Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

06.11.2016, 08:00 Uhr


Eine Megafrust-Woche. Rx-Versandhandelsverbot nur eine Seifenblase? Die Politiker und das Rx-Versandverbot auf einen Nenner gebracht: Ja, machen wir, äh, auf alle Fälle vielleicht unter Umständen, aber mal sehen, wir müssen es erst mal prüfen. Oder nach Karl Valentin: „Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.“ Die Apothekenzukunft zwischen Skylla und Charybdis!

31. Oktober 2016

Unsere armen inländischen Versandapos! Jetzt sind sie gleich zweimal gekniffen. Mit dem EuGH-Urteil werden sie gegenüber ihren ausländischen Mitbewerbern benachteiligt, denn die dürfen Boni und Rabatte satt geben. Und sollte Gröhes Gesetzesinitiative jemals ein Rx-Versandverbot bringen, dann müssten sie sich von einem großen und lukrativen Teil ihres Sortiments trennen und dürften nur noch OTCs zu Billigpreisen verschleudern. Mein liebes Tagebuch, diskriminiert und disqualifiziert, das ist schon arg. Aber bevor wir einen Hilfefonds für notleidende Versandapotheken einrichten – schließlich stehen hinter jeder Versandapo auch liebe Vor-Ort-Kolleginnen oder  -Kollegen und „keine Zombies oder Unmenschen" –, wollen sie selbst aktiv werden und klagen. Als pars pro toto überlegt der Versender Aponeo Boni zu geben und sich verklagen zu lassen, um dann den Klageweg zu beschreiten. So was ist allerdings riskant, Apothekerkammern werden dagegen vorgehen, man weiß nicht, wo das endet. Und zusätzlich wollen sie gegen das geplante Rx-Versandverbot vorgehen, wie zu hören war. Aus ihrer Sicht wäre eine Klage dagegen aussichtsreich. Denn es ist aus ihrer Sicht fraglich, ob ein Versandverbot verfassungskonform wäre. Außerdem laufe der Versand nun schon ein paar Jahre problemlos. Dennoch, auch die Klage ist mit vielen Fragezeichen versehen. Versandapo-Verbandschef Buse favorisiert daher erst mal eine Höchstpreisverordnung. Tja, mein liebes Tagebuch, das kann den Nur-vor-Ort-Apotheken auch nicht gefallen: Kein Rx-Verbot, stattdessen aber eine Höchstpreisverordnung – das ist so was wie die Wahl zwischen Pest oder Cholera. 


Das war fast ein Shitstorm, der über unseren lieben Bundesgesundheitsminister niederging, nur weil er angekündigt hatte, den Versand von Rx-Arzneimitteln verbieten zu wollen. Gröhe sei schon öfter als „guter Freund der Apotheker“ aufgefallen, meint die Frankfurter Rundschau – seltsam, dass wir das nicht schon eher gemerkt haben, mein liebes Tagebuch. Die Süddeutsche Zeitung schreibt „Reingefallen, Herr Gröhe“ und die FAZ textet, Gröhe habe sich „von den Apothekern auf Linie bringen lassen“ vom „Leipziger Oberapotheker“ (unser ABDA-Präsident, der Oberapotheker!), der den Minister unter Druck setzte: „Die Angst der Politiker vor massenhaften gesundheitspolitischen Beratungsgesprächen in 20.000 Apotheken ist am Vorabend des Wahljahres 2017 mit den Händen zu greifen“, schreibt FAZ-Korrespondent Mihm. Gröhe habe mit seinem angekündigten Rx-Versandverbot nicht nur die Apotheker froh gemacht, sondern auch Schmidt persönlich. Seine Wiederwahl zum ABDA-Präsidenten sei nun gesichert. Unsinn, mein liebes Tagebuch, die Wiederwahl stand auch ohne Rx-Versandverbot fest – es gibt nur den einen Kandidaten. 

