Arzneimittel und Therapie

Lebensretter Hydrocortison

Weniger Todesfälle bei hospitalisierten Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie

Patienten, die aufgrund einer ambulant erworbenen Pneumonie intensivmedizinisch betreut werden müssen, haben ein hohes Mortalitätsrisiko. Wie in einer Studie nun gezeigt wurde, kann dieses Risiko durch Hydrocortison gesenkt werden. So wiesen Patienten, die zusätzlich zur Standardtherapie Hydrocortison erhielten, nach 28 Tagen ein wesentlich geringeres Sterbe­risiko auf als Patienten ohne Hydrocortison.
Foto: pichitstocker/AdobeStock

Pneumonien (s. Kasten „Formen der Pneumonie“) gehören nach wie vor zu den führenden Todesursachen, insbesondere, wenn sie im Zusammenhang mit einer Infektion auftreten. So liegt die Mortalitätsrate von Patienten, die aufgrund einer ambulant erworbenen Lungenentzündung hospitalisiert werden müssen, bei schätzungsweise 10 bis 12%. Ist eine Beatmung erforderlich, steigt sie auf rund 30%. Da Pneumonien mit pulmonalen und systemischen Entzündungen einhergehen, liegt die Gabe von Glucocortico­iden nahe. So konnte auch in mehreren randomisierten klinischen Studien ein günstiger Einfluss von Glucocorticoiden auf den Verlauf einer ambulant erworbenen Lungenentzündung nachgewiesen werden – umfangreiche Daten zur Mortalität fehlen indes. Dies wurde nun in einer in Frankreich durchgeführten Interventionsstudie nachgeholt.

Formen der Pneumonie

Als ambulant erworbene Pneumonie (community acquired pneumonia, CAP) wird eine Pneumonie bezeichnet, die außerhalb vom Krankenhaus bzw. innerhalb der ersten 48 Stunden nach Krankenhausaufnahme bei immunkompetenten Patienten auftritt. Die CAP wird von der nosokomial erworbenen Pneumonie (hospital acquired pneumonia, HAP) unterschieden, da sich das zu erwartende Erregerspektrum zum Teil deutlich unterscheidet. Die Pneumonie von immunkompromittierten Patienten ist als dritte Entität abzugrenzen, da auch hier neben den Erregern der CAP mit Erregern wie z. B. Pneumocystis jirovecii oder Pilzen und Viren in Abhängigkeit des zugrunde liegenden Immundefektes zu rechnen ist.

[Quelle: Informationen der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie e. V., infektiopedia.de]

Für die multizentrische, doppelblinde, kontrollierte Studie wurden 800 Erwachsene randomisiert, die aufgrund einer schweren ambulant erworbenen Pneumonie auf eine Intensivstation eingewiesen worden waren. Alle Patienten erhielten eine Standardtherapie (antibiotische und supportive Therapie), die Hälfte von ihnen zusätzlich Hydrocortison gemäß folgendem Schema: täglich 200 mg Hydrocortison i.v. je nach Ansprechen entweder vier oder acht Tage lang, gefolgt von einer Ausschleichphase über acht oder 14 Tage hinweg. Der primäre Studienendpunkt war Tod jeder Ur­sache bis Tag 28. Nach einer geplanten Interims­analyse wurde die Studie vorzeitig gestoppt. Zur Auswertung standen die Daten von 400 Patienten der Hy­drocortison-Gruppe und 395 der Vergleichsgruppe zur Verfügung.

Mortalität deutlich verringert

Bis zum Tag 28 waren 6,2% der Patienten der Hydrocortison-Gruppe und 11,9% der Vergleichsgruppe gestorben – das entspricht einer absoluten Differenz von -5,6% und war statistisch signifikant (p = 0,006). Auch nach 90 Tagen war der Vorteil einer Hydrocortison-Therapie noch offenkundig, was die jeweiligen Mortalitätsraten zeigen (9,3% in der Hydrocortison-Gruppe vs. 14,7% in der Vergleichsgruppe).

Auch in Untergruppen zeigte sich der Benefit einer Hydrocortison-Gabe. Von den Patienten, die anfänglich nicht mechanisch beatmet wurden, mussten 18,0% der Hydrocortison-Gruppe und 29,5% der Vergleichsgruppe endotracheal beatmet werden (Hazard Ratio [HR] = 0,59).

Von den Patienten, die anfänglich keine vasopressorischen Wirkstoffe benötigten, war dies bis Tag 28 bei 15,3% der Hydrocortison-Gruppe (55 von 359) und bei 25,0% der Vergleichsgruppe (86 von 344) der Fall (HR = 0,59).

Die Häufigkeit gastrointestinaler Blutungen und nosokomialer Infektionen war in beiden Gruppen vergleichbar. Insulin-pflichtige Diabetiker der Hydrocortison-Gruppe benötigten in der ersten Woche höhere Insulin-­Dosierungen, was den pharmako­dynamischen Wirkungen der Glucocorticoide geschuldet war. |

Literatur

Community-Acquired Pneumonia: Evaluation of Corticosteroids (CAPE_COD). Studienregister ClinicalTrials.gov, Registernummer: NCT02517489

Dequin PF. et al. Hydrocortisone in Severe Community-Acquired Pneumonia. N Engl J Med 2023, doi: 10.1056/NEJMoa2215145

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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