Arzneimittel und Therapie

Beruhigende Daten zur Impfung gegen Rotaviren

Kein Zusammenhang mit Darminvagination

Impfen oder nicht? Diese Frage stellen sich so manche besorgten Eltern, wenn es um den Schutz vor Rotaviren geht. Schließlich wird auf das potenzielle Risiko einer Darmeinstülpung hingewiesen. Doch die Angst scheint unbegründet: Die Ergeb­nisse einer Metaanalyse mit Daten von 200.000 Kindern wider­legen den Verdacht.

Die Impfung gegen Rotaviren zählt seit August 2013 zu den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen für alle Säuglinge unter sechs Monaten. Allerdings äußerte das der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugehörige Global Advisory Committee on Vaccine Safety (GAVS) im Jahr 2011 die Vermutung, dass zwischen einer Impfung gegen Rotaviren und dem gehäuften Auftreten einer Darminvagination ein Zusammenhang bestehen könnte [1]. Dieser Verdacht wurde auch 2013 von der STIKO [2] und 2015 vom Paul-Ehrlich-Institut [3] kommuniziert. Den Kinderärzten wurde empfohlen, die Eltern auf das potenzielle Risiko hinzuweisen und über die Symptome einer Darminvagination aufzuklären (s. Kasten). In der Folgezeit wurden mehrere internationale Untersuchungen zu einem möglichen Zusammenhang zwischen einer Impfung gegen Rotaviren und dem erhöhten Risiko einer Darminvagination durchgeführt. Da diese widersprüchliche Ergebnisse zeigten, führte eine chinesische Arbeitsg­ruppe einen systematischen Review und eine Metaanalyse zu dieser Fragestellung durch [4].

Darminvagination

Darminvagination (Synonym Intussuszeption) ist eine Einstülpung eines proximalen Darmabschnitts in den distalen Darmanteil. Symptome sind krampfartige Bauchschmerzen, Nahrungsverweigerung, Erbrechen, ungewöhnliches Schreien und blutiger Stuhl. Eine rasche Reposition durch den Arzt führt in der Mehrzahl der Fälle zur Heilung. Bei komplizierteren Verläufen kann eine Operation notwendig werden. Die Inzidenz beträgt in Deutschland etwa 60 bis 100 Fälle auf 100.000 Säuglinge innerhalb des ersten Lebensjahres.

Zur Auswertung kamen 25 randomisierte klinische Studien, in denen das Risiko einer Darminvagination bei Neugeborenen und Kleinkindern nach einer Impfung gegen Rotaviren mit Placebo-Gruppen verglichen wurde. Der primäre Studienendpunkt war das Auftreten einer Darminvagination. 104.647 Kinder hatten eine Vakzine gegen Rotaviren erhalten, 95.947 ein Placebo. Für die Impfung waren der monovalente Impfstoff Rotarix® (in elf Studien), der pentavalente Impfstoff Rotateq® (in zehn Studien) sowie drei weitere orale Impfstoffe (in insgesamt vier Studien) verwendet worden. Ermittelt wurde das Risiko einer Darminvagination nach 31 Tagen sowie nach einem und zwei Jahren nach der Impfung.

Foto: Kirill Gorlov – stock.adobe.com

Eine Impfung gegen Rotaviren bietet wirksamen Schutz vor dem häufigsten Durchfallerreger im Säuglings- und Kleinkindalter.

Innerhalb von 31 Tagen nach der Impfung wurden 20 Fälle einer Darm­invagination registriert: Elf Fälle (55%) bei Kindern, die eine Vakzine gegen Rotaviren erhalten hatten, und neun Fälle in der Placebo-Gruppe (45%). Das relative Risiko wurde mit 1,14 ermittelt (95%-Konfidenzintervall 0,49 bis 2,64). Der Unterschied war nicht signifikant (p = 0,77). Nach einem Jahr waren in jeder Gruppe 37 Fälle einer Darminvagination aufgetreten, nach zwei Jahren 29 Fälle bei den geimpften Kindern und 30 Fälle in der Pla­cebo-Gruppe. |

Literatur

[1] World Health Organization (WHO). Safety of Rotarix and Rotateq vaccines. www.who.int; Abruf am 29. Oktober 2019

[2] Robert Koch-Institut (RKI). Schutzimpfung gegen Rotaviren: Häufig gestellte Fragen und Antworten. www.rki.de; Abruf am 29. Oktober 2019

[3] Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Information des Paul-Ehrlich-Instituts zu Fällen von Darminvagination nach Impfung gegen Rotavirus-Gastroenteritis. www.pei.de; Abruf am 29. Oktober 2019

[4] Hai-Ling Lu et al. Association Between Rotavirus Vaccination and Risk of Intussusception Among Neonates and Infant: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Netw Open 2019;2(10):e1912458

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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