1.  November 2016 

In den blauen Augen der Grünen Kordula Schulz-Asche ist der Arzneiversandhandel eine wichtige Versorgungskomponente. Ups, mein liebes Tagebuch, wie kann man so blauäugig sein! Würde von heute auf morgen der Arzneiversand in Deutschland komplett verboten – kein Verbraucher, kein Patient müsste leiden oder hätte irgendeinen Nachteil davon, im Gegenteil: Er hätte sein Arzneimittel schneller, wäre besser beraten, könnte seine Therapie eher beginnen und wäre rascher gesund. Und ökologischer und grüner, da weniger Verpackungsmüll, wär’s allemal. Mein liebes Tagebuch, also einen harten, echten Grund, warum der Versandhandel erhalten bleiben sollte, kann ich in der Antwort von Kordula Schulz-Asche auf diese Frage nicht finden: Da kommen nur Allgemeinplätze wie „berechtigtes Verbraucherinteresse“ oder „wichtige Bestandteile unserer Gesundheitsversorgung“. Alles grünes Herumgeeiere. Klingt verdächtig nach Biggi (Bender). Und auf die Frage, was jetzt nach dem EuGH-Urteil passieren sollte, verweist Kordula Schulz-Asche auf die Bundesregierung, die genug Zeit gehabt hätte, sich auf dieses Urteil vorzubereiten. Ist echt witzig, oder? Ein eigener Vorschlag, wo die Grünen eine Lösung sehen, kommt von der Grünen „Arzneimittelexpertin“ nicht. Dabei haben die Grünen tatsächlich Leute in ihren Reihen, die wissen, wovon sie reden, Barbara Steffens zum Beispiel, die NRW-Gesundheitsministerin. 



2. November 2016

Festpreise sind cool, Festpreise sind megahip, Festpreise sind in. Mein liebes Tagebuch, parallel zum Kampf für ein Rx-Versandverbot ruft die ABDA nach Unterstützung bei Berufsgruppen, die sich ebenfalls auf Festpreise stützen können. Das sind zum Beispiel Ärzte mit ihrer Gebührenordnung (gleiche Bezahlung für gleiche Leistung) oder Buchhändler, die froh sind, dass sie die Buchpreisbindung haben (nicht auszudenken, wie Amazon die Bücher verschleudern würde!). Falls nämlich die Politik die Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln kippt, könnte es theoretisch auch anderen Festpreisen an den Kragen gehen, möglicherweise zuerst im Gesundheitswesen. Deshalb sucht die ABDA nun Kontakt zu Ärzten und Buchhändlern mit dem Tenor: Liebe Buchhändler, liebe Ärzte, bitte helft uns Apothekers! Setzt Euch dafür ein, dass Festpreise in bestimmten Bereichen richtig und wichtig sind, dass sie einen Wert für die Gesellschaft haben. Mein liebes Tagebuch, ein gewagtes Spiel. Klar, versuchen kann man’s. Ob es aber gelingt, die Stimmung in der Gesellschaft weg von Schnäppchen, Rabatten und Hauptsache-billig hin zu soliden Festpreisen zu lenken, ist fraglich. Möglicherweise möchten Ärzte und Buchhändler ihre Festpreise nicht an die große Glocke hängen – wer weiß, welcher EU-Kommissar hier auf dumme Gedanken kommt. 


CDU-Politiker, die nicht hinter Gröhes Rx-Versandverbot stehen, gibt es. Maik Beermann aus Niedersachsen beispielsweise will gegen ein Rx-Versandverbot stimmen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete glaubt, dass Versandapotheken zur Daseinsvorsorge im ländlichen Raum benötigt werden, wie er twitterte. Klar, aber erst dann, wenn Politiker wie er nicht für Rx-Versandverbot stimmen, und in wenigen Jahren Apotheken auf dem Land schließen müssen. So kann man natürlich auch Politik machen, mein liebes Tagebuch. Böse, böse. 



