Arzneimittel und Therapie

Zu wenig Ibuprofen und Paracetamol

Kinder mit akuten Schmerzen erhalten oft keine ausreichende Therapie

Ein Kind hat akute Schmerzen und kommt in die Notaufnahme. Dort wird eine Behandlung mit Ibuprofen oder Paracetamol verordnet - doch oft genug nicht ausreichend hoch dosiert. Das ist das Ergebnis einer retrospektiven Auswertung von Daten 17 italienischer Notaufnahmen.

Dazu wurden Daten von 1471 Kindern im Alter zwischen vier Wochen und 14 Jahren analysiert. Alle wurden wegen akuter Schmerzen behandelt.

Die Studienautoren beziehen sich auf ein Review des Journals „Current Opinin in Pediatrics“, das im Juni 2016 publiziert wurde und Empfehlungen zum Management akuter pädiatrischer Schmerzen zusammenfasst. Darin werden für orales Paracetamol Dosierungen von 15 bis 20 mg/kg KG empfohlen (und für Kinder über 50 kg Körpergewicht 1000 mg). Rektal werden Dosierungen zwischen 30 und 40 mg/kg KG und intravenös 7,5 mg/kg KG (ab 10 kg Körpergewicht 15 mg/kg KG) als angemessen betrachtet. Ibuprofen sollte oral mit 10 mg/kg KG dosiert werden. Bei Kindern ab 40 kg Körpergewicht werden 400 mg empfohlen.

Von den 1471 Kindern wurden 518 Kinder angemessen behandelt. Bei 60 Kindern wurden die empfohlenen Dosierungen sogar leicht – um bis zu 10% – überschritten. In 61% der Fälle (893 Kinder) war die verschriebene Dosis geringer als empfohlen. Von den 893 Kindern bekamen 577 (333 Jungen und 244 Mädchen) mit einem medianen Alter von sechs Jahren Paracetamol verschrieben, während 316 Kinder (189 Jungen und 127 Mädchen) mit einem medianen Alter von 5,8 Jahren Ibuprofen einnehmen sollten. Die Paracetamol-Dosis wich durchschnittlich um 20% von der empfohlenen Dosis für eine orale und intravenöse Gabe ab. Bei rektaler Gabe war die Abweichung mit 47% signifikant größer. Für orale Ibuprofen-Dosierungen ermittelten die Forscher eine ebenfalls signifikante Abweichung um 30%.

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Opioide sind auch bei Kindern in der Akutschmerztherapie unverzichtbar.

Drei Faktoren waren besonders häufig mit Unterdosierung assoziiert: Die rektale Gabe von Paracetamol, ein Körpergewicht unter 12 kg oder über 40 kg und die orale Gabe von Ibuprofen. Während der erste Punkt auf einen Mangel an adäquat dosierten Darreichungsformen hinweisen könnte, sollte dies bei Ibuprofen-Saft keine Rolle spielen. Es wäre möglich, dass aus Angst vor Nierenschäden zu niedrig dosiert wurde. Die Forscher vermuten aber, dass in vielen Fällen statt der für Schmerzen empfohlenen Dosis die niedrigere fiebersenkende Dosierung verschrieben wurde. Dass besonders leichte oder besonders schwere Kinder eine zu geringe Dosis erhielten, entspricht Tendenzen, die auch bei der Verordnung von antimikrobiellen Wirkstoffen und Opioiden beobachtet wurden. Unter 17 Notaufnahmen (mit jeweils einer separaten pädiatrischen Notaufnahme) dienten auch vier Kinderkliniken als Studienzentren. 12 dieser Kliniken besaßen interne Schmerzmanagement-Leitlinien. Die Ergebnisse waren jedoch in allen Zentren ähnlich. Die Studie wirft also die Frage auf, wie sich Leitlinien in der Praxis besser etablieren lassen. Denn die Formulierung einer Leitlinie ist erst der erste Schritt. |

Quelle

Milani G P et al. Acute pain management: acetaminophen and ibuprofen are often underdosed. Eur J Pediatr 2017;176:979-982

Ruest S, Anderson A. Management of acute pediatric pain in the emergency department. Current Opinion in Pediatrics 2016; 28(3):298-304

Apothekerin Sarah Katzemich

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