Foto: Chris – stock.adobe.com

Beratung

Husten, Schleim und Atemnot

Nicht-medikamentöse Hilfe für Patienten mit COPD

Husten und Atemnot insbesondere unter Belastung – solche Symptome sollte man nicht als harmlose Erkältung abtun, vor allem dann nicht, wenn der Patient wiederholt nach einem Schleimlöser fragt. In solchen Fällen ist auch an eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zu denken. Bei der Früh­diagnose ist in besonderem Maße der Apotheker gefragt, da Patienten dazu neigen, die Beschwerden zu verharmlosen, um nicht einen Arzt konsultieren zu müssen. Auch wenn die Diagnose COPD steht, bleibt der Apotheker ein wichtiger Ansprechpartner des Patienten. Denn dieser steht aufgrund seiner Symptomatik oft unter großem Leidensdruck und hat einen hohen Beratungsbedarf. | Von Christine Vetter

Bei der COPD (chronic obstructive pulmonary disease) handelt es sich um ein schweres, in aller Regel progredientes Krankheitsbild. Die Prognose der Patienten ist umso besser, je früher die Diagnose gestellt und eine effektive Therapie eingeleitet wird, angefangen vom Rauchstopp bis hin zur medikamentösen Behandlung. Dem aber steht entgegen, dass die Betroffenen den Gang zum Arzt scheuen, oftmals aus Sorge, gesagt zu bekommen, dass sie krank seien und mit dem Rauchen aufhören müssten. „Diese Botschaft hören Raucher sehr ungern“, erläutert Dr. Michael Barczok aus Ulm. Der niedergelassene Lungenfacharzt wünscht sich deshalb die Unterstützung durch die Apothekerschaft: „Wir könnten manchen Patienten frühzeitiger adäquat behandeln, wenn die Apotheker auffällige Kunden gezielt ansprechen und ihnen einen Arztbesuch empfehlen würden“.

Übrigens haben Raucher laut Barczok seit Kurzem Anspruch darauf, im Rahmen eines Disease-Management-Programms (DMP) an einem Nicotin-Entwöhnungsprogramm teilzunehmen. Die Kosten der Teilnahme am Programm werden von der Krankenkasse übernommen. Weiterhin nicht durch die Krankenkassen erstattet werden jedoch Medikamente zur Nicotin-Entwöhnung.

Screening mit einfachen Maßnahmen

Üblicherweise sieht der Pneumologe laut Barczok COPD-Patienten erst, wenn rund 50% der Lungenleistung bereits verloren sind. Dann aber sind die therapeutischen Möglichkeiten limitiert. Besser wäre eine Frühdiagnose, was jedoch voraussetzt, dass frühzeitig ein Arzt konsultiert wird. Motivierend wirken kann dabei eine Messung der Lungenfunktion in der Apotheke. Doch es geht auch einfacher, so Barczok: „Man nimmt ein DIN A4-großes Blatt Papier mit einer Stärke von 120 Gramm, faltet dieses in der Breite und stellt es auf einen Tisch oder auf die Theke. Dann sollte man Männer bitten, zwei Meter und Frauen eineinhalb Meter zurückzutreten und das Blatt Papier umzupusten“. Gelingt das, so ist von einer FEV1 von mindestens 50% auszugehen. Die Einsekundenkapazität FEV1 beschreibt die größtmögliche Menge an Luft, die man innerhalb von einer Sekunde forciert ausatmen kann. Gelingt das Umpusten jedoch nicht, kann das ein überzeugendes Argument für den Patienten sein, doch endlich seinen Arzt zu konsultieren. „Es handelt sich nur um einen grob orientierenden Screeningtest. Er besitzt jedoch in vielen Fällen mehr Überzeugungskraft als die Frage, wie viele Treppen der Betreffende noch steigen kann“, so Barczok.

Auch wenn die Diagnose steht und eine Therapie eingeleitet wurde, haben Menschen mit COPD oft weiterhin Beschwerden wie eine ausgeprägte Atemnot, Husten und Sputumbildung. Den COPD-Patienten stören laut Barczok insbesondere der Husten und die Schleimbildung, bei beiden Symptomen erwartet er Hilfe von seinem Apotheker. Dabei gibt es unabhängig von der medikamentösen Therapie eine Reihe einfacher nicht-medikamentöser Maßnahmen, die dem Patienten das Leben erleichtern können.

Hilfreich ist der „zärtliche Husten“

Geben die Betroffenen einen Reizhusten als besonders quälend an, so sind Informationen über die richtige Hustentechnik sinnvoll. Der Patient soll laut Barczok nicht einfach „drauflos husten“. Er soll vielmehr einen „zärtlichen Husten“ anstreben, also zunächst leicht anzuhusten und erst danach mit vorgehaltener Hand und der von der Asthmaschulung bekannten Lippenbremse weiterhusten (Kasten „Lippenbremse“). Denn beim starken Husten prallen die Schleimhäute in den Atemwegen immer wieder aufeinander, was auf längere Sicht Entzündungsreaktionen den Weg bereitet, damit die Schleimhäute anschwellen lässt und einen neuen Hustenreiz auslöst.

