerin Kordula Schulz-Asche am gestrigen Dienstag im Interview mit DAZ.online ebenfalls, dass Versandapotheken ein wichtiger Bestandteil der Versorgung seien.

Beermann ist den Versandapothekern kein Unbekannter

Dass sich der CDU-Politiker Beermann mit dem Versandhandel von Arzneimitteln beschäftigt, kommt allerdings nicht zum ersten Mal vor: Beermann ist Mitglied im Bundestagsausschuss für Digitale Agenda und Berichterstatter für das Thema eHealth und war in dieser Funktion in diesem Sommer zu einer Podiumsdiskussion des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken erschienen. Bei der Diskussion ging es unter anderem um die elektronische Gesundheitskarte und das eRezept.

Beermann sagte bei der Diskussion, dass es nicht die Angst der Patienten sei, die die Digitalisierung im Gesundheitswese aufhalte, sondern die Angst der Selbstverwaltung. Er berichtete über Projekte, bei denen er gemerkt habe, dass die Patienten digitale Lösungen bevorzugten, wenn der Patientennutzen hoch ist. Der CDU-Politiker warnte auch, dass das deutsche Gesundheitswesen die Digitalisierung selbst in die Hand nehmen solle, damit es nicht große Technikkonzerne wie Google oder Apple übernehmen.

Somit ist klar: Die ABDA ist nicht die einzige Interessenvertretung, die den Politikern derzeit Besuche abstattet. Natürlich sind auch Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken (BVDVA) und von DocMorris selbst im Land unterwegs, um Abgeordnete auf die aus ihrer Sicht existierenden Nachteile eines Rx-Versandverbotes hinzuweisen.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Parteitag der Christdemokraten

Will die CDU das Rx-Versandverbot wirklich?

Politiker mit E-Health-Fokus können sich das Leben ohne Rx-Versand nicht vorstellen

Gegenwind aus der Unionsfraktion

Rx-Versandverbot: Bundestagsabgeordneter Michael Fuchs äußert sich kritisch

Bedenken vom CDU-Apotheker

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

10 Kommentare

Gleiche Regeln für ALLE !

von Pierre Roer am 03.11.2016 um 19:30 Uhr

Das Versandverbot wird sich nicht durchsetzen lassen. Soviel ist klargeworden. Die entsprechend interessierten Akteure haben eben nicht nur die Richter gekauft. Soweit die Realität.
Nun dann: gleiche Regeln für Alle in jeder Hinsicht !
Rezepturen muss der Versender nicht mehr machen - dann wir auch nicht.
Notdienst muss der Versender nicht mehr machen - dann wir auch nicht.
Kammerzwang, QMS, Notfalldepot, ApoBetrO.... der ganze Mist geht über Board !!! Gleiche Regeln für Alle !
Und: Preisfreigabe heißt Preisfreigabe ! Ich mach den Notdienst solange ich will und solange er sich lohnt. Mal sehen, wie viel dem Patienten um 21 Uhr sein Antibiotikum oder Schmerzmittel wert ist....wie ich gerne antworte, wenn mich jemand fragt, ob man "bei dem Preis noch was machen kann": "Klar, nach oben ist immer Luft !!!"

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kompetenz ?!

von Ratatosk am 03.11.2016 um 8:44 Uhr

Erst mit den Versand die Landapotheken absterben lassen und dann diese als Rettung proklamieren ! Die neue "Elite" in der Politik.
Kommt auch beim Asthamanfall oder Krupp richtig gut.
Natürlich darf auch nichts in der Telekomunikation ausfallen. Leider sind solche Leute nicht in der Lage komplexe Probleme außer ihrer Spielwiese, hier offensichtlich die digitale , richtig einzuordnen. Gerade hier ist immenses Wissen leider oft gepaart mit nur oberflächlicher Durchdringung des Problem.
Am Ende bleibt - digital gut ! HUGA HUGA

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Real-Life-Unterschriften

von Elisabeth am 02.11.2016 um 20:50 Uhr

Ich wäre für eine zügige Unterschriftensammlung Pro Apotheke vor Ort. Nach den Hassparolen im Netz könnten wir die bisher schweigsame Mehrheit der Apothekenkunden mobilisieren und den Politikern, die sich für uns einsetzen, ein breites Mandat im Real Life geben.
20 000 Apotheken (Approbierte, PtA,PKA, Verwandte)+ Kunden---so wenige sind wir gar nicht.
Seit Tagen geht es bei der Kaisers -Tengelmann- Übernahme auch um 20000 Arbeitsplätze, warum wollen SPD und Grüne eigentlich 20000 deutsche Apothekenarbeitsplätze zugunsten einer ausländischen Versandapotheke vernichten?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Realität

von Stefan Eckardt am 02.11.2016 um 18:45 Uhr

Man sollte Kommentare die mit derart falschen Argumenten bzw. Behauptungen untermauert sind ignorieren. Komisch dass der achso wichtige versandhandel bei RX nach 12 Jahren keine 6 % Marktanteil erreicht hat. In ländlichen Regionen noch weniger. Aber ich finde auch, dass eine Argumentation gegen etwas nicht zielführend ist. Da ist man angreifbar. Wir müssen pro Apotheke argumentieren. Argumente haben wir genug.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Versandhandelsverbot für Rx

