Evaluationsergebnisse

HZV reduziert Arzneimitteltherapiekosten

Berlin - 09.09.2014, 15:32 Uhr


Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) führt nicht nur zu einer besseren Betreuung der Patienten, sondern senkt auch die Ausgaben – etwa für die ambulante Pharmakotherapie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Evaluation der Universitäten Frankfurt/Main und Heidelberg zur HZV in Baden-Württemberg. Die HZV sei zwar „kein Sparmodell“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, bei der heutigen Vorstellung in Berlin – aber der Beweis dafür, dass mehr Qualität und Effizienz im deutschen Gesundheitswesen möglich seien.

In die zweite Evaluation flossen die Daten von 1,2 Millionen AOK-Versicherten aus den Jahren 2011/12 ein –  die von 600.000 HZV-Versicherten wurden mit 600.000 regulär Versicherten verglichen. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die Betreuungsintensität beim Hausarzt in der HZV-Gruppe, mit über drei Kontakten mehr, deutlich höher lag als in der Vergleichsgruppe. Die Anzahl der Facharztkontakte war bei den HZV-Versicherten hingegen insgesamt niedriger. Beides spreche für eine intensivere Patientenversorgung und eine bessere Steuerung in der HZV, so die Schlussfolgerung. Zudem könnten in der HZV viele vermeidbare Krankenhauseinweisungen verhindert werden (9000 in den Jahren 2011/12).

Darüber hinaus zeigte sich, dass die Pharmakotherapiekosten im ambulanten Bereich für alle Altersgruppen der HZV-Versicherten über 100 Euro geringer ausfielen als in der Kontrollgruppe – ohne Rabattberücksichtigung. Nach Meinung der Studienautoren ein Indiz dafür, dass die über 300 Pharmakotherapie-Qualitätszirkel für HZV-Hausärzte wirken. HZV-Ärzte verordneten 33 Prozent (2011) bzw. 37 Prozent (2012) weniger Me-too-Präparate. Zudem sei die Arzneimittelversorgung zielgerichteter: Älteren HZV-Versicherten (ab 65 Jahren) wurden in geringerem Umfang Neuroleptika außerhalb der zugelassenen Indikationen verschrieben (1,1 %) als der Vergleichsgruppe (1,4 %). Auch Sedativa für einen längeren Zeitraum als sechs Wochen erhielten diese HZV-Versicherten weniger.

Das HZV-System spart nicht nur Kosten: Die AOK Baden-Württemberg investierte allein im Jahr 2013 über 300 Millionen Euro in den Hausarztvertrag, erklärte ihr Chef Hermann. Dass überflüssige Kosten vermieden und Falschversorgungen abgebaut werden, sei das eine. Nicht vergessen werden solle, dass die HZV eine Neujustierung des Systems darstelle – und mit ihr der Beweis erbracht werde, dass bessere Patientenversorgung und Wirtschaftlichkeit „zwei Seiten einer Medaille“ seien. Dr. Berthold Dietsche, Vorsitzender des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, verwies auf die durch die HZV steigende Zufriedenheit bei Patienten und dem gesamten Praxisteam. Auch die finanzielle Aufwertung sei nicht zu verachten. HZV-Ärzte erhalten eine Fallpauschale von 85 Euro.


Juliane Ziegler


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