Arzneimittel und Therapie

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Medikation älterer Menschen bleibt nach erlittener Fraktur oft unverändert

ms | Arzneimittel können die Wahrscheinlichkeit für eine Fraktur erhöhen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit Osteoporose, vor allem in der Zeit nach einem bereits erlittenen Bruch. Eine amerikanische Studie untersuchte, welche Risikoarzneimittel bei Patienten in der Zeit vor und nach ihrer Fraktur verschrieben wurden. Dabei stellte sich heraus, dass nach den Frakturen die Ärzte ihr Verschreibungsmuster insgesamt nicht geändert haben.

Frakturen infolge einer Osteoporose haben in den USA eine höhere Inzidenz als Herzinfarkte, Schlaganfälle und Brustkrebs zusammen. 21% der Patienten sterben innerhalb eines Jahres nach einer Hüftfraktur, das Risiko einer erneuten Fraktur ist stark erhöht. Betroffen sind speziell ältere Menschen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist es deshalb besonders wichtig, Risikofaktoren zu erkennen und zu minimieren. Arzneimittel können sich entscheidend auf die Wahrscheinlichkeit auswirken, einen Knochenbruch zu erleiden. Unterteilen kann man Risikoarzneimittel danach, ob sie das Risiko für Stürze erhöhen, die Knochendichte senken oder über einen unbekannten Mechanismus die Gefahr eines Bruches erhöhen (siehe Tabelle). Die Einnahme dieser Risikoarzneimittel ist somit ein entscheidender Faktor für die Prognose von Patienten nach einer Fraktur. Eine amerikanische Kohortenstudie untersuchte, ob die medikamentöse Therapie bei betroffenen Patienten nach einem Knochenbruchs geändert wurde. Dazu wurden die Versicherungsdaten von 168.133 Menschen (Durchschnittsalter: 80 Jahre) mit Hüft-, Schulter- oder Handgelenksfraktur herangezogen. Betrachtet wurde, welche Arzneimittel die Patienten vier Monate vor und nach der Fraktur verschrieben bekamen. Opiate wurden separat betrachtet, da sie zur Behandlung der durch den Bruch entstandenen Schmerzen eingesetzt werden. Die meisten der untersuchten Patienten nahmen vor ihrem Bruch mindestens ein Risikoarzneimittel ein (77,1% vor ihrer Hüftfraktur; 74,1% vor ihrer Handgelenksfraktur; 75,9% vor ihrer Schulterfraktur). Nach dem Bruch wurde bei einigen Patienten die Therapie mit Risikoarzneimitteln beendet, aber bei einigen wurde die Therapie auch begonnen. Der Gesamtanteil an verschriebenen Risikoarzneimitteln blieb mit ca. 76% auch vier Monate nach dem Bruch gleich.

Tab. 1: Arzneimittel, die das Risiko für eine Fraktur erhöhen [Quelle: Munson 2016]
erhöhtes Sturzrisiko
verringerte Knochendichte
unbekannter Mechanismus
Benzodiazepine
inhalative Glucocorticoide
atypische Antipsychotika
Barbiturate
orale Glucocorticoide
klassische Antipsychotika
sedative Hypnotika
Protonenpumpen­hemmer
Schleifendiuretika
Opiate
H2-Rezeptorantagonisten
selektive Serotonin-Reup­take-Inhibitoren
Glitazone
tricyclische Antidepressiva
Antikonvulsiva
Antiparkinsonmittel
zentral wirkende Antihypertonika
Nitrate
Antianginosa
Thiazide und Thiazid-analoge Verbindungen

Die Studie zeigt, dass ältere Menschen sowohl vor als auch nach einer Fraktur mit Arzneistoffen behandelt werden, die das Risiko für einen Knochenbruch erhöhen können. Wahrscheinlich könnten einige der Folgebrüche verhindert werden, wenn das Augenmerk auf diese Risikoarzneimittel gerichtet werden würde. Kommentatoren der Studie weisen darauf hin, dass die Medikation von betroffenen Patienten daher nach einem Knochenbruch besser überprüft werden sollte, um das Risiko für Folge­brüche und somit die Mortalität senken zu können. Hierzu sei aber eine bessere Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten notwendig. |

Quelle

Munson JC et al. Patterns of Prescription Drug Use Before and After Fragility Fracture. JAMA Intern Med, published online August 2016, doi:10.1001/jamainternmed.2016.4814

Berry SD, Kiel DP. Medication Review After a Fracture-Absolutely Essential. JAMA Intern Med, published online August 2016

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