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Ausbildung

Ständige Optimierung

Das Pharmaziestudium in den USA entwickelt sich kontinuierlich weiter

In vielen Ländern wurde in den letzten beiden Jahrzehnten das Pharmaziestudium umgestellt. In der DAZ-Serie „Ausbildung“ wurden bereits die Beispiele Kanada und Niederlande erläutert. Der Ursprung der „kognitiven Pharmazie“ aber liegt in den USA. Dort ist die neue Rolle des Apothekers schon seit einer ganzen Pharmazeutengeneration verankert, Diskussionen um die Neupositionierung haben meist nur noch anekdotischen Charakter. Der wissenschaftliche und fachliche Austausch mit anderen Ländern ist relativ gering, man geht seit 25 Jahren unbeirrt voran. Wie also sieht das Studium der Pharmazie in den USA abseits aller Mythen eigentlich aus? | Von Johanna Weitzel, Olaf Rose und Hartmut Derendorf

Der bekannteste Unterschied im Studium besteht darin, dass Pharmazie in Deutschland weitgehend wirkstoff­zentriert unterrichtet wird und somit die chemischen und biochemischen Aspekte im Vordergrund stehen, während in den USA der Schwerpunkt immer deutlicher auf den Patienten und somit auf die heilberuflichen Aufgaben gelegt wird. Auch haben Pharmaziestudenten ein größeres Mitspracherecht bei der Gestaltung des Studiums. Eine Selbstverständlichkeit ist die (übrigens auf dem Deutschen Apothekertag 2016 in München von den Studentenvertretern geforderte) fortlaufende Anpassung und Optimierung des Studiums. An der University of Florida (UF), einer der Keimzellen der neuen pharmazeutischen Entwicklung in den 1990er-Jahren, gibt es hierzu eine eigene Arbeitsgruppe. Unter der Leitung von Dekanin Prof. Julie Johnson erarbeitet diese Gruppe aus Fakultätsmitgliedern, Studenten, Lehrern und Ehemaligen neue Konzepte zur Verbesserung des Studiums. Prämisse ist, dass die Pharmazeuten von morgen besser für ihren Beruf ausgebildet werden sollen. Im Vordergrund stehen dabei stets der Patient und sein Anliegen. Entsprechend wird – neben dem wissenschaftlich fundierten Studium der Pharmakotherapie und Klinischen Pharmazie – höchster Wert auf praxisorientiertes Fachwissen, kommunikative Fähigkeiten, Teamwork und Interprofessionalität gelegt.

Um Pharmazie studieren zu können, benötigen Studenten in den USA einen College-Abschluss in Naturwissenschaften. Das Studium selbst war früher ein „2 + 2 + 1-System“: In den ersten beiden Jahren lernten die Studenten Chemie, Biologie und Technologie, in den folgenden beiden Jahren Klinische Pharmazie, Pharmakotherapie und die Verknüpfung zur Praxis. Im letzten Studienjahr durchliefen sie Praktika in vielen verschiedenen Arbeitsbereichen („rotations“) wie öffentlichen Apotheken, Praxen, ambulanten Kliniken und Krankenhäuser und fertigten eine schriftliche Arbeit an. Erst danach fanden die Abschlussprüfungen statt. Die Absolventen erlangten den akademischen Titel PharmD (Doctor of Pharmacy) und konnten die staatliche Approbation beantragen.

Inzwischen ist an der UF das Studium abermals deutlich umgestellt worden.

1. Studienjahr

Im ersten Studienjahr lernen die Studenten hauptsächlich pharmazeutische und medizinische Grundlagen, wobei As­pekte der Patientenbetreuung miteinbezogen werden (Tab. 1). Zudem wird ihnen vermittelt, dass Apotheker eine hohe persönliche Verantwortung im Gesundheitssystem tragen.

Ein großer Kritikpunkt der Studenten am alten Lehrplan war das isolierte Lernen von verschiedenen Fächern ohne klinischen oder pharmazeutischen Kontext. Daher wurde der Themenblock Chemie aufgelöst und in das Fach „Grundlagen pharmazeutischer Wissenschaften“ eingegliedert, wo sein Inhalt im Kontext mit Pharmakologie oder Galenik/Technologie gelehrt wird. Ähnlich erging es den ehemaligen Fächern Biologie und Technologie. Das Fach Pathophysiologie besteht zwar noch, ist aber in den konkreten klinischen Zusammenhang eingebettet worden.