3. November 2016

Die Karabinerhaken-Anzeige der ABDA als erste Reaktion auf das EuGH-Urteil war sicher nicht der große Wurf. Vermutlich hat sich diese Anzeige eh nur an die Politik, an Verbände und an die  Medien gewandt. Der Bürger auf der Straße konnte damit erstmal wenig anfangen. Und die Medien haben ihre eigenen Hasskampagnen gegen Apotheken gefahren. Was jetzt fehlt, ist eine leicht verständliche Aufklärung der Bevölkerung darüber, was das EuGH-Urteil wirklich bedeutet, für welche Arzneipreise es überhaupt gilt und welche Folgen es haben könnte. Die ABDA hat sich bisher nicht die Mühe gemacht, ein solches Informationsblatt oder eine Anzeige zu entwerfen. Sie hat es ihren Kammern und Verbänden überlassen, aktiv zu werden. Einige haben sich bereits darin versucht – herausgekommen sind mehr oder weniger gut formulierte Infoblätter mit vielen Allgemeinplätzen, Floskeln und Worthülsen, die dem Bürger wenig sagen. Verständlich und volksnah geht anders. Einen einigermaßen passablen Text bringt das Infoblatt des Wort und Bild-Verlags, allerdings lässt auch dieser Flyer für den Bürger viele Fragen offen. Mein liebes Tagebuch, bei aller Kritik: Es ist in der Tat verdammt schwer, diesen komplexen Sachverhalt und seine Folgen auf wenige Sätze so runterzubrechen, dass Otto Normalo das lesen will und versteht, was es konkret für ihn bedeutet. Warum er auf die Gutschriften und Preisnachlässe von DocMorris und anderen verzichten sollte! Einen Anhaltspunkt dafür, welches Niveau ein solches Infoblatt haben müsste, welche Kenntnisse man beim Bürger voraussetzen kann, gibt der Kommentar der Spiegel-online-Redakteurin Kristina Gnirke aus dem Wirtschaftsressort und die über 30 Seiten Leser-Kommentare. Haaresträubend! Selbst die Wissensdefizite dieser Wirtschaftsredakteurin zeigen, dass man bei der Erklärung des Arzneimittelpreissystems und welche Auswirkungen es hat, wenn man es verändert, ganz unten ansetzen muss. 


Mein liebes Tagebuch, für die liebe Katja gehört es einfach zum Lifestyle, Arzneimittel in der Versandapo zu bestellen, es ist bequem und komfortabel. Außerdem bringt es Wettbewerb in den Markt. So was sollte man doch nicht einfach verbieten. Und deswegen hält die CDU-Bundestagsabgeordnete Katja Leikert (Jahrgang 1975, Politikwissenschaftlerin mit Promotion über die US-Außen- und Sicherheitspolitik) so gar nichts von einem Rx-Versandverbot. Für Leikert, die wohl dem Versender DocMorris gerne schöne Augen macht, ist der Bezug von Arzneimitteln über den Versand „einfach lebensnah und praktisch und für viele angepasst an den Lebensrhythmus“. Mein liebes Tagebuch, sollte man von Verantwortung tragenden Politikern nicht mehr erwarten  dürfen als dass sie Urteile und Marktvorgänge nur oberflächlich nach praktisch, lebensnah und bequem beurteilen? Kann man nicht mehr erwarten, dass sie Auswirkungen durchdenken und sich die langfristigen Folgen vor Augen halten? 


Der Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Gröhe, den Rx-Versandhandel verbieten zu wollen, hat es echt schwer. Die Medien haben das Vorhaben zerrissen, selbst in der eigenen Partei outen sich Abgeordnete (Beermann, Leikert), die davon wenig halten. Ganz abgesehen von der SPD (Mattheis) und den Grünen (Schulz-Asche), die mächtig Wind gegen das  Rx-Versandverbot machen. Und jetzt kommt noch Seitenwind aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Der Staatssekretär Sontowski (SPD) erkennt, dass das Urteil das Potenzial hat, unser derzeitiges System in Frage zu stellen, und er sucht nach Alternativen. Das Rx-Versandverbot scheint für ihn keine zu sein, er geht jedenfalls gar nicht darauf ein. Statt dessen fabuliert er von einem „Nachteilsausgleich“ zum Erhalt der flächendeckenden Versorgung oder darüber, „ob nicht ein Teil des Festzuschlages für den Wettbewerb zwischen den Versorgern – gleich ob Apotheke oder Versandhandel – freigegeben werden kann“ – was er auch immer darunter verstehen mag. Mein liebes Tagebuch, Nachteilsausgleich, Teilfreigabe des Festzuschlags: Das kann doch nur bedeuten, dass man den Versendern den Festzuschlag kürzt und – zum Erhalt der flächendeckenden Versorgung – bei den Landapotheken draufgibt, oder? 


