Rote-Hand-Brief

Verhütungsimplantat auf Wanderschaft

Stuttgart - 28.06.2016, 17:00 Uhr

Auch in der Apotheke sollte man bei der Abgabe darauf hinweisen, dass Implanon wandern kann. Hier das Bild aus einer Broschüre. (Foto: Screeshot / DAZ).

Auch in der Apotheke sollte man bei der Abgabe darauf hinweisen, dass Implanon wandern kann. Hier das Bild aus einer Broschüre. (Foto: Screeshot / DAZ).


Das implantierbare Kontrazeptivum Implanon-NXT sitzt direkt unter der Haut auf der Oberarm-Innenseite. Man kann es tasten – eigentlich. In seltenen Fällen scheint das Implantat nämlich zu wandern. In einem Rote-Hand-Brief beschreibt der Hersteller, was zu tun ist, wenn Implanon nicht mehr tastbar ist und wie das Risiko minimiert werden kann.

Implanon® NXT (als Import-Arzneimittel auch unter der Bezeichnung Nexplanon®) ist ein biologisch nicht abbaubares, flexibles Ethylenvinylacetat-Implantat in Stäbchenform – 4 cm lang, 2 mm im Durchmesser. Es wird unter die Haut des Oberarms eingelegt. Dort setzt es kontinuierlich das Gestagen Etonogestrel frei. Zudem enthält es eine geringe Menge Bariumsulfat. Dadurch ist das Implantat im Röntgen sichtbar. Implanon® NXT schützt drei Jahre vor einer Schwangerschaft, bei übergewichtigen Frauen möglicherweise etwas kürzer. Daher eignet es sich für Frauen, die eine längerfristige Östrogen-freie Verhütungsmethode wünschen. Spätestens nach drei Jahren muss das Stäbchen dann entfernt werden.

Im Brustraum, der Lunge und den Gefäßen

Allerdings scheint es nicht immer an Ort und Stelle zu bleiben. Darauf weist Hersteller MSD in einem Rote-Hand-Brief hin. Es habe Fälle gegeben, in denen Implantate in Gefäßen, in der Lunge und im Brustraum gefunden wurden, heißt es. Wenn Implanon im Arm nicht mehr auffindbar sei, solle daher auch im Brustraum mit bildgebenden Verfahren gesucht werden, rät MSD. Können Anwenderinnen das Implantat nicht mehr tasten, ist der behandelnden Arzt zu kontaktieren. Darauf müssen die Frauen hingewiesen werden, auch bei der Abgabe in der Apotheke. Nicht tastbare Implantate sollen gesucht und entfernt werden, empfiehlt der Hersteller.

Die Inzidenz der sogenannten Implantatmigration wird auf circa 1,3 pro eine Million verkaufter röntgendichter Implantate beziffert. Das ergab eine eine kumulative Recherche in der globalen Sicherheitsdatenbank (August 1998 bis April 2015).

Heute geänderte Zusammensetzung

Bereits im Jahr 2006 hatte die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft über einen Fall von Implantatmigration berichtet (siehe DAZ Nr. 27 vom 6. Juli 2006). Allerdings war es damals das Vorgängerpräparat des heute verfügbaren Implanon® NXT. Bei einer 21-jährigen Anwenderin war das Implantat trotz Ultraschall, MRT und operativer Eingriffe nicht mehr auffindbar. Der Hersteller war daraufhin aufgefordert worden, die Zusammensetzung zu ändern. Es müsse im Röntgen sichtbar sein, so die Auflage. Außerdem musste die Gebrauchsinformation angepasst werden.

Implanon® NXT befindet sich in einem vorgeladenen Einmalapplikator. Um das Risiko zu minimieren, soll Implanon® nur von Ärzten eingelegt und entfernt werden, die ein entsprechendes Training absolviert haben. Darauf weist MSD in dem Rote-Hand-Brief explizit hin. Gegebenenfalls solle die Einlage oder Entfernung unter Supervision erfolgen, heißt es weiter. Darüber hinaus sind die Angehörigen Heilberufe angehalten, Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) sowie Qualitätsmängel zu melden, beispielsweise an die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker.

Schwerpunkt Verhütung

Orale Kontrazeptiva verhüten sicher eine Schwangerschaft. Doch nicht alle Frauen wollen Hormone einnehmen. Mit Kondom, Diaphragma, symptothermaler Methode und chemischen Verhütungsmitteln stehen nicht-hormonelle Methoden alternativ zur Verfügung. Doch egal welche Methode - Pannen sind möglich. Dann heißt es Nerven bewahren, richtig rechnen und, bei Bedarf, zur Pille oder Spirale „danach“ greifen.

Alles wichtige zum Thema „Verhütung" lesen Sie im Schwerpunkt in DAZ Nr. 16/2016. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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