Tab. 1: Curriculum im 1. Studienjahr des Pharmaziestudiums an der University of Florida.
1. Trimester: Mitte August bis Dezember
Woche 1
  • Einführungsveranstaltungen
Woche
2 – 6
  • Grundlagen der Patientenbetreuung (Kommunikation, Pharmazeutische Betreuung, Patientendiagnosen, Informationen und Patientensicherheit)
  • Gesundheitsmaßnahmen (soziale Determinanten der Gesundheit, Unterschiede der Gesundheit, Wellness-Strategien)
  • Persönliche und professionelle Entwicklung I (kritisches Denken, Selbsterfahren und problemorientiertes Arbeiten)
Woche
7 – 16
  • Pathophysiologie und Patientenbeurteilung I
  • Grundlagen pharmazeutischer Wissenschaften I (Grundwissen der Medizinischen Chemie und Pharmakologie; Struktur-Wirkungs-Beziehungen und Reaktionsmechanismen)
  • Systeme zur Abgabe von Arzneistoffen (Rezepturen sowie Hilfsmittel und gezieltes Drug-Targeting)
Woche
2 – 16
  • Interprofessionelle Ausbildung
  • Berufsrelevante, praktische Fähigkeiten I (Patientenbeurteilung, Kommunikationstraining, Arzneimittelinformationen)
Woche 17
  • Beurteilungen, persönliche Entwicklung, Förderung
2. Trimester: Januar bis Anfang Mai
Woche
1 – 8
  • Pathophysiologie und Patientenbeurteilung II
  • Grundlagen pharmazeutischer Wissenschaften II (weiterführende Grundlagen)
  • Grundlagen der individuellen Arzneimitteltherapie (Ursachen der individuell unterschiedlichen Arzneimittel­wirkung, basierend auf den Grundlagen von Biopharmazie, Pharmakokinetik und Pharmakogenetik)
  • Persönliche und professionelle Entwicklung II (Patientenberatung, Führungsqualitäten, Innovationen, ethische und rechtliche Grundsätze)
Woche 9
  • Ferien
Woche
10 – 17
  • Patient Care I (Ganzheitlicher Kurs über Selbstmedikation, OTC-Arzneimittel, pflanzliche Drogen etc.)
  • Grundlagen der evidenzbasierten Praxis (Biostatistik, Gewinnung und Evaluation von Informationen, Quellen und Anbieter sowie Kosten des Gesundheitssystems)
  • Grundlagen des Gesundheitssystems: Heilberufler, Institutionen, Krankenversicherungen
  • Persönliche und professionelle Entwicklung III
  • Berufsrelevante praktische Fähigkeiten II (wie oben)
  • Interprofessionelle Ausbildung
Woche 18
  • Abschließende Beurteilung/Förderung
3. Trimester: Mitte Mai bis Mitte August
  • Einführendes Praktikum (öffentliche Apotheke), Ferien, Förderung

2. bis 4. Studienjahr

Die größte Änderung betrifft die ehemaligen Fächer Pharmakologie, Medizinische Chemie, Pharmakotherapie und Klinische Pharmazie. Sie sind im aktuellen Curriculum zum neuen interdisziplinären Fach „Patient Care“ zusammengelegt worden. Es beginnt in dieser Vielschichtigkeit bereits im ersten Studienjahr, wo der Schwerpunkt auf pflanzlichen Drogen und Non-Rx-Arzneimitteln liegt.

Ab dem 2. Jahr dominiert das Fach Patient Care dann für neun Trimester das Studium (Tab. 2 und 3). In jedem Trimester wird der Fokus auf ein anderes Organsystem gelegt (Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie usw.). In diesen Lehrveranstaltungen erlernen die Studenten zugleich die Grundlagen der Pathophysiologie, Pharmakokinetik und Pharmakodynamik (mit den Struktur-Wirkungs-Beziehungen der jeweiligen Arzneistoffe) sowie der Klinischen Pharmazie. Die fallbasierte Pharmakotherapie steht hierbei im Vordergrund. Dieses an das Medizinstudium angelehnte indikationsabhängige Lernen hat den großen Vorteil, dass wichtige Erkrankungen und Arzneimittelgruppen mit allen wichtigen Aspekten im Zusammenhang gelehrt werden. Einerseits spart diese Methode im Vergleich zum alten Lehrplan sehr viel Zeit, da das nicht-fachbezogene Lernen entfällt; andererseits ist der Lehrstoff für die Studenten so wesentlich besser strukturiert und kompakter, und sie lernen nachhaltiger.