Lippenbremse

Mit dieser Atemtechnik soll der Atemstrom abgebremst und der Druck in den Atemwegen erhöht werden, so dass sich die Bronchien weiten können. Dazu atmet man erst langsam und tief durch die Nase ein. Das Ausatmen ist dann der entscheidende Schritt: Die Lippen werden nur einen Spalt weit geöffnet, so dass ein leichter Widerstand entsteht. Dann sollte solange wie möglich gegen leicht geschlossene Lippen ausgeatmet werden. Dabei darf die Luft nicht mit viel Druck herausgepresst werden, dass sich die Backen blähen, sondern sie soll langsam und gleichmäßig entweichen. Das Aus­atmen sollte dabei länger dauern als das Einatmen.

Dem lässt sich durch eine gute Hustentechnik entgegenwirken. Denn greift die Lippenbremse, so ist der Druck im Inneren der Atemwege weniger groß, es bleibt ein kleines Luftpolster in den Bronchien, wodurch die Schleimhäute weniger stark aufeinanderschlagen, sondern sich, so Barczok, „quasi zärtlich berühren“.

Neue Klassifizierung in vier ­Feldern

Die Empfehlungen der GOLD-Initiative (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease) zur Diagnostik und Therapie der COPD basieren auf einer sogenannten Vierfelder-Tafel, deren Inhalte Anfang dieses Jahres aktualisiert wurden. Die wichtigste Neuerung: Die aktualisierte Version schließt die Lungenfunktion nicht mehr ein. Diese wird vielmehr als separater, prognoserelevanter Faktor der COPD unabhängig von der Vierfelder-Tafel bewertet, erläutert Dr. Thomas Hering aus Berlin. Es werden davon abgesehen weiterhin vier Schweregrade der COPD unterschieden, die Grenzwerte der früheren Klassifizierung wurden dabei übernommen.

[nach GOLD 2017: Global Strategy for the Diagnosis, Management and Prevention of COPD, www.goldcopd.org]

Die Therapieentscheidung ist nach seinen Ausführungen wie bisher anhand der Stadien A, B, C und D zu fällen, entsprechend der Symptomatik des Patienten und entsprechend dem Exazerbationsrisiko, das sich aus der Anamnese der bisherigen Exazerbationshäufigkeit ableitet. Welche Medikation zum Einsatz kommt, ist somit von der Lungenfunktion des Patienten unabhängig. Es kann damit vorkommen, dass ein Patient eine mittelgradige Lungenfunktionseinschränkung aufweist, aufgrund der fehlenden oder nur geringen Symptomatik aber eine Bedarfsmedikation ausreichend ist. Hering: „Die Lungenfunktion behält jedoch ihre Bedeutung bei der Diagnostik der COPD und der Abschätzung der Prognose des Patienten, wie in den neuen Empfehlungen explizit betont wird“.

Zähes kontra dünnflüssiges Sekret

Schleimlöser sind bei der COPD nach den Worten des Pneumologen nur begrenzt sinnvoll, eindeutig indiziert sind sie nur, wenn der Schleim zähflüssig ist und die Atemwege regelrecht verstopft. Hat das Sekret jedoch eine normale Konsistenz, so kann der Schleimlöser eher schaden als nutzen. Denn wenn der Schleim zu dünnflüssig wird, fällt es Menschen mit COPD schwerer, ihn abzuhusten. „Das Abhusten setzt voraus, dass die Flimmerhärchen den Schleim packen und ihn in die großen Bronchien transportieren können. Bei zu dünnflüssigem Schleim ist das kaum möglich“, so die Erklärung des Lungenfacharztes. Es ist aus seiner Sicht dann sinnvoller, dem Patienten zu einem anderen Hustensaft zu raten.

Inhalieren stets nur mit Salzlösung

Auch der Ratschlag, mit heißem Dampf mit oder ohne Zusatz ätherischer Öle zu inhalieren, ist nach Barczok keineswegs zielführend. Die Atemwege werden dabei mit heißem Wasser konfrontiert und saugen dieses regelrecht auf, bis das osmotische Gleichgewicht in den Atemwegen hergestellt ist. Es besteht somit die Tendenz, Wasser ins Gewebe aufzunehmen, was fast zwangsläufig zum Anschwellen der Schleimhäute führt. Bei einem banalen Husten oder einer Bronchitis bei ansonsten gesunden Personen kann eine solche Inhalation sinnvoll sein, um die Durchblutung zu steigern. Barczok: „Bei Patienten mit COPD verschlimmert sie jedoch oftmals das klinische Bild“. Sinnvoller ist es für COPD-Patienten, eine Meersalzlösung über ein Inhalationssystem zu inhalieren, so der Rat des Pneumologen. Denn durch den Salzgehalt des Inhalats kann sogar Flüssigkeit gebunden werden, was den Schleim etwas gleitfähiger machen und ein Abschwellen der kranken Schleimhäute bewirken kann. Die Salz­lösung hat zudem einen leicht bakteriziden Effekt, kann damit in gewisser Weise auch Infektionen vorbeugen. Geeignet zur Inhalation ist eine isotonische, also eine 0,9-prozentige Salzlösung, besser noch wirkt eine bis zu zwei- bis dreiprozentige Salzlösung. Höhere Konzentrationen sind ungeeignet und werden von den Patienten zudem meist nicht toleriert.

