Dänemark

Investitionsboom im Apothekenmarkt

Berlin - 31.01.2017, 10:45 Uhr

108 neue Apotheken und 21 Millionen investierte Euro: Nach dem Modernisierungsgesetz verändert sich der dänische Apothekenmarkt weiterhin in einem rasanten Tempo. (Foto: fotolia / Polarpx)

108 neue Apotheken und 21 Millionen investierte Euro: Nach dem Modernisierungsgesetz verändert sich der dänische Apothekenmarkt weiterhin in einem rasanten Tempo. (Foto: fotolia / Polarpx)


Dänemarks Apothekenmarkt ist weiter im Umbruch. Seitdem der Gesetzgeber viele Regeln im Markt vor etwa anderthalb Jahren aufgehoben hat, haben 108 neue Apotheken eröffnet. Der Apothekerverband schwärmt von noch nie da gewesenen Investitionszahlen. Auch die Versorgung habe sich verbessert.

In den vergangenen Jahren war der dänische Apothekenmarkt von Unsicherheit geprägt. Immer wieder gab es politische Kräfte, die eine vollständige Deregulierung des Marktes forderten. Mal war es eine Regierung, die einen Gesetzentwurf zur Aufhebung von Fremd- und Mehrbesitzverbot vorlegte, mal war es die mächtige Drogeriekette Matas, die dafür lobbyiert, auch Arzneimittel verkaufen zu dürfen. Die Folge: Dänemarks Apothekenmarkt stand still. Zwischen den Jahren 2011 und 2014 wurden pro Jahr im Schnitt etwa 80 Millionen Kronen investiert (etwa 10 Millionen Euro). Neue Apotheken gab es so gut wie nie. Dänemark war bei der Apothekendichte abgeschlagenes EU-Schlusslicht.

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Mit dem „Apotheken-Modernisierungsgesetz“ versuchte der Gesetzgeber, einen Kompromiss zwischen den Liberalisierungs-Forderungen und den Apothekern zu finden. Apotheken dürfen weiterhin nur von Pharmazeuten eröffnet werden. Das Gesundheitsministerium muss auch weiterhin jede Neueröffnung einzeln genehmigen. Allerdings dürfen Apotheker nun bis zu sieben Filialen besitzen. Die Filialen dürfen maximal 75 Kilometer von der Hauptapotheke entfernt sein. Die Entfernung wird allerdings per Lineal auf der Landkarte gemessen. Es kann also dazu kommen, dass der Besitzer zwischen zwei Filialen Strecken von weit mehr als 150 Kilometern zurücklegen muss. Überraschenderweise wurde in dem Gesetz verankert, dass nicht in allen Filialen immer ein Apotheker anwesend sein muss. Nur in jedem dritten Betrieb des Verbundes muss ein Pharmazeut vor Ort sein.

Zum Jahresbeginn hat der Apothekerverband nun eine Studie dazu herausgegeben, wie sich der Markt seit der Liberalisierung entwickelt hat. Die erste Feststellung: Die 7-Filial-Regel hat zu einem erheblichen Anstieg bei der Apothekenzahl geführt. 108 neue Standorte gibt es bei unseren Nachbarn im Norden. Das entspricht einem Zuwachs von 35 Prozent. Somit steigt die Apothekenzahl in Dänemark derzeit schneller als nach den Komplett-Liberalisierungen in Schweden und Norwegen. In Schweden hob das Parlament im Jahr 2009 sowohl Fremd- als auch Mehrbesitzverbot auf und zerschlug die staatliche Apothekenkette, knapp zwei Jahre danach gab es 34 Prozent mehr Apotheken. In Norwegen wurde bereits 2001 dereguliert, 2003 war die Apothekenzahl um 26 Prozent angestiegen.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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