1. Trimester: Mitte August bis Dezember
Woche 1 – 2
  • Grundlagen der Medizinischen Mikrobiologie, Immunologie und Virologie
Woche 3 – 6
  • Patient Care II (Einführung in die Themen Infektionskrankheiten und hämatologische / onkologische Störungen) Anm.: Es werden Grundlagen der Pathophysiologie, Medizinischen Chemie, Pharmakologie, Pharmako­therapie, Patientenbeurteilung und klinischen Pharmakokinetik vermittelt. Außerdem erlernen die Studenten die richtigen Verhaltensweisen im Umgang mit Patienten, die unter Infektionskrankheiten/Krebserkrankungen leiden.
Woche 7
  • Grundlagen der Pharmakoökonomie
Woche 8 – 14
  • Patient Care III (kardiovaskuläre und pulmonale Erkrankungen) Anm.: Vermittlung von Grundlagen der Pathophysiologie, Medizinischen Chemie, Pharmakologie, Pharmakotherapie, Patientenbeurteilung und klinische Pharmakokinetik in Bezug auf Herz-Kreislauf- und Lungen-Erkrankungen. Zusätzlich werden Sozial- und Verhaltensaspekte im Umgang mit Patienten in der Selbstmedikation geschult.
Woche 15 – 16
  • Wahlpflichtpraktikum
Woche 1 – 16
  • Berufsrelevante praktische Fähigkeiten III (horizontale und vertikale Integration der Fähigkeiten, OSCE-Übungen, d. h. Objective Structured Clinical Examinations)
Woche 1 – 18
  • Persönliche und professionelle Entwicklung
  • Interprofessionelle Ausbildung
Woche 17 – 18
  • Beurteilungen, persönliche Entwicklung, Förderung
2. Trimester: Januar bis Anfang Mai
Woche 1
  • Sterile Verpackungen
Woche 2 – 8
  • Patient Care IV (Gastrointestinaltrakt und Nieren)
Woche 9
  • Ferien
Woche 10 – 15
  • Patient Care V (Endokrinologie und Fortpflanzungsorgane)
Woche 16 – 17
  • Wahlpflichtpraktikum
Woche 1 – 17
  • Berufsrelevante praktische Fähigkeiten IV (wie oben)
  • Persönliche und professionelle Entwicklung
  • Interprofessionelle Ausbildung
Woche 18
  • Abschließende Beurteilung, Förderung
3. Trimester: Mitte Mai bis Mitte August
Einführendes Praktikum (öffentliche Apotheke), Ferien, Förderung

Es wurden auch neue Zwischenprüfungen in den Lehrplan integriert, welche den Lernfortschritt und die Eignung für die bevorstehende Praxis besser dokumentieren sollen. Neu hinzugekommen sind als weitere praxisnahe Elemente die Wahlpflichtkurse, welche jeweils vier Wochen im zweiten und dritten Studienjahr einnehmen. Damit haben amerikanische Studenten bereits während ihres Studiums genug Zeit und Gelegenheit, möglichst viele verschiedene Arbeitsplätze kennenzulernen.

Um das erlernte Wissen am Patienten anwenden zu können, spielt der Erwerb sozialer Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Kommunikation eine Rolle in der Ausbildung amerikanischer Pharmazeuten. In kleinen Arbeitsgruppen werden in Rollenspielen Alltagssituationen nachgestellt, in denen die Studenten den Umgang mit Patienten üben können. Um den Lernfortschritt zu verfolgen und die eigenen Stärken und Schwächen besser beurteilen zu können, werden diese Übungen zum Teil videoaufgezeichnet und dann in den Gruppen besprochen und ausgewertet. Diese Reflexion hilft den Studenten, die Patienten nach ihren Beschwerden zu fragen und Lösungen zu finden, aber auch Sicherheit und Kompetenz für ihre späteren Tätigkeiten zu erlangen.