Weil sich die Bundestagsabgeordneten nicht durch alle EU-Gesetze wühlen und alle Urteile, Richtlinien und Verordnungen lesen können, geschieht dies heute durch Kurzfassungen, die ein eigenes Referat des Bundestags erstellt und sogar Handlungsoptionen vorschlägt. So auch im Fall des EuGH-Urteils zu den Boni und Rabatten der ausländischen Versandapotheken. Beim EuGH-Urteil kommt die Kurzfassung für die Abgeordneten zu dem Schluss, dass es nun nur zwei Wege gebe: Entweder beschließt der Bundestags ein Rx-Versandverbot (große Skepsis, alles fraglich, müsste geprüft werden…), oder die Preisbindung fällt und man könnte ein Höchstpreis-System für Arzneimittel einführen (was von den Kassen befürwortet werde). So einfach ist die Welt, mein liebes Tagebuch. Irgendwie stellt sich da das Gefühl ein, dass alles noch böse enden wird. Alles so  lassen wie es ist, wird nicht gehen. Wir stehen vor einer Tragödie


Alle Jahre wieder: das Gutachten der „Wirtschaftsweisen“. Mit immer dem gleichen Vorschlag zum Gesundheitswesen: Mehr Wettbewerb. Und für Apotheken: weg mit dem Fremd- und Mehrbesitzverbot. Und natürlich: das jüngste EuGH-Urteil könnte mehr Wettbewerb bringen. Wenn sich diese „Weisen“ nur einmal die Zeit nehmen würden, den Apotheken- und Arzneimittelmarkt zu durchdenken, würden sie vielleicht feststellen, dass Arzneimittel und ihr Verteilungssystem ein anderer Markt ist als der von anderen Wirtschaftsgütern. Aber dafür nehmen sich diese Weisen nicht die Zeit. Ein Gutachten für die Tonne



4. November 2016 

Neben all den düsteren Nachrichten über EuGH-Urteil und Rx-Versandverbot gibt es noch Lichtblicke: Die Pharmazie-Ausbildung in Leipzig bleibt, allerdings mit anderen Vorzeichen. Es soll einen Modellstudiengang innerhalb der Medizinischen Fakultät geben. Mein liebes Tagebuch, für die Ausbildung der Pharmazeuten dürfte das ein Novum sein, denn es könnte die spätere Kooperation von Arzt und Apotheker fördern. Vielleicht auch das Miteinander von Medizin- und Pharmaziestudierenden. Vor dem Hintergrund von ARMIN und Medikationsmanagement sicher ein guter Ansatz. Was der Modellstudiengang sonst noch bringt, was er für die Forschung in der Pharmazie Leipzig bedeutet – das werden die weiteren Schritte zeigen. 


Ist die SPD nun für ein Rx-Versandverbot oder doch eher dagegen? Mal so, mal so, Während sich die gesundheitspolitische Sprecherin Hilde Mattheis und Karl Lauterbach nicht damit anfreunden können, zeigt sich die niedersächsische Gesundheitsministerium Cornelia Rundt aufgeschlossener: „Vorübergehend“ will Niedersachsen die Bundesratsinitiative der Bayern für ein Rx-Versandverbot unterstützen – was man sich auch immer unter „vorübergehend“ vorstellen kann. Mein liebes Tagebuch, dann würden wohl schon mal Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen für einen Gesetzentwurf für ein Rx-Versandhandelsverbot stimmen. Okay, aber das reicht nicht. 


Mein liebes Tagebuch, nehmen wir mal unsere rosa Glücksbrille ab, dann sehen wir, dass die Unionsreihen beim Rx-Versandverbot wie Milchzähne wackeln. Von geschlossener Linie keine Spur. Im Gegenteil, es gibt die (CDU-)Stimmen, die überzeugt sind, dass man das Rad nicht zurückdrehen kann: Zu lange war der Rx-Versand möglich, hat funktioniert, man will E-Health und Datenautobahnen, da kann man den Onlinehandel nicht kappen.
Selbst Gröhe flattert wie ein Wetterhahn im Wind: Sein Rx-Versandhandelsverbot soll dem Vernehmen nach nicht im anstehenden Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz stehen. Das Aus für ein rasches Rx-Versandverbot! Na, das war’s dann wohl, oder? Mein liebes Tagebuch, selbst wenn sich das so abzeichnet: Eine vernünftige Alternative zum Rx-Versandverbot haben wir nicht, alles andere wird arg unschön. Also bleiben wir dran und setzen unsere Rx-Versandverbots-Kampagne fort. Allerdings wäre man nicht von dieser Welt, wenn man sich im Hintergrund nicht mit Alternativen beschäftigt, z. B. mit Höchstpreisen, mit einer Gebührenordnung, einem Beratungshonorar, mit Selektivverträgen, mit einem Nachteilsausgleich und was den Ökonomen und Politikern sonst noch dazu einfällt. Vor allem sollten wir überlegen, was für uns das kleinste Übel wäre, wenn das Rx-Versandverbot gekippt wird. Welchen Plan C hätten wir denn gern? Ja, und dann steht uns 2018 noch das Gutachten des Bundeswirtschaftsministerium ins Haus. Mein liebes Tagebuch, die ruhigsten Zeiten liegen hinter uns.


