Neurodegeneration

Kausale Therapie der Parkinson-Erkrankung in Sicht

Jupiter/Florida - 21.02.2011, 16:00 Uhr


Wissenschaftler in den USA haben einen Wirkstoff gefunden, der bei Labormäusen und -ratten die Parkinson-Erkrankung nahezu zum Stillstand bringt. Sie sind optimistisch, dass sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen und dass in etwa sieben Jahren das erste Medikament zur kausalen Therapie dieser neurodegenerativen Erkrankung zugelassen werden könnte.

Ursache der Parkinson-Erkrankung ist der Tod von Nervenzellen in der Substantia nigra, die Dopamin synthetisieren, woraus ein pathologischer Dopaminmangel folgt. Die Erkrankung lässt sich derzeit nur symptomatisch durch den Ausgleich oder die Milderung des Dopaminmangels behandeln, wobei die eingesetzten Arzneistoffe auf die Dauer in ihrer Wirksamkeit nachlassen und zudem mit unerwünschten Nebenwirkungen behaftet sind.

Ein Team unter Philip LoGrasso am Scripps Research Institute in Jupiter, Florida, das seit 2008 von den National Institutes of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) großzügig finanziell gefördert wird, widmet sich bei ihrer Suche nach Wirkstoffen zur Therapie der Parkinson-Erkrankung insbesondere kleinen Molekülen, die oral appliziert werden können und die Blut-Hirn-Schranke überwinden.

Erstmals ist es diesem Team jetzt gelungen, dopaminerge Neuronen, die durch die Exposition gegenüber toxischen Substanzen wie Methylphenylpyridin (MPP+) oder Methylphenyltetrahydropyridin (MPTP) existenziell geschädigt waren, durch die Gabe des Moleküls SR-3306 am Leben zu erhalten. Und zwar betrug die Überlebensrate in Zellkulturen 90 Prozent, in Labormäusen 72 Prozent.

Bei Ratten mit einer durch Hydroxydopamin (6-OHDA) hervorgerufenen Parkinson-Erkrankung wurden 30 Prozent der dopaminergen Neuronen mithilfe von SR-3306 gerettet, genug, um die durch den Dopaminmangel ausgelösten Bewegungsstörungen um 90 Prozent zu reduzieren. LoGrasso schloss daraus, dass SR-3306 imstande ist, das Fortschreiten der Parkinson-Erkrankung zu stoppen.

SR-3306, das als heterozyklisch disubstituiertes Anilin oder auch Aminopyrimidin angesehen werden kann, entfaltet seine Wirkung über eine Hemmung von c-jun-N-terminalen Kinasen. Diese Enzyme mit der Kurzbezeichnung JNK (sprich wie engl. junk) sind wesentlich für Absterben der dopaminergen Neuronen verantwortlich, weshalb die Arbeitsgruppe um LoGrasso systematisch nach einem potenten JNK-Inhibitor gesucht hat. SR-3306 hat die Erwartungen erfüllt und soll demnächst an Primaten getestet werden. LoGrasso meint, dass der Wirkstoff in etwa sieben Jahren den Parkinson-Patienten als Arznei zur Verfügung stehen könnte.

Quellen: Chambers JW, et al. Small Molecule c-jun-N-Terminal Kinase Inhibitors Protect Dopaminergic Neurons in a Model of Parkinson’s Disease. ACS Chem Neurosci 2011; doi: 10.1021/cn100109k. - Crocker CE, et al. JNK Inhibition Protects Dopamine Neurons and Provides Behavioral Improvement in a Rat 6-Hydroxydopamine Model of Parkinson’s Disease. ACS Chem Neurosci, 2011; doi: 10.1021/cn1001107.


Dr. Wolfgang Caesar


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