Auch die wissenschaftliche Arbeit wird im Studium gefördert. Statistik, Biometrie, Zitieren von Literatur und Studienanalysen werden in Journal-Clubs erlernt und trainiert, um Fachartikel methodisch beurteilen zu können. Selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten muss in klei­neren Projekten und in der Abschlussarbeit demonstriert werden. Vor den „rotations“ werden dann noch Kurse zu Gesetzeskunde, Patientensicherheit und Management in den Lehrplan integriert.

Tab. 3: Curriculum im 3. Studienjahr des Pharmazie­studiums an der University of Florida.
1. Trimester: Mitte August bis Dezember
Woche 1 – 3
  • Pharmakoepidemiologie und Arznei­mittelsicherheit
Woche 4 – 6
  • Patientensicherheit und Qualität
Woche 7 – 10
  • Therapiemanagement
Woche 1 – 10
  • Pharmazeutische Gesetzeskunde (Gesetze der USA und Floridas mit Bezug zur Pharmazie und zum Apothekerberuf)
Woche 11 – 14
  • Patient Care VI (Haut und muskuloskelettales System)
Woche 15 – 16
  • Wahlpflichtpraktikum
Woche 1 – 16
  • Berufsrelevante praktische Fähigkeiten V (traditionelle Fertigkeiten, OSCEs)
Woche 1 – 18
  • Persönliche und professionelle Entwicklung
  • Interprofessionelle Ausbildung
Woche 17 – 18
  • Beurteilungen, persönliche Entwicklung, Förderung
2. Trimester: Januar bis Anfang Mai
Woche 1 – 8
  • Patient Care VII (Hirn- und Verhaltensforschung)
Woche 9
  • Ferien
Woche 10 – 15
  • Patient Care VIII (komplexe Fälle und ihre Therapie)
Woche 16 – 17
  • Wahlpflichtpraktikum
Woche 1 – 17
  • Berufsrelevante praktische Fähigkeiten VI (traditionelle Fertigkeiten)
  • Persönliche und professionelle Entwicklung
  • Interprofessionelle Ausbildung
Woche 18
  • Abschließende Beurteilungen, Förderung
3. Trimester: Mitte Mai bis Mitte August
  • APPEs (Advanced Pharmacy Practice Experiences)

Erfahrungen

Der aktuelle Lehrplan für das Pharmaziestudium ist an der UF – wie generell in den USA – konsequent auf Patienten­orientierung umgestellt. Dennoch findet sich darin das spezifisch pharmazeutische und naturwissenschaftliche Wissen wieder. Didaktisch ist das integrative Lernen und Lehren sehr effektiv. Insgesamt ist das Studium durch die vielen Anpassungen immer anspruchsvoller und gehaltvoller geworden. Dem Wissenszuwachs kommt diese Methode sehr entgegen, weil zeiteffektiver gearbeitet wird. Bedenken, dass eine solche Neuorientierung zu einer „Entakademisierung“ der Pharmazie führen könnte (Schreckgespenst Fachhochschule), kamen bei den Verantwortlichen daher nie auf, ebenso auch keine Angst davor, dass die Pharmazie komplett in der Medizin aufgehen und untergehen würde. Man hat im Gegenteil das Gefühl einer akademischen Aufwertung des Pharmaziestudiums. Auch die Aufnahme von sozialen und kommunikativen Lehrveranstaltungen ins Studium hat den Apothekern nicht geschadet, sondern ihnen die Anwendung des Wissens am Patientenbett erleichtert und damit ihre Rolle gestärkt.

Insgesamt stärkt die Betonung der Klinik im Pharmazie­studium die Positionierung des Apothekers als Heilberuf; deshalb sind Attraktivität und Ansehen des Berufes wie auch das finanzielle Einkommen in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Der klinisch ausgebildete Pharmazeut ist auch in Forschung, Industrie und Wissenschaft inzwischen internationaler Standard und hat dort – anders als in Deutschland oft kolportiert – sein Betätigungsfeld sogar deutlich ausgebaut. Zur Qualifikation für besondere Tätigkeiten ist Apothekern weiterhin ein aufbauendes Promotionsstudium (PhD) möglich.