Peter Ditzel (diz), Apotheker / Herausgeber DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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9 Kommentare

Rx Versandhandelsverbot

von Katharina Stülcken am 06.11.2016 um 15:43 Uhr

Eine aktuelle Geschichte:
Am Freitag kam ein junger Mann, Anfang 20, mit einem Din-A-4 Blatt in die Apotheke. Es war ein Privatrezept von einem Internet-Arzt über Tramadoltropfen. Gestempelt von einem Arzt aus der Tschechischen Republik. Ich hatte ein längeres Gespräch mit dem Mann, der unter schon länger bestehenden Rückenschmerzen litt. Vermutlich kann man sich denken, worüber ich mit ihm gesprochen habe, jedenfalls bekam er von mir kein Tramadol. Was aber, wenn so ein Rezept an eine ausländische Internet-Apotheke geschickt wird? Da würden mir noch ganz andere Medikamente einfallen. Am besten noch mit Bonus! Das darf doch nicht die Zukunft sein! Es gibt doch nun wirklich genug Gründe, die gegen zumindest ausländischen Versandhandel mit Rx sprechen. Ebenso wie gegen die Freigabe der Preise. Warum kommt bei den Entscheidungsträgern nicht genug an?? Warum können unsere Standesvertreter so selten überzeugen? Die Argumente müssten doch längst ausgearbeitet auf dem Tisch liegen. Und außerdem:
bitte keine Plakate drucken, sondern endlich einen Medienfachmann/frau einstellen, wie schon so oft gefordert. Vielleicht gäbe es dann informiertere Bürger und weniger Häme aus Politik, Presse und Bevölkerung.

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Plan C

von Hermann Eiken am 06.11.2016 um 14:22 Uhr

Ja, was dann, wenn ein vollständiges RX-Verbot nicht klappt?---- Könnte man dann nicht ein RX-Versandverbot gesetzlich verankern, welches für ausländische Versender gilt, wenn sie gegen die deutschen Gesetze und Rahmenverträge verstoßen. Die Krankenkassen müssten verpflichtet werden, kein Geld an mehr an sie überweisen zu dürfen, wenn gegen die deutschen Vorschriften der AmPV verstoßen wird. Auch die Privatkassen dürften nur Geld an Patienten rückerstatten, wenn nachgewiesen ist, (per Stempel leicht möglich), die versorgende Apotheke befindet sich in Deutschland, oder das Arzneimittel wurde ohne Versand im Ausland erworben. Den Krankenkassen werden zur Sicherung der Versorgung Selektivverträge mit ausländischen Versendern verboten. So könnte der deutsche Gesetzgeber wieder die Herrschaft über das vorhandene Arzneimittelversorgungssystem zurückerhalten. Sowohl die gesamte deutsche Judikative, der gemeinsame Senat der 5 obersten Gerichte, als auch die deutsche Legislative, der Bundestag und der Bundesrat und die Exekutive, die deutsche Regierung, müssen sich doch durch dieses EuGH- Urteil desavouiert fühlen. Weshalb die Presse und viele Politiker das nicht begreifen, verstehe ich nicht.

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Gibt es eine Lösung – aus Sicht eines Nichtapothekers

von Nichtapotheker begibt sich auf Glatteis am 06.11.2016 um 13:54 Uhr

Also halten wir fest, der Rx-Versandhandel ist seit Jahren erlaubt, neu vom EUGH geregelt ist das Ende der Preisbindung für ausländische Versandapotheken. Somit wird ein Rx-Versand-handelsverbot für jeden Politiker wohl nur mit erheblichem Gegenwind umzusetzen sein und es wird insgesamt gesellschaftspolitisch nur wenig Befürworter finden.