Noch ein Wort zum Thema Ernährung

Auch in puncto Ernährung besteht bei vielen COPD-Patienten Beratungsbedarf, wobei zu differenzieren ist, ob der Patient deutlich untergewichtig und regelrecht ausgezehrt (Pink Puffer) ist oder übergewichtig (Blue Bloater). Als Pink Puffer oder rosa Schnaufer werden COPD-Patienten bezeichnet, die unter einer Überblähung der Lunge (Lungenemphysem), Reizhusten und Dyspnoe leiden. Oft sind sie untergewichtig, und die Haut ist leicht rosa gefärbt. Die Blue Bloater oder blauen Huster sind meist übergewichtig und leiden unter starkem Husten, Auswurf und Hypoxie. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung führt der Sauerstoffmangel dazu, dass die Haut (insbesondere die Lippen) sich bläulich färbt. Während übergewichtige Patienten zur Gewichtsreduktion motiviert werden sollten, brauchen Pink Puffer eine spezielle Ernährungstherapie. Zu bedenken ist jedoch, dass auch normgewichtige Patienten eine Mangel- bzw. eine Fehlernährung aufweisen können, was die körperliche Leistungsfähigkeit zusätzlich einschränken kann.

Eine Mangelernährung kann außerdem die Abwehrkraft der Lunge herabsetzen, die Makrophagen in den Alveolen büßen an Aktivität ein und können damit eingedrungene Keime und somit Infekte schlechter abwehren. Dadurch und getriggert auch durch den Verlust an Muskelzellen wird der Ausbreitung der Entzündungsprozesse hin zu einer systemischen Inflammation der Weg bereitet.

Die nachlassende Muskelkraft bedingt eine Minderung der körperlichen Leistungsfähigkeit, was nicht wenige Patienten dazu verleitet, sich zu schonen. Der Bewegungsmangel aber wirkt wie ein Teufelskreis und führt zu weiteren Einbußen an Muskelkraft und körperlicher Belastbarkeit. Deshalb ist den Patienten nicht zu Schonung, sondern im Gegenteil zur regelmäßigen körperlichen Aktivität zu raten. „Das gelingt am besten in einer Lungensportgruppe oder, wenn eine solche regional nicht existiert, durchaus auch in einer Herzsportgruppe“, betont Barczok.

Zu beraten sind Patienten mit COPD in der Apotheke nach seiner Meinung auch hinsichtlich einer adäquaten Infektprophylaxe. COPDler sollten über die Bedeutung der Grippeschutzimpfung sowie der Pneumokokkenimpfung eingehend aufgeklärt und motiviert werden, diese Schutzmaßnahmen zu nutzen. Darüber hinaus sind allgemeine Tipps sinnvoll, wie das Meiden größerer Menschenansammlungen und öffentlicher Verkehrsmittel in Zeiten von Erkältungs- und Grippewellen.

COPD durch Desinfektionsmittel?

Foto: JPC-PROD – stock.adobe.com

Die regelmäßige Anwendung von Desinfektionsmitteln kann offenbar das Risiko deutlich steigern, eine COPD zu entwickeln. Darauf deutet eine aktuelle, beim diesjährigen Kongress der Europäischen Respiratorischen Gesellschaft (ERS) veröffentlichte Studie bei 55.000 Krankenschwestern hin. Bereits der nur einmal wöchentliche Gebrauch von Desinfektionsmitteln zum Reinigen von Oberflächen oder bei der Sterilisation von Instrumenten steigerte das COPD-Risiko um bis zu 32%.

Quelle: Dumas O et al. Occupational exposure to disinfectants and COPD incidence in US nurses: a prospective cohort study, ERS-Kongress 2017, Mailand, Abstract OA 1774

Erfolgt die Inhalation effektiv?

Auch bei der medikamentösen Therapie wünscht sich Barczok als Pneumologe Unterstützung durch die Apotheker: „Diese sollten immer wieder einmal die Inhalationstechnik des Patienten kontrollieren, wenn dieser das Rezept einlöst“. Denn nicht selten bleibt der erwartete Behandlungserfolg aus, weil der Patient trotz entsprechender Schulung in der Arztpraxis Fehler bei der Inhalationstherapie macht. Zeigt sich bei der Überprüfung der Inhalationstechnik, dass der Patient kein ausreichendes Atemzugsvolumen hat, um die Inhalation effektiv auszulösen, ist gegebenenfalls eine Rücksprache mit dem Arzt erforderlich. |

Autorin

Christine Vetter hat Biologie und Chemie studiert und arbeitet seit 1982 als Medizinjournalistin.

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.