Dänemark

Negativliste für Apotheken-Sortiment

Berlin - 05.07.2016, 12:35 Uhr

Konkurrenzkampf im Internet: Weil dänische Apotheken seit Jahresbgeinn keine nicht-apothekenüblichen Waren mehr verkaufen dürfen, haben die Pharmazeuten einen gemeinsamen Internetshop gegründet. (Foto: DAZ.online)

Konkurrenzkampf im Internet: Weil dänische Apotheken seit Jahresbgeinn keine nicht-apothekenüblichen Waren mehr verkaufen dürfen, haben die Pharmazeuten einen gemeinsamen Internetshop gegründet. (Foto: DAZ.online)


Seit dem 1. Januar 2016 dürfen Dänemarks Apotheker nur noch apothekenübliche Waren verkaufen. Um auch weiterhin Parfums, Babyartikel oder Kleidung verkaufen zu können, haben rund 100 Apotheker einen gemeinsamen Webshop gegründet. Die Handelskammer hält das für illegal - und kann jetzt einen ersten Erfolg verbuchen.

Der dänische Gesetzgeber wollte 2015 einen jahrzehntelangen Kampf zwischen dem Einzelhandel und den Apotheken beenden: Das Parlament verabschiedete daher zwei Gesetze. Ein Vorhaben sollte die Apotheker befrieden, die sich seit Jahren gegen Angriffe von Drogerieketten wehren. Insbesondere die Drogeriekette Matas hatte immer wieder – auch mit aggressiven Werbespots – gefordert, eigene In-Store-Apotheken eröffnen zu können. Mit dem ersten Apothekengesetz deregulierte der Gesetzgeber den Apothekenmarkt zwar, indem er den Apothekern erlaubte, bis zu sieben Filialen zu eröffnen und die Bedarfsplanung lockerte. Zu einer kompletten Abschaffung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes kam es jedoch nicht – ein Sieg für die Apotheker.

Mit dem zweiten Gesetz schränkte der Gesetzgeber allerdings das Apothekensortiment ein, um wiederum die Konkurrenz der Pharmazeuten für den Einzelhandel zu reduzieren. Konkret dürfen Apotheken seit Jahresbeginn neben Arzneimitteln nur noch Waren verkaufen, die „natürlich und angemessen“ in das Sortiment einer Apotheke passen. So dürfen in Dänemark in Apotheken neben Arzneimitteln beispielsweise keine Küchenartikel, Gesundheitsschuhe, Parfums, Make-up, Kleidung und Taschen oder Badeartikel verkauft werden. Die Arzneimittelbehörde hat eine Negativliste erstellt, an die sich die Apotheker halten müssen.

Doch so einfach wollen sich die Apotheker diesen Geschäftszweig nicht wegnehmen lassen. Seit Anfang des Jahres bietet die Internetseite www.apotekeren.dk ein sehr breites Spektrum von Waren an. Neben OTC-Arzneimitteln können die Nutzer Baby-Artikel, Deodorants, Zahnbürsten, Badeöle und Insektenschutzmittel kaufen – also genau solche Artikel, die auf der neuen Negativliste der Apotheker stehen.

Kreative Unternehmenskonstruktion der Apotheker

Die Geschäftskonstruktion von apotekeren.dk ist kreativ. Im Impressum der Seite heißt es: „Wenn sie Freihandelswaren einkaufen, sind Sie ein Kunde von ApoWebShop A/S. Wenn Sie Medikamente einkaufen, sind Sie ein Kunde der Øster Jølby Apotek in Erslev.“ Die ApoWebShop A/S ist ein Gemeinschaftsunternehmen von knapp 100 dänischen Apothekenbesitzern mit Sitz in Kopenhagen. In Dänemark gibt es rund 220 Apothekenbesitzer, an dem Internet-Start-Up ist also fast die Hälfte aller dänischen Apothekeninhaber beteiligt.

Der dänischen Handelskammer ist das Internet-Angebot ein Dorn im Auge. Vor einigen Wochen schickte die Kammer einen Beschwerdebrief an das Gesundheitsministerium. Darin kritisiert sich die Handelskammer über einen angeblichen Gesetzesverstoß der Apotheker. Gegenüber der Tageszeitung Politiken erklärte die Handelskammer: „Die Apotheker bekommen durch ihre Monopolstellung jährlich 58 Millionen Rezepte und somit eine solide Anzahl von Kunden. Die Apotheker haben es nie verpasst, diesen Kunden geschickt auch andere Produkte anzubieten. Durch das neue Gesetz hat sich an der Konkurrenzsituation einiges geändert. Wir können nicht akzeptieren, dass sie den Verkauf der nicht-apothekenüblichen Produkte einfach ins Internet verschieben.“

Inzwischen hat sich die Arzneimittelbehörde in den Streit eingemischt und angekündigt, das Internetangebot zu überprüfen. Das Apotheker-Unternehmen hat in den vergangenen Wochen schon einige Produkte aus dem Angebot genommen, unter anderem Gesundheitsschuhe und Handtücher. Zufrieden ist die Handelskammer aber noch nicht. Der Konkurrenzkampf zwischen den Apothekern und den Drogerieketten hat sich also aus den Fußgängerzonen ins Internet verlagert.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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