Arzneimittel und Therapie

Hoher Blutzucker bei Pneumonie erhöht Sterberate

Auch milde akute Hyperglykämie ist gefährlich

Leicht erhöhte Blutzuckerwerte galten bislang als eher günstig für Patienten auf Intensivstationen, da man von einer Verbesserung der Glucoseverfügbarkeit für das Gehirn ausging. Die Auswertung der Daten einer multizentrischen prospektiven Kohortenstudie zeigt jetzt eine deutlich erhöhte Mortalität von Personen, die wegen einer ambulant erworbenen Pneumonie hospitalisiert wurden, auch wenn bei diesen nur milde oder moderate Erhöhungen des Blutzuckerwerte nachgewiesen wurden.
Foto Ducane Medical Imaging LtdSPLAgentur Focus
Bei Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie sind auch mild oder moderat erhöhte Serumglucose-Werte mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko verbunden.

Im Gegensatz zu Lungenentzündungen, die im Zusammenhang mit dem Aufenthalt in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung stehen, werden bei einer ambulant erworbenen Pneumonie (community-acquired pneumonia; CAP) die auslösenden Erreger außerhalb aufgenommen. Die ambulant erworbene Pneumonie gilt als eine der weltweit bedeutendsten Infektionserkrankungen. Sie ist mit einem hohen Sterblichkeitsrisiko behaftet. Allein in Deutschland erkranken rund 680.000 Menschen pro Jahr an CAP, von denen ein erheblicher Anteil im Krankenhaus behandelt werden muss. Mit einer Inzidenz von 2 bis 5 pro 1000 ist die CAP Gegenstand von Untersuchungen durch das Kompetenznetz ambulant erworbene Pneumonie (CAPNETZ), einem Verbund von Krankenhäusern und Privatpraxen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Mortalität gegenüber Nicht-Diabetikern erhöht

Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hat jetzt die Patientendaten von fast 6900 Personen ausgewertet, die zwischen 2003 und 2009 im CAPNETZ mit einer ambulant erworbenen Pneumonie erfasst wurden. Patienten mit einem bereits bestehenden Diabetes mellitus erkranken aufgrund der gestörten Immunabwehr grundsätzlich leichter an einer Lungenentzündung und bis zu 25% von ihnen an einer ambulant erworbenen Pneumonie. Der Anteil dieser Patientengruppe betrug im Rahmen der Studie 16% bei einem nahezu 2,5-fach erhöhten Mortalitätsrisiko.

Mortalitätsrate abhängig von der Glucosekonzentration

Im Gegensatz zu bisherigen Auffassungen zeigte die Auswertung der CAPNETZ-Daten allerdings einen von der Glucosekonzentration abhängigen Anstieg der Mortalitätsrate. Auch für Patienten mit nur milder oder moderater akuter Hyperglykämie (Serumglucose 6 bis 10,99 mmol/l) konnte ein erhöhtes Sterberisiko nachgewiesen werden. Im Vergleich zu Patienten mit normalen Glucosewerten war die Mortalität um 56% erhöht. Bereits eine frühere dänische Studie hatte eine höhere Mortalität für hyperglykämische Pneumoniepatienten ohne Diabetes nach 30 Tagen nachgewiesen.

Die Autoren halten größere Studien für notwendig, um optimale Serumglucose-Konzentrationen zu definieren und eine angepasste mögliche Arzneimitteltherapie zu entwickeln und damit die Mortalität von CAP-Patienten zu senken. Dabei sollten Patienten, die gemäß der Risikoklassifizierung nach CRB-65 sehr niedrig eingestuft werden, bevorzugt berücksichtigt werden, da der Zusammenhang zwischen Serumglucose-Wert und Mortalität bei ihnen offensichtlich besonders stabil war.


Quelle

Lepper, P.M.; et al.: Serum glucose levels for predicting death in patients admitted to hospital for community acquired pneumonia: prospective cohort study. BMJ 2012; 344 doi: 10.1136/bmj.e3397; Vorabveröffentlichung vom 29. Mai 2012.

Kornum, J.B.; et al.: Type 2 diabetes and pneumonia outcomes: a population-based cohort study. Diabetes Care 2007; 30(9): 2251 – 2257.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2012, Nr. 23, S. 45

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