von Frank Zacharias am 02.11.2016 um 17:30 Uhr

Dass wir uns überhaupt mit diesem Thema befassen müssen, liegt doch daran, dass sich die EU in Bereiche eingemischt hat, die sie nichts angehen.
Wenn sich die Herren Richter und Generalanwälte nicht Ihre Befugnisse überschritten hätten, gäbe es auch diese drastische Reaktion des Gesetzgebers nicht.
Offensichtlich ist aber den jungen gesunden die Tragweite dieses EuGH-Urteils nicht bewusst. Ich zweifle aber daran, dass man zu diesen Abgeordneten vordringt - leider.
Ich plädiere aber auch dafür, nicht nur an dieser einen Front zu kämpfen. Die Rx-Preisbildung sollte im sozialrecht verankert werden und vom Gesetzgeben unmissverständlich klargestellt werden, was der Sinn und Zweck dieser Preisbildung ist.
Zusätzlich ist über eine Begrenzung der Macht der Krankenkassen nachzudenken und Selektivverträge in der Grundversorgung sind ausdrücklich zu untersagen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Man kann nicht alles privatisieren

von Karl Friedrich Müller am 02.11.2016 um 17:20 Uhr

Noch ein Vergleich: In Ländern, in denen die Wasserversorgung privatisiert wurde, kam und kommt, wenn überhaupt, nur noch stinkende braune Brühe für viel Geld aus den Leitungen, in die überhaupt nichts mehr investiert wurde.
Das wird analog auch im Gesundheitswesen passieren!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Landapotheke

von Frank Zacharias am 02.11.2016 um 17:14 Uhr

Dieser nette junge Mann sollte zuallererst seine eigenen digitalen Kanäle auf zweckmässigkeit und funktionsfähigkeit prüfen. Seine homepage ist wegen Neugestaltung nicht zu erreichen und sein kontaktformular über den Bundestag lässt nur 500 Zeichen zu. An langen Erklärungen scheint er nicht interessiert zu sein.
aber für eine freundliche Einladung in meine Landapotheke hat es gereicht.
Mal sehen, mit welcher Begründung er absagt oder ob er sich überhaupt herablässt, zu antworten.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Weg mit den Heuschrecken

von Karl Friedrich Müller am 02.11.2016 um 17:09 Uhr

So wird heute gearbeitet: Jemand setzt eine unwahre Behauptung in die Welt, die dann von Medien, Politikern und Anderen so oft wiederholt wird, bis sie als wahr gilt.
Das geschieht mit Absicht, um Tatsachen zu schaffen.
Solche Politiker gehören von ihren Posten entfernt, weil sie gegen die Bürger arbeiten.
Gegen diese Flut von Desinformation, Volksverdummung, Demagogie ist kein Kraut gewachsen.
Ich sage es nochmal: Investoren, Kapitalgesellschaften und weitere Heuschrecken haben im Gesundheitswesen nichts zu suchen! Das Geld, dass diese Leute erhalten, ist veruntreutes Geld, es steht den Versicherten nicht zur Verfügung.
Die Parallen zu beispielsweise Krankenhäusern ist offensichtlich. Es wird nur das angeboten, was Geld bringt. Behandlungen, Operationen, auch wenn sie unsinnig und überflüssig sind. Die Schwangere oder der Notfall kann dann über weite Stecken transportiert werden. Es "lohnt" sich ja nicht. Genauso werden bei uns Rezepturen, Notdienste und alles verweigert, was Kosten verursacht. So kann dann einer aus dem Bayrischen Wald nach München fahren, wenn er seine Rezeptur angefertigt haben will.
Der Staat hat eine Daseinsvorsorgen zu betreiben. Weg mit den geldgeilen Konzernen. Ihr habt im Gesundheitswesen keinen Platz!
Die niedergelassenen Apotheken schaffen es sehr gut, den ländlichen Raum zu versorgen.
Wenn es ein Problem gibt, ist es überhaupt nur durch die Zusammenarbeit von Politik und Heuschrecken so weit gekommen!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Die jungen Wilden..

von Christiane Patzelt am 02.11.2016 um 17:01 Uhr

Meine Mann hat gesagt, ich soll nicht immer die Politiker beschimpfen, die bräuchte man ja schließlich für den Konsens.
Ich hoffe, Herr Beermann hat keine Oma, und wenn doch, darf die gerne die Empörung für mich übernehmen.

Dass ein 35jähriger keine Vorstellung vom Alter und von der Einschränkung kognitiver Fähigkeiten hat, mag ja noch verzeihlich sein. Dass ein CDU-Politiker für den Versand 200tausend Frauenarbeitsplätze wegjongliert, finde ich hahnebüchend! Aber der Neoliberalismus ist wohl das neue Konservativ....
War das jetzt nett genug?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Schon mal eine Landapotheke besucht?

von Anita Peter am 02.11.2016 um 15:53 Uhr

"Versandapotheken werden zur Daseinsvorsorge im ländlichen Raum benötigt"

Im ländlichen Raum wird vor allem die Apotheke vor Ort benötigt. Und diese wird es ohne Schutz in ein paar jahren nicht mehr geben. Hat diese werte Herr schon einmal eine Landapotheke besucht und einen Tag dort verbracht? Es würde ihm die Augen öffnen.....
Und er sollte in den anderen EU Ländern nachfragen, in denen es keinen RX Versand gibt....

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.