Klar ist damit auch, dass diese Gemengelage, solange sie so ungeregelt bleibt, dramatische Folgen für die Arzneimittelversorgung haben wird, insbesondere da es den Apothekern in der Vergangenheit immer weniger gelungen ist, der Bevölkerung – ja noch nicht mal den Politikern - klar zu machen, das sie essentieller Teil des Gesundheitswesens und keine Händler von Bitterkügelchen sind. Folgerichtig werden sie von großen Teilen der Gesellschaft auch überwiegend nur noch als gutbezahlte Händler von solchen Waren wahrgenommen, die aus welchen Gründen auch immer nicht bei ALDI und Co (oder meinetwegen auch dm & Co) verramscht werden dürfen.

Wie könnte eine Lösung aussehen.
Gehen wir einmal davon aus, dass das Apothekenhonorar sich als eine Kombination von Beratungs- und einen Distributionsteil versteht (schließlich gibt es in der Präsenzapotheke eine Beratungspflicht); gehen wir weiterhin davon aus, dass Versandapotheken über ihre Call-Center für viele – vor allem alte multimorbide - Menschen niemals die qualifizierte Beratung leisten können, wie die Präsenzapotheke durch ihren persönlichen Kontakt mit dem Blick in die Augen des Patienten; dann könnte man doch auf die Idee kommen sich drei einfach umzusetzende Maßnahmen zu überlegen:

1.) Versandapotheken (inländische wie ausländische) von der Beratungspflicht ganz befreien und im Gegenzug die Apothekenpreisverordnung dahingehend ändern, dass den Versandapotheken der Festzuschlag nicht mehr zusteht sondern nur noch die 3% (mit oder ohne Deckelung). Das hätte auch den Vorteil, dass die Einsparungen aus der Arzneimitteldistribution wirklich dort ankämen, wo sie rechtlich doch wohl hingehören, nämlich bei den Krankenkassen und nicht in den Taschen der Versicherten.
2.) Verankerung der freien Apothekenwahl im Sozialrecht, damit es vom EUGH nicht so einfach gekippt werden kann und auch evtl. bereits entstehende Begehrlichkeiten der Krankenkassen schon im Keim erstickt werden.
3.) Jede Versandapotheke muss zu jedem einzelnen Rx-Präparat einen 1 Monat gültigen Beratungsgutschein mitsenden, der in jeder Präsenzapotheke gegen eine Beratung zu dem Medikament eingelöst werden kann und mittels Sonder-PZN (hoffentlich ist noch eine frei) über die Rechenzentren mit den Krankenkassen in der Höhe des Fixzuschlag (abzgl. Kassenabschlag) abgerechnet werden kann.

Wenn dann noch ein System gefunden wird, das verhindert, dass besonders geschäftstüchtige Apotheker diese Gutscheine gegen Non-Rx-Ware oder Zuzahlungen einlösen, wäre das ganze rund und eine geeignete Maßnahmen eine gerechte und hoffentlich wirtschaftlich erträgliche Koexistenz zwischen den beiden Vertriebsformen stationäre Apotheke gegen Versandapotheke zu erproben, ohne den Rx-Versandhandel zu verbieten. Außerdem würde dann auch das problematische Höchstpreismodell überflüssig.

Mal schauen, ob ich mich mit diesem Kommentar als Nichtapotheker nicht zu weit vor gewagt habe und jetzt gnadenlos niedergemacht werde.

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AW: Gibt es eine Lösung – aus Sicht eines

von Peter Lahr am 07.11.2016 um 9:48 Uhr

Das mit den 3% als einzigen Vergütungsanspruch der Versender wurde auch schon in dem anderen bekannten Forum vorgeschlagen, da ein Honoraranspruch bei Versendern theoretisch nicht gegeben ist. Von daher, wieso Glatteis ;)

Komplexe Sachverhalte treffend darstellen…?

von Gunnar Müller, Detmold am 06.11.2016 um 10:34 Uhr

Dafür gibt es doch AKKK!!
Auch wenn einige Zahlen noch einmal 'aktualisiert' werden sollten – die Message stimmt!
https://m.youtube.com/watch?v=uP7W7BlSeww&feature=youtu.be

