Arzneimittel und Therapie

Schmerztherapie: Für jedes Kind das richtige Mittel

Kinder leiden unter Schmerzen genauso wie Erwachsene, und sie benötigen bei akuten Schmerzuständen ebenso wie diese eine ausreichende Analgesie. In der Kinderheilkunde sind Paracetamol und Ibuprofen die Mittel der Wahl für die Behandlung von Schmerzen und Fieber.

Paracetamol für die Kleinsten

Für die Kleinsten eignet sich Paracetamol in Zäpfchenform am besten. Diese Substanz ist ohne Altersbeschränkung rezeptfrei zugelassen, auch für Frühgeborene. Paracetamol kann bei leichten bis mäßig starken Schmerzen und bei Fieber eingesetzt werden, auch kombiniert mit Opioiden und nicht-steroidalen Antiphlogistika. Paracetamol wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend. Im Gegensatz zu den meisten nichtopioiden Schmerzmitteln wirkt Paracetamol überwiegend im zentralen Nervensystem und hat keine nennenswerte entzündungshemmende Wirkung.

Frühgeborene dürfen maximal 50 mg/kg Körpergewicht täglich, Säuglinge unter sechs Monaten 75, Klein- und Schulkinder 90 bis 100 mg/kg Körpergewicht erhalten. Dabei sollte Paracetamol höchstens drei Tage in Folge gegeben werden. Bei rektaler Anwedung empfiehlt es sich, initial mit 35 bis 45 mg/kg Körpergewicht höher zu dosieren; danach können alle sechs Stunden 15 bis 20 mg/kg gegeben werden. Für Erwachsene beträgt die wirksame Dosierung bei der Einnahme als Tablette 500 mg, als Zäpfchen 1000 mg. Paracetamol ist bei schwangeren Frauen und stillenden Müttern das Mittel der Wahl für die Behandlungen von Schmerzen und Fieber.

Unproblematisch ist die Substanz dennoch nicht, denn Überdosierungen können lebensgefährlich sein. Eltern müssen darauf hingewiesen werden, dass sie die richtige Dosierung unbedingt einhalten müssen.

Ibuprofen ab drittem Lebensmonat

Ibuprofen wirkt vergleichbar gut wie Paracetamol schmerzlindernd und fiebersenkend, hat aber zusätzlich noch eine entzündungshemmende Wirkung. Wie Paracetamol wird Ibuprofen bei leichten bis mäßig starken Schmerzen angewendet, und wirkt zusätzlich auch gegen Entzündungen bei rheumatischen Erkrankungen. Sehr verbreitet ist Ibuprofen bei der Behandlung von Zahnschmerzen, wobei die Substanz nicht vor größeren operativen Eingriffen eingenommen werden sollte, denn Ibuprofen kann die Blutgerinnung beeinflussen.

Im Vergleich zu Paracetamol ist Ibuprofen weit weniger toxisch: Überdosierungen haben in der Regel keine gravierenden Konsequenzen. Ibuprofen ist seit April 2003 für Kleinkinder ab dem dritten Lebensmonat zugelassen und bis zum sechsten Monat verschreibungspflichtig. Als Saft ist es ab dem sechsten Monat rezeptfrei erhältlich. Säfte bieten gegenüber Tabletten den Vorteil, dass sie besser an das jeweilige Körpergewicht und Alter des Kindes angepasst dosiert werden können. Seit dem 1. Juni 2004 sind unter der Bezeichnung Nurofen® Junior auch Suppositorien mit 125 mg für Kinder ab zwei Jahren auf dem Markt, die eine gute Alternative zu Paracetamol bieten.

Für Erwachsene ist Ibuprofen in einer Dosierung von 200 bis 400 mg als Einzeldosis rezeptfrei. Daneben gibt es zahlreiche Präparate zur Behandlung rheumatischer Beschwerden und entzündlicher Erkrankungen, die Ibuprofen in höheren Einzeldosen enthalten und damit verschreibungspflichtig sind. In den letzten drei Monaten der Schwangerschaft ist Ibuprofen kontraindiziert, vorher sollte es nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden.

Diclofenac erst ab 6. Lebensjahr zugelassen

Diclofenac wird vor allem bei Schmerzen oder Entzündungen, die in Verbindung mit Verletzungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparates entstehen, eingesetzt. Zusätzlich wird Diclofenac bei entzündlichen Formen des Rheumatismus und bei Weichteilrheumatismus verwendet. Die Substanz kann in Form von Tabletten, magensaftresistenten Tabletten, Kapseln, Injektionslösungen oder Zäpfchen angewendet werden.

Diclofenac wird von Kindern eher schlechter vertragen als Ibuprofen; es wirkt stark antiinflammatorisch. Seit 1999 ist es nur noch ab dem sechsten Lebensjahr zugelassen, weil Daten für jüngere Kinder fehlen. Die Dosierung beträgt maximal 3 mg/kg Körpergewicht pro Tag dreimal täglich. Zur Zeit existieren keine Präparate für Kinder unter 25 kg Körpergewicht. Die analgetische Wirksamkeit ist gut.

ASS nicht für Kinder und Schwangere

Acetylsalicylsäure (ASS) wird bei Kindern selten verwendet, da diese Substanz in sehr seltenen Fällen zum lebensgefährlichen Reye-Syndrom führen kann, wenn sie bei fieberhaften Erkrankungen eingesetzt wird. Bei Schmerzzuständen ohne Fieber können auch jüngere Kinder Acetylsalicylsäure erhalten. Das BfArM lässt Acetylsalicylsäure in Dosierungen von täglich 50 bis 100 mg ab einem Alter von sechs Monaten zu, ein- bis dreijährige Kinder erhalten 100 mg, vier- bis sechsjährige 200 mg und sechs- bis 14-jährige 250 bis 500 mg täglich. Über 14 Jahre beträgt die Tagesdosis 500 bis 1000 mg. Die praktische Anwendung bei Kleinkindern ist allerdings schlecht möglich: Acetylsalicylsäure kann nicht in Suppositorien oder Säfte eingearbeitet werden.

Im letzten Drittel der Schwangerschaft darf Acetylsalicylsäure auf keinen Fall eingenommen werden, in den ersten beiden Dritteln sollte bei der Schmerzbehandlung auf Alternativen ausgewichen werden. hel

Dosierungen bei Schmerzmitteln für Kinder

  • Säuglinge erhalten etwa 1/6 bis 1/5 der Erwachsenendosis
  • Kleinkinder erhalten etwa 1/4 bis 1/3 der Erwachsenendosis
  • Schulkinder ab 12 erhalten etwa 2/3 der Erwachsenendosis

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