Beratung

Al-haltige Antitranspiranzien – für und wider

Interview mit Privatdozent Dr. Christoph Schick, Deutsches Hyperhidrosezentrum München

Aluminiumhaltige Antitranspiranzien sind vielen Mitbürgern wegen angeblicher gesundheitlicher Gefahren suspekt. Wir fragten hierzu Priv.-Doz. Dr. Christoph Schick, Leiter und ­Begründer des Deutschen Hyper­hidrosezentrums in München.
Foto: privat
Dr. Christoph Schick

DAZ: Herr Dr. Schick, ist Schwitzen nicht gesund? Wo liegt das Problem?

Dr. Schick: Schwitzen ist weder gesund noch krankhaft, sondern eine normale Körperfunktion. Es gibt – wie bei allen Körperfunktionen – einen als normal empfundenen Bereich, der allerdings im Einzelfall schon als störend erlebt werden kann. Davon abgesehen kann das Schwitzen zum Problem werden, wenn es zu völlig unpassenden Gelegenheiten auftritt und besonders stark ist. Schwitzen kann sogar stigmatisierend sein, weil Schweiß­flecken unter der Achsel leicht als „ungepflegt“ angesehen werden, weil das Schwitzen mit einer ausgeprägten Geruchsbildung verbunden sein kann und weil ein schweißnasser Händedruck im Allgemeinen als unangenehm erlebt wird.

DAZ: Wenn ein Apothekenkunde ein „Mittel gegen Schwitzen“ wünscht …

Dr. Schick: … sollte der Apotheker ihn fragen, in welchen Situationen das Schwitzen auftritt, ob es z. B. immer unter sportlicher Betätigung dazu kommt oder eher unabhängig von körperlicher Belastung. Wichtig ist ferner, ob der Betreffende auch im Winter schwitzt oder auch dann, wenn es ihm eigentlich kalt ist, denn dies ist ein Indiz für eine krankhafte Störung, die abgeklärt werden sollte. Auch ist zu fragen, ob das Schwitzen an umschriebenen Stellen oder am ganzen Körper auftritt. Beim generalisierten Schwitzen ist ebenfalls eine medizinische Abklärung anzuraten, während das lokalisierte Auftreten des vermehrten Schwitzens in aller Regel mit Externa gut zu beherrschen ist.

DAZ: Empfehlen Sie dann Deodorants, Antitranspiranzien oder Salbei?

Dr. Schick: Die Empfehlung von Salbei sehen wir kritisch, da es hierfür keinen wissenschaftlichen Wirknachweis gibt. Ob gegen das Schwitzen ein Deodorant, das lediglich die Geruchsbildung, nicht jedoch das Schwitzen hemmt, gewählt wird oder besser ein Antitranspirans, also ein tatsächlicher Schweißhemmer, sollte im Gespräch mit dem Kunden geklärt werden. Nicht wenige Kunden lehnen aluminiumhaltige Antitranspiranzien ab, da sie gesundheitliche Konsequenzen der Aluminiumsalze fürchten.

DAZ: Wie wirken die Aluminiumsalze, und besteht bei ihrer Anwendung tatsächlich eine Gesundheitsgefahr?

Dr. Schick: Antitranspiranzien enthalten üblicherweise Aluminiumchlorid-Hexahydrat. Diese Verbindung bildet Kristalle, die sich in Schweißporen setzen und diese verschließen. Zur Frage, ob von Aluminiumchlorid, das übrigens ubiquitär in unserer Umwelt zu finden ist, ein Gesundheitsproblem ausgeht, gibt es keine wissenschaftlich fundierten Belege. Es dürfte zudem von der aufgenommenen Dosis abhängen. Selbstverständlich sollte man mit hoch­konzentrierten Produkten vorsichtiger umgehen als mit den üblichen Antitranspiranzien, die meist etwa sieben Prozent Aluminiumchlorid enthalten. In aller Regel müssen die Produkte zudem nicht täglich aufgetragen werden, oft reicht bereits eine ein- bis zweimal wöchentliche Anwendung. Um die systemische Belastung zu minimieren, sollte man die Antitranspiranzien nicht direkt nach der Rasur oder auf geschädigte Haut­areale auftragen.

DAZ: Sind aluminiumfreie Antitranspiranzien gesundheitlich problemlos?

Dr. Schick: Aluminiumfreie Antitran­spiranzien enthalten im Allgemeinen Methenamin (z. B. in Antihydral®). Diese Verbindung reagiert mit den Proteinen im Schweiß und verschließt dadurch ebenfalls die Schweißporen. ­Dazu muss man wissen, dass Methen­amin – wie das Konservierungsmittel Bronopol – beim Auftragen auf die Haut Formaldehyd freisetzt, was aus gesundheitlicher Sicht nicht unproblematisch ist. Zudem kann es ebenso wie Aluminiumchlorid hautreizend wirken. Es besitzt außerdem ein allergenes Potenzial und kann zu einer Gelbfärbung der Haut führen.

DAZ: Raten Sie dann doch eher zu Deos?

Dr. Schick: Deodorants sind bei starkem Schwitzen weniger wirksam, da sie keine Schweißhemmung bedingen. Die Produkte enthalten zudem Duftstoffe sowie Lösungsmittel, die zum Teil hautreizend wirken können und möglicherweise auch ein allergenes Potenzial besitzen. Wichtig ist in der Apotheke deshalb die individuelle Beratung mit Klärung der Frage, wie stark das Schwitzen ist, wie belastend es individuell erlebt wird, was der Kunde vom Produkt konkret erwartet und ob möglicherweise Handlungsbedarf hinsichtlich einer medizinischen Abklärung des Schwitzens gegeben ist.

DAZ: Herr Dr. Schick, haben Sie vielen Dank für das Gespräch. |

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