Und:
Was hindert uns eigentlich, eine Befragung des demnächst wieder umworbenen, wählenden 'Publikums' durchzuführen?
Nach 15 Jahren sollte doch eine ABDA-Unterschriftenaktion wieder mal drin sein, oder? Auch wenn seitdem die Pressesprecher munter durchgewechselt worden sind…

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Club der Ahnungslosen

von Frank Ebert am 06.11.2016 um 9:37 Uhr

Nochmal der Rx Versand ist jetzt schon seit 12 Jahren erlaubt und hat im Jahr 2015 0,6 prozent der Packungszahl ausgemacht. Wie konnte mann das ändern ?in dem man sehr viel Geld in die Hand nimmt und so ein Witzurteil produziert. Die Presse jubelt. Die Frage ist nur, sind alle Berichte wie zB. Im Spiegel von Frau G. In anderen Bereichen genauso schlecht recherschiert? Gute Nacht seriöser Jounalismus. Frau Leikert ist die heutige Celesio-Bender. Die Frau stand schon mit leuchtenden Augen bei der Eröffnung von Doc Morris da. Und dann gibt es ja noch eine Apithekerin in Darmstadt, da sage ich mal lieber nichts, denn sie hat einen sehr guten Anwalt, nicht zu vergleichen mit Lutz Tisch.

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Werte KollegInnen,

von Christiane Patzelt am 06.11.2016 um 9:26 Uhr

Lasst euch nicht vollblubbern von wegen, der Versand kann wegen der D I G I T A L I S I E R U N G und dem Fortschritt nicht gestoppt werden! Die Politik verwechselt hier ganz eindeutig die Digitalisierung mit dem blanken Kapitalismus!
Wir werden für ein paar Euro hängen gelassen! Ich kann die Regierung nur auffordern, selber mal in ihre eigenen Gesetze zu gucken, welchen Auftrag diese Gesetze vorsehen zum Thema niedrigschwelliger Zugang zu Arzneimitteln. Denn nicht nur wir InhaberInnen haben einen Versorgungsauftrag unterschrieben...was macht man denn im Pandemiefall? Was macht man denn, wenn die Börsenkurse der Versender ins Bodenlose fallen oder wie bei Sanicare die Exfrau an der Insolvenz wackelt...wer soll dann versorgen?

Zum Thema Digitalisierung lasse ich mir nichts erzählen, es gibt kaum Apotheken, die nicht technisch auf dem Hochpunkt sind (allein wegen der Rabattverträge), guck ich mir etliche Arztpraxen an, habe dort eher ein throw-back-yesterday in die 80er...also immer schön nur den Schuh anziehen, der uns auch passt.
Was wäre für uns jetzt eine der Möglichkeiten?
Lasst mal den Heilberufler ein wenig zurücktreten, die Marschrichtung heisst jetzt, nichts-aber gar nichts wird mehr kostenlos passieren. Der EuGh hat uns den finanziellen Handschuh hingeworfen, das wird nicht mit kostenloser Dienstleistung am Patienten zu beantworten sein!
In dem Sinne, bleibt kämpferisch, lasst nicht locker, unseren Mehrwert zu betonen! Was haben wir, was der Versand nicht hat? Vertrauen und Nähe!
Aber wir sind so ein bunter Haufen, da wird jeder seinen gangbaren Weg finden!

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Thilo Sarrazin für Pharmazeuten.

von Christian Timme am 06.11.2016 um 8:55 Uhr

Nicht nur bezüglich der inländischen Versandapotheken ist das EuGH-VV der Super-GAU für die Apothekerkammern. Müssen Sie doch jetzt gegen Ihre eigenen Geldgeber vorgehen. Die Politik muss am Ende nur auf Zeit spielen. Die ApothekerInnen schaffen sich von selbst ab und weitere Helferlein gibt es genug.

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Wann,wenn nicht jetzt sofort?

von Ulrich Ströh am 06.11.2016 um 8:48 Uhr

Moin,Moin Herr Ditzel,
Bilder sagen mehr als Worte...
Ihr heutiges Abbild zeigt,wohin die digitale Reise
mit dem Arzneimittel gehen kann oder wird.
Die Liberalisierung aus sozialen Gründen wird uns Apotheker
zu schaffen machen.

Um so wichtiger wird es sein,zeitnah volksnahe Gegenargumente über die Präsenzapotheken zu senden.

Sind die Landesapothekerverbände im aktuellen Herbstschlaf?

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