Lehr- und Ausbildungsphilosophie am College of Pharmacy der UF

Die Studierenden sollen durch die Ausbildung am Institut dazu befähigt werden, fürsorgliche Pharmakotherapie-Experten und wirkungsvolle Mitglieder im interprofessionellen Gesundheitsteam zu werden. Dazu schaffen wir ein starkes Fundament in biomedizinischen, pharmazeutischen, sozialen und klinischen Wissenschaften. Wir bieten ein gut organisiertes, aufeinander aufbauendes Curriculum, das evidenzbasierte Problemlösungen ermöglicht und die fortlaufende Entwicklung und Integration des erforderlichen Wissens, der benötigten Fähigkeiten und der richtigen Einstellung und Werte fördert. Um dies zu erreichen, werden die Angebote online, im persönlichen Kontakt oder durch selbstständiges Arbeiten vermittelt. Wir nutzen den Einsatz geeigneter Technologien, um den Bedürfnissen zeitgemäßen Lernens optimal zu entsprechen und den unterschiedlichen Möglichkeiten der Studierenden gerecht zu werden. Dabei soll stets ein Praxisbezug hergestellt werden. Wir verwenden eine Vielzahl unterschiedlicher didaktisch geeigneter Methoden und beziehen die Studierenden intensiv in den Unterricht mit ein. Wir fördern den sozialen Zusammenhalt und stärken den persönlichen Austausch mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, dem Lehrkörper und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts. Wir betrachten das Curriculum als ein Programm, das Persönlichkeiten hervorbringt, die das Konzept des erforderlichen lebenslangen Lernens verinnerlichen und die als begeisterte Pharmazeutinnen und Pharmazeuten durch ihre tägliche Praxis unseren Berufsstand fördern.

Apotheker haben sich sowohl innerhalb als auch außerhalb der oft skurril anmutenden „Prescription Corners“ in den großen Drogeriemärkten zahlreiche neue Aufgabengebiete erschlossen. Stationsapotheker in Ärzteteams oder in kleineren Kliniken sind die Regel und nicht die Ausnahme. Pharmazeuten führen dort ihre eigenen Sprechstunden durch, impfen und leiten z. B. Antikoagulationskliniken. Viele Apotheker haben sich auf die Pharmakotherapie bestimmter Erkrankungen spezialisiert und spielen in der Versorgung, Behandlung und Betreuung der Patienten eine klar definierte Rolle im interprofessionellen Team. Leider konnten die vielen deutschen PhiPs, die in den letzten 20 Jahren an der UF tätig waren, das US-Studium nur am Rande erleben. Inzwischen gibt es aber einen internationalen berufs­begleitenden Masterkurs, der diese Inhalte vermittelt (siehe http://onlinemscp.pharmacy.ufl.edu).

Fazit

Die Herausforderungen im klinischen Alltag und der stete Wissenszuwachs erfordern ohne Frage eine permanente Weiterentwicklung der universitären Ausbildung, aber auch der anschließenden Fortbildung. Sowohl die Studenten als auch die Dozenten in den USA begegnen diesen Herausforderungen mit großer Neugier und Freude, sodass alle Beteiligten den fortwährenden Wandel des Studiums als Erfolgs­modell und große Chance bewerten. Die Umstellung auf kognitiv pharmazeutische Inhalte und den Schwerpunkt Pharmakotherapie hat das Studium eher noch anspruchs­voller und wissenschaftlicher werden lassen, und gerade die universitäre Forschung hat dadurch keinen Schaden erlitten, sondern wurde um die klinischen Aspekte erweitert. |

Autoren

Johanna Weitzel, Apothekerin, Pharmaziestudium in Marburg, Praktisches Jahr an der University of Florida, USA. 2017 Zusatzbezeichnung „Geriatrische Pharmazie“, Mitarbeiterin in einer öffentlichen Apotheke in Steinfurt mit Schwerpunkt AMTS und Medikationsmanagement.

Olaf Rose, PharmD, Studium der Pharmazie an der WWU in Münster und UF in Gainesville. Forschungsaufenthalt bei Bayer, Japan, Lehrauftrag an der UF, Dept. of Pharmacotherapy & Translational Research. Apothekeninhaber, Münster und Steinfurt. Forschungsschwerpunkt: Medikationsmanagement.

Prof. Dr. Hartmut Derendorf ist Distinguished Professor und Chairman des Department of Pharmaceutics an der University of Florida in Gainesville, wo er seit 1983 Pharmakokinetik, Pharmakodynamik und Klinische Pharmakokinetik lehrt.

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