Pharmacon Meran 2013

Therapie und Prophylaxe ambulant erworbener Lungenentzündungen

Die Behandlung einer ambulant erworbenen Pneumonie orientiert sich an der aktuellen Leitlinie, die Therapieempfehlungen für unterschiedliche Patientengruppen ausspricht. Wichtige Bausteine der Prophylaxe sind Impfungen. Welche Arzneimittel und Impfstoffe derzeit eingesetzt werden können, erläuterte Prof. Dr. Thomas Weinke, Potsdam.
Pharmacon Meran 2013 Der 51. internationale Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer widmete sich Lungen-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen.
Foto: DAZ/du

Der Leitkeim einer ambulant erworbenen Pneumonie (CAP, community-acquired pneumonia) ist Staphylococcus pneumoniae. Weitere mögliche Krankheitserreger sind Mycoplasma pneumoniae, Haemophilus influenzae, Legionella spp., Enterobacteriaceae, Staphylococcus aureus sowie respiratorische Viren. Um die Schwere der Pneumonie einzuschätzen und eine Risikostratifizierung vornehmen zu können, greift man auf den CRB-65-Score zurück, in den das Alter des Patienten sowie klinische Symptome (Bewusstseinstrübung, Atemfrequenz, Blutdruck) einfließen. Bei geringem Risiko ist eine ambulante Behandlung, bei hohem Risiko eine Einweisung ins Krankenhaus angezeigt.

Patienten, die ambulant therapiert werden können, werden je nach Vorliegen von Risikofaktoren (Vorbehandlung mit Antibiotika, chronische internistische oder neurologische Begleiterkrankungen, Pflegeheimbewohner) in zwei Gruppen eingeteilt (s. Tab.):

  • Bei Patienten ohne Risikofaktoren wird die Gabe von hoch dosiertem Aminopenicillin (Amoxicillin) empfohlen; bei Penicillinunverträglichkeit kann mit einem Makrolid (Azithromycin, Clarithromycin, Roxithromycin) oder Doxycyclin behandelt werden.

  • Wenn Risikofaktoren vorliegen, wird die Kombination von hoch dosiertem Aminopenicillin mit einem Betalactamase-Inhibitor (Clavulansäure) oder Sultamicillin empfohlen. Bei Therapieversagen oder Penicillinunverträglichkeit ist die Gabe von Fluorchinolonen (Levofloxacin, Moxifloxacin) möglich.

  • Die Behandlung erfolgt oral und dauert fünf bis sieben Tage.


    Tab.: Therapieempfehlungen bei einer leichten, unkomplizierten CAP
    gemäß der S3-Leitlinie

    Arzneistoff
    Dosierung (pro Tag)
    Therapiedauer
    Patient ohne Risikofaktoren, Mittel der Wahl
    Amoxicillin
    ≥ 70 kg KG: 3 x 1 g
    < 70 kg KG: 3 x 0,75 g
    5 – 7 Tage
    Alternativen
    Azithromycin
    1 x 500 mg
    3 Tage
    Clarithromycin
    2 x 500 mg
    5 – 7 Tage
    Roxithromycin
    1 x 300 mg
    5 – 7 Tage
    Doxycyclin
    1 x 200 mg initial
    ≥ 70 kg KG: 1 x 200 mg
    < 70 kg KG: 1 x 100 mg
    5 – 7 Tage
    Patient mit Risikofaktoren, Mittel der Wahl
    Amoxicillin + Clavulansäure
    2 x (875 mg + 125 mg)
    5 – 7 Tage
    Sultamicillin
    2 x 0,75 g
    5 – 7 Tage
    Alternativen
    Levofloxacin
    1 x 500 mg
    5 – 7 Tage
    Moxifloxacin
    1 x 400 mg
    5 – 7 Tage

    Präventive Impfungen

    Prof. Dr. Thomas Weinke Foto: DAZ/pj

    Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung einer Pneumonie sind Impfungen und der Verzicht auf Rauchen, da inhalativer Tabakkonsum die mukoziliäre Clearance beeinträchtigt. Zur Impfung gegen Pneumokokken stehen Polysaccharid-Impfstoffe (Pneumovax®, 23-valent) und Konjugat-Impfstoffe (Prevenar13®, 13-valent sowie Synflorix®, 10-valent) zur Verfügung. Polysaccharid-Impfstoffe sind T‑Zell-unabhängige Antigene und können daher nicht geboostert werden. Konjugat-Impfstoffe enthalten einen T-Zell-stimulierenden Komplex und erzeugen eine länger anhaltende Immunantwort.

    Die STIKO empfiehlt, Kleinkinder mit einem Konjugat-Impfstoff gegen Pneumokokken zu impfen.

    Für über 60-Jährige wurde bis vor Kurzem eine Impfung mit der Polysaccharid-Vakzine empfohlen. Diese Empfehlung wurde auf Betreiben des Gemeinsamen Bundessauschusses (G-BA) überarbeitet, sodass nun auch ältere Menschen mit der effektiveren Konjugat-Vakzine geimpft werden können.

    Für ältere Menschen und Patienten mit chronischen Erkrankungen wird ferner eine jährliche Influenza-Impfung empfohlen, da diese Impfung eine umfassende Schutzwirkung im Hinblick auf respiratorische Erkrankungen, Pneumonien und Hospitalisierung aufweist.


    Symptome einer Pneumonie


    Die charakteristischen Symptome einer Lungenentzündung beschreibt Thomas Mann in dem Roman "Buddenbrooks" im Zusammenhang mit der Krankengeschichte der Konsulin.

    "Der Puls aber ging schlecht, das Fieber stieg desto höher, nachdem es ein wenig gefallen war und warf sie [die Konsulin] aus Schüttelfrösten in hitzige Delirien, der Husten, der mit inneren Schmerzen verbunden war und blutigen Auswurf zu Tage förderte, nahm zu, und Atemnot ängstigte sie".

    Aus Thomas Mann: Buddenbrooks. Fischer Verlag, 11. Aufl. 2011, S. 561.

    S3-Leitlinie (Update 2009)


    Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobielle Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbenen tiefen Atemwegsinfektionen (akute Bronchitis, akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis, Influenza und andere respiratorische Virusinfektionen) sowie ambulant erworbener Pneumonie.

    Leitlinie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie, der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und des Kompetenznetzwerks CAPNETZ; abrufbar unter www.awmf.org.


    pj

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